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Renaissance

aus: Großbritannien


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Bemerkungen


Renaissance wurde 1969 von den Yardbirds-Überbleiblingen Keith Relf (Gesang, Gitarre, Harmonika) und Jim McCarty (Schlagzeug, Gesang) zusammen mit John Hawken (Keyboards), Louis Cennamo (Bass) und Jane Relf (Gesang) gegründet. Dieses Lineup veröffentlichte "Renaissance" (1969) und spielte den Löwenanteil des Nachfolgers "Illusion" ein (erst 1971 veröffentlicht). Schon das Debüt, ein Album (das seltsamerweise nicht um die Ehre, das erste Progalbum zu sein, mitkonkurriert), bot das Experiment, klassisch Geprägtes mit Rock, Folk und Jazz zu verbinden. Das zweite Album, "Illusion", wurde dann nur in Deutschland veröffentlicht - passend zu der großen Unsicherheit in der Band: In dieser Zeit wurde das gesamte Personal der Band ausgewechselt. Zunächst stieß im Sommer 1970 der Sänger Terry Crowe zu den Gründungsmitgliedern, Terry Slade (Schlagzeug) ersetzte McCarty, Neil Korner (Bass) Cennamo, und Michael Dunford (Gitarre) Keith Relf. Dieses Lineup (Hawken/Relf/Dunford/Crowe/Korner/Slade) nahm einen Song für "Illusion" auf ("Mr. Pine"). Für "Past Orbits Of Dust" wurden dann Mitglieder der Originalbesetzung noch einmal zusammengerufen (mit Gastkeyboarder Don Shin an Stelle von Hawken), um den unvollständig hinterlassenen Song fertigzustellen.

Im Herbst 1970 ersetzte dann Binky Cullom Jane Relf und John Tout (Keyboards) John Hawken.

Anfang 1971 ersetzte mit Annie Haslam eine der Hauptfiguren der Bandgeschichte Cullom. Damit aber nicht genug: Im Laufe des Jahres ersetzten Danny McCullough Korner, Frank Farrell darauf gleich wieder McCullough, der von niemand anderem als John Wetton ersetzt wurde.

1972 verließ Crowe die Band, Terence Sullivan ersetzte Schlagzeuger Slade, Jon Camp (Bass, Gitarre, Gesang) Wetton, und Mick Parsons (Gitarre) Dunford, der sich ganz aufs Komponieren konzentrieren wollte. Im gleichen Jahr sah sich die Band gezwungen, den bei einem Autounfall verstorbenen Parsons durch den Gitarristen Rob Hendry zu ersetzen. Dieses Lineup veröffentlichte 1972 das dritte Album "Prologue" - was zu der absurden Situation führte, dass zu diesem Zeitpunkt keiner der Songautoren (McCarty und Dunford) mehr Mitglied der Band war.

1973 verließ Hendry die Band und wurde durch den Gitarristen Peter Finer ersetzt, allerdings nur für kurze Zeit, da sich Dunford nun doch entschloss, auch als Musiker in Erscheinung zu treten. Damit war nun die klassische Besetzung beisammen, die die Alben von "Ashes are Burning" (1973) bis "Azure d'Or" (1979) veröffentlichen würde.

Die Ersetzung eines kompletten Lineups ist ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, der das Risiko birgt, die Musik so stark zu verändern, daß keiner mehr sie hören will. Dem war aber nicht so. Mike Dunford, beim ersten Lineup noch kurz als Gastmusiker dabei, sorgte nun als Hauptkomponist nicht nur für Kontinuität, sondern sogar für eine Qualitätssteigerung. Die folgenden Alben klangen viel professioneller, weniger rauh, dazu kam die prägende Stimme von Annie Haslam. Alles in allem hielt man aber an dem Ziel fest, folkigen Rock mit klassischen Einflüssen zu verbinden: neben eigenen Stilzitaten verwob man Schnipsel von Alain, Bach, Chopin, Debussy, Giazotto, Jarre, Rachmaninoff, Rimsky-Korsakov und Prokofiev. Zum vollständigen Bild einer Prog-Rock-Größe kamen dann noch die Songtexte der Lyrikerin Betty Thatcher. Von "Ashes are Burning" (1973) über "Turn of the Cards" (1974), auf dem mit "Things I Don't Understand" die letzte Zusammenarbeit mit Jim McCarty zu hören ist, bis "Sheherazade" (1975) steigerte man sich immer wieder, letzteres Album darf man wohl als ihr Opus magnum bezeichnen. Ein Konzeptwerk, inspiriert von den Geschichten aus tausendundeiner Nacht, flankiert von kürzeren Tracks - ein Album, das außerdem versucht, Rockband und Orchester zu verbinden.

