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23049 Rezensionen zu 15740 Alben von 6101 Bands.
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Leitfaden:

Zeuhl



Hamatai!

Es kommt nicht allzu oft vor, dass eine einzelne Band oder ein einzelner Künstler ein eigenes Genre begründet. Zeuhl ist eine dieser Ausnahmen: So nennt man die Musik jener Gruppen, die sich mehr oder weniger stark auf die französische Band Magma beziehen. Das Wort "Zeuhl" bedeutet wohl "himmlische Musik", vielleicht auch einfach "himmlisch". Es stammt aus einer Kunstsprache, die die Magma-Gründungsmitglieder Klaus Blasquiz und Christian Vander erfanden. Auf den ersten Magma-Alben wird in dieser Sprache der in ferner Zukunft liegende Mythos des Planeten Kobaïa erzählt, der von Emigranten kolonisiert wird. Sie haben die Erde verlassen - auf der Suche nach dem Frieden, der der irdischen Gesellschaft verlorengegangen ist. Die in dieser Geschichte verarbeitete Suche nach Spiritualität und Transzendenz drückt sich im ekstatischen Gestus der Magma-Musik aus, in der durch drängende Rhythmik, Wiederholungen und exaltierte Gesänge eine tranceartige Stimmung heraufbeschworen wird.

Dieses Konzept wurde nicht nur durch Musik, Kunstsprache und die auffällige, minimalistische LP-Covergestaltung ausgearbeitet: Auf der Bühne traten Magma Anfang der Siebziger Jahre komplett in schwarz gewandet auf, mit dem einprägsamen Band-Symbol als Kettenanhänger oder Gürtelschnalle, ein Symbol, das die einen an eine stilisierte Greifvogelklaue, andere an ein umgedrehtes Bat-Emblem erinnerte... Die auf sakrale, düstere Effekte zielende Optik, das disziplinierte Auftreten der Band und die teils martialisch anmutende Musik trafen nicht allerorten auf Begeisterung: Der Band wurde ein mindestens frivoler Flirt mit faschistoider Ikonographie vorgeworfen. Dass Zeuhl aber nicht unbedingt ernsthaft, sakral und mythisch überladen daherkommen muss, beweisen mit hohem Spaßfaktor die überdrehten japanischen Vertreter des Genres wie Koenji Hyakkei, Ruins oder auch Happy Family.

Magma waren in der französischen, speziell der Pariser Musikszene enorm einflussreich. Das lag nicht zuletzt daran, dass im Laufe der Jahre Heerscharen von Musikern Mitglieder der Band waren und oft Elemente von Magmas Musik - mal mehr, mal weniger stark - in Folgeprojekte einbrachten.

Zu diesen Elementen gehört zum einen ein stark repetitives Moment: Kurze Riffs, vom E-Piano oder in mehrstimmigem Chor-Gesang intoniert, werden scheinbar endlos wiederholt, variiert und über gegenläufigen Riffs von der Rhythmusgruppe und graduelle Dynamikänderungen arrangiert - in wogenden Blöcken, die von apokalyptischem Tosen bis hin zu euphorischen Jubelgesängen reichen. Dabei werden oft minimal verschobene/verkürzte Rhythmusfragmente über den gefühlten Beat gelegt, die sich im Laufe der Musik immer weiter im Takt verschieben und dadurch den unwirklich-tranceartigen Effekt der Wiederholungen verstärken: die sogenannte additive Rhythmik.

Diese hymnische, speziell durch Orff (Trionfo di Afrodite) sowie Strawinsky (Bauernhochzeit/Les Noces) beeinflusste Ausprägung von Magmas Musik nahmen später vor allem Bands wie Eskaton, Musique Noise und Koenji Hyakkei auf, wobei letztere diese Stilistik ebenso virtuos wie maßlos überdreht zelebrieren, so dass aus mystischem Gehabe und Bierernst des Originals ein staunendes, doch keineswegs respektloses Lachen wird.

Ein wichtiger Teil des Zeuhl-Procedere ist die Rhythmusgruppe, vor allem Bass und Schlagzeug: Der Bass wirkt oft als dominantes Instrument und wird gern angezerrt gespielt. Dabei treibt er zusammen mit marschartiger, peitschender Schlagzeugarbeit die Musik grollend, fordernd und pumpend voran. Diese Art des Zeuhl wird im Stück "De Futura" auf die Spitze getrieben, einer gut viertelstündigen Komposition des bekanntesten Magma-Bassisten, Jannick Top, die im wesentlichen nur aus Bass, Schlagzeug und bellendem Gesang besteht. Sie übte enormen Einfluss aus, sowohl auf nachfolgende Bands, wie etwa Present und Ruins, wie auch außerhalb der eigentlich Zeuhl-Szene: Eine eindrucksvolle Coverversion nahm z.B. die amerikanische Avantgarde-Jazz-Metal-Combo The Flying Luttenbachers auf.

Zu diesen Charakteristika kommt ein ausgesprochener Jazzrock-Einfluss: treibende, elastische Rhythmik und ausgedehnte, virtuose Solopassagen. Diese jazzigere Seite des Zeuhl ist besonders ausgeprägt bei Gruppen wie Weidorje, Potemkine oder Eider Stellaire.

