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Leitfaden: Britischer symphonischer Prog der 70er Jahre
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23575 Rezensionen zu 16107 Alben von 6259 Bands.
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Leitfaden:

Britischer symphonischer Prog der 70er Jahre



Die Ursprünge des Progressive Rock reichen in die psychedelische Musik der späten sechziger Jahre zurück. Aus dieser vor allem in England ungemein kreativen Szene entstanden verschiedene Unterströmungen, die das Genre begründeten: symphonischer Prog, Canterbury, RIO, Krautrock, elektronische Musik.

Hier soll es um die populärste Ausformung dieser Urväter-Bewegung gehen, um die grob als 'symphonisch' klassifizierbaren Bands, die auch heute noch das Vorbild für den allergrössten Teil des zeitgenössischen Prog bilden: die grossen britischen Bands der siebziger Jahre. (Die weiteren, oben genannten Urväter, aber auch die früh und sehr selbständig entstandene italienische Prog-Szene der 70er werden in folgenden Listen auch noch behandelt, keine Sorge!)

Die Hauptliste

Camel (Großbritannien)


Mirage, 1974
Camel: Mirage

The Snow Goose, 1975
Camel: The Snow Goose

Ursprünglich aus einem R&B Background kommend, fanden Camel schnell einen eigenen Stil voll melodischer Kompositionen mit langen Instrumentalausflügen. Besonders das gefühlvolle Gitarrenspiel Andy Latimers ist bis heute ein unverkennbares Markenzeichen geblieben. Leider steuerte die Band in den 80ern in etwas zu seichtes Fahrwasser, kehrte aber nach längerer Schaffenspause Mitte der 90er in leicht veränderter Form wieder zu den eigenen Ursprüngen zurück.

Auf ihrem zweiten, 1974 erschienenen Album "Mirage" klingt vieles roher und ungeschliffener, aber auch interessanter als auf den Nachfolgealben, vorangetrieben von mitreißender, grandioser Spielfreude. Die Songs sind ausladend, aber dennoch kompakt arrangiert, vom mal druckvollen, mal elegischen Spiel der Gitarre dominiert. Gleichberechtigt daneben diverse Orgelsoli sowie eine gut geölte Rhythmusmaschine. Verspielte Folkeinflüsse sorgen für das I-Tüpfelchen. Mit dem rein instrumentalen Konzeptwerk "The snow goose" sorgte man 1975 vor allem beim amerikanischen Vertrieb für völliges Ausflippen, wo man einfach nicht glauben konnte, dass es auf dem Album keinen Gesang gab! Basierend auf einer relativ unbekannten Novelle von Paulo Gallico gelingt eine wunderbare Balance aus sinfonischer, äußerst relaxter Rockmusik mit gelegentlichen emotionalen Ausbrüchen und klassischen Elementen. Eine perfekte Symbiose aus Band und Orchester, die teils alleine für sich, teils zusammen agieren, wodurch das typische, gefühlvoll-weinerliche Gitarrenspiel Andy Latimers einen Gegenpart in den "klassischen" Einflüssen von Flöte, Oboe und Violine findet.

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Emerson Lake & Palmer (Großbritannien)


Tarkus, 1971
Emerson Lake & Palmer: Tarkus

Brain salad surgery, 1973
Emerson Lake & Palmer: Brain salad surgery

ELP starteten ihre Karriere 1970 als sogenannte "Supergroup", da sich das Trio aus Bandmitgliedern von King Crimson, The Nice und Atomic Rooster rekrutierte. Sie boten einen Mix aus abenteuerlicher Virtuosität und sanfter Melodik, übertrafen sich aber auch in typischen Rock-Klischees. Besonders Keyboarder Keith Emerson fand immer wieder neue Möglichkeiten, sein riesiges Tastenarsenal zu "bearbeiten", sei es mit Messern oder auf dem Rücken liegend. Hinzu kam monumentaler Bombast vom Allerfeinsten. Bis Mitte der 70er Jahre hatte sich die Gruppe auf diese Weise zur ersten Stadien füllenden Rockband hochgearbeitet.

