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Leitfaden: Konzeptalben
01. The Moody Blues
02. Emerson, Lake & Palmer
03. Banco del Mutuo Soccorso
04. Bo Hansson
05. Jethro Tull
06. Rick Wakeman
07. Yes
08. Genesis
09. Jon Anderson
10. Stern-Combo Meissen
11. Dave Greenslade
12. Pink Floyd
13. Anyone's Daughter
14. Marillion
15. David Thomas & The Pale Orchestra
16. Judge Smith
17. Magma
18. Dream Theater
19. Pere Ubu
20. Motorpsycho and Ståle Storløkken
STATISTIK
23788 Rezensionen zu 16255 Alben von 6316 Bands.
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Leitfaden:

Konzeptalben



Dieser Leitfaden führt durch die Welt des progressiven Konzeptalbums. Damit soll eines gleich vorweg gesagt werden: Wir halten das Konzeptalbum nicht für eine Bedingung des Progressive Rock, ja nicht einmal für eines seiner besonderen Kennzeichen. Denn ob Songs durch ein gemeinsames Konzept verknüpft sind oder nicht, hat im Rock in den meisten Fällen weit weniger Einfluss auf die Musik als auf den Text. Und Progressive Rock ist nun mal eine Frage der Musik, nicht ihrer Organisation. Was wiederum bedeutet, dass wir erst einmal damit anfangen müssen, an einige Konzeptalben zu erinnern, die jenseits des Prog entstanden – und vor ihm. Denn Konzeptalben gibt es natürlich auch in anderer Rock- und Popmusik, im Heavy Metal natürlich, aber auch im Jazz oder im Swing: So ist z. B. Frank Sinatras „Come fly with me“ von 1958 ein lupenreines Konzeptalbum, das sich ums Reisen im Flugzeug dreht. Auch später gibt es progferne Konzeptalben, man denke nur an „Ride This Train“ von Johnny Cash (1960), „Pet Sounds“ von den Beach Boys (1966) und natürlich an The Whos „Tommy“ (1969). Die Wurzeln des Konzeptalbums liegen noch tiefer, in der Programmmusik früherer Jahrhunderte, in Oper und Operette, aber vor allem in Musical, in Liederzyklen und in Filmmusik.

Im Jahr 1968, also gewissermaßen zur Geburtsstundes des Progressive Rock, entstanden drei wichtige Konzeptalben, die alle nicht zum Prog zählen: „Village Green Preservation Society“ von den Kinks, „Odessey and Oracle“ von den Zombies und „SF Sorrow“ von den Pretty Things. Konzeptalben waren also gerade in, und deshalb haben auch Progbands Konzeptalben aufgenommen, nicht andersherum.

Was aber ist nun ein Konzeptalbum? Zunächst einmal gehört dazu ein übergreifendes Thema, das über Zufälligkeiten wie etwa die, dass sich auf einer Platte alle 12 Lieder um die Liebe drehen, hinausgehen muss. So ein Thema kann dann aber alles mögliche sein, von der klassischen Rockoper mit verteilten Rollen über eine musikalisch erzählte Geschichte bis hin zu einem eher losen thematischen (oft philosophischen, psychologischen, seltener politischen) oder musikalischen Zusammenhang. Damit ist Instrumentalmusik ausdrücklich eingeschlossen: Camels "The Snow Goose" (1975) zum Beispiel oder Ornette Coleman’s „Free Jazz“ (1961) ein Konzeptalbum, dessen Konzept in seiner musikalischen Realisation besteht. Solche abstrakten Themen gibt es auch im Prog: In Dream Theaters „Octavarium“ (2005) etwa geht es um die Oktave, und Jethro Tulls „Thick as a Brick“ (1972) ist gar ein Konzeptalbum übers Konzeptalbenmachen. Wir gehen also, was die Auswahl der folgenden Beispiele angeht, davon aus, dass ein Konzeptalbum ein Album ist, das durch ein Thema zu einer Einheit zusammengefasst wird, das instrumental, kompositorisch, erzählerisch oder textlich bestimmt sein kann – in der Hoffnung, dass diese Definition dehnbar genug ist, aber nicht willkürlich.

Einfach wird es trotzdem nicht: So wollen wir eigentlich Alben ausschließen, auf denen sich nur ein einziger Song findet (also zum Beispiel Echolyns „Mei“ von 2002), andererseits können diese, wie etwa bei Magma, Teil eines albenübergreifenden Konzepts sein. Bei Platten wie Jethro Tulls „Thick as a Brick“ (1972) wird das besonders schwer, das kommt nämlich als ein einzelnes, geschlossenes Stück daher, besteht aber, zumindest passagenweise, aus klar identifizierbaren und abgrenzbaren Songs. In dieser Hinsicht mussten wir flexibel sein. Nicht aber bei über mehrere Alben verstreuten Teilen eines Gesamtkonzepts (z. B. die Chapters bei Saga oder die „12 Steps Suite“ Dream Theaters) oder Alben, in denen man nur mit viel gutem Willen – und/oder gegen den Widerspruch ihrer Schöpfer – Konzeptalben erkennen kann (etwa ELPs „Brain Salad Surgery“, 1973, oder Jethro Tulls „Aqualung“, 1971). Die schließen wir aus.

