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24896 Rezensionen zu 17067 Alben von 6651 Bands.
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Yes

Union

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1991
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog; Melodic Rock / AOR; Rock / Pop / Mainstream
Label: Arista Records
Durchschnittswertung: 6/15 (7 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson vocals
Bill Bruford drums on 1,2,5,8,10,12-15
Rick Wakeman keyboards on 1,2,5,8,10,12-15
Steve Howe guitar on 1,2,5,8,12-15
Trevor Rabin guitar,vocals on 4,6,7,9
Chris Squire bass,vocals on 4,6,7,9 & backing vocals on 1,5,11
Alan White drums on 4,6,7,9
Tony Kaye keyboards on 4,6,7,9

Gastmusiker

Jim Crichton,Jonathan Elias,Alex Lasarenko additional keyboards
Jerry Bennett,Allan Schwartzberg percussion
Richard Baker,Gary Barlough,Jerry Bennett,Jim Crichton,Jonathan Elias,Sherman Foote,Brian Foraker,Chris Forsdick,Rory Kaplan,Alex Lasarenko,Steve Porcaro Synths
Deborah Anderson,Jonathan Elias,Gary Falcone,Tommy Funderburk,Ian Lloyd,Michael Sherwood,Danny Vaughn additional vocalists
Pauline Cheng cambodian poetry on 10

Tracklist

Disc 1
1. I Would Have Waited Forever   (Anderson/Howe/Elias) 6:33
2. Shock To The System   (Anderson/Howe/Elias) 5:08
3. Masquerade   (Howe) 2:17
4. Lift Me Up   (Rabin/Squire) 6:30
5. Without Hope You Cannot Start The Day   (Anderson/Elias) 5:18
6. Saving My Heart   (Rabin) 4:41
7. Miracle Of Life   (Rabin/Mancina) 7:30
8. Silent Talking   (Anderson/Howe/Wakeman/Bruford/Elias) 4:00
9. The More We Live - Let Go   (Squire/Sherwood) 4:54
10. Angkor Wat   (Anderson/Wakeman/Elias) 5:23
11. Dangerous (Look In The Light Of What You're Searching For)   (Anderson/Elias) 3:38
12. Holding On   (Anderson/Elias/Howe) 5:24
13. Evensong   (Levin/Bruford) 0:51
14. Take The Water To The Mountain   (Anderson) 3:12
15. Give & Take   (Anderson/Howe/Elias) 4:29
Gesamtlaufzeit69:48


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 7)


Als Jon Anderson in Los Angeles weilte, um an der 2ten Scheibe von ABWH zu arbeiten, soll er sich mit Trevor Rabin getroffen haben und als dieser Anderson einige seiner neuen Songs vorspielte, konnte Anderson mal wieder nicht anders, als drauf singen zu wollen. Das wäre die idealistische Version, die man in dem Union-Tourheft nachlesen kann. Steve Howe sagt wiederum, dass Anderson eher nichts dem Zufall überlassen wollte und es sowieso vorhatte, die damals zerstrittenen Bandflügel ("Yes West" - White, Squire, Rabin, Kaye und "Yes East", also Anderson, Bruford, Wakeman, Howe) zusammenzubringen.

Dazu sollte man sagen, dass die beiden, angeblich vereinigten Yes-Besetzungen, ihre Songs hier eigentlich getrennt, sozusagen nebeneinander, zum Besten geben. So gibt's auf "Union" drei eher durchschnittliche Mainstream-Songs der "Yes West"-Besetzung : "Lift me up", Saving my heart" und "Miracle of life", mit proggigem Instrumental-Intro. Vielleicht das Beste auf "Union" ist überraschenderweise die getragene Squire/Sherwood-Komposition, "The more we live-Let go", die hier als vierter Song des Rabin/Squire-Yesteams auftaucht.

Der Rest der Platte besteht überwiegend aus rockig-kompakten und meistens eindimensional wirkenden Songs, die ursprünglich für die zweite ABWH-Scheibe gedacht waren. Neben Gesang von Anderson, dominieren hier ziemlich repetitive Gitarreparts, die von Howe oder auch von einem Studiomusiker stammen könnten. Scheinbar haben die Musiker die Kontrolle über das Projekt anderen - vor allem Jonathan Elias - überlassen. Betrachtet man die lange Liste mit Aushilfskeyboardern, so glaubt man Rick Wakeman sofort, dass er seine Beiträge nicht wiedererkennen konnte. Der ABWH-Produzent Jonathan Elias ist "zufällig" bei fast allen ABWH-Tracks auf Union als Co-Composer aufgeführt.

