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Glass Hammer

Culture of Ascent

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2007
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Arion Records
Durchschnittswertung: 8.8/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Steve Babb basses, pipe organ, percussion, mellotron, piano, harp, loops, programming, mini-moog, backing vocals
Fred Schendel keyboards, pianos, organs, mellotron, additional synths, loops, programming, acoustic guitar, string arrangements, backing vocals
David Wallimann guitars
Matt Mendians drums
Susie Bogdanowicz vocals

Gastmusiker

Rebecca James violin
Susan Whitacre viola
Rachel Beckham cello
Jon Anderson vocalizations
Eric Parker acoustic guitar
Robert Streets backing vocals
Sarah Snyder backing vocals
Haley McGuire backing vocals

Tracklist

Disc 1
1. South Side of the Sky   (Yes-Coverversion) 9:24
2. Sun Song 9:33
3. Life by Light 7:29
4. Ember without Name 16:33
5. Into thin Air 19:14
6. Rest 6:33
Gesamtlaufzeit68:46


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 5)


"Culture of ascent" - Der Albumtitel klingt fast so, als meinten Glass Hammer damit die Kultur ihres eigenen Aufstiegs. Wenn man die Ankündigungen dieses (ihres zehnten) Albums verfolgt, entdeckt man allenthalben die Kennzeichen von Supergroup-Allüren: Jon Anderson und eine Yes-Coverversion sind auf dem Album, eine edle Verpackung ist um das Album herum, das Coverbild soll den Fan erneut vor Staunen stumm machen - soweit die Infos, die längst jeder über dieses Album haben kann, auch wenn er noch keinen Ton davon gehört hat.

Ich habe es inzwischen gehört, anfangs vor allem aus Traditionsgründen - Glass Hammer ist eine der vielen Bands, an denen ich irgendwie hängen geblieben bin, was bedeutet, dass ich nicht alles von ihnen mag, dass mich aber alles von ihnen neugierig genug für eine Anschaffung macht.

Und nun kann ich sagen: Noch kein Album dieser Band hat bei mir einen so prickelnden Eindruck hinterlassen wie dieses. Dieses Album ist spannend, aber wie sich die Spannung zusammensetzt, lässt sich kaum auf eine Art beschreiben, die ihrerseits spannend bleibt. Aber andererseits muss ja auch nicht immer alles spannend sein, was ich schreibe...;-)

Fest steht jedenfalls, dass Glass Hammer diesmal für meinen subjektiven Geschmack alles richtig machen. Das fängt mit der Produktion an: wenn ich dieses Album ohne Kenntnis seiner Herkunft gehört hätte, wäre ich kaum darauf gekommen, von wem das ist. Was mich an Glass Hammer nämlich immer gestört hat - blecherne Produktion, gequetschte Vocals und Über-Dominanz schriller Keyboards - ist jetzt völlig überwunden. Das liegt speziell auf diesem Album daran, dass die Keyboardlinien dünner geworden sind und sich eher in sorgsam geknüpften Kordeln als in ganzen Teppichen ausbreiten - und dass ihnen ein kraftvoller Unterbau entgegensteht, den der Bassist gekonnt fabriziert. Beide eben genannten Spuren weisen eindeutig und gewollt zum Vorbild Yes: es kommt eine Kirchenorgel zum Einsatz ("Awaken" lässt grüßen), und der Bass eifert Chris Squire nach, was solch filigran gewebter Musik nur gut tun kann.

Unterstützt wird dieses Konstrukt z.T. durch fetzige Gitarrensoli und gelegentliche 'moderne' Sound-Samples, aber auch durch diverse Streicher - an sich nichts Neues bei Glass Hammer, in diesem Fall aber doch, denn zum ersten Mal in der Band-Diskographie wird dabei jeglicher Sound-Schmalz vermieden, und was im Endeffekt herauskommt, ist ein fast kammermusikalischer, aber dennoch symphonischer Prog mit gekonnt dosierten Härten - eine Mischung, die ich dieser Band nie zugetraut hätte.