Es kommt uns also nicht auf die Musik an, sonders aufs Konzept. Die Alben, die wir hier listen, sind natürlich alle Progalben, sie müssen aber als Konzeptalben herausragend sein, nicht notwendigerweise auch als Progalben. Ob sie gute, bedeutende, richtungweisende Progalben sind, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Interessant ist dabei, dass viele Konzeptalben im Prog thematische Gemeinsamkeiten aufweisen, so dass man letztlich wohl mit einiger Berechtigung von Prog-Konzeptalben sprechen kann. Ähnlich wie der Progressive Rock selbst, der ja als postmoderne Musikrichtung Einflüsse aus der Vergangenheit, aus Rock, Klassik und Jazz, verknüpft mit hypermodernen, ja futuristischen Klängen, ist das Konzeptalbum im Prog oft thematisch eingespannt zwischen Tradition und Moderne. So finden sich unter den Quellen viele literarische Texte, oft Klassiker, wie etwa Dantes „Göttliche Komödie“, Alfred Jarrys „Ubu Roi“ und Hermann Hesses "Piktors Verwandlungen", oder gar religiöse Texte, wie die Bibel und die shastrischen Schriften Indiens. Eine andere Hauptquelle ist die Geschichte, es gibt Konzeptalben über Heinrich VIII., König Artus oder die Kreuzzüge. Häufig werden diese traditionellen Stoffe dann als ideale Gegenwelten zu einer als bedrohlich, übertechnisisert oder entmenschlicht empfundenen Gegenwart inszeniert. Technoide Kriegsszenarien werden einem idyllischen Utopia gegenübergestellt, das oft in der Vergangenheit, manchmal aber auch in der Zukunft imaginiert wird, so etwa bei Magma, Greenslade & Woodroffe oder Jon Anderson. Nicht umsonst sind Science Fiction und Fantasy wichtige Inspirationsquellen für das Konzeptalbum im Prog, etwa bei Bo Hansson oder Arjen Lucassen. Diese Fantasiewelten werden häufig als idealisierte Fluchtpunkte für eskapistische Hoffungen ausgestaltet, wobei die typischen Spannungen der Moderne oft deutlich ausformuliert werden: Die zwischen Realität und Fiktion (raffiniert in Jethro Tulls „Thick as a Brick“, 1972, oder Genesis’ „The lamb lies down on Broadway“, 1974), die zwischen Zerstörung und Erneuerung (Jon Andersons „Olias of Sunhillow“, 1976), die zwischen Objektivität und Subjektivität (Il Rovescio Della Medaglias „Io come io“, 1972), und nicht zuletzt die zwischen Individuum und Gesellschaft, wie etwa auf den stark psychologisierenden Alben von Pink Floyd, Genesis und Marillion. In diesen Spannungsfeldern – Realismus, Fortschritt, Technik, Instabilität, Entfremdung, Exil, Urbanismus, Krieg auf der einen Seite, Utopie, Flucht, Mythos, Identität, Kongruenz, Tradition, Land, Natur auf der anderen – zeigt sich ein gespaltenes Verhältnis zur Moderne, das oft, und scheinbar widersprüchlich, seinen Ausdruck in einer teils radikal fortschrittlichen, teils äußerst konservativen Ästhetik findet.

Der folgende Text sollte ursprünglich mal am Ende des Leitfadens stehen, irgendwie kriegen wir das abr nicht hin. Also steht er (vorerst) hier:

Was gibt es abseits dieser Liste noch zu erwähnen?

Da wäre das Colossus-Projekt, benannt nach einer finnischen "Gesellschaft für progressive Rock", die unter dem Namen "Colossus" ein vierteljährlich erscheinendes Magazin herausgibt. Die Finnen initiieren immer wieder ungewöhnlich aufwändige Projekte, in deren Mittelpunkt eine kulturelle Errungenschaft steht, ein Buch, ein Film, ja sogar eine berühmte rhodische Statue. Dazu werden dann weltweit Bands gesucht, die einzelne Aspekte davon vertonen, also zum Beispiel einzelne Kapitel eines Buches. Das Ganze gipfelte vor einigen Jahren in einer 12-CD-Fassung von Dantes "Göttlicher Komödie".

Eine ganze Reihe von Musikern und Bands hat einen besonderen Hang zu Konzeptalben. Da ist zum Beispiel der Niederländer Arjen Anthony Lucassen, der unter seinem eigenen Namen, aber auch mit Projekten wie Ayreon oder Star One immer wieder Fantasy-Opern veröffentlicht. Deutsche Bands, die sich dem Konzeptalbum verschrieben haben, sind z. B. Eloy (Keyboarder Detlev Schmidtchen hat mit "The Last Planet" im Alleingang sogar eine ganze Trilogie vorgelegt), Frequency Drift, Haggard, Indigo oder Solar Project.

Den Vogel schießt aber vermutlich die 1969 gegründete Düsseldorfer Band Flaming Bess ab, die seit ihrer Gründung in unregelmäßigen Abständen Konzeptalben rund um Flaming Bess, die Göttin des Lichts, abliefert. Flaming Bess sind damit vielleicht die erste Konzept-Band der Welt. Doch gibt es nichts, was man nicht steigern könnte: Übertroffen werden sie von der amerikanischen Band Coheed and Cambria, deren Alben eine Science-Fiction-Saga um das Ehepaar Coheed und Cambria Kilgannon erzählen, die in irgendeiner Vergangenheit auf einem erdähnlichen Planeten leben und als Wächter einer Planetenföderation namens "Keywork" fungieren. Als ein gefährlicher Virus entdeckt wird, kommt eine ganze Reihe von Ereignissen ins Rollen. Coheed and Cambria erzählen ihre Geschichte auf ihren Alben, aber auch in Comics. Sogar ein Buch und ein Film sind in Planung. Es gibt eben nichts, was man nicht noch aufwändiger betreiben könnte...

