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Fish

Scattering Crows - Live in Europe 2004 (DVD)

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005 (Aufnahme von 2004)
Besonderheiten/Stil: live; DVD; Neoprog
Label: Chocolate Frog Video
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Fish vocals
Frank Usher guitars
Bruce Watson guitars
Steve Vantsis bass
Tony Turrell keyboards
John Tonks drums
Danny Gillan backing vocals, acoustic guitar

Tracklist

Disc 1
1. The Rookie
2. Moving Targets
3. Jungle Ride
4. The Perception of Johnny Punter
5. Numbers
6. Zoo Class
7. Tiki 4
8. Cliché
9. Innocent Party
10. Vigil in a wilderness of mirrors
11. Medley: Vigil/Raingod's dancing/Wake up call
12. Medley: So Fellini/Lucky/Internal exile/Market square heroes/The company


Rezensionen


Von: Henning Mangold @


Ich habe gerade die U2-DVD "Pop Mart - Live in Mexico City" gesehen und musste dabei die ganze Zeit an Fish denken. Dessen DVD "Scattering crows" hatte ich gestern gesehen. Ich fragte mich unentwegt: Wieso ist Fish eigentlich nicht einer dieser ultracoolen Rock-Poeten wie z.B. Bono geworden bzw. wieso hat er nicht ein solches Image?

Okay, blöde Frage - Welcher Proggy ist schon Superstar? Aber es gibt für Leute wie Fish ja noch die Alternative, dass sie wenigstens Rock-Poeten der introvertierteren Art hätten werden können, wie z.B. Peter Hammill (den Fish in Texten immerhin mehrfach zitiert hat). Doch nicht einmal für einen guten unantastbaren Ruf dieser Art hat's gereicht.

An zu wenig Veröffentlichungen kann's jedenfalls nicht liegen: Seit Fish sich selbstständig gemacht hat, ist er in der Progszene allgegenwärtig: Zig Alben, zig Livealben, zig DVDs - und für die Eiligen stehen auch genügend Compilations bereit. Ist das vielleicht schon zu viel? Hätte er dem Rat folgen sollen, den meine Mutter immer drauf hatte: 'Wenn du willst was gelten, musst du dich machen selten'...

Wenn ich ihn so auf der spartanisch eingerichteten Bühne des "Town & Country-Club" in Bradford agieren sehe (wo diese DVD aufgenommen wurde) und ihn mit Bono bzw. Hammill vergleiche, dann wüsste ich zwei mögliche Antworten auf meine blöde Frage: für einen Rock-Superstar sind seine Songs (besonders die neueren) zu schlabberig - besonders Live - und für einen introvertierten Rock-Philosophen sind seine Songs auch zu schlabberig. Und seine schauspielerischen Darbietungen sind ebenfalls zu schlabberig. Für einen nachdenklichen Poeten ist er zu berechenbar, für einen Super-Bono nicht berechenbar genug. Und seine Texte sind zwar z.T. gut, aber zu wenig pointiert: bei ihm gibt es keine hypnotisierenden Stellen wie die, wenn sich Bono halb am Mikroständer festhält und seufzt: "I will be with you again...under a blood red sky".

Da kommt er (also Fish, nicht Bono ;-)) mit Hut, Schal und Gehstock auf die Bühne, was an sich schon mal eine witzige Idee ist - könnte fast eine Parodie auf Johannes Heesters sein. Aber dann wird ihm warm, und nach zwei weiteren Songs hat er die Requisiten abgelegt, bis auf den Schal, den braucht er noch, um sich daraus später den Turban für das Konzept von Sunsets on Empire zu binden. Dann wird der Schal ans Mikro gehängt und es endet einer der schalsten Rock-Strips, die man je gesehen hat. So war Fish schon immer: Nicht mal seinerzeit bei Marillions "Recital of the Script" war er als richtiger Jester verkleidet gewesen. Bono in seinem Pop Mart ist da viel konsequenter mit cooler Brille und Comic-Hero-Anzug, von Johannes Heesters' Frack ganz zu schweigen. Wenn Fish einen Stil nicht durchhält, sollte er sich lieber gar nicht erst stilvoll geben wollen, könnte man denken.

Man könnte auch denken, dass es darauf nicht ankommt. Kommt es auch nicht. Ich stehe auch nicht wirklich auf Johannes Heesters (auf Bono dagegen schon). Also müssen neue Antworten auf meine blöde Frage her, die mehr - oder überhaupt was - mit Musik zu tun haben:

Wenn sich die Setlist des Abends im Town & Country-Club ihrem Ende zuneigt, kommen Fish' größte Erfolge, die er mit dem Mittel- und Endteil von "Vigil" einleitet - und siehe da: schon nehme ich ihn wieder ernst, mag der Song auch noch so abgedroschen sein. Ich nehme ihn auch ernst, wenn er zum zigsten Mal die "Company" und das "Internal Exile" bemüht, und erst recht bei dem (voll ausgespielten!) "Market Square Heroes". Es sind aber schon lange nicht mehr diese Songs als solche, die nach so langer Zeit noch zünden könnten, es ist Fish' Ausstrahlung, wenn er sie singt: ich kaufe ihm seine Ergriffenheit von sich selbst einfach ab, er hat dann das gewisse Blitzen in den Augen, wie es für echte Rock-Poeten typisch wäre.