Nach diesem Höhepunkt, der die Band natürlich dazu verpflichtete, einige Konzerte mit Orchester zu geben, und diese Events auf einem Livealbum zu dokumentieren, war es schwer, das Niveau zu halten. Immerhin enthielt "Novella" (1977) das wunderbare "A captive Heart" und "A Song for all Seasons" (1978) den ersten Singlehit der Band, "Northern Lights". Aber es gelang Renaissance nicht mehr, an "Sheherazade" heranzukommen. Ab "Azure d'Or" (1979) ging es dann bergab, John Tout and Terry Sullivan verließen die Band, und für die letzten beiden Studioalben dieser Phase schämen sich die Verbliebenen, zusammen mit den Ersatzleuten Peter Gosling und Peter Barron angeblich immer noch. Mit coolen weißen Dinnerjackets bekleidet versuchte man eine Anbiederung an den Markt...

Auf dem für lange Zeit letzten Album "Time Line" sind, das dürfte Proghistoriker interessieren, Marillion- und Hackett-Mitstreiter Ian Mosley und Nick Magnus zu hören. Geholfen hat das allerdings nicht.

Die Geschichte der Band ist mit diesem Album aber nicht zu Ende. 1983 wurde Barron durch niemand anderes als den späteren Porcupine-Tree- und King-Crimson-Schlagzeuger Gavin Harrison ersetzt, und der Keyboarder Mike Taylor sprang für Gosling ein. Beide verließen die Band jedoch bald wieder, ihre Plätze wurden von Greg Carter (Schlagzeug) und Raphael Rudd (Keyboards) eingenommen. Auch dieser Drummer bleibt nicht lange: 1985 kommt stattdessen Charles Descarfino in die Band und Mark Lampariello (aka Mark Lambert) ersetzt das langjährige Mitglied Camp. Kurz darauf endet die Geschichte der Band vorerst.

In den Neunzigern gab es einige Wiedervereinigungsversuche, mehr oder weniger im Umkreis von Dunford und seinen Musicalplänen für "Sheherazade", leider ohne Annie Haslam, während diese unter dem Namen "Annie Haslams Renaissance" selbst ein Revival versuchte. So erschienen 1994 zwei Studioalben von konkurrierenden Bands: "The Other Woman" von Michael Dunford's Renaissance (Lineup: Stephanie Adlington (Gesang), Phil Mulford (Bass), Stuart Bradbury (Gitarre), Rory Wilson (Gitarre), Andy Spiller (Keyboards) und Michael Dunford (Gitarre) und "Blessing in Disguise" von Annie Haslam's Renaissance, eingespielt von einer ganzen Legion von Musikern (David Biglin, Debbie Paulshus, Jan Paulshus, Joe Goldberger, Joe Sharone, John Arbo, Jordan Rudess, Mark Hitt, Mick Rossi, Rave Tesar, Tony Visconti). Lediglich Tesar hatte bis dahin etwas mit Renaissance zu tun gehabt.

