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24189 Rezensionen zu 16534 Alben von 6441 Bands.
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Anathema

A moment in time (DVD)

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006 (mit Bonus-Konzertausschnitten von 2004 (nicht in der Tracklist unten!))
Besonderheiten/Stil: live; DVD; Independent / Alternative; Metal; New Artrock
Label: Metal Mind Productions
Durchschnittswertung: 10/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Vincent Cavanagh vocal, guitar, vocoder
Danny Cavanagh guitar, vocals, keyboards
Jamie Cavanagh bass
Les Smith keyboards
John Douglas drums

Gastmusiker

Lee Cavanagh vocals
The Bacchus String Quartet

Tracklist

Disc 1
1. Shroud of False 4:36
2. Fragile Dreams 4:52
3. Balance 3:33
4. Closer 5:33
5. Lost Control 6:09
6. Empty 3:13
7. A Natural Disaster 5:55
8. Inner Silence 3:10
9. One Last Goodbye 5:47
10. Judgement 2:43
11. Panic 3:01
12. Flying 6:16
13. Angelica 5:05
14. Comfortably Numb 7:26
Gesamtlaufzeit67:19


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 2)


Eigentlich sollten Progbands am besten gar keine Live-DVDs mehr herausbringen - sie machen optisch einfach nichts her. Fast jeder verewigt sich heutzutage auf DVD, also auch die Progbands, aber der Grund leuchtet oftmals nicht ein - außer, dass es eben alle tun. Prog ist seiner Natur nach immer eher ein Medium zum Hören gewesen und die Musiker sind selten optische Leckerchen.

Aber die polnischen "Metal Mind Productions" bringen erstaunlich viele DVDs auf den Markt, wodurch das Wachsen der Progszene in Polen nachdrücklich unterstrichen wird, und dieses Wachstum führt sicher auch dazu, dass viele internationale Bands in Polen auftreten - und dabei gefilmt werden.

Anathema sind aber in diesem Sinne überhaupt keine Progband. Sie haben mit brachialem Death-Metal angefangen und sich im Laufe der Zeit mehr in Richtung Alternative bzw. New Artrock orientiert. Kurz gesagt, ihre Musik ist subtiler und atmosphärischer geworden; eine solche Entwicklung aus den Wurzeln des Death-Metal heraus ist nichts Ungewöhnliches: auch Blazing Eternity haben einen ähnlichen Weg zurückgelegt, und Opeth haben immerhin auch schon in die lauschigeren Ecken ihrer dämonischen Sumpfabgründe geschielt.

Umso neugieriger war ich darauf, einen Auftritt Anathemas auf DVD zu sehen, denn wie diese Band optisch rüberkommen mochte, davon hatte ich bisher überhaupt keine Vorstellung. Dabei ist diese DVD, die ich hier bespreche, bereits die dritte der Band, um die es ansonsten etwas ruhiger geworden ist, was neue Alben betrifft: nach ihren Überfliegern "Judgement" und "A fine day to exit" kam erstmal nichts mehr - außer dem schwächeren "A natural disaster", das unter anderem älteres Restmaterial enthält. Dabei fällt mir sofort auf, dass die Setlist der DVD erstaunliche viele Titel ausgerechnet dieses Albums aufweist; noch erstaunlicher ist die Über-Präsenz ihres älteren Albums "Alternative 4", das den ersten Schritt der Band weg vom Grunz-Metal darstellte (der Titel 'Alternative' sagt's schon), während gerade die zwei oben erwähnten herausragenden Alben neueren Datums nur schwach vertreten sind. Aber logisch ist das schon irgendwie: "Judgement" und "A fine day to exit" waren waviger, die Atmosphäre des Konzertes sollte aber offenbar metallischer ausfallen - ohne dass deswegen der Weg gleich zurück in den Grunt-Keller führen dufte, denn Grunt-Metal scheint ja mindestens so mega-out zu sein wie der Begriff 'mega-out' ;-).