Die Hauptliste

01. The Moody Blues (Großbritannien)


Days of Future Passed, 1967
01. The Moody Blues: Days of Future Passed

Mit ihrem zweiten Album, das gleichzeitig das erste in ihrer klassischen Besetzung war, legten die Moody Blues gleich ein ambitioniertes Konzept vor. Dargestellt wird der Ablauf eines Tages von der Morgendämmerung ("Dawn is a Feeling") bis zur Nacht (das bekannte "Nights in White Satin"). Die Songs werden nicht nur jeweils durch Orchestervorspiele eingeleitet, dem Ganzen ist auch noch ganz nach klassischer Art eine vom Orchester intonierte Ouvertüre vorangestellt, dazu ein gesprochener Prolog und Epilog.

Auch wenn die Musik über weite Strecken - oder eigentlich durchweg - reichlich süßlich und klebrig geraten ist, das Konzept war für die Entstehungszeit des Albums sicher ungewöhnlich und originell, und man muss letzten Endes doch konstatieren, dass die Songs recht gut die Stimmung der jeweiligen Tageszeit wiedergeben.

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02. Emerson, Lake & Palmer (Großbritannien)


Pictures at an Exhibition, 1971
02. Emerson, Lake & Palmer: Pictures at an Exhibition

„Pictures at an Exhibition“ ist eine Bearbeitung des Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski aus dem Jahr 1874. Die einzelnen Sätze beschreiben Gemälde und Zeichnungen des im Jahr zuvor verstorbenen Malers Viktor Hartmann, der mit Mussorgski befreundet war. Anlass für die Komposition war eine Gedächtnisausstellung mit Bildern Hartmanns. Die Namen der Stücke beziehen sich auf einige der Werke, die in dieser Ausstellung zu sehen gewesen waren, zwischen den Stücken zu den Bildern erklingen sogenannte „Promenaden“, die das Wandeln von einem Gemälde zum nächsten in den Ausstellungsräumen versinnbildlichen. 1971 unternahmen Emerson, Lake & Palmer eine recht freie Bearbeitung des Klavierzyklus, die immer dann am gelungensten ist, wenn sie die Band nahe am Vorbild orientiert. Trotz des recht abstrakten Konzepts wurde "Pictures at an Exhibition" eines der erfolgreichsten Konzeptalben der 1970er Jahre.

Es gibt übrigens auch eine Adaption des japanischen Elektronikers Isao Tomita aus dem Jahr 1975, die dem Original viel näher ist als die Version ELPs.

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03. Banco del Mutuo Soccorso (Italien)


Darwin!, 1972
03. Banco del Mutuo Soccorso: Darwin!

Das zweite Album der bekanntesten der klassischen italienischen Progbands ist einer der unbestrittenen Klassiker des Progressive Rock. Aber nicht nur musikalisch, auch textlich ist es interessant, denn als Konzeptalbum hat es ein ungewöhnliches Thema: die Evolution. Gleich im ersten Stück mit dem passenden Titel "L'evoluzione" wird das Gesamtthema umrissen, von der Entstehung der Erde bis zum Auftreten des Menschen. Die weiteren Stücke behandeln einzelne Teilaspekte des Themas, ohne dabei eine chronologische Reihenfolge einzuhalten. Da wechselt es von der Erlangung des aufrechten Gangs über die Dinosaurier zur Entstehung der frühesten Gesellschaftsformen und zu Fragen der Moral. Das Thema wird also nicht nur rein biologisch betrachtet.

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04. Bo Hansson (Schweden)


Lord of the Rings, 1972
04. Bo Hansson: Lord of the Rings

J.R.R. Tolkiens Romantrilogie "Der Herr der Ringe" gehört zu den beliebtesten Sujets des Progressive Rock, dem man ja durchaus zurecht eine gewisse Affinität zu Fantasy und Science Fiction nachsagt. Zahlreiche Bands, vor allem aus der Neoprog-Szene, haben sich von dieser Erzählung inspirieren lassen, wobei die Inspiration gelegentlich nur bis zur Wahl des Bandnamens reichte. Den Anfang aller Tolkien-inspirierten Konzeptalben machte der schwedische Keyboarder Bo Hansson mit "Lord of the Rings". Die zwölf Stücke des komplett instrumentalen Albums sind nach Kapiteln der Buchvorlage benannt (wobei große Lücken gelassen wurden) und betonen vor allem den melancholischen Aspekt der Erzählung.

Hanssons Umsetzung ist nicht unumstritten, insbesondere der zurückhaltende, gedämpfte Charakter der Musik (der sicher auch dem für heutige Verhältnisse antiquierten Instrumentarium zuzuschreiben ist) passt nach Meinung mancher Kritiker nicht zu der teils doch recht gewalttätigen Vorlage. Dennoch, das Album ist nicht nur der erste Versuch, Tolkiens Erzählung zu vertonen, es ist auch eines der ersten literarisch inspirierte Konzeptalbum des Prog überhaupt und stellt damit unbestritten einen Meilenstein in der Geschichte des Konzeptalbums dar.

Eine weitere Literaturvertonung durch Instrumentalmusik produzierten die Briten Camel 1975 mit "The Snow Goose" nach der gleichnamigen, wesentlich weniger bekannten Erzählung von Paul Gallico.

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05. Jethro Tull (Großbritannien)


Thick as a Brick, 1972
05. Jethro Tull: Thick as a Brick

Eines der bekanntesten und erfolgreichsten Konzeptalben der Rockgeschichte ist eigentlich eine Parodie auf das Konzeptalbum. Tull-Boss Ian Anderson enthüllte einmal in einem Interview, dass er sich mit diesem Album über die damals grassierende Konzeptalben-Flut lustig machen wollte. Dass hierbei ein Meilenstein des Progressive Rock herauskam, spricht für Andersons Fertigkeiten als Komponist und Texter.