Ausnahmsweise muß ich hier mal Trevor Rabin recht geben, der meinte, er schaffte es nie, sich die ganze Platte am Stück anzuhören.

Laut Bill Bruford wurde diese als Ganzheit mißlungene Scheibe hauptsächlich durch Produzenten und Manager kreiert, die den Ausweg aus der prekären Finanzlage von Yes und ABWH, sowie den eigenen Kontostand im Sinn hatten. Diese desolate Lage wäre auch damals der Hauptgrund für Bruford, lieber wieder bei King Crimson mitzumachen. Mir persönlich sagt Brufords hier meist mechanisches und minimalistisches Spiel auf seinem Electronic-Kit gar nicht zu.

Die ABWH-Besetzung war aber auch zu einigen wenigen, Yes-angemessenen Heldentaten fähig. Dazu würde ich die gelungenen Themen von "Without hope..","Shock to the system" und "Silent talking" zählen. Sehr nett ist auch das stimmungsvolle Wakeman/Anderson-Duo "Angkor Watt" geraten. Lobend erwähnen sollte man noch das akustische Gitarrensstück von Howe,"Masquerade", das angeblich eine Grammy-Nominierung erhielt.

Ich hatte das Glück ein Konzert von Yes in 8er Besetzung (Wakeman, Squire, Anderson, Howe, Bruford, Kaye, White, Rabin) zu erleben, es war wirklich beeindruckend. Zu den Besonderheiten des Konzertes in Frankfurt zählte, dass während des Drumduo-Parts von White und Bruford, der letztere sich auf seiner hochplazierten Electronic-Drum-Anlage völlig verhedderte. Bruford hat übrigens im Gegensatz zu Wakeman keine guten Erinnerungen an diese Tour.

Als eine hastig zusammengeschusterte, unverdauliche Platte bestätigt Union leider nochmal die traurige Wahrheit, dass Yes-Musiker immer wieder durch Finanznöte geleitet, die Kontrolle über ihre eigenen Kreationen an Dritte abgaben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.5.2002
Letzte Änderung: 19.6.2003
Wertung: 8/15

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Von: Udo Gerhards (Rezension 2 von 7)


Ich muss Siggy (leider) voll und ganz recht geben. "Union" ist ein vollkommen überproduziertes Album geworden, das unter dem verkrampftem Versuch leidet, einen Hit hervorzubringen. Dagegen klingen "90125" und "Big Generator" geradezu zurückhaltend und natürlich.

Es ist ja nicht mal so, dass unter dem ganzen Wust nicht auch ein paar schöne Melodien und feine Einfälle vergraben wären, aber diese sind in der Regel vom Produzenten zu seelenlosem Powerpop totpoliert, und ob man das ganze bei der Masse an Studiokeyboardern und -Gitarristen, die Jonathan Elias auf die diversen Songs losgelassen hat, noch ein "Yes"-Album nennen kann, ist auch fraglich.

Also: ähnlich wie "Open Your Eyes" und "Talk" ist "Union" nur für die zu empfehlen, die schon alles andere von "Yes" haben und ihre Sammlung komplettieren möchten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2002
Letzte Änderung: 6.6.2002
Wertung: 3/15

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Von: Jörg Graf @ (Rezension 3 von 7)


Ein von Jonathan Elias überproduziertes Album? Die Originalspuren größtenteils von Sessionmusikern verwischt? Fast alle Songs umkomponiert? Ein Versuch, krampfhaft einen Hit zu landen? Kein Retro, sondern nur rockig-kompakte Nummern?

Mag alles sein. Diese sogenannten Fakten haben mich allerdings damals nicht sonderlich interessiert, da ich sie erstens nicht kannte, und mir zweitens ABWH und die Musik vor Rabin-Zeiten auch völlig unbekannt war. Eigentlich war ich nur auf der Suche nach weiteren Rabin-Tracks. Stattdessen gab mir dieses Album einen bleibenden ersten Eindruck des Schaffens von Howe, Wakeman, Bruford und Levin. Daß mir danach alle früheren Alben von Yes eine völlig neue Welt zeigten, brauche ich wohl nicht erwähnen, sonst hätte ich wohl nie den Weg zu den Babyblauen gefunden.