Ihr zweites, 1971 erschienenes Album "Tarkus" brachte ihnen den endgültigen Durchbruch mit Platz 1 in England sowie den Top Ten in den USA. Das 20-minütige Titelepos verbindet temporeich und komplex klassische Elemente, bombastisch herrlich überdrehten Progressive Rock sowie verschiedene wiederkehrende Themen durch virtuoses Tastenspiel an Moog und Klavier, druckvollen Rhythmus an Schlagzeug und Bass. Die restlichen Titel fallen etwas ab, dennoch bieten ELP auch hier ein weites Spektrum bis bin zu Jazz, Honky Tonk und fetzigem Rock'n'Roll. "Brain salad surgery" von 1973 ist im Gesamteindruck ausgewogener, umfasst aber ebenfalls den breiten Bogen der ELP-Welt. "Still you turn me on" ist die typische Greg Lake-Ballade, "Benny the bouncer" eine nicht ganz ernst gemeinte Honky Tonk Nummer. Ferner gibt es zwei Klassik-Adaptionen: zum einen die Kirchenhymne "Jerusalem", womit ELP vor allem in der Heimat blankes Entsetzen ernteten, zum anderen "Toccata", eine Interpretation moderner Klassik. Kernstück ist jedoch das fast 30-minütige "Karn evil 9", der musikalisch umgesetzte Kampf zwischen Mensch und Maschine.

Dieses Album präsentiert eine perfekte Verschmelzung von Artwork (von H.R. Giger, dem "Alien"-Erfinder) und einer Musik, die aus Elementen moderner Klassik, ausuferndem Progressive Rock und Jazz zusammengesetzt ist sowie damals wegweisender Technik mit polyphonem Synthesizer und Percussion-Synthesizer.

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Genesis (Großbritannien)


Foxtrot, 1972
Genesis: Foxtrot

Selling England By The Pound, 1973
Genesis: Selling England By The Pound

Vielleicht die einflußreichste Band im Prog. Die Mischung aus schönen, teils akustischen und melodiösen Passagen, (zurückhaltend) abgefahrenen Strukturen und verwirrenden Texten des Geschichtenerzählers Peter Gabriel machen Genesis zu den Vorreitern des Neoprog: viele der heutigen Gruppen im Progressive Rock wären ohne Genesis mehr oder weniger undenkbar. Fantasy-Cover und obligatorische Longtracks sind heutzutage oft zum Klischee abgerutscht, 1972 bzw. 1973 war das neu und progressiv und macht die Scheiben auch heute noch zum Pflichtprogramm.

Für viele markiert "Foxtrot" zusammen mit dem nachfolgenden Album "Selling England By The Pound" den Höhepunkt der langen Schaffensperiode der Band. Genesis boten während ihrer kreativen Hochphase symphonischen und kunstvollen Rock in Vollendung. Gerade "Foxtrot" enthält mit den beiden Titeln "Watcher Of The Skies" und dem Longtrack "Supper´s Ready" zwei Klassiker des Genres. Gerade ein Jahr später legte man mit "Selling England By The Pound" ein weiteres Meisterwerk vor. Aus diesem Album seien der dynamische Opener "Dancing With The Moonlit Knight", "Firth Of Fifth" und "Cinema Show" besonders hervorgehoben.

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Gentle Giant (Großbritannien)


The Power and the glory, 1974
Gentle Giant: The Power and the glory

Free Hand, 1975
Gentle Giant: Free Hand

Die Multinstrumentalisten-Band Gentle Giant agierte auf ihren ersten Platten ("Gentle Giant", "Acquiring the Taste", "Three Friends") noch ziemlich unentschlossen, zwischen Prog-Mainstream und gelegentlichen Andeutungen dessen, was musikalisch kommen sollte. Das Unnachahmliche kam in Gestalt der Alben "Octopus", "In a Glass House", "The Power and the Glory", "Freehand" sowie des Konzertmitschnittes "Playing The Fool". Mehrstimmiger Gesang und reichhaltige Instrumentierung - darunter Geige, Gitarren, Cello, Keyboards, Flöten, Xylophon, Glockenspiel, Saxophon - dienten der virtuosen Umsetzung polyphoner Einfälle, wobei die rockige Komponente meistens durch Gitarrensoli oder relativ einfache Schlagzeugparts hervorgehoben wurde.