"Thick as a Brick" wurde angekündigt als die Vertonung eines Gedichts eines fiktiven Wunderknaben namens Gerald Bostock, der es im zarten Alter von acht Jahren für einen Gedichtwettbewerb verfasst haben soll. Proteste gegen den blasphemischen Inhalt sollen dazu geführt haben, dass dem Werk nachträglich der 1. Preis aberkannt wurde.

Diese - natürlich komplett erfundene - Geschichte findet sich in der der Schallplatte beigelegten Ausgabe des "St. Cleve Chronicle", einer liebevoll aufgemachten fiktiven Tageszeitung. Womit Jethro Tull auch in Sachen Covergestaltung Maßstäbe gesetzt haben.

40 Jahre später wurde die Geschichte von Gerald Bostock fortgeschrieben, das 2012 erschienene "Thick as a Brick 2" - nominell ein Soloalbum von Ian Anderson - beschäftigt sich mit mehreren alternativen Lebensläufen des Dichters.

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06. Rick Wakeman (Großbritannien)


The Six Wives Of Henry VIII, 1973
06. Rick Wakeman: The Six Wives Of Henry VIII

Rick Wakeman ist einer der prototypischen Konzeptalben-Musiker und darf hier natürlich keinesfalls fehlen. „The six Wives of Henry VIII.“ war das erste in einer langen Reihe von Konzeptalben. Seine sechs Instrumentalstücke repräsentieren die sechs Ehefrauen Heinrichs VIII., Katharina von Aragón, Anne Boleyn, Jane Seymour, Anna von Kleve, Catherine Howard und Catherine Parr. Die Idee dazu hatte Wakeman bei der Lektüre einer Biographie während eines Fluges mit Yes nach Chicago. Und auch wenn die verschiedenen Stücke sich sehr ähneln und kaum die Charaktere der sechs Frauen adäquat zum Ausdruck bringen, so ist „The six Wives of Henry VIII.“ bis heute doch eines der bekanntesten von vielen Alben Wakemans.

2009, 36 Jahre nach der Veröffentlichung des Albums, konnte Wakeman das ganze Werk live präsentieren, standesgemäß vor dem Hampton Court, einem ehemaligen Wohnsitz Heinrichs VIII. Zu diesem Anlass fügte er dem Konzept drei Stücke hinzu, eines davon, "Defender of the Faith", stammt noch von den Originalsessions und repräsentiert Heinrich VIII. Und so wurde aus "The Six Wives Of Henry VIII" "Henry VIII And His Six Wives".

Rick Wakeman komponierte in seiner langen Karriere viele weitere Konzeptalben. Erwähnenswert sind noch „Journey to the Centre of the Earth“ (1974) und „The Myths and Legends of King Arthur and the Knights of the Round Table“ (1975), die sich ebenfalls mit historischen bzw. literarischen Themen beschäftigen.

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07. Yes (Großbritannien)


Tales From Topographic Oceans, 1973
07. Yes: Tales From Topographic Oceans

„Tales from Topographic Oceans“ ist, wie so viele Konzeptalben, das umstrittenste Werk seiner Schöpfer, in diesem Fall der Band Yes. Während der Tour zum vorhergehenden Album trafen sich Sänger Jon Anderson und Gitarrist Steve Howe in ihren Hotelzimmern, um bei Kerzenschein und magischem Tee die Musik zu einem Konzept zu schreiben, zu dem Anderson durch eine Fußnote in Paramahansa Yoganandas „Autobiographie eines Yogi“ angeregt worden war. Dort ging es um die Shastras, die heiligen Bücher der indisch-vedischen Tradition, die in vier Gruppen eingeteilt werden: Shruti, Smiriti, Purana und Tantra.

Shruti, das mit dem Stück „The revealing science of god“ korrespondiert, umfasst die direkt offenbarten Werke, die Veda (zu deutsch "Wissen"). Texte, die Lieder, Maximen, Aphorismen und Prosa umfassen und teilweise fast viertausend Jahre alt sind.

Smiriti, das „The Remembering“ inspirierte, umfasst das im Gedächtnis bewahrte Wissen, namentlich die Epen "Mahabharata" und "Ramayana", die "Vedanga" und die "Sutras".

„Purana“ bedeutet ‚Allegorien aus uralten Zeiten’, es ist auf „Tales“ durch „The Ancient“ repräsentiert und besteht vornehmlich aus Liedern von Kriegern aus dem ersten Jahrtausend vor Christus.

Der vierte Teil, Tantra, befasst sich mit Riten und Ritualen, entsprechend lautet der Titel des vierten Stückes „Ritual“. Hier geht es um die praktischen Seiten der Religionsausübung, um magische Formeln und um Yoga.

Die vier Stücke sind nur lose an die Shastras angelehnt, mehr war auch gar nicht möglich, da all diese Schriften zusammen mehrere tausend Seiten umfassen. Und auch die Musik greift nur sporadisch fernöstliche Elemente auf. Dennoch gehört dieses Album mit seinem philosophisch-religiös ausgerichteten Konzept zu den wichtigsten Vertretern des Konzeptalbums.