Es ist ja nicht so, daß von Yes überhaupt nichts mehr zu hören ist. Man erkennt die Trademarks jedes Musikers wieder, na ja, von Wakeman vielleicht mal abgesehen. Es ist halt sehr viel nach- und übersynthetisiert worden, was den Songs aber sicherlich geholfen hat. Denn nehme ich als Vergleich das erste ABWH-Album her, sträuben sich mir in Bezug auf Komposition und Produktion mächtig die Haare.

Krampfhafte Hit-Versuche finde ich hier auch nicht, eher eine ganze Reihe von potentiellen Hits. Was Siggy positives gesagt hat, kann ich nur unterschreiben. Darüber hinaus sind gerade die Opener 'I would have waited' und 'Shock to the system' rockig-kompakte, aber mit einer gesunden Portion Vertracktheit, Atmosphäre und Bombast nachgesalzene Meisterstücke. Die Rabin-Stücke passen erstaunlich gut mit hinein. Vielleicht hat Elias sie als Vorlage genommen, da er im wesentlichen nur die ABWH-Tracks auf dem Kerbholz hat. Die einzigen Stücke, die mir übel aufstossen, sind das banale 'Saving my heart', das Rabin lieber auf seinem Soloalbum hätte lassen sollen, und der Bonustrack 'Give and take', dessen Session-Tape sich Elias wahrscheinlich nachträglich aus dem Mülleimer geangelt hat.

Was für ein Chaos Jonathan Elias für manche auch angerichtet haben mag, mir gefällts!

Anspieltipp(s): Shock to the system, I would have waited, Angkor Wat
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.11.2003
Letzte Änderung: 19.8.2011
Wertung: 11/15

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 4 von 7)


Das Kleinkind schreit, weil es den Rachen mal wieder nicht vollkriegt. Doch leider - all die Näpfchen mit dem guten, vitaminreichen, stärkenden Fressi-Fressi sind längst leer. Die genervten Eltern kramen hektisch umher, ob sich nicht doch noch irgendwo ein süßer Pamp findet, den man dem Kleinen ins Mäulchen stopfen könnte. Und natürlich findet sich was. Obwohl: "natürlich"? Es ist irgendwas Grelles, Grün-Violett-Rotes oder Weiß-Gelb-Blaues, aufgepumpt mit künstlichen Aromen, Leuchtfarbstoffen, Weichmachern und Konservierungsmitteln.

Doch schau an - der kleine Schreihals gibt tatsächlich Ruhe, wenn er den klebrigen Kram verabreicht bekommt. Zufrieden mümmelnd grinst er vor sich hin. Aber irgendwie, wenn man genau hinguckt - er sieht nicht mehr ganz so entzückend nach dem leibhaftigen Wunder des Lebens aus wie sonst. Und die Eltern hüsteln verlegen und waschen sich möglichst rasch die Reste der zuckrigen Chemiebombe von den Pfoten.

Weiß auch nicht genau, warum mir das einfällt, wenn ich an "Union" denke.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.11.2003
Letzte Änderung: 21.11.2003
Wertung: 3/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 5 von 7)


Die Platte enthält, wie Ralf J. in einer Rezension zu Mike Keneallys "Boil that Dust Speck" richtig schreibt, tatsächlich kaum authentische Yes-Musik. Das liegt vor allem daran, daß kaum einer der für den klassischen Yessound verantwortlichen Musiker hier zu hören ist: Statt Howe und Bruford hört man auf den von ABWH beigetragenen Stücken Jimmy Haun und Steve Porcaro, für den Bass auf den ABWH-Stücken ist Tony Levin verantwortlich gewesen, aber auch Steve Howe und Jimmy Haun zupften an den dicken Saiten.

Aber von Anfang an: Als Yes (Squire, White, Rabin und Kaye) sich nach einer langen Pause wieder zusammentaten, standen sie vor dem Problem, einen Sänger für ein neues Projekt finden zu müssen, da Jon Anderson nach "Big Generator" ausgetiegen war. Sowohl die Arbeit mit Roger Hodgson von Supertramp als auch die mit Billy Sherwood von World Trade erwies sich aber als unbefriedigend. Gleichzeitig sammelten Anderson, Bruford, Wakeman und Howe nach dem Ende ihrer Welttournee neues Material für ein zweites Album ("Dialogue"), Streitereien machten eine Zusammenarbeit aber unmöglich und die beiden Projekte drohten zu scheitern.

