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Zauss

Neulich neben der Grenze

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; RIO / Avant
Label: Fazzul Music
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Francesco Zago el.Gitarre
Markus Stauss Sopran Saxophon

Tracklist

Disc 1
1. Senza eleganza 12.47
2. Nuages 6.50
3. Short breath 6.49
4. Sülz 7.02
5. Rondo senza un centro 9.55
6. Heartbeat 9.02
7. Immer grüner 3.16
8. Spastic blues 6.21
9. Tremori 2.54
Gesamtlaufzeit64:56


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Als nicht besonders elegant bezeichnen die Herren Zago (The Night Watch) und Stauss (beide übrigens auch bei Yugen zu hören) ihre erste gemeinsame Improvisation. Stimmt: da sind punkig-arythmische Gitarrenakkorde, die sich dann unvermittelt in düstere Ambientflächen, jaulende Feedbacks, frippig schneidende, minimalistische Solos und lyrische Soundscapes verwandeln. Ein Tripp bis an die Grenzen und dann wieder zurück. Der Saxspieler folgt diesen Verwandlungen mit wechselndem Erfolg. Ein alleine schon aus instrumententechnischen Gründen oft ungleiches Duo. Gegen Ende von "Senza eleganza" wird der Saxophonist von seinem Mitstreiter alleine gelassen und wartet dann gespannt auf die immer wieder zurückkehrenden anarchistischen Gitarrenschleifen. Kein elegantes, dafür aber ein faszinierendes Eröffnungsstück.

Ähnlich, wenn auch nicht immer genauso spannend, geht es dann weiter. Es sind auch öfters die zurückhaltenden Einfälle, an der Grenze zwischen Spannung und Innehalten, die den Ton auf "Neulich neben der Grenze" bestimmen.

In "Nuages" geben sich die beiden Musiker melancholisch, wobei ständig etwas Bedrohliches mitschwingt.

"Short breath" bietet atonal-avantgardistische Gitarrenloops zwischen lyrisch und aggressiv. Natürlich mit hierzu passenden Saxsolos. Die Vorlagen des Herrn Zago sind eine denkbar schwierige Aufgabe für alle potenziellen Duopartner oder musikalische Begleiter.

In "Rondo..." und " Spastic blues" wirken Sopran Sax und elektrische Gitarre wie gleichberechtigte Dialogpartner, die sich zu einem Zwiegespräch auch schon mal vortasten müssen.

Es gibt hier ausser Improvisationen angeblich auch zwei Stücke mit vorher festgelegten Einfällen: "Hearbeat" und "Immer grüner". Im Falle von "Hearbeat" kann nur das eröffnende Saxophonthema vorher komponiert worden sein. Es folgen nämlich Duo-Improvisationen von temperamentvoll bis ambientartig, die kaum durchkomponiert sein werden. Was genau in "Immer grüner" durchkomponiert ist (das Stück klingt wie die übrigen Gitarre/Soundscapes-Sax-Improvisationen) vermag ich nicht zu sagen.

"Neulich neben der Grenze" präsentiert ein grenzgängerisches Progfusion-Soundscapes-Ambient-Avantgarde-Duo der Extraklasse.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.2.2007
Letzte Änderung: 3.2.2007
Wertung: 11/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Im Herrschaftsbereich des oft stark formalisierten Progressive Rock mit freien Improvisationen konfrontiert zu sein, wirkt immer verunsichernd. Fragen, die man wie selbstverständlich an komponierte Musik richtet, werden hier unbeantwortbar, ja gegenstandslos. Was ist das für ein Stil? Worum geht es? Welchem Zweck dient das? Wo soll das hinaus? Warum zitiert der Peer Gynt? Beherrschen die ihre Instrumente? Gefällt mir das? Ist es gut?

Wenn man die Dinge nicht so auf den Punkt bringen will wie mein Vorredner, formuliert man Banalitäten: Zago und Stauss bilden weiche tiefe, hohe schneidende Klänge. Oder man redet sich mit Metaphern heraus: Die Instrumente sind launisch, sie fragen und antworten einander, die Musiker werfen einen Ball hin und her. Letztlich werden solche Bilder nur deshalb aufgeworfen, weil man insgeheim spürt, dass man auf seine Fragen keine Antworten bekommen wird. Und antwortlose Fragen können ungemein verunsichern.

Also gleich die schwierigste: Ist das gut, was Zago und Stauss hier machen? Wie höre ich das heraus bei einer Musik, die jenseits von Rhythmus, jenseits von Melodie besteht. Tut sie das überhaupt? Natürlich nicht. Denn die schwebenden, jaulenden, kratzenden Töne bilden natürlich Melodien, das tun Töne gezwungenermaßen. (Oder?) Ist das gut? Wie messe ich das? An anderen Improvisationen? Das wäre absurd. Gibt es also gar keine schlechten Improvisationen? Musiker, die nicht improvisieren können, sind mehr als vorstellbar. Zago und Stauss gehören nicht dazu. Woran merkt man das? Daran, dass sie es schaffen, eine ganze CD mit ihren schwermütigen, spielerischen und abenteuerlichen Ideen vollzubekommen? Shit, Metaphern. Daran, dass sie den Hörer andauernd mit neuen Wendungen überraschen? Daran also, dass sie es können?

Rezensionen zu improvisierter Musik drehen sich irgendwie immer im Kreis. Ähnlich wie die Improvisation verweisen sie vor allem auf sich selbst: So auch der Titel dieses Albums, "Neulich neben der Grenze": Wo ist das? Wann? Und wichtiger: Was war da denn neulich neben der Grenze? - So wie Improvisation eine Kunst ohne Werk ist (das hat der legendäre Derek Bailey mal geschrieben), sind die entsprechenden Rezensionen Texte ohne Inhalt. Man kann lediglich diese Fragen immer wieder reformulieren, die Fragen, die gute Improvisationen immer aufwerfen.

Anspieltipp(s): Beckenbauer im Mittelfeld
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.3.2011
Letzte Änderung: 4.3.2011
Wertung: 12/15
Wunderschön

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Zauss

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 überall in terra straniera borders beyond 11.67 3
2012 notturno leise im Wind 12.00 4
2014 Diafonia Leitmotiv Waves 11.33 4
2017 Trittico Immer All Over 11.67 5

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