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Emerson, Lake & Palmer

aus: Großbritannien


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Bemerkungen


1970 gegründete erste Prog-Supergroup. Emerson war Bandleader von The Nice, Lake wurde von King Crimson, Palmer von Atomic Rooster/Arthur Brown abgeworben. Dazu kam als Songtexter der Ex-Crimsonist Peter Sinfield. Entgegen der offiziellen Bandlegende war ELP also eine Fortsetzung von The Nice mit anderen Mitteln.

Bald war klar, daß Emerson mit rhythmisch komplexem, an Klassik und Jazz angelehnten Instrumentalstücken den Führungsanspruch erhob. Eigentlicher Antipode war Lake, der mit seinen einfachen - wenn auch oft recht schönen - Balladen zur Akustikgitarre die Fans in zwei Lager spaltete, was wohl nicht geschehen wäre, wenn nicht jemand ohne Wissen der Band, "Lucky Man" als Single aus dem ersten Album ausgekoppelt hätte. Das Album selbst klang nämlich völlig anders, und die Single war kaum repräsentativ für die aggressiven Eigenkompostionen und Adaptionen (Bartok!) auf dem Album. Nach heftigen Kämpfen, z. B. um die Tarkus-Suite, die fast zum Bruch geführt hätten, setzte sich Emerson mit seinen anspruchsvollen Kompositionen weitgehend durch, und die Band komponierte munter einem musikalischen Höhepunkt - "Brain Salad Surgery" - entgegen. Wichtige Stationen auf dem Weg dorthin markierten die Großformadaption "Pictures at an Exhibition", das Album "Tarkus", das mit der gleichnamigen Suite Genremaßstäbe setzte, die bis heute fortwirken (z. B. bei der Band Ars Nova aus Japan), und "Trilogy". "Brain Salad Surgery" wird allgeimen als der Höhepunkt der Bandgeschichte angesehen. Es enthält Klassikadaptionen (Perry, Ginastera), Honky-Tonk-Piano, eine der besten Lake-Balladen und das mehrteilige Werk "Karn Evil 9". Damit war die Bandgeschichte eigentlich an ihrem Ende angelangt.

Es folgte ein Live-Triple-Album, das ihren Status als eine der größten Bands weltweit (neben The Who, Pink Floyd, Led Zeppelin u. a.) dokumentierte, danach eine zweijährige Funkstille. "Works Vol. I" war dann ein sehr disparates Album, das auf drei von 4 Albumseiten die Bandmitglieder als Individuen vorstellte, und nur eine Albumseite ELP bot (immerhin mit den Klassikern "Fanfare for the common Man" und "Pirates"), es folgte eine Compilation von bisher unveröffentlichtem Material (Works II) sowie ein Album, zu dem ELP vertraglich verpflichtet waren: "Love Beach", das aber gewissermaßen schon nach dem Ende der Band aufgenommen wurde. Die erste Seite der Platte klingt so, wie sie heißt, die zweite enthält immerhin eine Suite, die, von akustischen Instrumenten dominiert, eine interessante Weiterentwicklung des ELP-Klangkörpers darstellt. Interessant ist noch das "Works-Live"-Album, ein Livedokument ihrer finanziell desaströsen und künstlerisch dubiosen Orchester-Tour 1977.

Zeitweise Wiedervereinigungen in den frühen 90ern und entsprechende Touren sind kaum der Rede wert. Die Alben "Black Moon" und "In the hot Seat" enthielten schwaches Material. Immerhin konnte Mark Mancina auf ersterem den klassischen Bandsound wiederbeleben, Keith Olsen, der Producer des letzten ELP-Albums, erwies sich leider als völliger Fehlgriff. Die Band löste sich 1998 wohl endgültig auf, unter anderem auch deswegen, weil Lake, der die 70er-Alben selbst produziert hatte, nicht mehr mit außenstehenden Producern arbeiten wollte, dessen Produzentenrolle von Emerson und Palmer aber abgelehnt wurde: Er sei mit den neuen Technischen Möglichkeiten nicht vertraut. Außerdem haben wohl sein Mangel an kreativer Energie und gesundheitliche Probleme eine Rolle gespielt. Seit der Auflösung von ELP wurden zahlreiche mehr oder weniger relevante Live- und Archivdokumente veröffentlicht. Die eher nostalgisch ausgerichteten Soloauftritte von Lake litten unter mangelndem Publikumsinteresse, die (ebenso auf das ältere Publikum zielenden Auftritte) Emersons unter seinen Armproblemen, die ihn seit den frühen 90ern belasten (die alte Virtuosität fehlt ihm seit einer Operation). Lediglich die Neuinterpretationen des ELP-Materials durch die Carl-Palmer-Band (Gitarre, Bass, Schlagzeug) wirken dynamisch und frisch.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Keith Emerson einer der großen Komponisten im Progressive Rock der siebziger war und als Arrangeur, wenn er auch nicht so gewandt mit dem Vokabular des Orchestrierens umgehen konnte wie etwa Rick Wakeman, dem Einfluß der Klassik und des Jazz (v. a. über Adaptionen) auf den Prog den Weg bereitete. Seine Improvisationskunst blieb dagegen hinter der einiger Kollegen (etwa Patrick Moraz) zurück.

