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Kraftwerk

Radio-Aktivität

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1975
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik
Label: EMI
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Ralf Hütter Stimme, Elektronik
Florian Schneider Stimme, Elektronik
Karl Bartos Elektronisches Schlagzeug
Wolfgang Flür Elektronisches Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Geigerzähler 1:04
2. Radioaktivität 6:44
3. Radioland 5:53
4. Ätherwellen 4:53
5. Sendepause 0:15
6. Nachrichten 1:31
7. Die Stimme der Energie 0:54
8. Antenne 3:54
9. Radio Sterne 3:38
10. Uran 1:24
11. Transistor 2:15
12. Ohm Sweet Ohm 5:40
Gesamtlaufzeit38:05


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Mit "Radio-Aktivität" wechselten Kraftwerk vollständig zu elektronischer Instrumentierung, nachdem ihre vorhergehenden Alben noch zu einem Großteil mit elektronische verfremdeten konventionellen Instrumenten enstanden. Der Titel des Albums ist bewusst doppeldeutig gehalten, es geht sowohl um Kernkraft als auch um Radiotechnik (siehe Coverabbildung, die einen "Deutschen Kleinempfänger" aus den Dreißigern zeigt).

Das monotone, schneller werdende Ticken von "Geigerzähler" leitet direkt über in den Titelsong, dessen geradezu magische Aura den Hörer sofort in seinen Bann zieht. Der auch heute noch futuristische Klang dieses sehr eingängigen Songs bildet einen interessanten Kontrast zu dem eher nostalgischen Design des Covers. Der Kraftwerk-typische minimalistische Text, abwechselnd in Englisch und Deutsch, wie auf den meisten Songs dieses Albums, spielt mit den beiden oben erwähnten Interpretationen des Begriffs "Radioaktivität". Teilweise wurde der Text als Pro-Atomkraft-Statement fehlinterpretiert, was von Kraftwerk nicht beabsichtigt war und in einer neuen Version des Songs (auf dem 1991 erschienenen "The Mix") deutlicher formuliert wurde.

"Radioland" ist mit einer sehr minimalistischen Melodie versehen, dazu trägt eine monotone Stimme einen in altmodisch klingenden Versen ("durch Tastendruck in Blitzesschnelle / erreichen wir die kurze Welle") geschriebenen Text vor. Wieder der Kontrast zwischen Nostalgie und Futurismus.

"Ätherwellen" und "Antenne" sind mit ihren beschwingten Melodien vielleicht die ersten Synthie-Pop Stücke überhaupt, sie zeigen den Stil, den Kraftwerk einige Jahre später mit "Die Mensch-Maschine" etablieren sollten und der dann in den Achtzigern von zahlreichen Bands kopiert wurde. "Sendepause" und "Nachrichten" enthalten genau das, was die Titel vermuten lassen: ersteres ein kurzes Tonsignal, mit dem früher kurze Pausen im Radio überbrückt wurden (gibt es sowas überhaupt noch?), letzteres ist eine Collage aus verschiedenen Nachrichtensendungen.

"Die Stimme der Energie" und "Uran" bestehen fast nur aus gesprochenem Text, vorgetragen von einer roboterhaft klingenden Stimme, ein weiteres Markenzeichen von Kraftwerk. "Radio Sterne" ist dann Minimalismus auf die Spitze getrieben: über einem fast schon nervtötenden, ständig sich wiederholenden Oszillatorton liegt ein Wechselgesang menschlicher und elektronischer Stimmen. Das extremste und experimentellste Stück dieser Platte. Zwei leichtere, größtenteils instrumentale Stücke, "Transistor" und "Ohm Sweet Ohm" beschließen dieses bemerkenswerte Album.

Anspieltipp(s): Radioaktivität, Radioland, Antenne
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.5.2002
Letzte Änderung: 9.10.2003
Wertung: 12/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 2)


Radio-Aktivität ist ein faszinierendes Album. Nicht nur, weil es faszinierende Musik enthält, sondern auch, weil es Erinnerungen weckt und Stimmungen aufleben lässt. Faszinierend für mich als Kind der 70er Jahre, der ich als Dreikäsehoch abends im Bett lag, neben mir ein kleines analoges Radio, mit dem man UKW, MW, LW und SW empfangen konnte. Am interessantesten waren nicht die klaren, klanglich sauberen UKW-Sender, sondern die Bereiche zwischen den Sendern, das Eurosignal am Anfang der UKW-Skala und die scheinbar aus einer anderen Welt kommenden Stimmen und Töne der Kurz- Mittel- und Langwellensender. Da schallten einem Sprachen entgegen, die man nicht kannte, unbekannte Musikstile, unverständliche dumpfe Wortfetzen, atmosphärische Störungen. Aus unbekannten Ländern und Städten, von Sendern mit seltsamen Namen. Das was da aus dem Lautsprecher kam war mystisch, mysteriös, unglaublich und irgendwie auch unheimlich. Ich konnte stundenlang zuhören, immer und immer wieder.

Das Radio war eine magische Kiste, die einem Dinge in die eigenen vier Wände brachte, die man als Kind wahnsinnig cool fand; ich zumindest. Und auf Radio-Aktivität findet sich diese Magie wieder.

Das Faszinierende ist dabei ausserdem, dass die Platte damals eigentlich total modern war. Die komplett elektronischen Sounds, die Art der Musik, die monolithischen Textfetzen. Heute wirkt sie für mich wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Kollege Jochen schreibt, dass auch Nostalgie in den Stücken stecke. Ist das wirklich so? Ist das nicht vielmehr unsere heutige Betrachtung? Der "Tastendruck in Blitzesschnelle" war damals State-of-the-Art. Und Heute? Wenn man überhaupt noch Radio hört, dann digital oder im "Netz". Analoges Radio, Schallplatten oder Musikkassetten sind heute etwa so sexy wie Latzhosen. Tastendruck? Pustekuchen. Heute erledigt das Siri voice-gesteuert oder ein Wisch auf dem Touchscreen.

Die Musik fasziniert durch ihre repetitiven Figuren, die monotonen Gesangsparts, die elektronischen Sounds, die man so heute nicht mehr wagen würde, die Roboter-Sprachfetzen. Das Gefiepe, Geblubber, Ge-oszilliere und Geklopfe teleportiert mich jedesmal 40 Jahre zurück. Ein weiterer Meilenstein der elektronischen Musik.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.10.2016
Letzte Änderung: 13.10.2016
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Kraftwerk

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1971 Kraftwerk 1 11.67 3
1972 Kraftwerk 2 9.00 3
1973 Ralf & Florian 10.50 4
1974 Autobahn 12.00 3
1977 Trans Europa Express 12.00 2
1978 The Man-Machine 12.00 1
1981 Computer World 11.00 1
1986 Electric Cafe 8.00 2
1991 The Mix 8.50 2
1999 Tour de France (Single) 11.00 1
1999 Expo 2000 (Single) 7.00 1
2003 Tour de France Soundtracks 8.00 1
2004 Aerodynamik (Single) - 1
2005 Minimum-Maximum 9.67 3
2005 Minimum - Maximum (DVD) 11.50 2
2009 Der Katalog 13.00 2
2017 3-D Der Katalog 13.00 1
2017 3-D Der Katalog (BluRay-Boxset) 14.00 1

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