Wie es für alle Genres gilt, können die typischen Elemente auf vielfältige Weise mit anderen Einflüssen kombiniert und der Zeuhl damit weiter entwickelt werden, sei es durch Kammermusikelemente (bei Zoïkhem), orchestralen Big Band-Sound (bei Jean-Paul Prat), krachigen LoFi-Punk (bei Ruins), ELP-beeinflussten Nippon-Keyboardbombast (bei Pochakaite Malko), dreckigen SpaceRock (bei Yeti) oder Canterbury und moderne Klassik (bei Vortex).

Neben Magma selbst kann man grob drei große Zeuhl-Schulen unterscheiden. Die erste besteht aus den Band- und Soloprojekten verschiedener Ex-Magma-Mitglieder. Eine der ersten Absplitterungen waren Zao, die sich bald zu einer reinen Jazz-/Jazzrock-Gruppe entwickelten. Später folgten Projekte wie Weidorje, zeuhlige Soloaktivitäten der Bassisten Jannick Top und Bernard Paganotti oder der Keyboarder Benoit Widemann und Patrick Gauthier. Diese Tradition führt die aktuelle Rhythmusgruppe Magmas (minus Christian Vander) in ihrem Nebenprojekt One Shot fort.

Die zweite Strömung könnte man "französischen Zeuhl der zweiten Generation" nennen: Gruppen, die zum Teil schon während der Siebziger Jahre gegründet und auch ohne personellen Austausch stark von Magma beeinflusst wurden. Neben den in diesem Leitfaden ausführlich vorgestellten Bands gehören dazu u.a. Potemkine, Mosaïc, Pseu, Eider Stellaire, Musique Noise oder in neuerer Zeit Xaal, Zoïkhem und François Thollot. Obendrein gibt es eine Reihe "kleinerer" französischer Zeuhl-Bands, die zu Lebzeiten keinen eigenen regulären Tonträger oder nur obskure Singles/EPs veröffentlicht haben. Einige davon werden etwa - neben anderen hier erwähnten Bands - auf dem "Enneade"-Sampler des französischen Labels Musea vorgestellt.

Drittens scheinen Magma auch in Japan einen großen Eindruck hinterlassen zu haben: Es gibt eine regelrechte Flut japanischer Zeuhl-Projekte, von denen viele als Nukleus den Schlagzeuger Tatsuo Yoshida haben. Neben den unten im Detail präsentierten Bands gehören dazu etwa Amygdala, Daimonji, Gestalt, Machine And The Synergetic Nuts und Pochakaite Malko.

Natürlich ist Zeuhl nicht auf Frankreich und Japan beschränkt. Weltweit arbeiten Bands und Künstler wie die Texaner Yeti, die Briten Guapo, die Schweden Kultivator und Simon Steensland oder das italienische Universal Totem Orchestra an der Fortführung der Zeuhl-Tradition. Einen starken Zeuhl-Einfluss legen auch die eigentlich eher im avantgardistischen Kammerprog-Bereich angesiedelten belgisch-französischen Bands Art Zoyd, Univers Zero und vor allem Present an den Tag. Diese werden hier aber zugunsten eines zukünftigen "Rock In Opposition"-Leitfadens übergangen.

Die Hauptliste

Bondage Fruit (Japan)


II, 1996
Bondage Fruit: II

Dass Zeuhl nicht unbedingt eine rein französische Angelegenheit ist, beweisen einige japanische Ableger dieser Spielart. Doch die Freunde aus dem Fernen Osten sind gerne eine gehörige Spur extremer, abgedrehter, dissonanter, aggressiver. So gibt es bei Bondage Fruit neben dem deutlichen Zeuhl-Einschlag RIO-Elemente, hinüber bis in den Jazz Rock, einen leichten World Music Touch, und vor allem geht es sehr tief in den Avantgarde/Experimental-Bereich.

Bondage Fruit wurde 1990 vom Trio Kido Natsuki (Gitarre), Yuji Katsui (Violine) und Otsubo Hirohiko (Schlagzeug) gegründet. Nach diversen Besetzungswechseln hatte man 1993 ein festes Line-Up gefunden und erarbeitete sich daraufhin in der japanischen Undergroundszene, vor allem aber in Tokio, einen sehr guten Ruf als furioser Liveact. Veröffentlichten sie zu Beginn Material von ihren Liveshows lediglich auf Kassette, erschien 1994 endlich ihr CD-Debüt auf dem bandeigenen Label Maboroshi No Sekai. Es folgten weitere Alben, wobei man sich später immer mehr in Richtung aggressiver Improvisationen veränderte.

So bleiben die Japaner auf ihren Alben stets völlig unberechenbar, wechseln quer durch die Stile. Man weiß eigentlich nie mit welch neuen, verqueren Ideen sie den Hörer hinterrücks überfallen. Daneben greift die Band auf ein breitgefächertes Instrumentenarsenal zurück, welches dem üblichen Handwerkszeug z.B. auch Vibraphon, Kontrabass und Violine beimischt. Der oftmals überdrehte Gesang, der komplett aus Fantasieworten und -lauten besteht, wird von zwei Sängerinnen beigetragen, die aus dem Jazzbereich stammen und ihre Vokalakrobatik eher lautmalerisch wie ein zusätzliches Instrument einsetzen.