Auch die oft angekündigte Mitwirkung von Jon Anderson fügt sich in dieses Konzept ein. Sein Beitrag ist denn auch nicht im Booklet als 'Vocals', sondern als "Vocalization" ausgewiesen, was durchaus Sinn macht: den Tracks 1 und 3, in denen er dabei ist, gibt er durch Hintergrund-Harmonien einen fast geisterhaften Reiz, aber er dominiert in keinem Moment den Gesang von Carl Groves bzw. Susie Bogdanowicz. Sein Beitrag wirkt wie eine Yes-Spukerscheinung im Kontext eines ebenfalls Yes beschwörenden Soundbildes aus Orgel und Bass - einfach nur genial! - Und was ich Jon Anderson richtig hoch anrechne, ist diese Zurückhaltung, wie er völlig ohne Selbstdarstellung sein unverwechselbares stimmliches Markenzeichen ganz in den Dienst einer anderen Band und deren eigener musikalischer Welt stellt - der Mann scheint ja wirklich nach seinen oft besungenen mitmenschlichen Idealen zu leben.

Der Spagat zwischen Prog-Symphonik und Prog-Kammermusik äußert sich durchaus unterschiedlich in den jeweiligen Tracks. So hat "Sun Song" fast eine gewisse spacige Hippie-Atmosphäre neben starker Gitarre; "Life by light" ist das am meisten ätherisch geratene musikalische Seidennetz des Albums; die folgenden beiden Longtracks brauchen ihre Zeit, bis sie sich im Ohr entfalten, aber wenn sie es geschafft haben, erschließt sich ihr Reiz, der aus dem Kontrast verwandten Themenmaterials resultiert - der lange Rahmen ist hier nötig, damit die Themen glaubhaft zwischen minimalistischer und fast metallastiger Darbietungsform hin- und herpendeln können. Insofern lohnen sich die Longtracks mehr, als sie während der ersten Hördurchgänge zu versprechen scheinen (ich erwähne das, weil sich im Prog seit einiger Zeit die Unsitte verbreitet, Longtracks als Selbstzwecke wie selbstverständlich einzusetzen - ich erinnere da vor allem an das Flower-Kings-Umfeld)...

Aber trotz aller Vorzüge dieses Albums verstehe ich eines nicht: wieso haben die angesichts so starker Musik ausgerechnet eine Coverversion als Opener eingesetzt? Wenn nun einer ohne Kenntnis des Albums auf die Tracklist guckt, könnte er ja glatt denken, die wollen nur gleich beim ersten Anspielen punkten und hatten ansonsten keine eigenen Ideen. Zwar wird durch diesen Coversong das Album im Ganzen keineswegs schlechter (zumal - wie erwähnt - sein Cover-Stil perfekt ins Gesamtkonzept passt), aber als geschickte Strategie würde ich seine Positionierung nicht gerade bezeichnen.

Und ich habe zum Schluss noch eine strenge Warnung auszusprechen: Wer als neuer Fan auf dieses Album anspringt, sollte sich trotzdem nicht gleich den ganzen Backkatalog von Glass Hammer anschaffen - obwohl der seit einiger Zeit für Dumpingpreise zu haben ist, was aber eher auf großes Angebot denn auf große Nachfrage schließen lässt, was wiederum jeder für sich interpretieren sollte, ich halte mich da vornehm zurück (;-). Auf jeden Fall kann jeder Nicht-Kenner der bisherigen Werke von Glass Hammer davon ausgehen, dass die GANZ ANDERS (wenn auch nicht unbedingt schlecht) sind und nicht ohne vorheriges Reinhören blind (bzw. taub) gekauft werden sollten.

"Culture of ascent" dagegen: DAS Album könnte zum Meilenstein des neueren Retroprog werden. Und wenn nicht, ist es m.E. auf jeden Fall eins der großen Prog-Highlights des Jahres 2007 - und der bisherige Höhepunkt im Schaffen dieser Band.

