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Markus Wierschem

Animae Partus: Conceptual Mythopoeisis, Progressive Rock, and the Many Voices of Pain of Salvation’s BE.

über: Pain of Salvation



Animae Partus: Conceptual Mythopoeisis, Progressive Rock, and the Many Voices of Pain of Salvation’s BE.

Informationen

Erscheinungsjahr: 2016 (Erschienen in dem Band: Jarmila Mildorf/Till Kinzel (Hrsg.): Audionarratology: Interfaces of Sound and Narrative, S. 79 - 96.)
ISBN: 978-3-11-047275-2
Verlag: DeGruyter
Verlagsort: Berlin


Rezensionen


Von: Nik Brückner


"Animae Partus: Conceptual Mythopoeisis, Progressive Rock, and the Many Voices of Pain of Salvation’s "BE"" ist ein Aufsatz, der in dem Band "Audionarratology" von Jarmila Mildorf und Till Kinzel erschienen ist. Die anderen Aufsätze sind nicht progrelevant (wenngleich ebenfalls äußerst interessant) – deshalb will ich hier nur auf Markus Wierschems Text "Animae Partus" eingehen. Er dreht sich um Pain of Salvation’s Konzeptalbum "BE".

Audionarratology! Ou Män! Audionarratologie!

Audionarratologie ist eine Narratologie, also eine Erzähltheorie, die die Kreuzungen nicht nur von Erzähltexten (also Literatur), anderen erzählenden (z. B. journalistischen) Texten, aber auch jenen berühmt-berüchtigten Narrativen, die unser aller Welt- und Selbstverständnis bestimmen, auf der einen Seite, und Sound, Klang, Gesang, kurz: Musik auf der anderen, in intermedialem Kontext, und daher notwendigerweise interdisziplinär untersucht.

Klar geworden? Oder was!

Markus Wierschem ist Wissenschaftler. Anglist und Amerikanist, und, wie sein Text zeigt, Kulturwissenschaftler im weiteren Sinne. Außerdem ist er BBS-Rezensent.

Immer schwierig, die Arbeit eines Kollegen zu kritisieren, vor allem wenn sie schlecht ist.

Ist sie aber nicht. Wierschems Text ist sogar besser als sein Untersuchungsgegenstand, Pain of Salvation’s "BE". Das ist eines jener Prog-Alben, auf denen man den Prog mit der Lupe suchen muss. Tolles Konzeptalbum, Prog nur am Rande. Zweifelt man jedoch nicht daran, dass Pain of Salvation eine Progband ist, und dass Konzeptalben automatisch Progalben sind, dann kommt man gar nicht auf die Idee, dass "BE"…

…aber ich will das nicht zu weit treiben, schließlich spielt es für Wierschems Untersuchung auch keine allzu große Rolle, ob "BE" nun Prog ist oder nicht. Er untersucht vielmehr, wie der Titel seines Aufsatzes schon sagt, konzeptionelle Mythopoeisis, Progressive Rock, und die vielen Stimmen auf dem Album - kurz: er hört das Album unter dem Aspekt der Audionarratologie. Explizit betont er, dass er kein Musik- sondern ein Kulturwissenschaftler ist, und er spricht folgerichtig gar nicht so viel über die Musik. Und soweit ich das Album kenne (ich bin nun wirklich kein Pain-of-Salvation-Hörer), ist es unter kulturwissenschaftlichem Aspekt tatsächlich weitaus interessanter als unter musikwissenschaftlichem. Schließlich ist es über weite Strecken recht konventionell komponiert.

Aber wie gesagt, das spielt gar keine so große Rolle. Wierschem interessiert sich vor allem für das Konzept und für die im Konzept sich kreuzenden textuellen Aspekte von Kosmogonie und Theogonie bzw. ihrer Narrativierung, und der musikalischen Inszenierung (und eben weniger ihrer Komposition). "BE" eignet sich für eine solche Studie ganz hervorragend, sind doch gerade Konzeptalben in besonderer Weise durch außermusikalische Strukturen (wie z. B. Narrative oder abstraktere thematische Zusammenhänge) organisiert. Wierschem stößt dabei prompt auf das Problem, dass man über die Wechselwirkungen zwischen Konzept, Text und Musik (sowie ggf. Inszenierung) auf Konzeptalben gar nicht so viel weiß (was einige Publikationen der jüngeren Zeit leider recht eindrucksvoll dokumentieren).

Umso genauer in der Folge Wierschems Blick auf "BE". Ich will hier gar nicht so intensiv seine Analyse nacherzählen, nur so viel sei gesagt: Er folgt Pain of Salvations Gespinst von Fäden, die die Band von C. G. Jungs Archetypentheorie über Joseph Campbells Heldenreise, von der Kulturanthropologie René Girards zur Mythenanalyse von Claude Lévi-Strauss knüpft, vom Gnostizismus zur Kapitalismuskritik, von der Theogonie bis hin zum künstlichsten aller Probleme, der Theodizee.

Und dann sagt er eben doch noch etwas zum Progressive Rock, nämlich eben unter dem Aspekt des Konzepts und des Texts. Wenig genug, nur ein paar Seiten (über ein Thema, über das man mehr als einmal promovieren könnte), aber diese Seiten haben es in sich. Für mich, der sich, wie sicherlich überdeutlich genug geworden ist, für "BE" nicht sonderlich erwärmen kann, die interessantesten Seiten des Aufsatzes.

Wer das Buch nicht kaufen mag – es kostet immerhin einen knappen Hunderter -, der kann sich Wierschems Aufsatz auf der deGruyter-Seite runterladen. Nicht umsonst, aber immerhin deutlich preiswerter. Ein lohnender Les!

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