Vor allem auf den ersten beiden Alben gelang den Japanern ein fulminanter Zeuhl-Cocktail, der leider auf späteren Veröffentlichungen etwas die Kraft der Anfänge verlor. Highlight ist ihr zweites Album „Bondage Fruit II“, welches den wohl deutlichsten Magma-Einschlag enthält und von dunklen, düsteren Klängen, furiosen, schrägen Rhythmen durchtränkt ist, wobei sich die Gitarre mit harten Riffs bisweilen bis in den Heavybereich vorwagt, die Combo sich aber auch mal in völlig freiem Spiel chaotisch austobt.

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Dün (Frankreich)


Eros, 1981
Dün: Eros

1976 fand sich ein Quartett junger Franzosen in einem Keller, einer Garage oder einem Studentenzimmer irgendwo in Nantes zusammen und gründete - von Magma stark beeinflusst - eine Band. Neben den Zeuhl-Übervätern standen auch das Mahavishnu Orchestra, Frank Zappa und Henry Cow Pate; alle diese Einflüsse hinterließen deutliche Spuren in Düns späterer Musik. Von Magma bleiben die monolithischen Bassfiguren und die peitschende Rhythmik, vom Mahavishnu Orchestra die jazzigen Improvisationen. Zappa steuert die verspielten Linien und die hervorstechende Rolle der Percussion bei, Henry Cow die Kantigkeit der Melodieführung und den selbstbewussten Umgang mit Dissonanzen.

Nach einigen Umbesetzungen und Umbenennungen hieß das Projekt schließlich "Dune": Die Bandmitglieder zeigten sich tief beeindruckt durch Frank Herberts gleichnamiges Science Fiction-Epos ("Der Wüstenplanet"). Aus "Dune" wurde später das etwas originellere "Dün". Unter diesem Namen schien 1981 die Zeit reif für eine LP. In dem Schweizer Studio, in dem die befreundeten Univers Zero "Heresie" und "Ceux Du Dehors" aufgenommen hatten, entstand in Eigenproduktion das Debütalbum. Von "Eros" wurden tausend Stück gepresst und von der Band auf Konzerten verkauft. 1982 änderte sich das Line-Up erneut und damit auch die Musik zugunsten einer freieren, jazzigeren Ausrichtung. 1983 trennten sich Dün schließlich und gerieten in Vergessenheit, bis im Jahr 2000 Soleil Zeuhl "Eros" als dritte CD seines Reissue-Programms wiederauflegte und dabei die Original-LP um vier ebenfalls hervorragende Demo-Songs ergänzte.

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Eskaton (Frankreich)


Ardeur, 1980
Eskaton: Ardeur

Die Urgründe Eskatons liegen in den frühen Siebziger Jahren, als ein Quartett junger Franzosen beeinflusst vor allem von Magma das "Eskaton Kommandkestra" gründete. Von Anfang an allerdings legten Eskaton - bei dem so verkürzten Namen blieb es schließlich - Wert auf ein weniger hermetisches Image als Magma: Die Band lebte in einer Kommune, ihre Texte waren in Französisch und behandelten in agitativer Weise zeittypische Themen. Es wird berichtet, dass Eskaton-Konzerte oft damit endeten, dass Band und Publikum miteinander diskutierten.

Es dauerte ungefähr fünf Jahre, bis Eskaton ein erstes Lebenszeichen in Form einer Aufnahme unters Volk bringen konnten: Die inzwischen um weitere Musiker, vor allem zwei Sängerinnen, erweiterte Gruppe zeichnete im Frühjahr 1979 in Eigenregie eine Single auf, kurz darauf ein erstes Album, "4 Visions", das vier kraftvolle Zeuhl-Stücke enthielt: Grollender Bass, mitreißende Schlagzeugarbeit, ein fetter Sound und die typischen hymnischen Gesänge der beiden Sängerinnen waren tragende Bestandteile eines der großen Highlights des Zeuhl abseits von Magma.

"4 Visions" war zwar ein musikalischer Triumph, wurde aber erst 1981 als Kassette veröffentlicht. 1995 erschien das Album auf CD, da aber diese Auflage lange vergriffen ist und die verantwortliche Plattenfirma Ad Perpetum Memoriam den Betrieb eingestellt hat, hat auch die CD-Version inzwischen Seltenheitswert.