Carl Palmer hat durch eine Reihe von technischen (sein stählernes Drumset) aber auch künstlerischen Innovationen die Entwicklung des Schlagzeugspiels im Prog der Siebziger entscheidend mitgeprägt, und ist für die eine oder andere Erweiterung der Rock-Drumsets verantwortlich. Wäre das Concerto for Percussion, das erst 25 Jahre nach den Aufnahmen (eigentlich für "Works I" vorgesehen) erschien, im ELP-Rahmen veröffentlicht worden, würde man seine Rolle für die Band anders gesehen haben.

Greg Lake ist als Bassist und Gitarrist sicher weniger bedeutend als als Sänger. Nach interessanten Anfängen ("Tank") beschränkte er sich meist darauf, die Bassfiguren Emersons unisono zu kopieren. Sein Tenor dagegen gehört sicher zu den großen Rockstimmen, und kommt am besten in den pompösen Epen ELPs ("Karn Evil 9", "Pirates") zur Geltung.

(Nik Brückner)

Leitfaden


Emerson, Lake & Palmer-Eintrag im Leitfaden "Britischer symphonischer Prog der 70er Jahre"

Personell verwandte Bands (Pfadfinder)


Asia; Atomic Rooster; The Crazy World of Arthur Brown; Keith Emerson; Keith Emerson and The Nice; Keith Emerson & Greg Lake; Emerson Lake & Powell; The Keith Emerson Trio; King Crimson; Greg Lake; Greg Lake & Geoff Downes; The Nice; Carl Palmer; Qango; Three

Alle besprochenen Veröffentlichungen von Emerson, Lake & Palmer

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Emerson, Lake & Palmer 11.60 6
1971 Pictures at an Exhibition 12.00 5
1971 Tarkus 11.00 6
1972 Trilogy 12.40 5
1973 Brain Salad Surgery 12.50 5
1974 Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends 12.50 2
1977 Works, Volume 2 5.11 9
1977 Works, Volume 1 8.00 5
1978 Love Beach 6.43 7
1979 In Concert 6.00 1
1992 Black moon 4.50 4
1992 The Atlantic Years 12.00 1
1993 Live At The Royal Albert Hall 10.50 2
1993 Works Live 10.00 1
1993 The Return of the Manticore 12.00 3
1994 In The Hot Seat 1.60 5
1997 Live in Poland 8.00 1
1999 Pictures at an Exhibition. Collectors Edition (DVD) 12.67 3
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Two 12.00 1
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.One 11.00 1
2002 Re-Works 7.00 1
2002 Best of the Bootlegs 9.00 1
2002 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Three 8.00 1
2002 Works Orchestral Tour, Olympic Stadium, Montreal 1977 / The Manticore Special (DVD) 10.00 1
2002 Live at the Isle Of Wight Festival 1970 7.00 2
2004 Inside Emerson Lake & Palmer. 1970 - 1995. An independent critical review (DVD) 10.00 1
2004 Welcome Back (DVD) 9.00 1
2004 Masters From The Vaults (DVD) 10.00 1
2005 Beyond The Beginning (DVD) - 1
2005 Live at Montreux 1997 (DVD) 6.00 1
2006 The Birth Of A Band - Isle of Wight Festival Sat August 29th 1970 (DVD) 10.00 1
2006 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Four 5.00 1
2007 From the Beginning - 1
2009 Works Deluxe Edition - 1
2010 High Voltage - 1
2010 Live High Voltage 10.00 1
2011 Live At The Mar Y Sol Festival '72 12.00 1
2011 Live At Nassau Coliseum '78 11.00 1
2011 ...welcome back my friends High Voltage Festival 2010 40th Anniversary 9.00 1
2013 Live in Montreal 1977 8.00 1

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Besprochener Lesestoff zu Emerson, Lake & Palmer


Jahr Autor Titel
1994 Peter T. Ford The compositional style of Keith Emerson in Tarkus (1971) for the rock music trio Emerson, Lake and Palmer
2006 Edward Macan Endless Enigma. A musical biography of Emerson, Lake and Palmer
2006 Giuseppe Lupis The published music of Keith Emerson: Expanding the solo piano repertoire.
2013 Garry Freeman Do you wanna play some magic? Emerson, Lake and Palmer in concert 1970-1979

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