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Obscura (Dt.)

Cosmogenesis

(Tipp des Monats 4/2009)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: Metal; Progmetal
Label: Relapse Records
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Steffen Kummerer Guitar, Vocals
Christian Muenzner Guitar
Jeroen Paul Thesseling Bass
Hannes Grossmann Drums

Gastmusiker

Tymon Kruidenier Guitar, Solo in Choir of Spirits
V. Santura Guest Vocals on tracks 3,6,8,10
Ron Jarzombek Guitar, Solo in Cosmogenesis

Tracklist

Disc 1
1. The Anticosmic Overload 4:17
2. Choir of Spirits 5:31
3. Universe Momentum 4:34
4. Incarnated 4:53
5. Orbital Elements 5:22
6. Desolate Spheres 4:02
7. Infinite Rotation 4:49
8. Noospheres 5:05
9. Cosmogenesis 4:15
10. Centric Flow 7:26
Gesamtlaufzeit50:14


Rezensionen


Von: Dennis Egbers @ (Rezension 1 von 2)


Fünf Jahre ist es her, dass Necrophagist die Progdeath-Szene mit ihrem Meilenstein Epitaph aufmischten. Vor noch längerer Zeit, nämlich geschlagenen 16 Jahren, gingen Pestilence mit ihrem Album Spheres für viele Fans einen Schritt zu weit bei der Vermischung von Jazz und Progressive Death Metal (lösten sich ob der negativen Reaktionen auf und kehrten erst jüngst mit dem gelungenen Resurrection Macabre zurück). Was das alles mit Obscura zu tun hat? Eine ganze Menge, bilden doch Christian Muenzner und Hannes Grossmann (beide ex-Necrophagist) und Jeroen Paul Thesseling (ex-Pestilence) ¾ der Band um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Steffen Kummerer.

Ganz offensichtlich bietet die Nennung der ehemaligen Kapellen von Muenzner, Grossmann und Thesseling neben bloßem (und immer wieder beliebtem) Namedropping außerdem einen weiteren Vorteil. Man hat gleich zwei passende und in Genrekreisen allseits bekannte Namen für das Vergleichbar-mit-Feld am Start. Kenner wissen also, was sie erwartet: Kurz vor Lichtgeschwindigkeit frickelnd und doch melodisch rödeln sich die Gitarristen durch die vertrackten Songstrukturen, wobei Gastauftritte von Ron Jarzombek (Spastic Ink, Watchtower) und Tymon Kruidenier (Cynic) beweisen, dass die Band aus dem bayerischen Landshut solche Nachhilfe gar nicht nötig hätte (rein technisch sind die entsprechenden Soli nämlich keineswegs komplexer, obwohl man zumindest Jarzombeks Stil eindeutig heraushören kann). Für in Bezug auf den Tieftöner arges gewöhnte Metalfans (in wieviel Prozent der Dream-Theater-Songs hört man John Myung wirklich?) dürfte es zudem eine wahre Freude sein, dass die herausragende Bassarbeit von Jeroen Paul Thesseling einen gewichtigen und hörbaren Anteil an der Musik hat. Man höre sich dazu v.a. das eröffnende Basssolo von Orbital Elements an – wenn das allein nicht ausreicht, lässt spätestens der Rest des Instrumentals die Kinnlade Kontakt mit der Erdoberfläche aufnehmen. Abgerundet wird dies durch das variable und keineswegs nur Hasenfickheknüppel bietende Drumming von Hannes Grossmann und die kurz vor einem Erdbeben der Stärke 7 auf der Richterskala liegenden Deathgrowls von Stefan Kummerer, der in mehreren Stücken Unterstützung von V. Santura (seines Zeichens Klampfer von Dark Fortress, die mit Eidolon eines der Black-Metal-Highlights 2008 auf ihrem Kerbholz haben) bekommt.

Während Progdeath-Fans wahrscheinlich schon auf dem Weg zum Händler ihres Vertrauens sind, beginnt Otto-Normal-Progger wahrscheinlich langsam nachzudenken, was er mit einer Platte voller Hightech-Gefrickel und Gegrowle soll, die Hand macht sich zum Wegklicken bereit... STOP! Finger weg! Auch wenn es bis jetzt anders geklungen haben mag und auch wenn Growls für viele Leser unserer Seiten immer noch ein Totschlagargument sein dürften: Obscura sind nicht noch eine weitere weitgehend melodiefreie Frickelcombo. Im Gegensatz zu Kollegen wie The Faceless (deren vor kurzem erschienenes Album Planetary Duality trotzdem keinen Deut schwächer ist) sind immer wieder melodisch, ja erholsame Passagen in die Komplexitätsbolzen eingebaut. An diesen Stellen kommen immer leichte Ähnlichkeiten zu Canvas Solaris oder Gordian Knot auf, die es ebenfalls schaffen, Komplexität und Zugänglichkeit miteinander zu vereinbaren.

Auch in Bezug auf die allgemeine Atmosphäre sind Canvas Solaris kein schlechter Anhaltspunkt. Statt wie die meisten Death-Metal-Bands moderige Gruften oder Folterkeller heraufzubeschwören schicken Obscura mit einer High-Tech-Atmosphäre den Hörer in die Tiefen des Alls, vorbei an explodierenden Sonnen und kollabierenden Planeten – ein Eindruck, der durch das gelungene Artwork weiter vertieft wird.