Eskaton veröffentlichten im Jahr 1980 als offizielles Debüt ihre zweite LP-Aufnahme, "Ardeur", die den Ansatz von "4 Visions" verfeinert. Immer noch herrscht treibender, druckvoller Zeuhl mit dominanten Vocals und fettem Bass vor, aber der Volle-Kanne-Stil von "4 Visions" wird durch ruhigere Momente ergänzt. "Ardeur" wurde im Jahr 2003 vom Soleil Zeuhl Label zusammen mit der Single von 1979 auf CD wiederveröffentlicht. Als nächstes plant Soleil Zeuhl für Anfang 2005 die Veröffentlichung des letzten Eskaton-Albums, "Fiction" von 1983. Auf diesem ist der Zeuhl-Ansatz zwar noch deutlich zu hören, wird aber durch einen moderneren, synthesizerlastigen Ansatz zurückgedrängt, der das Album zwar eigenständiger, aber weniger urgewaltig klingen lässt. 1985 nahm die Band kurz vor ihrer Trennung ein letztes Album namens "Icare" auf, das aber bis heute unveröffentlicht blieb.

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Happy Family (Japan)


Toscco, 1997
Happy Family: Toscco

Happy Family, ein 1987 von vier Studenten gegründetes, rein instrumentales Quartett aus Tokio, umschreibt seine Musik als Chamber Jazzrock, vorangetrieben von Hard Rock und Heavy-Rhythmen. Der Zeuhl-Bezug ist aus der eigenen Sichtweise für die Japaner weit weniger ausgeprägt, ihre Inspirationsquellen reichen von Univers Zero, Henry Cow bis hin zu Led Zeppelin, dennoch sind gerade die treibenden, kräftigen Rhythmen deutlich in der Magma-Tradition angelegt.

Während ihr 1995 veröffentlichtes, namenloses Debüt bereits weltweit positive Kritiken einfuhr, die von Kommentaren wie "klingt als ob Slayer Tracks von Univers Zero covern würden" bis zu "ein instrumentaler Bulldozer, der die aktuelle Richtung von King Crimson in völlig neue Bahnen lenkt" reichte, erarbeiteten sich die Japaner auf dem zweiten Werk "Toscco" einen wesentlich eigenständigeren Stil, an dem sich der Hörer sinnbildlich die Zähne ausbeißt.

Vor allem durch archaische Aggressivität, kraftvolle Rhythmen in unglaublich energetischer Spielweise und instrumentalen Einfallsreichtum stellt dieses Album erhebliche Anforderungen an die Belastbarkeit des Zuhörers, der dafür mit einer fulminanten, wüsten Mixtur belohnt wird, die in dieser Konsequenz eigentlich nur aus Japan kommen kann. Happy Family sorgen deshalb entweder für einen erheblichen Adrenalinschub oder für herbe Kopfschmerzen.

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Koenji Hyakkei (Japan)


Nivraym, 2001
Koenji Hyakkei: Nivraym

Manch ein Hörer, der Zeuhl nur in Form einiger Magma-Stücke kennt, könnte sich aufs erste Hinhören vielleicht darüber wundern, dass auch die Musik von Koenjihyakkei zu diesem Genre gezählt wird. Denn wo das Vorbild oft streng und oratorienhaft wirkt, strotzen die Werke der Japaner nur so von irrwitzig-ironischen Effekten.

Der 1961 geborene Schlagzeuger Tatsuya Yoshida, zu dessen mittlerweile fast unzählbaren Projekten Koenji Hyakkei gehört, beweist hier einmal mehr, dass er gewillt ist, die Begriffe Tempo und Vertracktheit ernst zu nehmen. Dabei macht er es dem Hörer immerhin etwas leichter als bei seinem mit spartanischem Instrumentarium agierenden Stamm-Duo "Ruins". Denn der Sound auf "Nivraym" ist durch Keyboards und Gitarren breit bereichert und alles andere als dürr.

Mit dem zehnminütigen "Lussesoggi Zomn" enthält das Album ein Stück, das zu den Höhepunkten nicht nur des Zeuhls, sondern des Progs insgesamt gehört. Der Hörer wird in einen zugleich dramatischen und hochamüsanten Strudel gerissen, bei dem es schwer ist, den Kopf weit genug über dem Soundgebrodel zu behalten, um ab und zu noch etwas Luft zu bekommen. Ein instrumentales Schlachtgetümmel entfaltet sich, bei dem Freund und Feind nach wenigen Augenblicken nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Die Stimmen ihrerseits, die all dies überlagern, scheinen trotz aller Inbrunst zwischen Oper und Mickey Mouse keinen nennenswerten Abstand zu kennen. Manchmal klingt es wahrhaftig, als würden die Mäuse in den Kellern der Metropolitan Opera nachpiepsen, was über ihnen allabendlich von Sängern in großer Garderobe aufgeführt wird.

Die Band schafft es, im Anschluss an "Lussesoggi Zomn" mit "Vissqauell" den Grad überdrehter Stimmakrobatik noch einmal zu steigern. Das Stück erreicht nicht ganz so sehr den Charakter einer "großen" Komposition, aber als erste Begegnung, nein, als erster Zusammenprall mit "Nivraym" scheint es äußerst geeignet.

Der Hörer, der es so weit geschafft hat, mag sich fragen, ob dies hier nicht die wahren Gates of Delirium sind. Sie sind es zumindest nicht weniger. Und sie warten darauf, noch weiter aufgestoßen zu werden.