Insbesondere "The Power and the Glory" und "Freehand" beinhalten vergleichsweise kurze, gleichzeitig jedoch ausgereifte, durch diszipliniertes Zusammenspiel glänzende Kompositionen, eine bis dahin ungehörte Mischung aus Rock, Klassik, Dissonantem und Jazzigem.

Die letzten Veröffentlichungen von Gentle Giant ("Missing Piece", "Giant for a day" und "Civilian") bedeuteten fortschreitende Abkehr vom Prog-Rock, die Musiker schienen beschlossen zu haben, eine möglichst gewöhnliche Rockband für die Massen zu werden. Die 90er Jahre brachten ein wiederauflebendes Interesse an Gentle Giant mit sich, was zur Veröffentlichung zahlreicher Konzertaufnahmen der Band führte.

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Jethro Tull (Großbritannien)


Thick as a Brick, 1972
Jethro Tull: Thick as a Brick

Bandboss Ian Anderson machte sich gerne über Konzeptalben lustig und nach dem Motto 'seht her, ich und mein Löwenbräu-Vorrat können das genauso gut wie sonst jeder' setzte er eins drauf und schuf gleich einen Meilenstein des Genres. Das sorgfältige Cover-Konzept basiert auf einer imaginären Ausgabe des St. Cleve Chronicles. Darin sind vielfältige Anspielungen auf die Band, die Musik und den Text des Werkes enthalten. Als musikalische Form dient ein fortlaufendes Stück mit etlichen internen musikalischen Verknüpfungen. Das ebenso filigran wie raffiniert gewebte Arrangement bietet eine ausgewogene Balance aus folkigen Akustik-Teilen und heftigen Elektro-Riffs, stürmischer Flöte, verhaltenem Pathos und englischen Bizarrerien. All das ergibt ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk.

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King Crimson (Großbritannien)


In the court of the Crimson King, 1969
King Crimson: In the court of the Crimson King

Red, 1974
King Crimson: Red

Okay, okay, streng genommen kann man eine Platte von 1969 kaum unter den Siebziger Jahren einordnen. Oder doch? Denn eines ist sicher: "In The Court Of The Crimson King" war seiner Zeit weit voraus, oder besser: dieses Album hat wesentlich dazu beigetragen, die nachfolgenden Goldenen Jahre des Prog überhaupt erst möglich zu machen. Von zwei jungen Burschen namens Steve Hackett und Bill Bruford wird berichtet, daß sie von den Live-Auftritten der 69er Crimsos hin und weg waren. Das Destillat dieser Live-Auftritte findet sich auf diesem Album: Es enthält die Anfänge des Prog-Metal, bevor es überhaupt Metal gab, in Form von "21st Century Schizoid Man", dazu Mellotron ohne Ende, kryptische Texte, kraftvollen Gesang, herrliche Melodien, fragile Gitarren, virtuoses Gefrickel der ganzen Band.

1972 brachen King Crimon (personifiziert durch Robert Fripp) mit der Ära des filigranen Akustik-Artrocks. Heftige Gitarren, verzerrter Bass, Ganzton-Skala, Power-Riffs und freie Improvisation waren angesagt. Das wahre Reich dieses Karmesinroten Königs war die Live-Bühne. Von den Studioalben kann lediglich "Red" wirklich die Power, Abenteuerlust und Majestät der Live-Band andeuten. Und ausgerechnet mit dem letzten Stück ihres letzten Studio-Albums schaffte diese Wiedergeburt King Crimsons den Brückenschlag in die Bandvergangenheit: das Mellotron-getränkte Meisterwerk Starless mit dem unnachahmlichen Spannungsbogen und dem orgiastischen Gänsehautfinale ist Musik für die Ewigkeit.

