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Novalis

Sommerabend

(Siehe auch: Leitfaden "Deutscher Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1976
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Brain
Durchschnittswertung: 8.75/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Detlef Job Gitarre, Gesang
Heino Schünzel Bass, Gesang
Lutz Rahn Keyboards
Hartwig Biereichel Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Aufbruch 9:37
2. Wunderschätze 10:37
3. Sommerabend

1. Wetterleuchten 3:50
2. Am Strand 4:20
3. Der Traum 3:50
4. Ein neuer Tag 4:25
5. Ins Licht 1:52

18:17
Gesamtlaufzeit38:31


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 4)


Die Hamburger Formation Novalis benannte sich nach dem Pseudonym des frühromantischen Dichters Friedrich Freiherr von Hardenberg (1772-1801), dessen Gedichte sie auch bisweilen vertonten. Dem einen oder anderen ist vielleicht aus dem Deutschunterricht noch das Symbol der "blauen Blume" bekannt; dies geht auf eine Erzählung von Novalis zurück.

Novalis war eine der wenigen deutschen Prog-Gruppen, die - zwar nicht von Anfang an, aber immerhin ab ihrem zweiten Album - konsequent deutsche Texte verwendeten. Ihr musikalisches Konzept beschrieben sie als "romantische Rockmusik".

"Sommerabend" gilt neben dem 75er Album "Novalis" als ihr bestes Werk. Es wird von mächtigen Keyboard-Teppichen dominiert, die Gitarre erinnert ein wenig an Andy Latimer, so dass man diese Platte, vor allem die Titel "Aufbruch" und "Sommerabend" am ehesten vielleicht mit Camels "Mirage" vergleichen kann. "Wunderschätze", die Vertonung eines Novalis-Gedichts, erinnert dagegen im Aufbau an "In the Court of the Crimson King".

Für mich eine der interessantesten Veröffentlichungen des deutschen Prog.

Anspieltipp(s): Aufbruch
Vergleichbar mit: Camel, frühe King Crimson
Veröffentlicht am: 9.5.2002
Letzte Änderung: 9.8.2004
Wertung: 11/15

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Von: Holger Grützner @ (Rezension 2 von 4)


Wenn du in einer Domstadt aufwächst, täglich an historischen Friedhöfen vorbei mußt und praktisch alle Ausflüge in die Umgebung an irgendeiner Burgruine enden, dann bist du empfänglich für historisch angehauchten Rock. Du bleibst sogar tapfer auf Kurs, obwohl Reinfälle, wie der oben beschriebene, dazu angetan sind, dich vom Wege abzubringen. Ich blieb novalisinteressiert. So geriet mir nach meiner Doppelkaufpleite geborgtermaßen mal „Sommerabend" in die Finger. Das muß so um '86 gewesen sein.

Seitdem frage ich mich, wieso diese Platte so einhellig gelobt wird.

Alles, was vor der Wende dem Rundfunk und nach der Wende Katalog- und Internetbeiträgen zu entnehmen war, ist dermaßen positiv, dass man glauben könnte, es tatsächlich mit deutschen Gegenstück zu Camels snow goose o. ähnlichem zu tun zu haben. Naja, für Seite1 könnte man das irgendwie gelten lassen, aber gerade „Wunderschätze", einer der gelungensten Novalistitel überhaupt, wird nie näher erwähnt. Der lange Riemen der ehemaligen B-Seite, der Teitelträck, hat's den Rezensenten angetan. Nach den beiden lautmalerischen Rohdiamanten der A-Seite ist die B-Seite jedoch einfach Ausschuß.

Hier der Vergleich:

„Wunderschätze" basiert auf einem Orginalgedicht des echten Novalis und immer, wenn die Band auf soetwas zurückgreifen konnte, gelang es ihr, Gehörgangkrebs erzeugende Totalausfälle zu vermeiden. Obwohl hier noch der Mühlböck fehlt, ergänzen sich die beiden Stimmen von Job und .....? (welcher der anderen 3 mag es sein?) perfekt und auch das Versmaß stimmt. Tempiwechsel geschehen nicht nach dem Motto: Hier fiel uns nichts mehr ein, abrupt und somit irritierend, sondern werden z.B. durch Fortführung eines Leitmotives des einen oder anderen Instrumentes verknüpft.

In „Sommerabend" dagegen wird wild drauflosgestümpert. Musikalische Menschen muß dieser Gesang einfach stören: Inhaltlicher Schrott in mißlungenen Metaphern und Tönetreffen ist Glücksache.

Kostprobe:

„...durch die Saiten seiner Brust/ weht ein warmer Sommerwind..." Wer das booklet nicht zur Hand hat, hört nur „Seiten seiner Brust" .....???? Liegt da ein Kadaver? Darauf, dass musikalische Saiten gemeint sein könnten, enthält die Strophe keinen weiteren Hinweis. „...das leise Flüstern der Meereswogen/ erlahmt seine Glieder geschwind..." What about Satzbezug? Man kann jemanden erlahmen lassen, aber ihn nicht erlahmen.

Laut booklet hätte es sogar „...erlähmt..." heißen sollen!

Hä? Erlähmt? Da ertaubt man ja spontän. Das gehte ja noch unguter!

Echte Romantiker vom Schlage Hardenbergs hätten sich nach solchen Fehlern sofort erschossen.

Ganz schlimm ist dann der Part d). Ein neuer Tag, der den textlichen Tiefpunkt darstellt:

Versmaß? Was ist das? Obendrein wird hier auf gut 4 Minuten die Komposition versaut.