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Magma (Frankreich)


Mekanïk Destruktïw Kommandöh, 1973
Magma: Mekanïk Destruktïw Kommandöh

Live (Hhai), 1975
Magma: Live (Hhai)

Üdü Wüdü, 1976
Magma: Üdü Wüdü

Magma sind die Begründer des Zeuhl! Schon vom ersten Album an kreierten sie eine eigene, unverkennbare Musik. Beeinflußt von Orff, Coltrane und Soft Machine schilderten sie die Geschichte des Planeten Kobaia und seiner Bewohner - einschließlich eigener Sprache.

Waren die ersten beiden Platten noch mehr oder weniger Gruppenwerke mit einer starken Bläsersektion, übernahm Vander mit Mekanïk Destruktïw Kommandöh das alleinige Kommando. Diese LP ist einer der Meilensteine im Klanguniversum Magmas. Die lange, über zwei LP-Seiten gehende Suite verknüpft hypnotische, immer wiederkehrende Muster mit bombastischen Chor- und Einzelgesängen. Dazu kommen wüste Ausbrüche von Bläsern, Gitarre, Schlagzeug oder Bass - kurz, diese Platte bietet alles, was Magma so unvergleichlich macht. Wer die Komposition ruhiger, weniger stark instrumentiert liebt, greift zur Jahre später veröffentlichten Urversion "Mekanïk Kommandöh".

Trotz ständiger Umbesetzungen konnte die Gruppe ihr hohes Niveau halten, was das 1975 erschienene Livedoppelalbum Live (Hhai) zeigt. Hier bieten Magma neben einer wesentlich kraftvolleren Live-Version ihres Köhntarkösz-Albums auch kürzere Stücke bzw. Auszüge vom M.D.K-Album. Besonders überzeugen bei dieser Aufnahme das famose Spiel des Bassisten Paganotti und die Geige Lockwoods.

Nach dieser Veröffentlichung wird die Bandgeschichte etwas unübersichtlich. Die Gruppe reduzierte sich auf den Kern Vander, Blasquiz, Paganotti. Gleichzeitig gab es wieder Kontakte zum ehemaligen Bassisten Jannick Top, was zur Formierung von Vandertop führte, eigentlich Magma mit neuem/altem Bassisten.

1976 erschien dann unter dem Titel Üdü Wüdü ein neues Magma-Studioalbum. Neben dem Stück "Weidorje", mit dem die gleichnamige Band des nunmehrigen Ex-Bassisten Paganotti gewürdigt wurde, dominieren hier Kompositionen von Jannick Top, besonders die Bassorgie "De futura", ein Stück, das Vorbild für viele Zeuhlbands wurde.

Im gleichen Jahr erschien mit "Inedits" ein Sampler mit Livestücken, bevor 1977 Magmas Studio-LP "Attahk" auf den Markt kam, eine Abkehr von den langen Suiten hin zu kürzeren Stücken, immer noch magmatypisch, aber eingängiger, mit Einflüssen aus Soul und anderen Stilen.

Danach waren Magma eine reine Tourband in ständig wechselnden Besetzungen. Anfang der achtziger Jahre erschienen insgesamt drei LPs unter dem Titel "Retrospektïw" mit Liveauftritten aus dem Olympia in Paris mit vielen Ex-Mitgliedern.

Erst 1984 kam mit "Merci" das für lange Zeit letzte Studioalbum auf den Markt, das allerdings mit dem klassischen Magma-Stil wenig gemeinsam hatte. Vander gab auf seinem eigenen Label unter dem Titel "Akt" diverse Liveauftritte Magmas heraus, gründete die eher akustische Band Offering, die Magma-Stilelemente weiterführte. Vander spielte parallel auch in verschiedenen Jazz-Formationen (Fusion, Christian Vander Trio) oder solo.

Ende der neunziger Jahre erschien mit der Single "Floe Essi/Ektah" ein neues Lebenzeichen einer verjüngten Magma-Formation, die auch regelmäßig auf Tour ging und die großen Suiten der 70er wieder zur Aufführung brachte. Im November 2004 erschien nach zwanzig Jahren Pause ein neues Studioalbum namens "K.A".

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Ruins (Japan)


Tzomborgha, 2002
Ruins: Tzomborgha

Ruins sind ein Duo. Beziehungsweise Ruins sind mehrere Duos. Schlagzeuger Yoshida Tatsuya bildet das Zentrum der 1985 gegründeten Band - soweit bei zwei Leuten jemand eine Mitte bilden kann. Die Bassisten wechseln. Doch mehr als eine "drums and bass unit" (plus Gesang) gibt es bei Ruins in der Regel nicht zu hören (die sprichwörtliche Ausnahme findet sich auf dem Album "Symphonica").

Was sich mit Bass und Schlagzeug so alles anstellen lässt, ist mittlerweile auf einer ganzen Reihe von Ruins-CDs aktenkundig geworden. Es ist ein höllisches, rasendes Spektakel, bei dem die Zeuhltradition zu feinem Pulver zermahlen und zu winzigen, aber höchst wirkungsvollen Pellets gepresst vom Hörer auf eigenes Risiko eingenommen werden muss. Nervöse Reaktionen sind dabei nicht ausgeschlossen, es besteht jedoch auch die ernste Gefahr der guten Laune.