Anspieltipp(s): "Life by light" - und einfach davonschweben...
Vergleichbar mit: ...einem gepflegten und frisch renovierten Spukschloss, in dem aber noch immer der Geist von Yes umgeht - und sich gelegentlich als Jon Anderson zu rematerialisieren droht - Was sich zum Glück als leere Drohung erweist...;-)
Veröffentlicht am: 29.10.2007
Letzte Änderung: 15.7.2012
Wertung: 11/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 5)


Tja, da will man eine Rezension schreiben... und dann steht sie schon da. Kollege Henning beschreibt sehr treffend das neue Album der Amerikaner Glass Hammer und kommt im Großen und Ganzen zu einer ähnlichen Einschätzung wie ich. Also werde ich mich versuchen kurz zu fassen und vielleicht ein paar Unterschiede herauszustellen.

Mit "Culture of Ascent" legen Glass Hammer ihr zehntes Studioalbum vor. Glass Hammer beschäftigen sich darauf mit der musikalischen Umsetzung des Buches "Into Thin Air" von Jon Krakauer (deutsche Ausgabe: "In eisigen Höhen"), in dem Krakauer das dramatische Scheitern einer Mount Everest-Expedition beschreibt, bei dem er selbst nur knapp mit dem Leben davon kommt. Und hier erhebt sich der einzige wirkliche Mecker: So eine Geschichte verlangt nach dramatischer, verzweifelter, düsterer Musik und das ist nun so gar das Metier der Amerikaner. Aus dieser Warte betrachtet muss man glatt ein "Thema verfehlt" konstatieren. Aber die Weite des Himalaya und die kühle Eleganz der Achttausender fangen Glass Hammer ganz gut ein.

Mutigerweise starten Glass Hammer mit einem Yes-Cover in das Album. Noch mutiger wäre vielleicht "Heart Of The Sunrise" gewesen, aber auch das sanft modernisierte und 'glasshammerisierte' "South Side of the Sky" dürfte genug Diskussionsstoff bieten. Ich finde diese Version sowohl charmant als auch elegant. Noch dazu ist dieser Start ein deutliches Signal für ein Album, welches glatt ein verschollenes Yes-Werk sein könnte. Die Gitarrenarbeit, der rumpelnde Bass, die Vokalharmonien, gerade bei Chorpassagen, die Kirchenorgel das ist alles so deutlich Yes, das man manchmal schon nochmals auf das CD-Cover schauen möchte, nein, sind doch Glass Hammer. Jon Andersons "geisterhafte" Auftritte im Hintergrund (Hennings Bild vom fast materialisierenden, durchsichtigen Anderson triffts genau) tun ihr übriges. "Culture of Ascent" schwebt irgendwo zwischen Fragile und Going For The One.

Das es zu dem mit "Lex Rex" (den Sonderling "Chronometree" lassen wir mal aus der Wertung) das beste Album der Amerikaner ist, liegt vor allem daran, dass die Chefs Schendel und Babb hier ihren Hang zu Übertreibung und Kitsch wieder besser im Griff haben, als bei den beiden Vorgängeralben. Die Keyboards kleistern nicht alles zu, sondern folgen eher schon filigranen Melodielinien. Davon profitieren besonders die Streicher, die erstmalig nicht im Soundbrei unterzugehen drohen, sondern ganz im Gegenteil immer wieder bezaubernde Einsätze haben und prominent im Klangbild stehen. Das Cover habe ich ja schon gelobt, aber auch die Eigenkompositionen können überzeugen. Die Longtracks wirken stimmig und haben kaum Längen, sondern überzeugen mit griffigen Spannungsbögen. Gerade "Ember Without Name" spielt schön mit Stimmungen und Dynamiken. Nur das ätherische "Life By Light" ist mir ein bisschen zu verträumt geraten.

Und der französische Gitarrist Wallimann sorgt bei seinem ersten Auftritt auf einem Glass Hammer-Studioalbum dafür, das endlich auch Gitarren hier zu ihrem Recht kommen. Wallimann greift durchaus mal kräftiger in die Saiten, leistet sich moderates Gefrikel und sorgt so für ein rauhes Moment in der Musik von Glass Hammer, welches bisher einfach nicht da war.