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Mike Oldfield (Großbritannien)


Tubular Bells, 1973
Mike Oldfield: Tubular Bells

Der Multi-Instrumentalist Mike Oldfield soll mehrere Jahre lang die Verwirklichung dieses Geniestreiches geplant haben. Als die Demotapes fertiggestellt waren, mußte der Förderer Oldfields, Plattenhändler Richard Branson, allerdings erst selbst eine Plattenfirma (Virgin) gründen, um die Scheibe veröffentlichen zu können, da sich sonst keine Interessenten fanden. Oldfield benötigte dann ein Jahr, um im Alleingang die Spuren mit über 20 Instrumenten zu füllen, womit er der Welt ein Nummer 1 Album für die nächsten 264 Wochen beschert hat.

"Tubular bells" beinhaltet klassisch inspirierte, folkige und rockige Themen, die mit großem Geschick zu einem spannenden, abwechslungreichen, 50-minütigen Werk beinahe symphonischen Ausmaßes zusammengefaßt wurden. Es entstand ein Denkmal der Alleintüftelei, der mehrspurigen Aufnahmetechnik und ein zeitloses Stück Musikgeschichte. In diesem Zusammenhang sollte man auch "The Orchestral Tubular Bells" erwähnen, aufgenommen mit 90-köpfigem Orchester und Oldfield an der elektrischen Gitarre.

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Pink Floyd (Großbritannien)


The Dark Side Of The Moon, 1973
Pink Floyd: The Dark Side Of The Moon

Vielleicht ist diese Platte nicht das Prunkstück der Bandhistorie (dafür gibt es zu viele unterschiedliche Alben und Meinungen dazu), vielleicht kann man sich darüber streiten, ob die Gruppe überhaupt zum Prog zählt - sicher ist aber, dass Pink Floyd als eine der einflußreichen, trendsetzenden und anspruchsvollen Bands in diese Liste gehören. Naheliegend ist es, dabei einfach das kommerziell erfolgreichste Album (so um die 15 Jahre in den amerikanischen Top 100) herauszugreifen. Jedoch bitten wir speziell bei Floyd um weitergehende Beschäftigung mit der Band. Die Gründe sind oben erwähnt oder in den Kritiken der BBS nachzulesen.

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Renaissance (Großbritannien)


Scheherazade and Other Stories, 1975
Renaissance: Scheherazade and Other Stories

Renaissance waren eine der wenigen Gruppen des Progressive Rock, die eine Sängerin hatten. Die Band existierte in zwei völlig verschiedenen Besetzungen: die frühe Formation um den Ex-Yardbirds Gitarristen Keith Relf und dessen Schwester Jane löste sich während der Arbeiten an ihrem zweiten Album "Illusion" auf. Es entstand eine neue Besetzung, die vor allem von dem klassisch inspirierten Klavierspiel des Keyboarders John Tout und dem glasklaren Gesang von Annie Haslam dominiert wurde.

Ihre kreative Hochphase hatten Renaissance von 1972 bis 1977 mit Alben wie "Ashes are Burning", "Turn of the Cards" oder "Scheherazade and Other Stories". Sie brachten auf geschickte Weise Elemente von Klassik (häufiger Einsatz eines Orchesters) und Folklore in ihre Musik ein, die eigentlich nie besonders komplex oder "gefrickelt" war. Sogar im Katastrophenjahr des Prog 1978 brachten Renaissance mit "A Song for All Seasons" noch mal ein Album heraus, das über weite Strecken der Qualität ihrer besten Werke nahe kommt. Danach versanken auch sie im Sumpf einfallslosen Popgedudels.

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Van Der Graaf Generator (Großbritannien)


Pawn Hearts, 1971
Van Der Graaf Generator: Pawn Hearts

Van Der Graaf Generator mit Mastermind Peter Hammill stammen aus dem gleichen Stall wie Genesis (Charisma). Auch stimmlich gibt es Übereinstimmungen zwischen Hammill und Gabriel. Wo allerdings Genesis eher die melodiöse Seite des Progrocks abdecken, King Crimson je nach Besetzung immer wieder neu entstanden und Yes oft im Pathos versanken, brachten VdGG die 'dunkle Seite' in den Progrock und verwendeten passend dazu das sonst eher untypische Saxophon.