Mein Problem mit dieser Musik, die im weitesten Sinne unter "Alternative" läuft, ist die etwas unpersönliche atmosphärische Kälte, die diese Bands meistens fühlbar werden lassen und die wahrscheinlich wegen der erzielten depressiven Grundstimmung unvermeidbar ist. Hinzu kommt der steril wirkende Sound, der immer irgendwie künstlich klingt und wohl auf den Alben auch so klingen soll: mit den Handwerksmeistern z.B. des Progmetal hat das rein gar nichts zu tun, und deshalb ist das meiste davon eben auch kein Prog, jedenfalls nichts, was ich mit diesem Begriff verbinde.

Die Sache ist nur die, dass eine solche Depri-Mucken-Atmosphäre eigentlich nichts für die Bühne ist, denn dort soll ja Action gezeigt werden; die Musiker sollen (und wollen!) zeigen, was sie draufhaben, die finstere und körperlose Botschaft muss zu einer griffigen und greifbaren Performance werden, und diese kommt dann eben auch an solidem Handwerk nicht vorbei.

So jedenfalls ergibt sich für mich die Analyse des Konflikts, in dem Alternative- und New Artrock-Bands stecken. Anathema haben dieses Problem allerdings für meinen Eindruck bravourös gelöst - optisch und akustisch:

Die Bühne ist breit und scheint den Zuschauer auf große Ereignisse vorzubereiten und einzustimmen. Das Licht ist grell in seinem gestochen scharfen Kontrastreichtum und zugleich angenehm in den verhaltenen Farben. Die Musiker nehmen großzügig ihre Plätze ein, sie signalisieren dadurch ein Raumgefühl, in dem sich Stimmungen frei entfalten können. Ein Streichquartett, das mit einem Klassiker von Albinoni die Show einleitet, verströmt ein Gefühl von Zeitlosigkeit, das vielleicht dem Vorurteil entgegenwirken soll, die Musik von Anathema sei nur eine flüchtig-gruftige Modeerscheinung. Und der Sound ist so breit wie bei Porcupine Tree, aber nicht so anbiedernd wie z.B. bei manchen Powermetal-Bands, die ja überhaupt immer häufiger Streicher einsetzen. Er scheint ausdrücken zu wollen: 'Gebt euch hin oder lasst es bleiben - Wir kommen euch so weit wie hier möglich entgegen, aber es ist eure Sache, was ihr daraus macht'.

Ein bezeichnendes Beispiel ist die Performance von "Balance", einem Titel des Albums "A natural disaster", der dort eher wenig auffällt, hier aber einer der Höhepunkte ist. Das liegt genau an dem oben erwähnten Effekt: ein typisches Studio-Album dieser Richtung präsentiert den Song als ein weiteres Beispiel für grummelnde Depri-Mucke, aber Live wird er zur lebendigen Headbanger-Sensation. Erst die Bilder dazu lassen die Spannung spürbar werden, die in dem Song steckt.

Aber so gut geht's nun auch nicht die ganze Zeit über ab: im Mittelteil, wenn Songs wie "Inncer silence" und "One last goodbye" gespielt werden, kommt schon ein wenig (beabsichtigter) Stillstand auf. Auf mich wirkt das wie eine angemeldete Demonstration gegen die Hektik des Lebens, aber zweifellos gehört so was zum Gesicht Anathemas dazu. Immerhin kommt zum Schluss mit dem Doppelpack "Judgement" und "Panic" der rasante Ausgleich.

Auch die Coverversion von Pink Floyds "Comfortably numb" ist recht gelungen, denn Anathema haben sicherlich vor den großen Vorbildern so viel Respekt, dass sie nicht versuchen, auf deren Werk noch eins draufzusetzen (was ja ansonsten bei Coverversionen so beliebt ist).

