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Gareth Shute

Concept Albums



Concept Albums

Informationen

Erscheinungsjahr: 2013
ISBN: 9781482706529
Verlag: Investigations Publishing
Verlagsort: Auckland


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Da setzen wir von den Babyblauen Seiten uns hin und schreiben mühsam einen Leitfaden für Prog-Konzeptalben - und dann erscheint nur ein Jahr später ein 170seiter von Gareth Shute zu diesem Thema. Da hätten wir uns einiges an Arbeit sparen können!

Oder?

Shutes Buch lässt sich vielversprechend an. Er bemüht sich zu Anfang um eine brauchbare Definition von "Konzeptalbum". Denn es ist klar, dass nicht jedes Album, dessen Songs sich um ein bestimmtes Thema drehen, ein Konzeptalbum ist. Wie viele Pop-Alben drehen sich um die Liebe? Und natürlich sind das nicht alles Konzeptalben. Shute bemüht sich um eine etwas differenziertere Herangehensweise, und versucht zunächst, die Relation zu Oper, Operette und Musical herzustellen. Es bleibt aber bei diesem Bemühen. Denn sein Abgrenzungskriterium ist überraschend: Es ist die Aufführungssituation. Konzeptalben werden nur in den seltensten Fällen aufgeführt. Überraschend ist das deswegen, weil es doch noch einige andere, und in meinen Augen gravierendere Unterschiede zwischen Konzeptalben in der Rock- und Popmusik und, sagen wir, Oper und Operette gibt. Die Musik zum Beispiel.

Womit wir beim Hauptproblem des Buches wären. Shute ist Musikjournalist, und weil das bei denen offenbar zum Berufsbild gehört, schreibt er auf 170 Seiten praktisch nichts zum Thema Musik. Dass die wenigsten Musikjournalisten das tun, macht es nicht besser. Und so definiert er den Begriff "Konzeptalbum" nicht nur über musikfremde Kriterien (Thema, Handlungsbogen, Narrativ, etc.) und verunklärt ihn gleich darauf, indem er Alben mit Longtracks wie "Tarkus" dazuzählt und gleichzeitig auf One-Track-Alben überhaupt nicht eingeht, er liefert auch in seiner nun folgenden Geschichte des Konzeptalbums nichts anderes als Zusammenfassungen von Themen, Handlungen und Plots.

Dabei muss man ihm zugute halten, dass er ein sehr breites Spektrum von Musikrichtungen im Blick hat. Entgegen einer in unseren Kreisen weit verbreiteten Meinung ist das Konzeptalbum nämlich nicht die Domäne des Progressive Rock, Konzeptalben gibt es auch in Pop, Country, Rap, Alternative, Metal, Funk und so weiter. Es ist schade, dass wir Proghörer das nicht sehen (können), weil wir eben vor allem (oder gar ausschließlich) Prog hören und dann schnell den Eindruck haben, Konzeptalben wäre eine Vorliebe von Progbands. Problematisch wird es, wenn man, wie es in den letzten Jahren in einigen anglo-amerikanischen Zeitschriften üblich geworden ist, den Umkehrschluss zieht, und ein Album schon allein deshalb zum Prog zählt, weil es ein Konzeptalbum ist. Gegen solche Kurzschlüsse kann die Lektüre dieses Buches vorbeugen, Shute zeigt das sehr überzeugend am Beispiel von Queensrÿches "Operation: Mindcrime".

Dennoch: Die Mängel überwiegen. Wie gesagt: Das Buch ist in erster Linie eine Versammlung von dutzenden, wahrscheinlich an die einhundert Kurzzusammenfassungen von Plots. Wir erfahren, worum es in den Stories geht, wer die handelnden Figuren sind, und ob die Alben eine nachvollziehbare Geschichte erzählen, oder eher vage bleiben. Das war's dann aber auch schon. Dass ein Konzept auch in der Musik widergespiegelt sein kann, strukturell etwa, dass es so etwas wie Ouvertüren gibt, Rezitative, impressionistische Sequenzen, Outros, die musikalischen Pendants zu narrativen Spannungsbögen, das verschweigt Shute. Und so fragt man sich Seite für Seite, warum der Musikjournalist (und Musiker!) Shute nicht einfach über Musik schreibt, wenn er sich schon ein Thema aus der Musik wählt.

Ebenso fehlt eine nachvollziehbare Einteilung. Das Buch folgt der Entwicklung des Genres grob chronologisch, eingeteilt auch nach Genres, aber das ergibt im Grunde nur bis in die 1970er Jahre hinein Sinn. Denn aus dem Buch selbst geht schnell hervor, dass bereits damals die verschiedenen Formen des Konzeptalbums voll entwickelt vorlagen, und seither nur immer wieder neue Ausgestaltungen dieser Formen vorgenommen werden. Und genau das ist der Punkt, an dem man hätte ansetzen müssen: Die Frage, welche Formen von Konzeptalben es gibt. Zwar stellt Shute hin und wieder Parallelen her, das bleibt aber vollkommen oberflächlich, etwa wenn er zeigt, dass sowohl Pink als auch Tommy Jünger um sich versammeln. Stattdessen hätte man unterscheiden können (müssen!) zwischen narrativen Konzeptalben (eben etwa "The Wall" oder "Tommy"), Konzeptalben mit literarischer Vorlage, losen, vagen "Themenalben" ("Tales from topographic Oceans") und abstrakten Konzepten ("Octavarium" und "Tubular Bells" werden nicht einmal erwähnt) - die Reihe lässt sich selbstverständlich fortsetzen.

Zu guter Letzt fallen in Shutes Buch zahlreiche Fehler auf. So heißt Bob Geldof stur "Bob Geldolf", Dream Theater mal wieder "Dream Theatre", und "The Wall" wurde nur in vier Städten aufgeführt: "London, Los Angeles, New York and Germany".

Gareth Shutes Buch bleibt damit viel zu sehr an der Oberfläche. Er nimmt nur einen sehr eindimensionalen Zugriff auf sein Thema, er vergibt die Chance auf eine erhellende Analyse und die Zusammenfassungen sind in vielen Fällen selbst den schlichteren Fantasy-Stories von Powermetal-Alben nicht angemessen. Schade! Da empfehle ich ganz unbescheiden den Konzeptalben-Leitfaden der Babyblauen Seiten...!

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