1. Nach schönem Start und einer ersten Hälfte, die musikalisch wie eine Vorstudie zu Eloys „Ocean" klingt, bricht mit der Episode „Ein neuer Tag" ein stümperhaftes Unwetter über den Hörer herein, als würden Pink Floyd mitten in „Shine on you crazy diamond" plötzlich losschrammeln „I-like-it-I-like-it-I-lei-lei-like-it-all-oooover-rockin'-all-over-the-world", um dann wieder abrupt ins eigentliche Stück zurückzukehren.

Das ist kein Prog. Das ist Murks!

2. Der Text des gesamten Stückes ist auf Anspruch gequältes Poesiealbumgereime, zum Teil fernab jeglichen Versmaßes. Kostprobe: „...Die Zukunft sieht er nun

In die dunkle Nacht gehüllt

Eine Stimme von fernher hallt

Die Zeit ist nah zu handeln bald*

Der Tag ist wie die Nacht

Der dich trübselig macht

Willst du in Freuden leben

Mußt du auch Liebe geben...*"

*(Zusätzlich besonders furchtbar gesungen)

Davor und danach klingt das Ganze nach Eloy/Jane, wenn man es schafft, Gesang und Text zu überhören.

Fazit: Die ersten beiden Stücke dieser Platte kombiniert mit den besseren Stücken der „Augenblicke"LP hätten genau die perfekte Novalisplatte ergeben, die es -leider- nie gab.

(Juli 2001)

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.5.2002
Letzte Änderung: 31.5.2002
Wertung: 7/15

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Von: Jochen Lohr @ (Rezension 3 von 4)


So ganz kann ich den Sommerabend-Hype auch nicht nachvollziehen. Musikalisch stoßen Novalis recht schnell an ihre Grenzen. Natürlich gibt es genügend Bands, die auch mit weniger ausgeprägten instrumentalen Fähigkeiten hervoragende Alben schreiben, nur haben Novalis das Problem, sich anscheinend keinen guten Sänger/Texter leisten zu können. So ist die Gedichtinterpretation "Wunderschätze" noch recht gelungen, wenn ich die Melodie auch als etwas schlicht bezeichnen würde. Was sich Novalis auf dem seitenlangen Werk "Sommerabend" dann allerdings erlauben, ist schon absolut unglaublich. Holger trifft meine Meinung da voll. Zudem ist das Stück durch deutlich übetriebene Themenwiederholungen künstlich in die Länge gestreckt.

Bleibt immerhin die durchaus passable erste Seite des Albums, die das Album aber auch nicht retten kann.

Anspieltipp(s): Aufbruch, Wunderschätze
Vergleichbar mit: Pink Floyd, Camel
Veröffentlicht am: 4.8.2003
Letzte Änderung: 4.8.2003
Wertung: 6/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 4 von 4)


Sommerabend-Hype? Wenn man die Kritiken auf dieser Seite liest, wird man wohl kaum davon sprechen können... Novalis verstehen es meines Erachtens auf dieser Scheibe musikalisch wie textlich eine schön verträumte Stimmung zu erzeugen.

Dabei legt der Opener Aufbruch instrumental ganz ordentlich los. Schönes Orgelspiel, rockige Gitarre, überhaupt sehr prog-rockig (von wegen ruhig!); und doch erstaunlicherweise von der Gesamtstimmung her gesehen phantasievoll-träumerisch. Handwerkliche Schwächen höre ich als Laie ohne absolutes Gehör ehrlich gesagt nicht...

Wunderschätze: altertümelnder Text (von Novalis eben...), mit jammervoller Stimme kongenial rübergebracht. Klingt natürlich ziemlich krautrockig der Gesang (dito bei Sommerabend), auch wenn's kein Bornemann-Englisch ist. Eindrucksvoller wird's, wenn mehrstimmig gesungen wird. Schleppendes Midtempo in den Strophen mit Keyboardsound unterlegt. Die Keyboardpassagen haben bisschen was von Genesis oder Camel. Schönes Orgelspiel wiederum. Absolut kurzweilig, ohne Füllsel.

Bis hierhin also ein ziemlich gelungenes Album. Der Titelsong jedoch verdient schon ein paar kritische Worte. Nach etwas langwierigem, gemächlichen Einstieg - sehnsuchtsvoller Blick zum Horizont am Meeresstrand (oder so) -, kommt der Gesang; ähnliches Feeling wie bei Wunderschätze. Schöne Einlage am Keyboard, das an einer Stelle nach sehnsuchtsvoller Flöte klingt. Der Song zieht sich aber schon etwas hin; genau dann aber, wenn man denkt, dass jetzt doch mal allmählich was passieren muss, setzt eine Syntiefanfare ein und es rockt passend zum Text (Status Quo höre ich da aber beileibe nicht raus...). Danach kommt noch ein elegischer Ausklang. Kein wirklich großer Wurf für einen Song, der immerhin die Hälfte des Albums ausmacht, aber auch nicht schlecht gemacht.

Insgesamt ist SOMMERABEND ein wirklich angenehmes Album, das es versteht eine verträumt-nachdenkliche Stimmung zu erzeugen. Jenseits von Hype und überkritischem Verriss.

Anspieltipp(s): Wunderschätze
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.8.2003
Letzte Änderung: 13.3.2012
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Novalis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Banished Bridge 9.00 4
1975 Novalis 8.75 4
1977 Brandung 8.50 2
1977 Konzerte 10.00 2
1978 Vielleicht bist du ein Clown? 12.00 1
1979 Flossenengel 11.00 2
1981 Augenblicke 9.50 2
1982 Neumond 4.00 1
1983 Sterntaucher 8.00 1
1984 Bumerang 5.00 1
1985 Nach uns die Flut 2.00 1
1993 Novalis lebt! 8.00 1
2009 Letztes Konzert 1984 6.00 1
2017 Schmetterlinge 13.00 1

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