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08. Genesis (Großbritannien)


The Lamb lies down on Broadway, 1974
08. Genesis: The Lamb lies down on Broadway

“The lamb lies down on Broadway" ist das große Konzeptalbum von Genesis, ein vielschichtiges Werk, dessen stark psychologisierende Handlung sich um den New Yorker Rael dreht, der sich in einer Art Heldenreise (nach Joseph Campbell) durch eine Welt von Archetypen schlagen muss: Die Suche nach einem Bruder, der vielleicht einfach nur seine zweite (neben der puertoricanischen) Hälfte ist, führt ihn durch stark symbolisch aufgeladene Räume, wo er mit Kastrationsangst, fragwürdigen Vaterfiguren und der Frage nach der Realität seiner selbst konfrontiert ist.

Gespickt mit christlichen Symbolen, intertextuellen Bezügen, sexuellen Codes und mit einer die beiliegende Story kongenial illustrierenden Bilderfolge versehen, ist das Gesamtkunstwerk „Lamb“ vielleicht das vielschichtigste und schwierigste Album dieses Leitfadens – und auch wenn die Musik dem Konzept nicht immer gewachsen ist, sicherlich ein Meilenstein in der Geschichte des Konzeptalbums. Nicht zuletzt deshalb, weil die Band mit “The lamb lies down on Broadway" die Idee des Konzeptalbums auf eine ganz neue Ebene hoben: Peter Gabriel setzte die Geschichte auf der Konzertbühne in veritables Rocktheater um, Kostüme, Bühneneffekte und eine Multimedia-Show eingeschlossen.

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09. Jon Anderson (Großbritannien)


Olias of Sunhillow, 1976
09. Jon Anderson: Olias of Sunhillow

Jon Andersons erstes Soloalbum ist von der spirituellen Autorin Vera Stanley-Adler inspiriert, dazu kommen die Albumcover von Yes' "Fragile“ bis "Tales from topographic Oceans", die den Zerfall eines Planeten und die Reise seiner Bruchstücke als "Sporen" für neue Welten ebenso wie Flucht eines Raumschiffs zeigen. "Olias" erzählt gewissermaßen die Vorgeschichte: Ein mythischer Anführer, Olias, vereint die vier verfeindeten Stämme des Planeten Sunhillow, baut durch seinen Gesang das lebende Schiff "Moorglade Mover" und bringt die Bevölkerung vor der drohenden Katastrophe in Sicherheit. Ihre neue Heimat ist der Planet Erde.

Das Ganze ist aufgeladen mit Symbolik und vielen mythischen Elementen. Abseits von etablierten Songstrukturen orientierte sich Anderson an außereuropäischen Musiken und baute auch fremde Instrumente in seine Musik ein. Zu einem Gesamtkunstwerk wird "Olias" durch die beiliegende Story Andersons, die noch dazu mit Bildern von Dave Roe ausgestattet wurde. Eine Zeichentrickumsetzung und ein Olias-Roman waren einmal angedacht, diese Projekte sind aber bislang nicht verwirklicht worden.

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10. Stern-Combo Meissen (Deutschland)


Weißes Gold, 1978
10. Stern-Combo Meissen: Weißes Gold

Die Stern-Combo Meißen gehört zu den bekanntesten Progbands der ehemaligen DDR, und mit "Weißes Gold" legten sie 1978 eines der wichtigsten Konzeptalben des deutschsprachigen Progressive Rock vor. Während aber viele andere Bands sich von literarischen Themen oder von der Sagenwelt inspirieren ließen, liegen "Weißes Gold" wahre historische Begebenheiten zugrunde. Erzählt wird die Geschichte des Alchimisten Johann Gottfried Böttger, der eigentlich Gold herstellen wollte und dabei das erste Porzellan in Europa erfand. Das Wort "erzählt" ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen, denn die Texte werden größtenteils von einem Sprecher vorgetragen.

Neben dem Sprecher wird die Band noch von Chor und Orchester unterstützt. Von Böttgers ersten Auftritten als angeblicher Goldmacher in Berlin über seine Flucht nach Sachsen, die Inhaftierung auf Befehl August des Starken bis eben zur Erfindung des Porzellans spannt sich die Handlung, die mit opulenten Klängen erzählt wird.

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11. Dave Greenslade (Großbritannien)


The Pentateuch Of The Cosmogony, 1979
11. Dave Greenslade: The Pentateuch Of The Cosmogony

"The Pentateuch of the Cosmogony" ist eines jener Alben, bei denen die Qualität des Konzepts und die seiner Ausführung die der Musik deutlich übertrifft. Als ultimativer und nie wieder erreichter Versuch eines Gesamtkunstwerks im Rahmen der populären Musik darf es jedoch hier nicht fehlen. Das Doppelalbum ist in enger Zusammenarbeit mit dem Fantasy-Maler Patrick Woodroffe entstanden und wurde in limitierter Auflage in Form eines 50-seitigen, höchst aufwendig gestalteten Buches ausgeliefert.

Geschildert wurde in Text, Bild und Musik nichts weniger als Geburt, Entwicklung und Tod einer ganzen Welt - mitsamt der reichen Kultur, die sich auf ihr entwickelt hatte. Deren Untergang wurde, wie könnte es anders sein, durch Umweltzerstörung, Neid, Hass und Krieg von dieser Kultur selbst herbeigeführt. Nachzuvollziehen ist diese Geschichte in Form von Bildern sowie eines Textes, der sich als Übersetzung aus der Sprache der Fremden ausgibt. Eigens dafür entwickelte Woodroffe eine ideogrammatische Schrift, die mitsamt einem Schlüssel beigegeben - und tatsächlich lesbar ist. Die Musik auf dem Album soll die Kultur ihrer Schöpfer repräsentieren, schwankt aber leider zwischen genial und banal. Als Gesamtkunstwerk ist "The Pentateuch of the Cosmogony" jedoch eines der aufwändigsten und gelungensten Projekte der Pop- und Rockmusik in dieser Richtung.