Mit Cosmogenesis ist Obscura ein erstes Progmetal-Highlight des Jahres 2009 gelungen, an dem sich viele größere Namen die Zähne ausbeißen dürften. Technisch und doch zugänglich, aggressiv und doch melodisch – Fans technischen Metals müssen hier reinhören und alle, die mit dem letzten Cynic-Output Traced In Air den ersten Schritt in diese Richtung getan habe, finden hier das perfekte Material zur Weiterbildung.

Anspieltipp(s): Anticosmic Overload, Orbital Elements, Centric Flow
Vergleichbar mit: Cynic, Canvas Solaris, Death, Atheist, Necrophagist
Veröffentlicht am: 29.3.2009
Letzte Änderung: 29.3.2009
Wertung: 12/15

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Von: Michael Büttgen @ (Rezension 2 von 2)


Seit die legendären Death und ihr Mastermind Chuck Schuldiner anfingen, technisch wie musikalisch hoch anspruchsvollen Deathmetal zu fabrizieren und mit Alben wie „Human“, „Symbolic“ und vor allem „The Sound of Perseverance“ erstmalig einzelne Hörer aus dem Progressive-Rock-Bereich auf sich aufmerksam machten, wächst das Interesse an dieser Art von Musik beständig. Mittlerweile ist der progressive Deathmetal ein fester Bestandteil „unserer Szene“ und hat auch auf den Babyblauen Seiten einen Platz gefunden. Natürlich wird nach wie vor kontrovers diskutiert, ob und in wie fern dieser „Krach“ nun Prog sein soll, und gerade viele alte (Prog-)Hasen fühlen sich ein wenig überrumpelt von den Extremen dieser Art von Musik: der Geschwindigkeit, der Aggression, der Komplexität und vor allem dem Gesang, den sogenannten Growls, die zum Deathmetal gehören, wie ein Sopran in eine Opernarie. Growls sind keineswegs schlichtes Gebrüll, sondern vielmehr eine Art Kehlgesang, oder auch gutturaler Gesang, der tatsächlich – man mag es kaum glauben – professionell erlernt und angewendet werden sollte.

Kommen wir aber endlich zum neuen Album der deutschen Band Obscura. “Cosmogenesis“ sorgte dieser Tage für mächtigen Wind in der Metalszene und – zwangsläufig – auch in der Progszene, denn wir, die Babyblauen Seiten, waren der Meinung, dass dieses Album den Status „Tipp des Monats“ verdient.

Die großen Namen der Gastmusiker hat ja Kollege Dennis schon ausführlich genannt, somit beschränke ich mich mal auf die Musik. Der Kern allen Übels (das ist im Deathmetal wahrlich ein Kompliment) liegt natürlich bei den schon genannten Death. Erweitert wurde der etwas wärmere Sound schließlich mit dem Tempo und der Komplexität von Necrophagist, wobei hier mitnichten einfach nur seelenloses und selbstdarstellerisches Griffbrettgewichse abgeliefert wird. Vielmehr haben die durchweg gutklassigen Songs eine nachvollziehbare Struktur und - was vielen Frickelcombos abgeht – Melodie. Testet einfach den grandiosen Opener „Anticosmic Overload“ oder den Rausschmeißer „Centric Flow“ an, die besten Beweise dafür, dass schnell und technisch hochwertig auch mit entsprechendem Groove möglich ist.

Obscura drücken auf „Cosmogenesis“ übrigens nicht durchweg aufs Gaspedal, sondern lassen dem geneigten Hörer stellenweise auch mal Luft zum freien, entspannten Durchatmen, wie z.B. bei dem wunderbaren, instrumentalen „Orbital Elements“. Für Interessierte, die jedoch noch ein wenig Angst vor dieser Musik haben, ein idealer Song für den Einstieg. Ansonsten können hier auch gern mal Leute reinhören, die behaupten Bassisten können nur 4 Noten spielen, bzw. Basssolos sind ein Ding der Unmöglichkeit.

„Cosmogenesis“ ist absolut spannend, brachial und dennoch abwechslungsreich. Es wird technisch auf hohem Level gezockt, ohne dass die Jungs Frickelorgien zelebrieren und sich womöglich dabei im Spiegel betrachten. Viele Einflüsse bekannter Progmetal-/Deathmetalbands werden verarbeitet, so kann man z.B. bei „Noospheres“ ein wenig Cynic durchhören, aber trotzdem klingen Obscura eigenständig und legen viel Wert auf gute Songs und Melodien. Auch das oft genannte Vorurteil, Progdeath würde klinisch und kalt klingen, greift hier ins Leere. Die Jungs grooven ohne Ende, und trotzdem ist die Produktion glasklar und jeder Musiker ist deutlich zu hören.

Für mich auf jeden Fall neben der neuen Cynic ein absoluter Kracher im noch jungen Progmetal-Jahr.

Anspieltipp(s): Centric Flow
Vergleichbar mit: Cynic, Death
Veröffentlicht am: 5.4.2009
Letzte Änderung: 5.4.2009
Wertung: 12/15

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