Zu diesem Zeitpunkt trat ein gewisser Larry Magid auf den Plan, der 1971 mal Promotion für eine Yes-Tour gemacht hatte: Er schlug Anderson vor, eine große Konzerttournee zu finanzieren, wenn dieser in der Lage sei, ABWH und Yes zusammenzubringen. Mit diesem Floh im Ohr begann Anderson zu tricksen: Er kontaktierte Trevor Rabin mit der vorgeblichen Bitte, einige Gitarrenparts zu "Dialogue" beizusteuern, später weitete er das auf ganze Songbeiträge aus. Rabin wurde misstrauisch, aber als die Plattenfirmen der beiden Bands Wind davon bekamen, forcierten sie die Reunion, denn auf diese Weise konnte man sowohl den Namen Yes, an dem Chris Squire (damals Yes) die Rechte besaß, als auch das klassische Logo, an dem neben Roger Dean auch Steve Howe (damals ABWH) die Rechte besaßen, nutzen, was die entsprechende Publicity für das vielversprechende Projekt garantierte.

Doch man hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Howe, Wakeman und Bruford wurden ohne vorherige Absprache vor vollendete Tatsachen gestellt, Wakeman gar nur per Fax: Anderson wusste genau, dass die drei seinem Plan niemals zugestimmt hätten. Dass die dementsprechend sauer waren, hatten sie doch gerade eben erst ABWH auf Kurs gebracht, nur um sich nun plötzlich als Mitglieder einer, wie Bruford es damals schon empfand, abgehalfterten Rockband wiederzufinden, ist verständlich.

Außerdem hatten ABWH zum Zeitpunkt der Aufnahmen kaum Material. Produzent Jonathan Elias: "Basically, what there was was Steve working on a solo album and he brought in some things. Jon brought in one or two faint ideas." Dazu kamen das unerträgliche Sozialverhalten der Bandmitglieder. Wieder Elias: "I couldn't get Jon and Steve to sit down in a room together without me and the only way that Steve would do anything is to wake up and get very stoned and he was no good for the whole day after that. [...] And that was just putting Jon and Steve together, and constantly Steve would be badgering me about how he hated Jon's lyrics and how Jon had no good ideas. And Jon would say to me, 'Oh, Steve's just so washed out and Asia was such a horrible thing – look what it did to him.'" Auch zwischen den anderen Bandmitgliedern waren die Verhältnisse nicht besser: "Steve wouldn't listen to one of Rick's parts, Rick wouldn't listen to one of Steve's parts."

Der persönliche Umgang mit Elias selbst gestaltete sich nicht besser: Der war lediglich zu dem Projekt gestoßen, weil er ein Kumpel Andersons war. Als großer Produzent war er dagegen noch nicht in Erscheinung getreten. Wakeman, der das sofort bemerkte, bekriegte Elias noch während der Plattenaufnahmen eine Zeit lang mit Artikeln im Keyboard-Magazine und Ian Crichton verkündete, dass die Abstimmung zwischen Anderson und Elias nicht funktionierte, dieser hätte ihm gesagt, er solle sich an 90125 orientieren, jener ihn ermahnt, seine Beiträge bloß nicht nach 90125 klingen zu lassen.

Produzent Elias hatte von der Plattenfirma offensichtlich die Anweisung bekommen, ein Pop-Album aus der Band herauszuquetschen: "They couldn't make money on an album unless it had a pop sensibility and they were so far removed from what a pop sensibility was at that point without Trevor. There were times I tried to push them into that, but they would just bad mouth Trevor, particularly Steve. Ooof, boy, did he hate Trevor!" In Wirklichkeit ging es den meisten nur ums Geld: "All Bill Bruford wanted to know is, 'Is it coming in on budget?'. They didn't care about a note of music. They all thought that Jon was stealing money from them."