Auf "Tzomborgha" ist Sasaki Hisahi für den Bass zuständig. Das Album unterscheidet sich von vielen anderen Ruins-Veröffentlichungen, die manchmal ein bisschen wie eine Telefonübertragung klingen, durch seinen deutlich besseren Sound. Das erhöht die Zugänglichkeit oder anders ausgedrückt: Wer sich ködern lassen will, der sollte es hier tun. Es handelt sich um den idealen Einstiegspunkt in ein musikalisches System, bei dem man wie im Minutentakt durch Prog, Punk und Zeuhl gezappt wird, bei dem Lärm und kunstvolle Verschlingung zwei Seiten einer Medaille sind.

P.S.:Cindy & Bert- sowie Black Sabbath-Fans lesen hier weiter.

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Shub Niggurath (Frankreich)


Les Mortes vont vite, 1987
Shub Niggurath: Les Mortes vont vite

Für ihren Bandnamen haben sich Shub Niggurath bei H.P. Lovecraft bedient. Shub Niggurath ist die riesige "Schwarze Ziege der Wälder mit den tausend Jungen", eine finstere, bösartige Fruchtbarkeitsgöttin, die in mehreren Geschichten von Lovecraft vorkommt. Wenn es Musik gibt, die perfekt zu Lovecrafts düsteren Szenarien passt, dann ist es die von der Debut-LP von Shub Niggurath - "Les Mortes vont vite".

Die Gruppe entstand Anfang der 80er Jahre in der Besetzung Alain Ballaud (Bass), Franck Coulaud (Perkussion), Frank Fromy (Guitar, Perkussion), Jean-Luc Hervé (Harmonium, Piano, Orgel), Ann Stewart (Gesang) und Véronique Verdier (Bassposaune).

Nachdem schon 1985 eine Kassette mit Musik der Gruppe in den entsprechenden Kreisen für Aufsehen gesorgt hatte, erschien das Debut-Album von Shub Niggurath 1987 bei Musea. Heftige, repetitive Bassläufe treffen auf eine sägende Gitarre, ein schräg-klimperndes Piano, hymnischen Soprangesang und jenseitige Posaunenklänge. Wie eine düster-depressive Version von Magma klingt diese Musik, die apokalyptisch und verstörend wirkt, mit ihren sich komplex und kraftvoll dahinschleppenden Rhythmen, der sparsamen aber sehr intensiven Instrumentierung und der bisweilen ausgesprochen atonalen Harmonik.

Shub Niggurath gingen den eingeschlagenen musikalischen Weg strikt weiter. Mit "C'etaient de tres grands vents" erschien 1991 eine Scheibe mit sehr unterkühlter, fast statischer, experimenteller Musik, die kaum noch im Rockbereich anzusiedeln ist. Nach dem Tod von Alan Ballaud war das Kapitel Shub Niggurath schon 1995 beendet. 2003 wurde in Erinnerung an Ballaud allerdings eine weitere CD mit unveröffentlichtem Material aus der Zeit nach "C'etaient de trés grands vents" veröffentlicht. "Testament" ist das radikalste und am schwiergisten zugängliche Album der Gruppe. Die Scheibe bietet ein wüstes, elektroakustisches Experiment, das wohl nur für diejenigen Proghörer interessant ist, die ein offenes Ohr für Klangexperimente und die zeitgenössische Avantgarde haben.

"Les Morts vont vite" aber ist eine grandiose, wenn auch extreme Scheibe, die wie kaum eine andere Produktion der zweiten Zeuhl-Generation der 80er Jahre das musikalische Erbe Magmas weiterentwickelt und sich nicht auf bloßes Aufkochen der alten Ideen beschränkt.

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Vortex (Frankreich)


1975 - 1979, 2003
Vortex: 1975 - 1979

Vortex entstanden Anfang der 70er Jahre in Lyon um die Gebrüder Jaques und Jean Pierre Vivante. Die Gruppe nannte sich zunächst Tetsu Band und betätigte sich als Soft Machine Cover-Band. Als die Vivantes mit dem Buch Urantia und seiner esoterischen Philosophie Bekanntschaft machten, übernahmen sie den Namen für ihre Band. Wie sie aber bald darauf erfuhren, als sie ein Konzert von Magma zu organisieren halfen, waren sie nicht die einzigen, die von Urantia begeistert waren. Um sich von Magma abzugrenzen und nicht etwa des Plagiats beschuldigt zu werden, änderten Urantia daher 1975 ihren Namen in Vortex um.

Das Debut von Vortex entstand 1975 unter recht primitiven Bedingungen und wurde im Eigenvertrieb auf Konzerten der Band unter das Volk gebracht. Einen zeuhllastigen Jazzrock spielen Vortex auf ihrem Erstling, der stellenweise an die Musik der Canterbury-Szene (siehe den Leitfaden Canterbury), insbesondere an Soft Machine erinnert.