Auch hat sich Carl Groves inzwischen in die Band integriert und macht seinen seltsamen Auftritt von der "Live At Belmont"-CD vergessen. Er singt engagiert und druckvoll, das macht Spaß. Zusammen mit Susan Bogdanowicz bildet er ein starkes Vokal-Duo.

Fazit: Ein überraschend gutes Album von einer Band, die mit ihren letzten Alben schon völlig im Kitsch zu versumpfen drohte. Kurve bekommen und tolles Material abgeliefert. Retro-Fans sollten begeistert sein... war überhaupt ein gutes Jahr für sie bisher.

Anspieltipp(s): Ember Without Name
Vergleichbar mit: Yes
Veröffentlicht am: 30.10.2007
Letzte Änderung: 8.5.2013
Wertung: 11/15

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Von: Jürgen Gallitz-Duckar @ (Rezension 3 von 5)


Die Archetypen des YES-Clone-Rocks schlagen wieder zu! Die US-Amerikaner GLASS HAMMER, die großen Meister des Opulent-Progs, beehren die Fangemeinde. Und wer's noch nicht gemerkt hat, "Culture Of Ascent" ist bereits das zehnte Album und neunte Studiowerk der fleissigen Tastenfreaks. Steve Babb und Fred Schendel, beide in erster Linie Keyboarder, führen hier den Hammer und das war bisher immer ein eindeutiger Fingerzeig, welch Sound den werten Hörer erwartete.

Geändert hat sich dies nun nicht gerade, ergänzt wurde der Klang aber dieses Mal. David Walliman heißt diese Ergänzung an der Gitarre (wurde früher ebenso von Schendel bedient) und damit benenne ich gleich den ganz großen Schwachpunkt des Albums. Walliman glänzt durch ausnehmend einfallslose Saitenzieherei in seinen Parts. Soli mag ich das gar nicht nennen, das erinnert mich eher an Griffbrettwichserei, wie man es von so vielen Hartklopfer-Bands gewohnt ist. Wann immer er dran ist, fetzt er sein Holz rauf und runter, anstatt irgendeine Form von komponiertem Solo zu präsentieren. Da der restliche Sound von GLASS HAMMER stark in Retroklängen schwelgt, beisst sich dieses phantasielose Saitendreschen von Walliman wie Ketchup zur Weißwurscht. Geblieben ist der sehr schöne, zwischen Squire-Lead-Bass und Wakeman-in-die-Vollen pendelnde, Gesamtsound. Wunderschön ergänzt durch ein Gäste-String-Trio, bei welchem Madame Rebecca James mit ihrer Violine immer wieder Momente des Entzückens bei mir hervorruft.

Und da sie also dieses YES-Clone-Image eh schon weg haben, machten sie nun gleich Nägel mit Köpfen. Das Album wird mit einem Song von YES eröffnet und mein liebster aller auf Erden wandelnden Sangesengel, Jon Anderson, ist als Gast auf dem Album. Allerdings fällt sein Beitrag leider nicht wesentlich ins Gewicht. Ein Anderson allein macht eben noch kein "Relayer". Das Album hinkt hinten und vorne an den Songideen. Schwelgend mit dem ganz großen Pinsel malen sie jedes ihrer Songbilder, doch am Ende bleibt immer nur ein Haufen Farbe auf der Leinwand zurück. South Side Of The Sky, das YES-Cover funktioniert da noch am besten. Nach der Einleitung mit Sitarklängen, Loop-Beats, einer dezent poppigen Atmosphäre und dem Leadgesang von Frau Bogdanowicz, machen sie alles richtig. Ein Cover und doch etwas Eigenes. Das Stück gefällt, ist gut gemacht und bleibt hängen, auch wenn es später in die Vollen geht und man an die Komponisten des Stücks erinnert wird. Stück 2, der Sun Song gefällt mir ebenso lange Zeit noch gut, bevor dann besagter Walliman seine Untaten verrichtet.

KANSAS kommen einem noch in den Sinn, immer dann wenn zur üppig aufgefahrenen Soundkulisse die wunderschöne Violine dazukommt. Aber ob KANSAS oder YES, das gilt immer nur rein für den Sound und leider nicht für die Songs. Selbst nach fünfmaligem Hören bleibt mir einfach nur das Coverstück hängen. Je länger das Album dauert, desto langweiliger wird es. Toller Retro-Sound (minus Gitarre) und nicht mehr.

