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Pete Sinfield

Under the Sky. A Collection of Lyrics & Poems



Under the Sky. A Collection of Lyrics & Poems

Informationen

Erscheinungsjahr: 1974
ISBN: 0-85115-034-9
Verlag: The Boydell Press Limited
Verlagsort: London/Ipswich


Rezensionen


Von: Nik Brückner


Man liest ja immer wieder, Progfans würden nicht so sehr auf die Texte der Songs achten, die sie so hören. Das bleibt natürlich jedem selbst überlassen, trotzdem sollte man hier und da auch mal auf das lauschen, was einem da inhaltlich so geboten wird. Das kann sehr interessant sein, wenn etwa die jüngeren King Crimson höchst Postmodernes ("happy with what you have to be happy with"), Marillion hie und da ("Misplaced Childhood", "Brave") bisweilen Literarisches oder Vágtázó HalottKémek auch mal Martialisch-Nationalistisches von sich geben.

Pete Sinfield ist einer der großen Proglyriker der 70er Jahre. Angefangen hat er als Texter für King Crimson, später waren seine Lyrics aus den Mündern der Sänger von ELP, PFM, Esperanto und Procol Harum zu hören. Später wurde es still um ihn, immerhin hat er in den 80ern und 90ern noch Texte für Cher, Bucks Fizz (hey!) und Céline Dion verfasst und drei mal den Ivor Novello Award for Best Song Musically & Lyrically eingeheimst - immerhin genauso oft wie Queen.

Sinfield sieht sich selbst als von William Shakespeare, Percy Bysshe Shelley, William Blake, und, man lese und staune, Rainer Maria Rilke beeinflusst. Natürlich meint das seine oft düstere und bisweilen atheistische (Greg Lakes "I Believe in Father Christmas") Bilderprache. Doch Sinfield konnte auch anders.

1974 hat ihm der Verlag Boydell ein Lyrikbändchen veröffentlicht, in dem 37 Songtexte und 13 Gedichte versammelt sind. Das Ganze wurde von Julia Fryer (dieselbe, die das Cover von PFMs "Photos of Ghosts" gezeichnet hat) mit einigen Illustrationen ausgestattet. Der Abschnitt mit den Songtexten versammelt Lyrics von King Crimson, McDonald & Giles, PFM und Sinfields Soloalbum "Still"/"Stillusion". Entsprechend enthält der Band Düsteres, vor allem von den ersten beiden King Crimson-Alben. Schnell zeigt sich, dass diese auch zum Besten gehören, was Sinfield geschrieben hat:

Death seed blind man's greed
Poets' starving children bleed
Nothing he's got he really needs
Twenty first century schizoid man.

Dennoch schleicht sich auch in die frühen Texte schon manche platte Sozialkritik ein:

Knowledge is a deadly friend
When no-one sets the rules.
The fate of all mankind I see
Is in the hands of fools.

Bisweilen wird es leider ganz flach, so etwa in seinem "S. F. Poem":

Upon the orange sands of mars
Beneath a scarlet sky
The crystals sit and contemplate
The universal why.
Travel in their saucer ships
Across the universe
But everywhere is much the same
Except on earth it's worse.

Soll man so etwas dem Zeitgeschmack anlasten? Ich weiß nicht. Die Bildersprache ist sicher zeitbedingt, und ist auch Sinfields Vorbildern entlehnt, von denen einem sicher Shakespeare und Rilke eher liegen dürfen als Shelley oder gar Blake. Mit persönlich sind da die offen sexistischen und dabei amüsant-politisch inkorrekten Texte lieber, die Sinfield eben auch geschrieben hat:

A flower lady's daughter
As sweet as holy water
Said: "I'm the school reporter
Please teach me", well I taught her.

Two fingered levi'd sister
Said, "Peace", I stopped I kissed her.
Said, "I'm a male resister",
I smiled and just unzipped her.

Stone-headed Frisco spacer
Ate all the meat I gave her
Said would I like to taste hers
And even craved the flavour.

Das hat etwas von den hedonistischen Texten eines Ian Anderson - wenn diesem auch der glücklicherweise aus der Mode gekommene Seximus meist abgeht, der auf den heutigen Leser eher belustigend wirkt - und zwar auf eine andere als die beabsichtigte Weise.

Spätere Texte Sinfields fehlen ebenso natürlich wie leider. Zum Beispiel das großartig lautmalerische

Cold and misty morning, I heard a warning borne in the air
About an age of power where no one had an hour to spare

Aber bei dem bin ich mir gar nicht sicher, ob das nicht vielleicht sogar auf Lakes Mist gewachsen ist.

Alles in Allem ein Buch, das einem die Texte vermeintlich gut bekannter Songs noch einmal auf eine neue und ganz andere Weise vermittelt und hie und da verborgene Stärken der Texte, oft aber auch ihre Schwächen deutlich offenbart. Ausgwählte Einblicke in Sinfields Buch gibt es unter http://www.songsouponsea.com/Promenade/lyrics/gallery/lyricslogo.html

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