Nach diversen Besetzungswechseln spielten Vortex 1978 - jetzt zum Oktett angewachsen - die Scheibe ein, derentwegen sie in diesen Leitfaden aufgenommen wurden: "Les Cycles De Thanatos". Die Scheibe bietet ein sehr überzeugendes Konglomerat aus Jazzrock, Avantgardistischem, moderner Klassik und natürlich Zeuhl. Insbesondere das lange Titelstück, ein sehr komplexer, sich langsam steigernder, immer hektischer werdender Klangstrudel, der sich zudem durch die ungewöhnliche Instrumentierung mit u.a. drei Perkussionisten und vier Holzbläsern auszeichnet, macht die Scheibe zu einem kleinen Meisterwerk. Da die Gruppe kein Plattenlabel fand, das bereit war "Les Cycles De Thanatos" zu veröffentlichen, wurde auch diese LP von der Gruppe selbstproduziert. Trotzdem wurden mehr als 3000 Stück davon abgesetzt.

Vortex existierten noch bis Mitte 1980, lösten sich dann aber auf, als sich Pläne zerschlugen, ein drittes Album aufzunehmen. Die beiden Original-LPs von Vortex sind extrem selten und teuer. 2003 wurde das Material aber remastered, neu abgemischt, mit Bonustracks versehen auf dem kleinen französischen Label Le Triton als Doppel-CD wiederveröffentlicht. "1975 - 1979" ist ein für Zeuhl-Interessierte sehr lohnenswertes Album, das zeigt, dass hervorragender Zeuhl-Jazzrock auch außerhalb des eigentlichen Magma-Zirkels um Christian Vander entstanden ist.

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Weidorje (Frankreich)


Weidorje, 1978
Weidorje: Weidorje

Weidorje entstand Anfang 1976 zunächst als Nebenprojekt der damaligen Magma-Musiker Bernard Paganotti und Patrick Gauthier, in dem sie ihre eigenen kompositorischen Ideen verwirklichen wollten. Der Name "Weidorje" wurde von Magma-Sänger Klaus Blasquiz vorgeschlagen, der ursprünglich ebenfalls mitmachen wollte. Paganotti und Gauthier dagegen verließen Magma im Laufe des Jahres 1976, um sich ganz Weidorje zu widmen. Anfang 1977 stand eine feste Besetzung, zu der neben Paganotti (Bass) und Gauthier (Keys) noch Michel Ettori (Gitarre), Kirt Rust (Schlagzeug), Jean-Philippe Goude (Keys), Alain Guillard (Sax) und Yvon Guillard (Trompete) gehörten.

Das titellose Debütalbum wurde im Februar 1978 innerhalb einer Woche eingespielt und abgemischt. Die Musik enthält die typischen Zeuhl-Ingredienzen: fette Bassarbeit, repetitive, ekstatische Polyrhythmen, geheimnisvolle Gesänge - letztere spielen aber längst nicht die Rolle wie bei Magma, da sie doch nur sehr sporadisch eingesetzt werden. Dafür hat die Weidorje-Musik einen deutlich höheren Jazzanteil, nicht zuletzt auf Grund der beiden Bläser.

Respektable Verkaufszahlen und gute Kritiken bewogen Weidorje, sich wieder verstärkt um Möglichkeiten für Liveauftritte zu bemühen. Die folgenden Konzerte standen jedoch unter keinem guten Stern: So fand eine Tour durch die Bretagne gleichzeitig mit den Regionalwahlen statt, und die Tourplakate wurden oft mit Wahlplakaten überklebt. Dies wirkte sich entsprechend negativ auf die Besucherzahlen und in der Folge auch auf die Motivation der Musiker aus. Trotzdem reiften Pläne für ein zweites Album, auch Material war bereits vorhanden. Dennoch kam es nie zu einer weiteren Veröffentlichung. Die Suche nach einem neuen Plattenlabel, das den Musikern mehr Zeit und Möglichkeiten zu Verfügung gestellt hätte, blieb erfolglos. Nachdem schließlich ein Festivalauftritt in Spanien im Sommer 1979 wegen technischer und organisatorischer Probleme in einem totalen Misserfolg endete, beschloss Bernard Paganotti, Weidorje aufzulösen.

Einige Jahre später versammelten sich fast alle ehemaligen Weidorje-Musiker auf Bernard Paganottis erstem Soloalbum "Paga", das auch zwei ursprünglich für Weidorje komponierte Stücke enthielt. Daraus entstand in Folge ein festes Bandprojekt, das ebenfalls den Namen "Paga" trägt.

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Zao (Frankreich)


Z=7L, 1973
Zao: Z=7L

Zao wurde Anfang der 70er Jahre von den ehemaligen Magma-Musikern François Cahen (Keyboards) und Yochk'o Seffer (Saxofon) gegründet. Beide sahen in der zunehmend von Christian Vander allein geführten Band nicht mehr genügend Freiräume für eigene musikalische Ideen. Den Namen Zao entliehen sie der Kabbala, einer mystischen Geheimlehre aus dem 13. Jahrhundert.

Das 1973 erschienene Debüt mit dem eigenartigen Titel "Z=7L" ist von allen Zao-Alben am stärksten zeuhlorientiert. Zao fügen jedoch ihrer Musik eine deutlich jazzige Komponente bei, vor allem in Form solistischer Improvisationen. Dazu liefert Sängerin Mauricia Platon eine beeindruckende Performance mit rasend schnellen Scat-Einlagen und opernhaften Passagen.