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12. Pink Floyd (Großbritannien)


The Wall, 1979
12. Pink Floyd: The Wall

Pink Floyds „The Wall“ ist als Rockoper ein klassisches Konzeptalbum, und weil es eines der erfolgreichsten Alben der Rockgeschichte ist, darf es hier natürlich nicht fehlen, auch wenn es sicherlich nicht gerade das proggigste Pink-Floyd-Album ist. Die Band hatte hatte sich zu dieser Zeit vielmehr längst in Richtung jenes Hochglanzrocks entwickelt, der ihre Musik bis zu ihrem Ende bestimmen sollte.

„The Wall“ erzählt die Geschichte des jungen Musikers Pink, der durch die Fürsorglichkeit seiner Mutter, das Fehlen eines Vaters, das Scheitern seiner Beziehung, sadistische Lehrer und nicht zuletzt Drogen eine Mauer um sich herum errichtet, die ihn vor den Grausamkeiten der Welt schützen soll. Statt diese Mauer niederzureißen, flüchtet er sich in faschistoide Fantasien und versucht, seine letzten verbleibenden Gefühle zu unterdrücken. Als ihm das misslingt, klagt er sich selbst vor einem imaginären Gericht an. Doch die Strafe besteht im Einreißen der Mauer.

„The Wall“ setzt sich mit für Pink Floyd typischen psychologischen Fragen auseinander und ist vor allem wegen seines immensen Erfolgs so bemerkenswert. Die Wirkung des Albums war derartig groß, dass es 1983 von Alan Parker und Gerald Scarfe mit dem Musiker Bob Geldof in der Hauptrolle verfilmt wurde.

Ganz Ähnliches – wenn auch weit weniger erfolgreich - gelang 1994 der Band Marillion mit ihrem Album "Brave": Es erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die völlig orientierungslos auf der Severn Bridge aufgegriffen wurde, und deren Identität - auch ihr - lange ein Rätsel war. Marillion spinnen von dieser wahren Begebenheit aus eine eigene Geschichte um Einsamkeit, Gewalt, Missbrauch, Drogenkonsum, Angst und die daraus resultierenden psychischen Zustände. Das Album wurde von Richard Stanley zu einem 50minütigen Film verarbeitet, der versucht, die Brücke zwischen Spielfilm und Musikvideo zu schlagen. Für Marillion bedeutete das Album eine Rückkehr in die Welt der Konzeptalben und progressiverer Musik, der Film ist ein ausdrucksstarker, aber interpretationsoffener Kommentar zur Musik.

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13. Anyone's Daughter (Deutschland)


Piktors Verwandlungen, 1981
13. Anyone's Daughter: Piktors Verwandlungen

Literarisch inspirierte Konzeptalben gibt es viele, aber dass eine Band ein literarisches Werk zu ihrer Musik (fast) komplett vorträgt, ist sicher eine Besonderheit. Piktor sieht im Paradies, wie alle Lebewesen sich ständig verwandeln. Als er einen magischen Stein findet, rät ihm die Schlange, sich rasch zu verwandeln, bevor es zu spät sei, und Piktor verwandelt sich in einen Baum. Nach Jahren befällt ihn Einsamkeit, da ihm weitere Verwandlungen nicht mehr möglich sind. Erst als ihn ein Mädchen mit einem weiteren magischen Stein findet, kann der Bann gebrochen werden, und beiden leben fortan in ständiger Verwandlung. Das ist, (sehr) kurz gefasst, die Handlung von Hermann Hesses 1922 entstandenem Märchen "Piktors Verwandlungen". Eine solch zauberhafte Geschichte schreit nun geradezu danach, von einer Progressive-Rock-Band vertont zu werden! Die Stuttgarter Formation Anyone's Daughter wagte sich in den 70ern an die Vertonung der Geschichte und entwarf daraus ein etwa 35-minütiges Stück, das ab 1977 im Zentrum eines jeden Konzerts der Band stand.

Anders als bei den meisten literarisch inspirierten Konzeptalben schrieben Anyone's Daughter keine eigenen Texte, sondern trugen den Originaltext - leicht gekürzt - vor. Sänger und Bassist Harald Bareth übernimmt die Rolle des Sprechers und liest jeweils einen Abschnitt der Erzählung vor, nur von sanften Keyboardklängen begleitet. Darauf folgt jeweils ein längeres Instrumentalstück. Die Musik ist, dem märchenhaften Thema angemessen, durchweg von lyrisch-verträumtem Charakter.

Trotz des große Erfolgs bei den Fans konnte erst vier Jahre später ein Mitschnitt des Stücks auf LP erscheinen. Es ist bis heute das meist verkaufte Werk der Band.

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14. Marillion (Großbritannien)


Misplaced Childhood, 1985
14. Marillion: Misplaced Childhood

Was Genesis' "The Lamb lies down on Broadway" für den Prog war, war Marillions "Misplaced Childhood" für den Neoprog: Ein Album, das Szenen verscherzter Liebe, schlagartigen Erfolgs und verlorener Kindheit beleuchtet, betrachtet durch die Brille einer langen Nacht voller Selbstmitleid und LSD. Es war eine Nacht nach dem Ende seiner Beziehung mit einer Frau namens Kay, in der Sänger Fish begann, erste Ideen und Texte für ein Konzeptalbum zu schreiben. Später trug die gesamte Band zu kreativen Prozess bei und nach und nach wurden die Bausteine des Konzeptalbums zusammengefügt, bis es zuletzt, unter Zuhilfenahme weiterer Drogen, in Berlin fertiggestellt und aufgenommen wurde.