Also – wie schon so oft in letzer Prog-Zeit – klasse Klangbild, fade Songs. Wem es allerdings reicht, dass es nur richtig tönt, so wie er es gern hätte, der kann mit GLASS HAMMER nix falsch machen. Denn was sie in dieser Richtung präsentieren, machen sie gut.

Fein an Wallimans Solirerei ist für mich übrigens die Tatsache, dass er mir doch mal wieder gnadenlos bewusst gemacht hat, wie stilprägend Steve Howes verzwickt gesetzten Gitarrenläufe für den YES-Sound waren und sind. Wo andere Griffbretthelden ihre Töne gleich in Kaskaden aufs Gemälde kippen müssen, weiß Meister Howe wo und wie man die bunten Tupfer setzen muß, damit das fertige Werk ergänzt und nicht zugekleistert wird.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.11.2007
Letzte Änderung: 10.5.2013
Wertung: 6/15
schöner Sound, schrecklich langweilige Gitarre, fade Songs

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 4 von 5)


Es gibt einige Bands, die offenbar nicht allzu viel Spaß daran haben, eine eigene Identität zu entwickeln und sich stattdessen lieber eine leihen. Glass Hammer leihen sich auf dieser CD die von Yes, und zwar in so unterwürfiger Weise, dass sie auch gleich Jon Anderson mit ins Boot geholt haben. Das verleiht dem Identitätsklau gewissermaßen den amtlichen Stempel. Geprüft und gebilligt? Yes!

Wer die vorstehenden Rezensionen liest, findet eine Menge sehr zutreffender Beschreibungen des Albums. Dazu gehört auch die Feststellung, dass es besser ist als das, was Yes selbst zuletzt abgeliefert haben. Da allerdings praktisch alles besser ist als das, was Yes zuletzt abgeliefert haben, heißt das allein noch nicht viel.

Man muss also konkretisieren: Die Musik der Band klingt hier sehr viel würdevoller als der glashämmernde Kitsch, den man sonst von ihr gewohnt ist. Mit der Einschränkung: Soweit ein Sound-Klau eben würdevoll sein kann. Jedenfalls ist die Platte durchaus anhörbar. Sie gefällt mir sogar erheblich besser als der derzeitige Retro-Prog à la Flowerkings. In einem Punkt eifert sie dem FloKi-Prog aber leider nach, und das ist auch das größte Manko der CD: Fast alles schleppt sich in einem recht lahmen Midtempo daher, und die Kompositionen gehen daher nie richtig los.

Wer also feststellt, dass Culture of Ascent klingt wie Yes in den 70ern, der sagt nur die halbe Wahrheit. Für den Sound, die Instrumentierung und Teile der Arrangements trifft das zu - aber das allein erzeugt noch keine Gates of Delirium und erst recht keinen Soundchaser. Dazu müsste man mal ein bisschen auf die Tube drücken. Weil das nicht geschieht, entsteht hier im Grunde eine Art Yes-Muzak - nicht so schlimm wie der Yes-Muzak, den die Originale zuletzt verbreitet haben, aber auch nicht wirklich spannend.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.12.2007
Letzte Änderung: 9.3.2012
Wertung: 9/15
9 Punkte sind ein bisschen hoch gegriffen, aber ich mag die CD nicht schlechter bewerten als Flokis Sum of no Evil.

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 5 von 5)


Ich muss mich schon wundern: da wird dieses Album von einigen meiner Vorrezensenten besser eingestuft als seine beiden Vorgänger. Dabei wird die Kritik, die ich bei dieser Platte anführen muss, bereits auf den Lippen geführt: ein lahmer Midtempo-Groove zieht sich durch das ganze Album. Dazu kommt das von Jürgen erwähnte Gitarrenspiel des Herrn Wallimann, das über leeres Hochgeschwindigkeits-Gezwirbel kaum hinauskommt.

