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Christopher P. Bohling

Freedom and Construction: New Concepts of Form in the Improvisations and Compositions of King Crimson

über: King Crimson



Informationen

Erscheinungsjahr: 2012 (Masterarbeit, University of Kansas)
ISBN:
Verlag:
Verlagsort:


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Christopher P. Bohling ist eine Forschungslücke aufgefallen: So viel bisher auch über King Crimson geschrieben wurde - die Improvisationen der Band sind kaum je untersucht worden. Und dabei ist King Crimson gerade dafür berühmt, dass sie dem Rock die Improvisation erschlossen haben.

Nun, Bohling hat zwar einiges an Literatur übersehen (zum Beispiel die Schriften von Andrew Keeling), dennoch hat er Recht: Die Improvisationen King Crimsons sind unterbelichtet. Zu Recht beschäftigt er sich also in seiner Masterarbeit damit.

Die Gliederung der Arbeit folgt einem klassisch akademischen Muster: Einer Einleitung folgt ein Kapitel zur methodischen Grundlegung, eine (dankenswert kurze) Einführung in die Bandgeschichte und ein Überblick über die bisherige Forschungsliteratur - der zwar leider unvollständig bleibt, aber dennoch nichts Wesentliches auslässt. Sodann arbeitet sich Bohling schrittweise an die Improvisationen heran: Zunächst betrachtet er im Kapitel "The Songs" eben einige Songs der Band, im nächsten Kapitel die Instrumentals, bevor er sich schließlich den Improvisationen zuwendet. Auf diese Weise kann Bohling zeigen, wie King Crimson sich die Domäne der Improvisation erst nach und nach erschließen.

So zeigt er etwa, wie in "Twenty-First Century Schizoid Man" gesungene Passagen, komponierte instrumentale Passagen und Improvisationen zu einem Stück integriert werden, und wie bei "Moonchild" ein komponierter erster Teil einem improvisierten zweiten vorangestellt wird. Nebenbei: Bohling gelingt es, sowohl zu dem Song einiges zu sagen, als auch zu zeigen, warum (und nicht nur dass) die Improvisation scheitert. Beides ist bis dato etwas unterbelichtet gewesen.

In diesem Teil geht er daneben auch auf “Indoor Games” und “The Letters”, “Lament” und “The Night Watch”, “Fallen Angel” und “One More Red Nightmare” sowie “Easy Money”, “The Great Deceiver” und “Exiles” ein. Auch hier zeigt Bohling, wie die Band Komponiertes und Improvisiertes ineinanderschaltet.

An den Instrumentals interessieren Bohling die Unterschiede zwischen den von der Band und den von Fripp alleine komponierten Stücken. In diesem Zusammenhang betrachtet er “The Devil’s Triangle”, “Bolero” und “Last Skirmish” sowie “Song of the Gulls”, und die Fripp-Kompositionen “Larks’ Tongues in Aspic, Part 2” “Fracture” und “Red”. Und er zeigt, wie "Starless" die Band auf den Punkt bringt, indem das Stück King Crimsons Talente auf allen drei Gebieten, Song, Instrumental und Improvisation, auf herausragende Weise repräsentiert.

Was die Improvisationen angeht, stützt sich Bohling auf die von John Litweiler und Ingrid Monson im Rahmen von Studien zum Jazz entwickelten "intensity graphs", die bestimmte Aspekte visualisieren können (in meinen Augen aber eine Beschreibung nicht ersetzen). Hier zeigt er anhand von “Moonchild”, “We’ll Let You Know”, “Trio”, “Starless and Bible Black”, “Is There Life Out There?”, “Asbury Park” und “Providence”, wie King Crimson über die Jahre dazulernen, vor allem auf den Gebieten Rhythmik, Harmonik und Tonalität und sich zu einer Formation entwickeln, die eine beeindruckende Fähigkeit besitzt, im Rahmen einer Gruppenimprovisation aufeinander zu reagieren, zu spüren, in welche Richtung sich die Musik entwickelt und diese Entwicklung auch zuzulassen. Interessant ist dabei, zu lesen, dass es oft John Wetton war, der die Richtung vorgab, aber eben auch nicht immer. Bohling geht dabei vor allem auf die Momente ein, in denen eine Improvisation eine entscheidende Wendung nimmt.

In einem letzten Kapitel geht Bohling noch kurz auf die Wirkung der Improvisationen King Crimsons ein. Dass er dabei vor allem auf die Band Sonic Youth abhebt, ist interessant, aber da wäre eine größere Breite interessanter gewesen.

Alles in allem eine sehr erhellende Lektüre! Ich muss nämlich zugeben, dass ich den Improvisationen bis dato auch nicht wirklich aufmerksam gefolgt bin. Das hat sich nun definitiv geändert. Und ich weiß jetzt, worauf man achten kann, und welche Kriterien es einem ermöglichen könnten, auch eine Improvisation zu beurteilen.

Die Arbeit ist kostenlos übers Netz zu bekommen. Einfach oben den Autornamen anklicken.

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