"Misplaced Childhood" mag als Konzeptalbum bedeutender sein denn als Progalbum, auf jeden Fall war es ein Meilensteil des Neoprog – und ein Meilenstein für Marillion: Denn Kay inspirierte die Band immerhin zu ihrer bis heute erfolgreichsten Single: "Kayleigh".

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15. David Thomas & The Pale Orchestra (USA)


Mirror Man - Act 1: Jack & The General, 1999
15. David Thomas & The Pale Orchestra: Mirror Man - Act 1: Jack & The General

Mirror Man - Act 2: Bay City, 2009
15. David Thomas & The Pale Orchestra: Mirror Man - Act 2: Bay City

"Mirror Man" ist nicht einfach ein Konzeptalbum, es ist als echtes Bühnenwerk konzipiert. Seine Uraufführung erlebte es im Frühjahr 1998 im Rahmen des viertägigen Festival "David Thomas: Disastodrome", seitdem wurde es mehrfach komplett überarbeitet. Es hat schon mehr den Charakter eines Theaterstücks mit Musik, da es sehr viel gesprochenen Text enthält. Noch mehr gilt dies für den zweiten Teil, der über weite Strecken sogar komplett auf Musik verzichtet.

Neben David Thomas kommen sechs weitere Sänger(innen) zum Einsatz. Diese sind auf der Bühne in einem Halbkreis angeordnet, aus dem der jeweils aktive Sänger nach vorne tritt und seinen Text deklamiert, gelegentlich um einen Erzähler erweitert. Dazu ist die Bühne mit Kühlschränken, Einkaufswagen, einer Badewanne und allerlei Schrott dekoriert. Es handelt sich also nicht um ein Theaterstück im üblichen Sinn, eher eine Abfolge von Monologen. Auch wenn mehrere Stimmen parallel im Einsatz sind, finden keine Dialoge statt, eher ein Nebeneinander von Monologen.

Aber worum geht es denn nun? Thomas selbst sagt, das Stück sei "about places that don't exist and a collection of stories about the people who live there -- abandoned by the future, forbidden access to the past, and set adrift in a mirage-like Now". Alles klar? Auf jeden Fall bietet "Mirror Man" eine beeindruckende Form des "Musiktheaters".

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16. Judge Smith (Großbritannien)


Curly's Airships, 2000
16. Judge Smith: Curly's Airships

Orfeas, 2011
16. Judge Smith: Orfeas

"Curly's Airships" ist einem recht ungewöhnlichen Thema gewidmet: der Geschichte der britischen Zeppeline, speziell des Luftschiffs R-101, das bei seiner Jungfernfahrt 1930 über Frankreich verunglückte. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht des (fiktiven) Luftwaffenoffiziers George "Curly" MacLeod erzählt, der von Judge Smith verkörpert wird und als eine Art Erzähler fungiert. Dazu kommen weitere Figuren (sowohl fiktive als auch historische), für die weitere Sänger eingesetzt werden, darunter Arthur Brown und Peter Hammill.

Judge Smith hat auf "Curly's Airships" eine neue Art von Konzeptalbum entwickelt, die er als "Songstory" bezeichnet. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass Songs nicht einfach aneinander gereiht, sondern auch musikalisch verwoben werden, etwa durch wiederkehrende Motive, die jeweils einer bestimmten Figur der Geschichte entsprechen. Um den erzählerischen Charakter zu verstärken, sind die Texte in normaler Prosa gehalten und werden häufig eher in einer Art Sprechgesang vorgetragen.

Das Songstory-Konzept hat Judge Smith in der Folge weiter ausgebaut. So treten auf "Orfeas" (2011), einer modernen Version der Orpheus-Legende, gleich sieben unterschiedliche Ensembles mit ganz unterschiedlicher Musik auf, vom Streichersextett bis zur Metalband.

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17. Magma (Frankreich)


Theusz Hamtaahk Trilogie, 2001
17. Magma: Theusz Hamtaahk Trilogie

Das Album „Mekanïk Destruktïw Kommandöh“ (1973), das Stück „Theusz Hamtaahk“ (erstmals 1981 veröffentlicht, in einer Liverversion auf dem Album "Retrospektïw 1-2") und „Wurdah Ïtah“ (1974, eigentlich ein Solo-Album des Schlagzeugers und Bandchefs Christian Vander), bilden zusammen die Trilogie „Theusz Hamtaahk“, die 2001 erstmals in einem einzigen Paket veröffentlicht wurde. Auf diesen Alben wird, wie meist in der Musik Magmas, der Mythos des fiktiven Planeten Kobaïa erzählt, der von ausgewanderten Erdenbewohnern kolonialisiert wurde, die dort zur Erleuchtung gelangen und zur Erde zurückkehren, um der dem Untergang geweihten Erde einen Ausweg zu weisen, in Form des Glaubens an eine Kreuhn Kohrman genannte Lichtgestalt, die die Menschheit aus dem Theusz Hamtaahk, dem Zeitalter des Hasses, führt.

Christian Vander und Klaus Blasquiz entwickelten dabei die Kunstsprache Kobaïanisch, in der die meisten Texte der Band vorgetragen werden, aus dem im Jazz verbreiteten Scat-Gesang, einer Art improvisiertem Singen von rhythmisch und melodisch aneinandergereihten lautmalerischen Silbenfolgen ohne echte Bedeutung.