1998 folgte dann ein weiterer Neustart, ausgehend von Dunford, Sullivan, Tout und Roy Wood (Bass, Keyboards, Percussion), der gleich darauf von Alex Caird ersetzt wurde, und auch Tout ging, dessen Platz nahm Mickey Simmonds ein. 2001 ersetzte David Keyes Caird, und Rave Tesar stieß zu der Band hinzu. Doch auch dieses Lineup blieb instabil. Erst nach einer echten Wiedervereinigung (mit Annie Haslam, Michael Dunford, John Tout, Terence Sullivan, Roy Wood und Mickey Simmonds), hatte man genügend Ausdauer, mit "Tuscany" ein neues Album einzuspielen und auf Japan-Tour zu gehen (Lineup: Haslam, Dunford, Sullivan und Simmonds mit Rave Tesar (Keyboards) und David Keyes (Bass)). Danach gab man zwar wieder einmal auf, aber 2009 fanden sich Haslam, Dunford, Tesar und Keyes wieder zusammen, um mit den Neuzugängen Tom Brislin (Keyboards) und Frank Pagano (Drums/Percussion) zusammen zu touren. 2010 überraschte die Band dann mit einer neuen Veröffentlichung, der EP "The Mystic and the Muse".

Terry Sullivan hat 2004 unter dem Namen Renaissant ein Album namens "South of Winter" vorgelegt, das stark von Renaissance beeinflusst ist. Die Texte stammen von Betty Thatcher-Newsinger, die Keyboards spielte John Tout. Des weiteren beteiligt: Christine Sullivan (Gesang), Lee Sullivan (Keyboards), Jasmine Rodgers (Gesang), Steve Rodgers (Gitarren), Kristian Sullivan (Gitarren) und Alex Caird (Bass), ebenfalls ein zeitweiser Renaissance-Mitstreiter.

Jim McCarty, Jane Relf, John Hawken und Louis Cennamo gründeten übrigens noch in den Siebzigern die Band "Illusion", benannt nach dem zweiten Renaissance-Album, und veröffentlichten in der Folge zwei Alben, "Out Of The Mist", 1977 und ein weiteres "Illusion" 1978. Unterstützt wurden sie noch von John Knightsbridge und Eddie McNeil. 2001 kam die Besetzung McCarty, Cennamo, Hawken und Relf dann ein (vorerst?) letztes Mal zusammen, um unter dem Bandnamen "Renaissance Illusion" das Album "Through The Fire" zu veröffentlichen.

(Nik Brückner)

Leitfaden


Renaissance-Eintrag im Leitfaden "Britischer symphonischer Prog der 70er Jahre"

Personell verwandte Bands (Pfadfinder)


Annie Haslam's Renaissance; Armageddon; Fireballet; Annie Haslam; Illusion; Intergalactic Touring Band; Jack-Knife; King Crimson; Nick Magnus; Marillion; Porcupine Tree; Jane Relf; Renaissance Illusion; Renaissant; The Strawbs; Supertramp; U-Z Project (Ultimate Zero Project); Rick Wakeman

Alle besprochenen Veröffentlichungen von Renaissance

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Renaissance 10.50 2
1971 Illusion 9.67 3
1972 Prologue 12.00 1
1973 Ashes are burning 10.50 2
1974 Turn of the Cards 11.00 2
1975 Scheherazade And Other Stories 11.67 3
1976 Live at Carnegie Hall 11.50 2
1977 Novella 10.50 4
1978 A Song For All Seasons 10.00 1
1979 Azure d'or 7.67 3
1982 Camera Camera 3.67 3
1983 Time Line 2.33 3
1994 The Other Woman 7.00 1
1995 Da Capo - 1
1997 Songs from the Renaissance Days 1.00 1
1997 At The Royal Albert Hall With The Royal Philharmonic Orchestra, Part 2 11.00 1
1997 At The Royal Albert Hall With The Royal Philharmonic Orchestra, Part 1 11.00 1
2000 'Unplugged' - 'Live' at The Academy of Music, Philadelphia USA 7.00 1
2001 Tuscany 7.00 2
2002 In the land of the rising sun 9.00 1
2006 British Tour '76 11.00 1
2008 Song of Scheherezade (DVD) 11.00 1
2010 The Mystic and the Muse 11.00 2
2010 Kings & Queens 10.00 1
2013 Grandine il Vento 10.33 3
2014 Symphony of Light 11.00 1
2015 DeLane Lea Studios 1973 9.00 1
2016 Live at the Union Chapel 12.00 1

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