Wenn er z.B. den Antichrist-Mittelteil von Market Square Heroes plötzlich flüstert, ist das zwar ein ungewohnter Bruch innerhalb des Songs, aber es wird mir klar: Fish findet plötzlich zu dem alten Prog-Evergreen einen neuen Zugang, den er verdeutlichen und neu interpretieren will. Das kommt an und das kommt rüber, da gehen die Leute im Publikum mit (von denen übrigens nicht viele zu sehen und zu hören sind).

Nun kann aber selbst Fish keinen ganzen Abend mehr mit alten Songs bestreiten, also spielt er über zwei Drittel der Zeit neue Songs - was an sich kein Problem sein sollte, denn seine neueren Alben sind keineswegs schlecht. Als Alben.

Aber wie liest man so oft in Reviews anderer Konzerte von anderen Bands: '...erst Live entfalten die Songs ihr ganzes Potential...' oder so ähnlich. Das ist bei Fish auch so - leider! Denn seine Fellini- oder Krähen-Songs tragen eine unheilvolle Neigung zur Selbst-Überdehnung in sich, und Fish ist nie der Typ gewesen, der einer Versuchung zum Überstrapazieren widerstehen könnte. Also zelebriert er mit bedeutungsschwangerem Unterton zum x-ten Mal die Geheimnisse von Johnny Punter, und diese Rezitation erinnert vor allem an einen zu oft erzählten Witz. Noch schlimmer kommt das endlose Gegrunze am Ende von "Tiki 4" an: am DVD-Player kann ich noch auf die Zapp-Taste drücken, aber was soll das Publikum tun? Der einzige neuere Song, den Fish an diesem Abend nicht zu Tode reitet, ist "Zoo Class", den er überraschend swingig mit Tanzeinlagen darbietet: so etwas ist das einzige Gegenmittel, das gegen seine Song-Gleichförmigkeit hilft. Würde er ähnliche Stil-Verfremdungen öfters einsetzen, könnten seine Konzerte wesentlich unterhaltsamer sein. Auch so, wie sie sind, lassen sie sich genießen - man sollte nur nie auf den Gedanken kommen, dumme Vergleiche anzustellen wie ich. Aber ich bin ja in Wirklichkeit auch gar kein echter Progfan, ich mag nur spannende Musik. Und U2 finde ich nun mal spannender als Fish...

Aber instrumental lässt sich durchaus was Gutes aus den neuen Songs rausholen: das Lineup mit zwei Gitarristen bekommt ihren Darbietungen nicht schlecht, alle Musiker geben sich alle Mühe, dem zerdehnten Schlabber-Rock Leben einzuprügeln. Auch Fish selbst bemüht sich redlich, sogar wenn er die hohen Töne nicht mehr problemlos trifft. Das hat man schon viel schlimmer von ihm gehört - z.B. auf der letzten DVD mit "Misplaced Childhood", das er nun völlig ausspart. Und doch: Er hat (zumindest, was Auftritte betrifft) seinen Zenit schon lange überschritten, was die meistens Fans wahrscheinlich gar nicht mehr stört - der Mensch gewöhnt sich an Vieles. Verglichen damit ist natürlich die Fitness von Johannes Heesters schon fast ein Naturwunder. Aber ich will nicht länger Äpfel mit Birnen vergleichen - obwohl's irgendwie Spaß macht...

Nur noch ein paar nüchterne Daten zur DVD: die Scheibe enthält außer dem 99-minütigen Haupt-Gig noch ein paar Ausschnitte eines Auftritts auf Malta (jedoch in wesentlich schlechterer Qualität) und ein Interview mit Fish - geredet hat er ja schon immer gern, aber es ist ein Fortschritt, dass er's während des Konzerts nicht mehr so ausgedehnt tut. Der Sound des Haupt-Konzerts ist zwar nicht in 5.1., aber trotzdem ganz passabel. Beim Programmieren des Bildformats scheint sich jedoch eine Panne eingeschlichen zu haben: auf der Verpackung steht 4:3, aber in diesem Format sieht man nur lange Gesichter. Dann kam ich auf die Idee, meinen Bildschirm auf 16:9 umzustellen, und schon rückten sich die Gesichtszüge wieder in die richtigen Gleise. Schön, dass manche Pannen nur technische Gründe haben...

Anspieltipp(s): Zoo Class
Vergleichbar mit: Fish bleibt Fish, wie er singt und tanzt...
Veröffentlicht am: 16.2.2008
Letzte Änderung: 29.7.2013
Wertung: 8/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Fish

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1990 Vigil In A Wilderness Of Mirrors 13.00 1
1991 Internal Exile 5.00 2
1993 Songs From The Mirror 4.50 2
1993 Uncle Fish & The crypt creepers (Live at the Düsseldorf Philipshalle 7.12.1991) 10.00 1
1994 Sushi 12.00 1
1994 Suits 8.00 1
1995 Yin 3.00 1
1995 Yang 3.00 1
1997 Tales from the big bus - Live Köln 20.11.1997 5.67 3
1997 Sunsets on Empire 11.33 3
1999 Raingods With Zippos 9.00 3
2001 Fellini Days 8.00 3
2002 Sunsets on empire Live in Poland 1997 (DVD) 11.00 1
2002 Fool's Company - Live in Holland (DVD) 8.00 2
2004 Field of Crows 10.50 2
2006 Return To Childhood 8.50 2
2007 13th Star 11.00 1
2013 A Feast Of Consequences 12.00 1
2016 The Moveable Feast 8.00 1
2017 Farewell To Childhood 10.00 1

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