Auf den weiteren Zao-Alben, auf denen kein Gesang mehr eingesetzt wurde, ging der Zeuhl-Einfluss immer mehr zurück, bis die Gruppe ab ihrem vierten Album "Kawana" (1976) zu einer reinen Jazzrock-Formation mutiert war. Ende der 70er Jahre trennten sich Zao. Erst 1994 erschien mit "Akhenaton" nach siebzehn Jahren wieder ein neues Studioalbum.

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Tipps abseits der Hauptliste

Guapo (Großbritannien)


Five Suns, 2004


Guapo kommen aus London und sind Matt Thompson (Gitarre, Bass) und Dave Smith (Schlagzeug), die mit wechselnden Mitmusikern seit 1995 Tonträger veröffentlichen. Nach dem punkig-heftigen Debut ("Towers Open Fire") erschien 1998 eine EP mit sechs Stücken (darunter auch zwei Nummern namens "Zeuhl 1" und "Zeuhl 2"), die den bezeichnenden Namen "Guapo versus Magma" trug. Guapo sind somit das seltene Beispiel für eine zeuhlbeeinflusste Gruppe, die nicht aus Frankreich oder Japan kommt. Mit "Hirohito" erschien das erste "richtige" Zeuhl-Album der Gruppe, das sich am Klang japanischer Bands wie Ruins und Bondage Fruit orientiert. "Death Seed" (2000) entstand sogar teilweise während einer gemeinsamen Session mit den Japanern von Ruins. Mit "Five Suns" veröffentlichte die Gruppe, der sich der Keyboarder Daniel O'Sullivan als festes Mitglied angeschlossen hatte, 2004 ihr bisher dichtestes Album mit grandiosen, symphonischen Zeuhl-Retroklängen. Es gehört mit zum Besten, was das Genre zu bieten hat.

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Kultivator (Schweden)


Barndomens Stigar, 1981


Diese 1978 gegründete Band versöhnt auf ihrer 1981 erschienenen einzigen LP zwei eigentlich gegensätzliche Prog-Subgenres: Zeuhl und Canterbury. Die Zeuhl-Seite wird repräsentiert durch kräftigen, pumpenden Bass und vorwärtspeitschende Schlagzeug-Arbeit. Canterbury kommt über feinsinnig-elegante E-Piano-Riffs und Summse-Orgel-Soli im Dave Stewart-Stil ins Spiel. Dazu wird über den sanften weiblichen Gesang sowie gelegentliche Blockflötenpassagen ein Schuss schwedischer Folklore untergerührt. All dies ergibt eines der originellsten schwedischen Prog-Alben. "Barndomens Stigar" wurde 1992 wiederveröffentlicht, ist aber, da das Label "APM" inzwischen den Betrieb eingestellt hat, auch auf CD nur noch schwer zu finden.

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One Shot (Frankreich)


Vendredi 13, 2001


Hinter One Shot verbergen sich drei Mitglieder (Keyboarder Emmanuel Borghi, Gitarrist James MacGaw, Bassist Philippe Bussonnet) der aktuellen Magma-Besetzung (Stand: 10/2004), die zusammen mit dem Schlagzeuger Daniel Jeand’heur eine deutlich jazzrocklastigere Interpretation des Magma-Stils spielen. Während ihr namenloses Debüt noch deutlich mehr dem reinen Jazzrock verbunden ist, tritt beim live aufgenommenen Nachfolger „Vendredi 13“ deutlich erkennbar der kraftvolle Zeuhl-Bezug zu Tage.

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Yeti (USA)


Volume Obliteration Transcendence, 2004


Zeuhl aus Texas? Ja, auch in der Zeuhl-Szene gibt es "Exoten". Yeti entstanden im Sommer 1998 und widmeten sich einer Musik, die die Band selbst als düstere Verschmelzung von Jazz und Rock bezeichnet. Das Ergebnis, zu hören auf der 2000 erschienenen Debut-Scheibe "Things To Come", ist eine instrumentale, etwas rohe, spacig-wabernde Abart des klassischen Zeuhl, bei dem neben dem Bass vor allem diverse Keyboardinstrumente klangbestimmend sind. Nach dem plötzlichen Tod des Keyboarders Doug Ferguson schrumpften Yeti zum Trio, das 2004 die Ferguson gewidmete CD "Volume Obliteration Transcendence" veröffentlichte. Diese Scheibe bietet eine sehr finstere Zeuhl-Vision, mit bedrohlicher Atmosphäre, zäh sich dahinschleppenden Gitarren- und Bassriffs, statischen, von den Keyboardinstrumenten erzeugten Klanggebirgen und dem monotonen, druckvoll dahinpolternden Schlagzeug. "Volume Obliteration Transcendence" ist eine gewaltige Scheibe, deren unverhohlen zum Ausdruck kommende Trauer und Verzweiflung im krassen Gegensatz zum einstmals hymnisch-euphorischen Zeuhl von Magma steht.

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