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Armando Gallo

Genesis

über: Genesis



Genesis

Informationen

Erscheinungsjahr: 1978
ISBN: 3-9800216-0-2
Verlag: Klaus D. Böhler
Verlagsort: Köln


Rezensionen


Von: Michael Weinel


Ein aufmerksamer Leser wies darauf hin, dass auf den sonst so wohlsortierten BBS noch immer dieses in der Tat essentielle Werk fehlt.

Wer sich für die "prog-relevanten" Jahre von Genesis wirklich interessiert und seine Kenntnisse vertiefen möchte, kommt an diesem höchst sorgsam recherchierten Buch kaum vorbei. Armando Gallo ist langjähriger Weggefährte der Band, Journalist und Fotograf. Ein großer Teil der heute verfügbaren Fotos aus den frühen Jahren dürften wir wohl diesem Mann zu verdanken haben.

In langen Interviewsitzungen nahm Gallo sich die Bandmitglieder vor und erfuhr so vieles, was aufgrund seiner Nähe zur Band anderen Biografen wohl verborgen geblieben wäre. Andere Biografien erschienen wesentlich später (die meisten wohl in den 80ern), und dort wird die Frühgeschichte in aller Regel nur skizziert.

Der Band enthält neben der Bandgeschichte auch biografische Texte zu den Musikern. Hinzu kommen "hard facts" wie umfangreiche Equipment-Infos, ganz brauchbare Übersetzungen der Texte von "Lamb", "A Trick of the Tail" und "Wind and Wuthering", eine Diskografie etc. pp.

Da wie oben erwähnt Gallo auch als Fotograf tätig ist, erhalten wir im Mittelteil reichlich Farbfotos der Band (die heute wahrscheinlich jeder schon mal irgendwo im Netz gesehen hat ;)), live und privat. Auch im Textteil wurde nicht mit Abbildungen gegeizt (z. B. sind auch historische Zeitungsausschnitte zu bewundern).

Die Frage der Verfügbarkeit stellt bei diesem so wichtigen Werk leider eine kleine Hürde dar: Wer es in der deutschen Übersetzung lesen möchte, muss im antiquarischen Buchhandel die Augen offen halten bzw. die entsprechenden Online-Quellen nutzen; das Buch ist quasi seit dreißig Jahren "vergriffen"...

Das englische Original "The Evolution Of A Rock Band" erschien ebenfalls 1978 im Verlag Sidgwick & Jackson Ltd.; 1980 gab es eine aktualisierte Neuauflage unter dem Titel "I Know What I Like".

Wahre Genesis-Fan(atiker) haben dieses Werk sowieso im Regal stehen - allen anderen sei es trotz der Verfügbarkeitsproblematik sehr ans Herz gelegt. Und in Zeiten des Internets ist das ja einfacher geworden - mein Exemplar habe ich damals nur mit viel, viel Glück und Zufall bekommen.

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Von: Nik Brückner


Die Veröffentlichungsgeschichte von Armando Gallos Buch über Genesis ist nicht ganz einfach: Es gab die Erstauflage von 1978, unter dem Titel "The Evolution of a Rock Band", eine zweite von 1980, und einige Übersetzungen. Michael hat offenbar eine deutschsprachige Version rezensiert.

Ich habe lange versucht, die Zweitauflage zu bekommen, weil ich über die Zeit bis "Duke" und vor allem über "...and then there were three..." lesen wollte. Das war aber nicht möglich, meine üblichen Quellen hatten die zwar, aber nur für einen Preis, den ich nicht zahlen wollte. Also blieb es bei der Erstauflage, auf Englisch.

Armando Gallos Buch gilt bis heute als Standardwerk, und das aus drei Gründen: Zum einen weil Gallo damit eines der ersten Bücher über eine Progband verfasst hat, zum andern, weil er in diesen Jahren sehr nah an der Band dran war und Vieles hautnah mitbekam, und zum dritten, weil sich bis heute nicht wenige der späteren Bücher über Genesis auf "The Evolution of a Rock Band" stützen - vielleicht weil ihre Autoren keine Interviews mit den Musikern bekamen, vielleicht aber auch aus reiner Bequemlichkeit. In den erfolgreichsten Jahren der Gruppe wurde der Markt nur so mit Büchern und Büchlein überschwemmt, da musste man eben mithalten.

Gallo schreibt eine Geschichte der Band und ihrer Mitglieder. Oder besser: Gallo schreibt eine Geschichte der Mitglieder und ihrer Band. Denn es geht ihm zu keinem Zeitpunkt um Musik. Aus "The Evolution of a Rock Band" erfährt man buchstäblich nichts über die Songs, die Alben, wie sie geschrieben oder aufgenommen wurden. Die Alben waren plötzlich einfach da. Selbst in dem ausführlichen Kapitel über den Rückzug der Band in das Cottage, in dem sie "Trespass" entwarfen, erfährt man mehr über das Leben dort als über die Arbeit.

Nun kann man einwenden, dass Gallo das eben nicht wollte, oder es nicht wollte, weil er es nicht konnte, und das ist auch ganz in Ordnung. Andererseits handelt es sich bei Genesis nun einmal um Musiker, und die Herren, die uns interessieren, interessieren uns nur, weil sie Musiker sind. Gallo aber zeigt uns, wie der professionelle Rockjournalist jetzt wohl formulieren würde, den Menschen hinter dem Musiker, etwas, das ja bis heute (aus für mich vollkommen unverständlichen Gründen) für viele Fans ganz besonders spannend ist. Und so kann man, wenn man es böse meint, das Buch als eine Ansammlung von Homestories lesen. Doch ganz so schlimm wird es dann doch nicht. Denn Gallo schreibt kenntnisreich, stets unterhaltsam, und schafft es auf diese Weise, dem Leser die Charaktere der "Jungs" plastisch zu schildern: der Entertainer Collins, der quadratische Banks, der langweilige Rutherford. Leider vergisst Gallo über weite Strecken Steve Hackett: Das letzte, was man über ihn erfährt, ist, dass er bei seinem Einstieg in die Band unter starkem Lampenfieber litt - über die Zeit danach erfährt man bis zum Schlusskapitel nichts mehr.

Ein Klassiker des frühen Progjournalismus, ein Klassiker des Genres Bandgeschichte ist Gallos "The Evolution of a Rock Band" aber allemal, schon allein deshalb, weil es eines der ersten Bücher dieser Art über eine Progband ist. Trotzdem ist es gut, dass es eine zweite Auflage gegeben hat. Wenn ich die nur kriegen könnte...

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