Eine zweite Trilogie aus den Alben „Köhntarkösz“ (1974), „K.A“ (2004) und „Ëmëhntëhtt-Rê“ (2008) setzte die Geschichte später fort und berichtet von einer Verbindung des frühen Ägypten mit den Kobaïanern.

Die Mythologie von Kobaïa ist dabei stark von dem in den 1970er Jahren einflussreichen esoterischen Buch Urantia beeinflusst, einer Art Pseudo-Bibel, die religiöse Elemente unterschiedlichsten Ursprungs mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Science Fiction verbindet.

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18. Dream Theater (USA)


Octavarium, 2005
18. Dream Theater: Octavarium

"Octavarium" erscheint hier, weil es ein gutes Beispiel dafür ist, dass ein Konzeptalbum nicht unbedingt eine Geschichte erzählen oder sich um ein religiöses, philosophisches oder weltanschauliches Thema drehen muss. Auf "Octavarium" geht es um viel Abstrakteres, nämlich um die Oktave, das Intervall, das auf dem Klavier acht weiße und fünf schwarze Tasten umfasst. "Octavarium" war das achte Studioalbum von Dream Theater, enthält acht Songs und jeder Song steht in einer anderen Tonart: Der erste, "The Root of All Evil" in der Grundtonart ("Root") F Dur, der achte Song "Octavarium" ("Oktave"), mit seiner Textzeile "this story ends where it began", schließt am Ende den Kreis. Das Ganze wird dann auch noch gekreuzt mit der Fünfzahl der schwarzen Tasten: fünf Musiker, ein Titelsong in fünf Teilen - und das damals aktuelle "Live at Budokan" war Dream Theaters fünftes Live-Album. Auch im beiliegenden Booklet sind diese Zahlen überall zu entdecken.

Die Fans der Band werden sich nun vermutlich wundern, warum wir hier nicht das weitaus naheliegendere „Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory“ als Beispiel ausgewählt haben, ein klassisches Konzeptalbum, das vielen zudem als ein Höhepunkt im Schaffen der Band gilt. Erzählt wird hier die Geschichte eines Mordes, der im Rahmen einer Hypnosesitzung aufgedeckt wird. Auf einer anderen Ebene werden Fragen nach Tod und Wiedergeburt gestellt. Weil dieses Album aber eher ein klassisches Konzeptalbum im Sinne einer Rockoper ist, haben wir uns für „Octavarium“ entschieden.

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19. Pere Ubu (USA)


Long Live Père Ubu!, 2009
19. Pere Ubu: Long Live Père Ubu!

Der Bandname Pere Ubu geht zurück auf eine Figur, die in einer Reihe von Theaterstücken des französischen Schriftstellers Alfred Jarry auftritt. Seine Premiere hatte Père Ubu 1896 in "Ubu Roi" (dt. "König Ubu"), einem Stück, das u.a. wegen seiner vulgären Sprache einen Skandal entfachte. Dagegen wurde es von Surrealisten und Dadaisten gefeiert und gilt heute als einer der Vorläufer des absurden Theaters. Zum Inhalt sei auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel verwiesen.

Auf Grundlage dieses Stücks verfasste David Thomas sein Bühnenwerk "Bring Me the Head of Ubu Roi", das im April 2008 in der Londoner Queen Elizabeth Hall uraufgeführt wurde. Wie schon bei David Thomas' Solowerk "Mirror Man" ist auch dieses Werk als Kombination gesprochener Passagen und Songs realisiert. So ganz scharf ist beides aber nicht getrennt, die gesprochenen Passagen sind teilweise auch mit (dezenter) Musik unterlegt, und die Songs enthalten teilweise wiederum gesprochene Passagen. Thomas selbst spielt die Rolle des Père Ubu, dessen Frau Mère Ubu wird von der Sängerin Sarah Jane Morris dargestellt (bei späteren Aufführungen übernahm David Thomas beide Rollen). Die übrigen Bandmitglieder übernehmen zwischen den Songs immer wieder kleinere Rollen als Schauspieler und Tänzer. Ergänzt wird die Aufführung noch um Videoprojektionen.

Die CD-Ausgabe enthält nur die Songs, die langen gesprochenen Passagen wurden weggelassen.

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20. Motorpsycho and Ståle Storløkken (Norwegen)


The Death Defying Unicorn, 2012
20. Motorpsycho and Ståle Storløkken: The Death Defying Unicorn

Anlässlich des 40jährigen Jubiläums des vom norwegischen Jazzforum veranstalteten Molde-Jazzfestivals holte Keyboarder Ståle Storløkken die Band Motorpsycho ins Boot, um als Auftragswerk eine Art Rockoper zu veranstalten. In der Folge entstanden zwei Stunden Musik, die mit Unterstützung eines Bläser- und eines Streicherensembles Jazz, Rock, Alternative, Prog, Klassik und Avantgarde zu einer derart intensiven Mischung fusioniert, wie man sie nur selten zu hören bekommt.

Das Stück wurde 2010 uraufgeführt und dann zwei Jahre später in einer verdichteten 84-minütigen Fassung mit erweiterten Gesangspartien im Studio auf CD gebannt. Thema ist der Reisebericht eines seltsamen jungen Kerls, der unter Seekrankheit leidet, sich aber trotzdem an Bord eines Schiffes schleicht. Das Schiff geht unter, er strandet auf einer Insel und muss sich mit der Natur, Halluzinationen und Visionen, und noch manch anderem auseinandersetzen. Eine Art psychedelisch-metaphysischer Trip also, dessen Ende - wie so vieles im Leben und Tod - offen bleibt.

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