Was ist Progressive Rock?
Die Wurzeln des Progressiv Rock findet man etwa Mitte der 60er Jahre, als verschiedene Bands der Unterhaltungsmusik versuchten aus den üblichen Strickmustern des Soul, Blues, Beat oder Rock'n'Roll (usw.) auszubrechen, z.B. durch mehr oder weniger einfallsreiche Spielereien oder Hinzunahme eher ungewohnter Instrumente (bis dato typisch: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang, manchmal Piano).
Erste Ergüsse dieser "neuen" Musik findet man im Psychedelic-Rock, der auf dem Boden von bewußtseinerweitertenden Drogen wilden Urstand feierte. Durch diese "Befreiung" der Musik entstand um 1970 eine Szene, die auf der Basis "elektronischer" Instrumente (in diesem Zusammenhang sei das Mellotron und weitere Synthie-, Keyboard-Instrumente genannt) eine Musik spielte, die sich frei von Konventionen und dem üblichen Strophe-Refrain Schema entwickelte. Dabei wurden verschiedene Einflüsse aufgegriffen, egal ob aus Rock, Klassik, "Heavy" (also auch wieder Rock'n'Roll), Folk usw. Solange sie geschickt ins Gesamtbild integriert wurden, war der Vielfältigkeit der Musik kaum eine Grenze gesetzt.
Aus dieser Grundannahme leitet sich daher auch der Begriff "Progressive-Rock" oder "Sophisticated-Rock" ab, da es sich größtenteils um Bands handelte, die in der U-Musik neue Akzente setzten, etwas bis dahin wirklich neues kreierten und nicht zuletzt aufgrund der Vielfältigkeit der Einflüsse auch eine gehörige Portion "Ahnung" von Ihren Instrumenten haben mußten. Die 70er waren das Jahrzehnt dieser Musik, und man kann ohne Zweifel auch das Prädikat "Pop-Musik" verteilen, unter der Voraussetzung daß Pop=Populär bedeutet.
Diese Einschätzung hatte schließlich zur Folge, daß auch bei diesen "neuen" Bands sich "Prog-Konventionen" durchsetzten. Diese typischen Prog-Elemente, die sich bis heute gehalten haben (und entsprechend nicht mehr als Prog im üblichen Sinne betrachtet werden können), sind solche Dinge wie:
- Lang soll der Song sein
- Keyboards sind wichtig
- Die Musiker sollten schon ganz schöne Chefs an Ihren Instrumenten sein
- Es sollte schon mal hier und da gefrickelt (alle Musiker zeigen auch was sie für Chefs sind) werden
- Möglichst sollte der Kram als Konzeptalbum rüberkommen, und wenn nicht sollten die einzelnen Songs (größtenteils traurige, ernste, oder mit schwarzem Humor behaftete, oder Fantasy-Themen) Geschichten oberhalb der ich liebe Dich oder auch nicht-Flatline erzählen.
- Viele verschiedene, besondere Instrumente (Flöte, Geige, Sax, Trompete...) sind auch immer ganz schön
An diesen Ansprüchen müssen sich die "Helden" des Neoprog messen lassen, die in verschiedenster Form der Vorbilder der 70er Jahre fröhnen, was zu einem recht positiven Prozentsatz auch funktioniert, v.A. dann wenn nicht nur "geklont" (das unverschämte Nachäffen der Vorbilder) wird, sondern die Versatzstücke der Musik neu vermengt werden, und wieder versucht wird weitere Einflüsse einzubringen.
(Fix Sadler)
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