Auch habe ich mit der Einschätzung Mühe, die letzten Alben seien bloß Kitsch gewesen. Wenn damit fehlende Originalität gemeint ist bzw. dem Künstler ein Innovationszwang auferlegt wird, dann mag das vielleicht zutreffen. Ansonsten fand ich die Musik auf Shadowlands und The Inconsolable Secret gesamthaft interessanter als das hier Gebotene.

"Southside of the Sky" ist ganz gut, wenn es auch nicht zu meinen preferierten Kompositionen aus dem Yes`schen Schaffen gehört. Den "Sun Song" finde ich eher langweilig. "Life by Light" ist ebenfalls in diesem leicht wiegenden Midtempo gehalten und beglückt uns mit Jon Anderson im Background. Ich weiß nicht, ob ich mich wirklich über seine Beteiligung an diesem Album freuen soll oder nicht. Für viele scheint es das Album irgendwie zu adeln, ich höre mir bei soviel fremden Federn lieber Olias Of Sunhillow an.

Bis hierher ist "Culture of Ascent" in meinen Ohren bloßer Durchschnitt. "Ember without Name" ist etwas abwechslungsreicher. "Thin Air" kann teilweise überzeugen, schrummelt über weite Strecken aber auch wieder im gleichen Tempo vor sich hin, wie die Stücke zuvor.

Noch was zur Thematik des Hochalpinismus bzw. des Wahnsinns der Besteigung von 8000ern. Ich habe knapp ein dutzend Bücher darüber gelesen und finde, dass es Babb und Schendel zu keiner Zeit des Albums gelingt, das irgendwie musikalisch rüberzubringen. Ich stelle es mir auch schwer vor, die Zerrissenheit zwischen der Vernunft, die einem die Umkehr vor dem Gipfel gebietet, weil man den "Point of no Return" bereits hinter sich gelassen hat und dem unbändigen selbstzerstörerischen Wunsch, das nahe Ziel vor Augen um jeden Preis zu erreichen, musikalisch nachvollziehbar umzusetzen. Hier kann ich das auf jeden Fall zu keiner Zeit spüren. Freilich, es gibt Bücher, die das Thema analytisch-nüchtern und sehr deskriptiv abhandeln und andere, die einen die Gefühle des Bergsteigers förmlich greifen lassen. Man mag von ihm halten, was man will, aber Reinhold Messner schafft es wie kein zweiter, dass der Leser das Gefühl hat, er sitze neben ihm bei minus 50° auf einem schmalen Felsvorsprung des Nanga Parbat. Aber dies nur nebenbei.

So bin ich mit meiner Bewertung des Albums in etwa auf einer Linie mit Jürgen. Ich finde die Songs eher fade, lange nicht so farbig wie auf den Alben zuvor und finde, wie Thomas, das Thema bzw. die musikalische Umsetzung desselben "verfehlt".

Anspieltipp(s): Rest
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.3.2011
Letzte Änderung: 28.6.2011
Wertung: 7/15
das gabs von Glass Hammer schon besser

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Glass Hammer

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1993 Journey of the Dunadan 5.00 2
1995 Perelandra 7.67 3
1997 Live And Revived 5.50 2
1998 On To Evermore - The Story Of Ariana And The Sculptor 8.33 3
2000 Chronometree 12.00 4
2001 The Middle Earth Album - 3
2002 Lex Rex 11.67 3
2004 Lex Live (DVD) 7.00 1
2004 Live at NEARfest 11.75 4
2004 Shadowlands 9.75 4
2005 The Inconsolable Secret 8.50 4
2006 Live At Belmont (DVD) 7.00 2
2007 The Compilations 1996 - 2004 10.50 2
2008 Live At The Tivoli (DVD) 8.00 1
2009 Three Cheers For The Broken Hearted 4.00 2
2010 IF 8.33 6
2011 Cor Cordium 7.67 3
2012 Perilous 10.50 2
2014 Ode To Echo 11.00 2
2015 The Breaking Of The World 11.50 2
2015 Double Live 10.00 1
2016 Valkyrie 10.50 2
2017 Untold Tales 12.00 1

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