Dem stand auf der anderen Seite ein immenser Zeitdruck gegenüber, da die Union-Tour bereits gebucht war. Außerdem tourte Wakeman von Mai bis September 1990 durch England und Howe arbeitete an seinem Soloalbum "Turbulence" und an dem neuen Asia-Album "Aqua". So wurde das Album nicht rechtzeitig zum Tourstart fertig, und Elias mußte selbst Hand anlegen. Als dann noch Jon Anderson mit den Parts von Howe und Wakeman unzufrieden war, begann man, aufgrund der knappen Zeit und der mangelnden Lust der beiden, die entsprechenden Parts von Studiomusikern einspielen zu lassen, vornehmlich von Jimmy Haun und Steve Porcaro. Tatsächlich sind Howe und Wakeman auf dem Album kaum zu hören, ähnlich wie Bill Bruford. Haun: "Basically he [Elias] told me Arista felt Steve's guitar parts were unacceptable and that he had just soloed over all the songs. Now this was partially true. What they wanted was a blend of the old classic Steve Howe sound mixed with Trevor Rabin! I guess they felt it would sell more records." Auf den Songs "Without Hope You Cannot Start the Day", "Dangerous" und "Take the Water to the Mountain" ist keine Saite von Howe gezupft worden, und auf den anderen ABWH-Tracks hört man ihn auch nur stellenweise. Wakeman ist deshalb kaum zu hören, weil er nicht das lieferte, was Anderson und Elias wollten: "Elias claims that Wakeman did not provide what was needed on the album and that what they wanted was more texture and backdrop than keyboard pyrotechnics." Zudem waren die Sounds, die Wakeman benutzte, Elias wohl zu altbacken.

Um das Album weiter auszustopfen packten Anderson und Elias Demos ("Lift Me Up", "Saving My Heart" und "Miracle of Life" sind Demos, "Holding on" ist nicht weit über den Demostatus hinausgekommen) und Sachen, die eigentlich für Soloalben vorgesehen waren (das Howe-Solo "Masquerade", die Riffs von "I Would Have Waited Forever" und "Silent Talking", dessen 9/4-Teil ebenfalls auf Howe zurückgeht und in seiner ursprünglichen Form auf seinem Soloalbum "Turbulence" zu hören ist) auf die Scheibe, dazu das Live-Duett von Levin und Bruford ("Evensong") und einen Überrest der Dialogue-Sessions ("Take the Water to the Mountain"). Letztere, die Demos zum zweiten ABWH-Album, wurden übrigens 2006 von Jon Anderson unter dem Titel "Watching the Flags that fly" veröffentlicht.

An "Union" arbeiteten 13 Personen allein als Produzenten, Tontechniker oder Mixer. Kein Wunder, wenn man sich das Material näher ansieht: Von den Yes-Songs ("Lift Me Up", "Saving My Heart", "Miracle of Life" und "The More We Live – Let Go") sind die ersten drei wie gesagt Demos, das letztere ist Füllmaterial aus einem gescheiterten Rabin/Hodgson-Projekt. Bei den ABWH-Songs ("I Would Have Waited Forever", "Shock to the System", "Silent Talking", "Angkor Wat" , "Holding On", "Give & Take" (Bonustrack), "Without Hope You Cannot Start the Day" und "Dangerous") ist Howe zumindest auf den letzten beiden nicht zu hören, ein Klavierintermezzo Wakemans und ein Gitarrensolo Howes auf "Without Hope" wurde zudem ohne deren Wissen von Anderson und Elias gelöscht (ebenso wie ein Gitarrenpart Howes auf "Silent Talking"), "Holding On" ist eine aus Zeitgründen nie fertig gestellte Rohfassung und die Grundideen für "I Would Have Waited Forever" und "Silent Talking" sind von Howes Soloalbum "Turbulence" als Füllmaterial auf "Union" gewandert. Das gleich geschah mit den Solo-Beiträgen "Masquerade" (Howe), "Evensong" (lediglich eine Weiterentwicklung des Levin/Bruford-Duetts von der ABWH Tour) und Andersons "Take the Water to the Mountain" (auch da wurde ohne sein Wissen ein Gitarrensolo Howes gelöscht - und die verbleibenden Gitarrenparts stammen von Jimmy Haun). Selbst ganze Songs verschwanden, ohne dass den beteiligten Musikern vor Veröffentlichung der Platte bescheidgegeben wurde: "Touch me Heaven", "Say Goodbye" (später auf einem World-Trade-Album erschienen) und "Love Conquers All" (später auf "YesYears"). (Die Demos der letzteren beiden Songs finden sich zudem auf dem ersten Conspiracy-Album.)

