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Ingo Meyer

Frank Zappa

über: Frank Zappa



Frank Zappa

Informationen

Erscheinungsjahr: 2010
ISBN: 978-3150188118
Verlag: Reclam
Verlagsort: Stuttgart


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Kein Buch für Einsteiger hat Ingo Meyer da geschrieben. Kein leichtes. Man liest immer wieder, das Buch sei wegen der vielen Fremdwörter nahezu unverständlich.

Man liest das vor allem in den so genannten "Rezessionen".

Ich meine, nicht jedes Buch ist für jeden, oder? Muss doch auch nicht. Zappas Musik war auch nicht für jeden. Ist das so schlimm? Dass Menschen verschieden sind? Zappas Musik war auch verschieden.

Zappa war auch verschieden.

Schlägt man's halt nach. Findich.

Zappa war verschieden, und als verschiedenen Menschen stellt Meyer ihn auch dar. Zappa war auch intelligent, und intelligent stellt Meyer (ebenfalls intelligent) ihn auch dar. Angemessen eben.

Für Meyer ist Zappa ein kalter Ironiker und Eklektiker, "dem beinahe jede musikalische Form zu Gebote stand", und der (vielleicht gerade deshalb) keiner einen Vorzug gab, im Sinne irgendeines sentimentalen "Feelings", das die meisten Musiker ja dazu zwingt (und darauf beschränkt), die eine und immer gleiche Musik zu machen, die eben ihrer (dann offenbar recht eindimensionalen) Gefühlswelt entspricht. Was ich damit meine: Stil. Zappas Intelligenz half seine Bildung auf die Sprünge.

Hat den Nachteil, dass es schwierig wird, etwas wirklich ernst zu nehmen: Meyer stellt Zappa auch als einen Musiker dar, der nicht nur anderen sondern auch sich selbst und seiner Musik gegenüber immer distanziert war. Sich geradezu zwanghaft immer wieder ins Wort fiel, einerseits mit Varèse oder Slonimsky an zeitgenössischer Musik arbeiten und andererseits herumfäkalisieren konnte. Seine Musik zusammen- und wieder auseinander- und wieder neu zusammenbaute, weil er kein (oder sagen wir wohlwollend: sein ganz eigenes) Verhältnis zum traditionellen Werkbegriff hatte. Vielleicht versteht man unter "Werk" bei Zappa besser sein Gesamtwerk, mit all seinen wiederkehrenden Figuren, Motiven, Songs, Gags, richtig verstanden aber als etwas Dynamisches.

Einer solchen Figur auf 200 Seiten gerecht zu werden, fäkal schillernd, qualitativ divers, politisch umstritten und kultisch bewundert, ist nicht möglich. Meyer ignoriert folgerichtig die Versuchung, Zappa oder auch nur (hr hr) sein musikalisches Werk in all seinen Facetten interpretieren zu wollen. Biographisches wird man vermissen, wenn es einen interessiert - aber mal ehrlich, wen interessiert schon das Privatleben eines Rockstars (außer er ist am Vögeln). Zappa hatte eh keins. Statt zu beschreiben und zu analysieren, fasst Meyer urteilend zusammen, bewertet, diskutiert. Gut so. Immerhin ist das ein Reclam-Band, keine entgrenzte Online-Dissertation. So kann er sich auf das Wesentliche von Zappas Schaffen konzentrieren, auf das in seinen Augen Wesentliche. In wessen Augen auch sonst.

Meyer zeichnet zunächst in fünf Kapiteln Zappas Entwicklung und Zappas Karriere nach, und geht in der Folge in essayartigen Exkursen auf Komposition und Werkstruktur, Sprache und Text, Zappa als Bandleader und Zappa als Geschäftsmann ein, bis er zuletzt vom "Nachruhm und von der Leichenfledderei" berichtet. Kein schlechtes Ende. Für das Buch, nicht für Zappa. Zumal es Ingo Meyer gelingt, bekannte Klischees aufzulösen, Zappas Werk in größere Zusammenhänge zu setzen und dem Leser einen Überblick über den immer dynamischen, nie stillstehenden Zappa-Chaosmos zu bieten - ohne ihn dabei aber zu ordnen.

Dankenswerterweise ist ihm der Kult rund um Frank Zappa mindestens ebenso wurscht wie er Zappa selbst fremd gewesen sein dürfte. Meyers kritischer Blick ist äußerst erholsam - dürfte aber, wie seine Fremdwörter, nicht jedem gleich konvenieren. Passt schon.

Als Einstiegswerk zu Zappas Leben und/oder Werk kann Ingo Meyers Buch vielleicht nicht empfohlen werden. Man kann es aber trotzdem zum Einstieg lesen - wenn man sich von anspruchsvoller Lektüre weniger abschrecken, vielmehr anregen lässt. Absprungpunkte zum Weiterlesen und -forschen bietet Meyer jedenfalls genug. Empfehlung!

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