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Greg Lake

Lucky Man: The Autobiography

über: Greg Lake



Lucky Man: The Autobiography

Informationen

Erscheinungsjahr: 2017
ISBN: 978-1-47212-648-1
Verlag: Constable
Verlagsort: London


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Greg Lake.

1947 - 2016.

Etwas mehr als ein Jahr ist es jetzt her, dass eine der großen Stimmen der Rockmusik für immer verstummte. Am 7. Dezember 2016 erlag Lake einem Krebsleiden.

Hinterlassen hat er uns seine romantischen Balladen, aber natürlich auch die Songs, die er mit seinen großen Bands, King Crimson und Emerson, Lake & Palmer aufgenommen hat. An einige Meilensteine seiner Gesangskarriere sei hier erinnert. King Crimsons "21st Century schizoid Man" etwa, mit dem er für immer ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit getreten ist, oder ELPs "Bitches Crystal", das seine aggressive Seite zeigte. Dann, ganz wichtig, "The Endless Enigma" vom "Trilogy"-Album, das einen Qualitätssprung in Lakes sängerischer Performance markierte, und natürlich "Pirates": niemals in seiner gesamten Karriere hat Lake brillanter, facettenreicher, druckvoller und sanfter gesungen als hier.

Was für ein grandioser Sänger der Mann war, bemerkt man auch bei "Karn Evil 9", ein Stück, in dessen ersten vier Minuten er kaum etwas singt, was den Namen "Melodie" verdient hätte: es handelt sich mehr oder minder um die gleiche Note, die er immer wieder singt. Dass sich dabei keine Langeweile einstellt, liegt in erster Linie an Lakes Sangeskünsten.

Auch als Instrumentalist hat er Spuren hinterlassen. Als Bassist glänzt Lake auf "Tank" vom ersten ELP-Album mit seiner wohl einfallsreichste Basslinie, "The Sage", sein Akustik-Beitrag zu ELPs "Pictures at an Exhibition", zeigt ihn als versierten Gitarristen, der englische Lautenstücke der Renaissance aufgreift.

Und schließlich tat sich Lake als Texter hervor. Nicht immer mit Glanzleistungen, das sei nicht verschwiegen, verwiesen sie hier aber auf seinen vielleicht tiefgründigsten Song, "Closer To Believing", und noch einmal auf "Karn Evil 9", für das er in Zusammenarbeit mit Peter Sinfield lautmalerisch textete:

“Cold and misty morning, I heard a warning borne in the air
About an age of power where no one had an hour to spare,
Where the seeds have withered, silent children shivered, in the cold
Now their faces captured in the lenses of the jackals for gold.”

Dass bei so viel Sinn für den Klang auch noch ein sinnvoller Text herauskommt, ist schon eine große Leistung.

Als Texter präsentiert sich Lake auch in seiner Autobiographie "Lucky Man", die er kurz vor seinem Tod fertigstellen konnte. Sie deckt damit seine gesamte Karriere ab, und so durchzieht das Buch eine Spur jener Wehmut, derer man sich bei der Rückschau auf ein solch langes, erfülltes Leben mit seinen Höhen, aber auch mit vielen Tiefen, wohl nicht erwehren kann. Auf 295 Seiten zeichnet Lake seine Karriere nach.

Leider bleibt es bei einer Skizze. Das Buch ist über weite Strecken eine Aneinanderreihung von Anekdoten über das Leben als tourender Musiker. Lake springt von Konzert zu Konzert, berichtet hier von einer begeisterten Menge, dort von einem Sturm, mal auch von Begegnungen mit Figuren aus der Halbwelt. Einen echten Einblick in das Musikerleben erlangt man aber an keiner Stelle. Lake erzählt viel von Managern, dafür kaum etwas von den Bands. Wie funktionierten ELP als Band? Wie reagierten Lake, Emerson und Palmer auf den ganzen Stress, den das Tourleben mit sich brachte? Tatsächlich werden die beiden kaum je erwähnt, Palmer verschwindet teils für dutzende Seiten aus dem Buch. Aber auch über sich selbst spricht Lake kaum. Hier und da blitzen kleine Hinweise auf sein Innenleben auf, bemerken kann das aber wohl nur der sehr gut informierte Fan, der aus anderen Büchern und Interviews bereits mehr über bestimmte Hintergründe erfahren hat. Man kann nur ahnen, was es für Lake bedeutet haben muss, am Ende seines Lebens sein allererstes Album, King Crimsons Debüt, für sein bestes zu halten. Man kann nur ahnen, was es für Lake bedeutet haben muss, dass seine Solokarriere nach zwei Alben scheiterte. Und man kann nur ahnen, was es für Lake bedeutet haben muss, dass Emerson und Palmer ihn irgendwann nicht mehr als Produzenten akzeptierten. Über die daraus resultierenden Probleme spricht er nicht.

Erst ganz am Ende vermag es das Buch, seinen Leser zu bewegen. Bezeichnenderweise geht es in diesen Passagen nicht um Lake, sondern um Emerson. Erschütternd Lakes Bericht über Emersons Zustand am Beginn ihrer Zweimann-Tournee 2010. Berührend seine Gedanken über die Gründe für Emersons Freitod 2016.

Greg Lake ist nicht mehr unter uns. Er hat uns ein Buch hinterlassen, das seiner Karriere als Musiker nicht gerecht wird, dem Menschen Greg Lake erst recht nicht. Aber Lake war nun einmal Musiker, und kein Autor. Hätte er besser geschrieben als gesungen, kennten wir ihn heute als Autor. Und so bleibt festzuhalten: Auch wenn dieses Buch in Vergessenheit geraten sein wird, seine Songs werden es nicht.

Es ist Weihnachten. Hören wir "I Believe In Father Christmas".

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