Interessant ist bei dem ganzen Wirrwarr, wie einheitlich die Platte für den klingt, der über all diese Querelen nichts weiß. Natürlich bemerkt jeder sofort, daß hier kein klassisches Yesalbum vorgelegt wurde, auch bemerkt man die eine oder andere nicht fertiggestellte Passage, dennoch können viele der Songs als Poprock einigermaßen überzeugen. Wer allerdings einmal hinter die Kulissen geschaut hat, den kann's nur schaudern... Ach ja: Hinter die Kulissen schauen lässt uns seit einiger Zeit das Album "90124" von Trevor Rabin, das unter anderem auch eine frühe Version von "Miracle of Life" enthält - weit besser als die endgültige Fassung auf "Union"! Glaubt man den Sammlern von nichtoffiziellen Aufnahmen der Band, die sich in Internetforen genauso wie wir über "Union" streiten, gilt dasselbe auch für die allermeisten anderen Tracks auf dem Album: Hier wurde wohl aus Prog(ansätzen) Pop gemacht.

Die Interviews mit Jimmy Haun und Jonathan Elias gibt's übrigens hier
(http://www.bondegezou.demon.co.uk/iv/jhinterview.htm)
und hier
(http://www.bondegezou.demon.co.uk/iv/jeinterview.htm).

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Trevor Rabin - Can't look away
Veröffentlicht am: 24.11.2003
Letzte Änderung: 17.12.2014
Wertung: keine Vermutlich DAS Skandalalbum des Prog.

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 6 von 7)


Umpf, das ist wirklich ein ganz übles Machwerk. Die Rabin-Songs sind erwartungsgemäß das übliche AOR-Gestampfe. Aber auch die ABWH-Songs schneiden nicht viel besser ab, zu sehr sind diese trotz einiger guter Ansätze glattpoliert und mit aller Gewalt auf AOR-Kompatibilität getrimmt. Bruford scheint sich teilweise richtig Mühe zu geben, wie Alan White zu klingen.

Zu den sporadischen Lichtblicken in dieser musikalischen Finsternis gehören das Howe-Solo "Masquerade", außerdem "I Would Have Waited Forever" und "Without Hope...", die sich vom AOR-Einheitsbrei etwas abheben, auf einem der klassischen Yes-Alben dennoch allenfalls Durchschnitt wären. Ganz nett ist auch das fast Ambient-artige "Angkor Wat". Insgesamt ist "Union" aber völlig verzichtbar.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.3.2004
Letzte Änderung: 5.3.2004
Wertung: 4/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 7 von 7)


Also, ich fasse zusammen: Union ist kein klassisches Yes Album, die Protagonisten sollen u.a. nicht einmal gross mitgewirkt, sondern von Studiomusikern gestuntet worden sein, die Herren konnten nicht miteinander, der eine wollte vom anderen das nicht spielen, der andere konnte von dem die Parts nicht ausstehen, und dritte haben alles glattpoliert und mit künstlichen Süssstoffen chemisch verändert.

In völliger Unkenntnis dieser Sachverhalte habe ich Union Anfangs der 90er Jahre rauf und runter gehört, zusammen mit einem anderen Album eines sterbenden Progdinosauriers, Black moon von ELP. Für mich waren damals beides sehr gute Poprockalben, die über dem übrigen Einerlei der Musikszene thronten.

Höhepunkte sind die üblichen Verdächtigen: Without hope..., Miracle of life und Silent talking. Für mich fällt Union gegenüber den flankierenden Alben Big Generator und Talk nicht ab. Und, lieber Udo, es ist doch deutlich besser als Open Your Eyes.

Ohne Frage ist es kein grosses Progalbum, ist überhaupt kein besonders proggiges Album, aber für eine Poprockscheibe ist es überdurchschnittlich.

Anspieltipp(s): Silent Talking, Miracle of Life
Vergleichbar mit: Yes späte 80er, frühe 90er ;-)
Veröffentlicht am: 30.11.2004
Letzte Änderung: 30.11.2004
Wertung: 7/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Close To The Edge 13.80 13
1972 Fragile 11.20 5
1973 Yessongs 13.00 3
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1974 Relayer 14.22 9
1975 Yesterdays - 2
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Drama 11.50 8
1980 Yesshows 10.00 3
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.13 8
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 YesYears 13.00 2
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1992 Yesstory - 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 2
1994 Talk 6.17 6
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
1999 The Ladder 6.00 7
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2000 The Best of Yes - 2
2000 Masterworks 8.00 1
2001 Keystudio 9.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Magnification 8.40 10
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2002 Extended Versions - 2
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 Yes today - 1
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2006 Essentially Yes - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 Live on Air - 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome 6.00 1
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2
2017 Topographic Drama – Live Across America 10.00 1
2018 Fly from Here - Return Trip - 1

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