Musikalisch ist "Pawn Hearts" (das vierte Album der Band) ein wüster Ritt durch alle Stürme, gebildet aus Free-Jazz-artigen Saxophonausbrüchen, fast schon sakraler Orgel, stakkatoartigen Drumparts und unterbrochen durch lyrische Passagen von großer Eindringlichkeit (Song: Man-Erg). Hinzu kommt die Stimme Hammills, die eine der wandlungsfähigsten der ganzen Szene ist. Je nach Bedarf kann er sanft schmeicheln, eindringlich deklamieren oder in wilden Ausbrüchen schreien. Passend dazu die Texte, die Sinn ergeben, und anstatt irgendwelche an Tolkien angelehnte Märchenwelten zu besingen, die (Un)tiefen der Seele beschreiben. Nicht umsonst nannte man Hammill damals "King of fear".

Leider gab es ständige Geldprobleme, die Mitte der 70er Jahre letztlich zum Aus für die Band führten. Aber Hammill selbst macht seit nunmehr 30 Jahren solo weiter, immer mal wieder auch mit ehemaligen Bandkollegen. King Crimson waren progressiver, Yes berühmter, Genesis theatralischer, aber VdGG haben die Zeiten am besten überstanden und eine zeitlose Musik geschaffen, die auch textlich lohnt. Und gute 30 Jahre später gibt es endlich auch eine Reunion dieser Band, mitsamt neuer Platte.

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Yes (Großbritannien)


Close To The Edge, 1972
Yes: Close To The Edge

Relayer, 1974
Yes: Relayer

Gegründet Ende der sechziger Jahre, schufen die Briten nach zwei Umbesetzungen im "klassischen" Line-up Anderson, Squire, Wakeman, Bruford und Howe mit ihrem fünften Werk wohl die klassische Progrockscheibe. Nur drei Stücke enthält "Close to the edge", aber diese zeigen die Virtuosität der Musiker.

Allein der Titelsong, der eine ganze LP-Seite einnimmt, mischt Lyrisches mit wilden Ausbrüchen, sphärische Keyboards mit "gefrickelten" Gitarren und läßt über allem die unvergleichbare Stimme Jon Andersons schweben, die die Songs zusammenhält. Und mit "And you and I" haben Yes zugleich eines der schönsten Songintros der Progrockära und eine wunderbare Ballade geschaffen.

Nach dem als zu prätentiös und lang empfundenen "Tales from topographic oceans" wechselten Yes den Keyboarder, und mit dem Pferdewechsel (= Relayer) schufen sie ihre ambitionierteste Platte. Der Aufbau entsprach mit drei Tracks "Close to the edge", doch verschwanden die schnellen Arpeggioläufe und der Bombast von Wakemann. Dafür lieferte der Neue, Patrick Moraz, jazzrockartige Läufe und futuristische Sounds. Die Band spielte dazu in einer für sie neuartigen Härte. Stärker denn je schien jeder seinen eigenen Song zu spielen, und doch konnte Anderson mit seiner Stimme alles wieder zusammenführen, um mit dem Schlussteil von "Gates of delirium" wie ein Engel den sanftesten und lyrischsten Part in der Geschichte der Band zu singen.

Danach folgten "nur noch" verschiedene Reunionversuche im klassischen Line-up, bevor die Band Anfang der Achtziger verschwand. In den USA bildete sich unter Beteiligung einiger alter Mitglieder eine gleichnamige Band, um überproduzierten Mainstreampop hervorzubringen. Später gab es weitere Umbesetzungen und halbherzige Comebackversuche.