Wie meistens bei Metal Mind ist auch diese DVD mit dem üblichen Bonusmaterial ausgestattet; diesmal lohnt sich das sogar mal richtig: es ist nämlich noch ein Konzertausschnitt aus Krakau von 2004 dabei, und der ist von der gleichen Bild- und Soundqualität wie das Hauptprogramm (was ja bei Bonus-Footages nicht selbstverständlich ist). Auch in diesen Ausschnitten befindet sich eine Coverversion, sogar eine wirklich überraschende, nämlich der "Albatross" von Fleetwood Mac. Und danach, im Übergang zu "Fragile dreams", werden ganz kurz die bekanntesten vier Akkorde aus "Shine on you crazy diamond" angespielt. Sie können's eben nicht lassen?

Allein dieses Konzert-Fragments wegen werde ich's mir sparen, noch eine von den anderen zwei Anathema-DVDs zu kaufen. Und was diese hier betrifft: sie lohnt sich zweifellos, wenn man sich für Liveaufnahmen einer solch düster-introvertierten Band überhaupt interessiert. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass jemand aus Begeisterung über die DVD am nächsten Tag sofort losgeht, alle möglichen Alben von Anathema kauft und sich dann wundert, dass die in Studioaufnahmen ganz anders wirken?;-)

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.7.2006
Letzte Änderung: 3.3.2012
Wertung: 10/15

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Von: Kristian Selm (Rezension 2 von 2)


Schon einige Bands durchzogen inhaltliche Wechsel, die sie weit ab von dem brachten, mit dem sie ursprünglich gestartet waren. Auch Anathema, die Anfang der 90er mal als Death Metal Band begannen, fühlen sich mittlerweile viel mehr im atmosphärischen, sphärischen Rock der melancholischen Art zu Hause, auch wenn sich hier und da immer noch einige härtere Riffs wiederfinden. Netterweise stehen die Briten derzeit ohne Plattenvertrag da - da nützte es auch nichts bei Porcupine Tree bzw. HIM als Supportact aufzutreten - so dass wohl diese DVD auch dazu diesen dürfte, Geld in die klammen Kassen zu bekommen.

Doch ist der beim Metalmania 2006 mitgeschnittene, rund 70-minütige Auftritt bei Leibe keine Geldmacherei, denn sowohl die Songauswahl (mit einem Schwerpunkt auf dem 98er Album "Alternative 4" und dem letzten Output "A natural disaster"), als auch in der Bühnenpräsenz und -präsentation wird hier einiges geboten. Geschmackvolle Lightshow, zwei übergroße Bildschirme mit Einspielungen, sowie als musikalische Unterstützung ein Streichquartett - alles da, was im Wohnzimmer ein echtes Konzerterlebnis einigermaßen greifbar macht. So wechseln einige schnellere mit mehr psychedelisch getragenen Nummern ab, spielen Anathema geschickt mit Gefühlen und dynamischen Stimmungsschwankungen. Der zum Teil recht offensichtliche Pink Floyd Einfluss findet zudem in der Coverversion "Comfortably numb" seinen durchaus ansprechenden Höhepunkt.

Als weiteren Bonus gibt's noch einen kurzen Livemitschnitt aus dem Jahr 2004 (u.a. eine sehr gefühlvolle Interpretation des Fleetwood Mac Klassikers "Albatross"), sowie ein kurzes Interview, der diese durchaus kurzweilige DVD abrundet.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.1.2009
Letzte Änderung: 1.3.2012
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Anathema

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 The Silent Enigma 12.00 1
1996 Eternity 12.00 1
1998 Alternative 4 10.50 2
1999 Judgement 9.50 2
2001 A fine day to exit 12.50 2
2003 A natural disaster 9.00 3
2008 Hindsight 10.00 1
2010 We're here because we're here 8.67 3
2011 Falling Deeper 7.00 1
2012 Weather Systems 9.67 3
2013 Universal 10.00 1
2014 Distant Satellites 10.40 5
2017 The Optimist 7.67 3

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