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Michael Rudolf

Round about Jutesack. Yes, "Yessongs" (= The Essence of Rock, Bd. 1)

über: Yes



Round about Jutesack. Yes,

Informationen

Erscheinungsjahr: 2001
ISBN: 3-932324-81-1
Verlag: Wehrhahn
Verlagsort: Hannover


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther


"Round about Jutesack" eröffnete im Jahr 2001 die Reihe "The Essence of Rock" des Hannoveraner Wehrhahn-Verlages. Viel kam seitdem allerdings nicht mehr. Bd. 2 befasste sich mit Ton, Steine, Scherben. Das war´s bislang, soweit ich sehe.

Aber warum eigentlich? Ein ganzes Buch über ein einzelnes Album, das klingt doch erfreulich ungewöhnlich. Es böten sich da beachtliche Möglichkeiten, um zu tun, was in der Rockjournalistik nicht unbedingt häufig geschieht: etwas in die Tiefe zu gehen.

Nun, "Round about Jutesack" hat über 60 Seiten, einen festen Einband und einen ISBN-Eintrag. Ganz klar: ein Buch. Nach UNESCO-Richtlinie hätten dafür schon 48 Seiten gereicht. Allerdings überschreitet der Band das Mindestmaß nur durch die Verwendung eines, sagen wir, äußerst handlichen Formats und eines Zeilendurchschusses, der so weit klafft wie die Zahnlücken von Pogues-Sänger Shane MacGowan. Der Text, an dem man allenfalls ein halbes Stündchen liest, ist eigentlich ein nicht mal besonders umfangreicher Essay, einer, der thematisch aber wohl zu abgelegen war, um ihn in einer Zeitschrift unterbringen zu können und der daher zum Büchlein aufgepumpt wurde. Nicht, dass ich darin von vornherein etwas Negatives sehen würde. Aber es ist klar, daß angesichts des Preises von 12,30 Euro kein Bestseller daraus werden konnte.

Die Hoffnung auf Rechercheergebnisse, auf detaillierte Analyse und materialreiche Darstellung sollte der Leser also gleich aufgeben. Nicht die Informationen, sondern die Interpretationen und die Schreibe müssen es hier bringen. Rudolf - u.a. "Titanic"-Autor - versucht es im satirischen Tonfall, ähnlich wie im von ihm mitverfassten "Lexikon der Rockgitarristen" (bei dem allerdings das Wort "Lexikon" noch mal in Extra-Anführungszeichen gehört).

Der Autor referiert zunächst einige aus Yes-Büchern und Videos wohlbekannte Anekdoten, mit denen er die Bandgeschichte zu umreißen versucht. Und ab S. 27 schildert er dann, was ihm zur Musik und zur Covergestaltung von "Yessongs" eingefallen ist. Er versucht dem Leser ein Gefühl dafür zu vermitteln, warum die absonderliche Bilderwelt Roger Deans sich so eng mit der Musik von Yes verbinden konnte. Und er trägt einige Gesichtspunkte über die Kompositionstechnik und das Spiel der Gruppe zusammen, die er zwar fast alle aus bekannten Statements der Musiker gewonnen hat, mit denen er aber auch die Quintessenz seines Buches untermauern will, dass nämlich "Yessongs" einer "der ersten wirklichen Höhepunkte des britischen Art-Rocks" war - "einer Musik, die herzlich wenig mit Rockmusik, geschweige denn Songs zu tun hatte, aber nur mit Rockinstrumentarium erzeugt werden konnte" (S.51).

Wie angedeutet: "Round about Jutesack" ist - und wer würde das bei diesem Titel zu mutmaßen wagen? - nicht zuletzt ein humoristisches Büchlein. Angesichts des pseudo-wagnerianischen Wagalaweias, das der Prog so gern zelebriert, ist Humor natürlich immer gut. Ein paar Formulierungen Rudolfs sind auch wirklich ganz ulkig. Der Satz "Wer will schon dauerhaft verkniffene Gesichter von seltsam kostümierten Musikern sehen, die extrem mit sich selbst, miteinander, mit ihren Instrumenten und der Welt hadern, die von Sachen singen, die keiner recht versteht?" (S.22/23) - dieser Satz wird doch zumindest unseren BBS-Kollegen Fix mit seiner chronischen Yes-Gastritis durchaus erfreuen. Und dass Rick Wakeman sich live mit einem "Großraumbüro" von Gerätschaften umgab (S.15), fand ich auch ganz nett.

Aber insgesamt ist die Sache eher mäßig lustig und noch mäßiger anregend. Der Autor neigt leider dazu, seine eigentlich simple Sprache durch entlegene Fremdwörter aufzupeppen, die er aber so auffällig-unauffällig verwendet, als habe er sie kurz zuvor im Wörterbuch nachgeschlagen. Das raubt seinem Stil die Souveränität und wirkt ziemlich bemüht. Positiv würde ich hingegen vermerken, dass hier jemand seine Urteile nicht allein danach ausgerichtet hat, welche Formulierungen ihm gerade in die Feder geflossen sind. Denn obwohl Rudolf mit Sarkasmen nicht spart, wird seine Wertschätzung für die Yesmusik dennoch deutlich. Er ätzt hier nicht um des Ätzens willen. (Das ist im Lexikon der Rockgitarristen oft anders).

Das Bändchen ist insgesamt eine vertane Gelegenheit. Ich hätte nichts dagegen gehabt, den Beitrag irgendwo in einer Zeitschrift zu finden. Da hätte er vielleicht den einen oder anderen Leser anregen können, seine Wahrnehmung für den Prog und seine Blütezeit zu schärfen, ohne sich gleich zu einem Kult aufgefordert zu fühlen. Aber wer kauft schon ein Buch, das bei seinem Erscheinen fast 25 Mark kostete, außer demjenigen, der ohnehin schon an Yes interessiert ist? In dem er dann aber sehr wenig Neues und nur mittelprächtige Humoristerei findet? Mir scheint, man hätte da schlicht etwas mehr Mühe reinstecken können. Immerhin, dass der Band laut Verlag auf 1200 Exempare "limitiert" war, lässt auf einigen Optimismus schließen.

Ich muß jetzt aufhören, die Rezension wird sonst länger als das besprochene Werk.

Nur noch eins: Die Sache mit dem Jutesack. Die kommt auch im mehrfach erwähnten Lexikon der Rockgitarristen vor. "Jutesackverpackte" Texte dichtet Jon Anderson laut Michael Rudolf. Ich finds nicht treffend. Das Weltall, UFOs, die göttliche Mutter und Frisuren, die lange Zeit so aussahen, als habe ein schwuchtelig gepuderter Leib-Coiffeur sie höchstselbst trockengepustet, all das passt irgendwie nicht zur Ökoladen-Jute-Assoziation. Aber darauf können wir uns vielleicht einigen: Yes haben ein paar Jahre lang richtig jute Musik gemacht.

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