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Tipps abseits der Hauptliste

King Crimson (Großbritannien)


Lizard, 1970


Wirr, eklektisch, abgedreht, zerfahren, unzugänglich, abweisend. Selbst Robert Fripp höchstselbst empfiehlt, dieses Album nur dann aufzulegen, wenn man unwillkommene Gäste loswerden möchte. Aber was weiss ein Musiker schon von seiner Musik? Musik ist viel zu wichtig, um sie den Musikern zu überlassen. Deshalb die Behauptung: weder davor noch danach hat es Fripp jemals geschafft, einen musikalischen Stunt wie die graduelle Metamorphose eines klassischen Boleros in eine New Orleans-Nummer (und zurück) auch noch dermassen anrührend und echt zu verpacken.

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Peter Hammill (Großbritannien)


The Silent Corner and the Empty Stage, 1974


Nachdem sich Van der Graaf Generator 1971 für einige Jahre trennten, begann deren Sänger Peter Hammill eine bereits dreißig Jahre währende Solokarriere. Seine ersten Soloalben waren noch sehr von VdGG geprägt, und dies gilt besonders für das 1974 erschienene "The Silent Corner and the Empty Stage". Teils solo, teils mit der vollen Ex-VdGG Besetzung eingespielt, erreichen die düsteren, von Einsamkeit und Anonymität handelnden Songs unglaubliche Intensität, vor allem dank Hammills expressivem Gesang, der hier alle Facetten von Flüstern bis Schreien umfasst.

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Pink Floyd (Großbritannien)


The Piper at the gates of dawn, 1967


Mit Syd Barrett als Leader, Sänger, Gitarrist und Hauptkomponist war Pink Floyd damals eine völlig andere Band. Die einzige Scheibe in dieser Besetzung bietet ausgefallene, psychedelisch angehauchte Pop-Rock-Songs sowie erfindungsreiche Instrumentalstücke. All das mit komplexen Rhythmen, allerlei heute noch erstaunlichen Sound-Effekten und verfrickelten, manchmal abgefahrenen Instrumentalparts. Man kann hier also getrost von der ersten Prog-Rock-Platte unserer Zeitrechnung sprechen.

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UK (Großbritannien)


UK, 1978


In den Iden des Prog (1977 formierte sich die historische Prog-Gegenbewegung Punk) begann die Zeit der Auflösung alter Bands und die Gründung neuer "Supergroups". Eine davon waren UK, die ursprünglich als ELP-Pendant in der Besetzung Bill Bruford (Yes, King Crimson), Rick Wakeman (Yes) und John Wetton (King Crimson, Uriah Heep) existieren sollte. Aus dem ein oder anderen Grund zog Wakeman zurück, und als Ersatz wurden Eddie Jobson (Keyboarder-, Violinist bei Curved Air und Frank Zappa) und Alan Holdsworth (Ex-Soft Machine, Gong, Bruford) verpflichtet.

Gerade wegen Holdsworth, der seine Ursprünge eher im jazzigen Bereich hatte, wurde eine musikalische Melange aus crimsoiden Verspieltheiten und relaxt jazzigen Passagen kreiert. Modernste Keyboardsounds, Geige und die warme Stimme von John Wetton veredelten den musikalischen Volltreffer, wenngleich kommerziellen Flop der kurzlebigen Band.

Die zweite und letzte Studio-Scheibe ("Danger Money" 1979) sah dann nur noch ein Trio - Holdsworth verließ ersatzlos die Band und Bruford bekam einen namhaften Nachfolger, nämlich Zappa-Wunderkind Terry Bozzio. Jazzige Elemente blieben nahezu aus, Bombast wurde zelebriert und nach einem genauso erfolglosen Live-Release ("Night After Night" 1979) gingen UK als eine der tollsten erfolglosen Prog-Bands in die Geschichte ein.

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Yes (Großbritannien)


Tales From Topographic Oceans, 1973


Aufgeblasen, überbordend, prätentiös, abgehoben. Jau. So what? Wieviel gibt es hier zu entdecken und zu geniessen? Pastorale Idylle, hymnischen Bombast, schräges Ganzton-Geflirre, trunkene Mystik.

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