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Leitfaden: NeoProg der 80er Jahre
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Leitfaden:

NeoProg der 80er Jahre



Neoprog, was ist das eigentlich? Es gibt wohl - wie so oft - verschiedene Interpretationen des Begriffes. Die Redakteure dieses Leitfadens sehen die Grundausrichtung darin, dass sich die sogenannten Neoprogbands stark an den kompositorischen Vorgaben der 70er-Jahre-Helden orientieren. Die Fortentwicklung des Ur-Prog sozusagen, wobei häufig ein Schüppchen Zuckerguß und größere Zugänglichkeit geboten werden (melodischere Momente, weniger Monstertracks). (Siehe auch den NeoProg-Eintrag im Glossar)

Im Leitfaden für den Neo-Progressive Rock der 80er finden sich deshalb kaum wirklich innovative Bands, nichts desto weniger erfreuen die gelisteten Alben den geneigten Zuhörer mit heimeligem Wohlbefinden und haben ihren Platz in der Prog-Geschichte sicher.

Die Hauptliste

Aragon (Australien)


Don't Bring The Rain, 1987
Aragon: Don't Bring The Rain

Dass auch außerhalb von England (und mit Abstrichen den USA) Prog gemacht wird, bewiesen die Australier Aragon mit ihrem starken Erstling "Don't Bring The Rain". Zunächst in Form eines etwa halbstündigen Mini-Albums, später mit einer 50-minütigen CD setzten Aragon ganz auf die "Marillion-Karte". Songstrukturen und inhaltliche Konzepte (Anti-Kriegs-Geschichten, Fantasy- oder Mittelalter-Stories) wiesen eindeutig auf das Vorbild.

Doch geriet man mit dem Sound nahezu zwangsläufig in eine härtere Ecke, da man mit Les Dougan, im Gegensatz zum Geschichtenerzähler Fish, einen geradezu nervenzerfetzenden "Shouter" in den Reihen hatte - ein klassischer Fall von "man liebt oder haßt die Stimme". Darüber hinaus sind Bass und Gitarren stärker im Vordergrund, gerne wird das Tempo angezogen und insgesamt ist der Sound düsterer, grummeliger. Letzteres womöglich produktionsbedingt, denn wir sprechen hier über eine selbstproduzierte Scheibe. Aragon schafften den weiten Weg von Australien nach Europa und entwickelten sich in den 90ern zu einer der angesehensten Bands im Independent-Prog Bereich (auf die zweite Scheibe Mouse warteten Prog-Fans sehnsüchtig 7 Jahre lang). Ihre Musik sollte eine Bereicherung für jede Neoprog-Sammlung sein.

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Asia (Großbritannien)


Asia, 1982
Asia: Asia

Eher zeitlich bedingt denn per definitionem (s.o.) rutscht diese "Supergroup" in unsere kleine Liste. Nach den kommerziell erfolglosen und musikalisch kontrovers diskutierten Alben der "Urbands" von Carl Palmer (ELP), Steve Howe/Geoff Downes (Yes) und John Wetton (UK) fanden sich diese Heroen des 70er-Jahre-Progs zusammen, um ein bombastisches, auf den amerikanischen Markt schielendes Album einzuspielen. Und es gelang: "Heat Of The Moment" wurde ein Welthit, das Album rund 10 Millionen Mal verkauft.

Musikalisch gesehen darf man allerdings kritisch hinterfragen, ob diese Ansammlung von Star-Musikern unter weniger kommerziellen Vorzeichen nicht etwas weitaus Interessanteres hätte auf die Beine stellen können als dieses am Mainstream orientierte Album. Es bleiben melodisch schöne, wenngleich simple Bombast-Songs, die durch das Gitarrenspiel Steve Howes aufgewertet werden - und es bleibt das mit Sicherheit erfolgreichste "Prog"-Album der 80er Jahre.

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Chandelier (Deutschland)


Pure, 1990
Chandelier: Pure

Chandeliers Pure erschien erst 1990 und passt somit streng genommen nicht in die Kategorie Neoprog der 80er Jahre. Weit wichtiger ist jedoch, daß man Pure als die "Geburtsstunde" des deutschen Neoprogs bzw. als Initialzündung für die deutsche Progszene überhaupt bezeichnen kann. Die Neusser hatten mit ihrer sehr an Marillion orientierten Musik Erfolg und das war etwas völlig Neues für eine deutsche Formation. Die Band um den charismatischen Sänger Martin Eden wurde auf Konzerten von Publikum und Presse gefeiert und schnell über die Grenzen Deutschlands bekannt.

Sie war neben The Formula eine der ersten Independent-Progbands, die eine CD produzierte, was im einschlägigen Fanzine SRM wie eine kleine Sensation aufgenommen wurde. Pure erzielte dann auch schon innerhalb des ersten Monats vierstellige Verkaufszahlen und die Band wurde zu einer festen Größe in der internationalen Progszene. Chandelier hatten bewiesen, dass es in Deutschland ein Publikum für Progrock nach wie vor gibt und dass man - in gewissen Grenzen - Erfolg damit haben kann. Auch wenn Pure aus heutiger Sicht vielleicht ein wenig angestaubt wirkt, klanglich ein wenig "dünn" erscheint und in vielen Songs heftig an Marillion erinnert - Melodien und Gesang entfalten noch immer eine gewisse Magie.

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Deyss (Schweiz)


Vision In The Dark, 1987
Deyss: Vision In The Dark

Nachdem Anfang der 80er Jahre die Neoprog-Bewegung ausschließlich auf Grossbritannien beschränkt war, schwappte sie später auch auf das europäische Festland über. In der landschaftlichen Beschaulichkeit des Genfer Sees in der Schweiz formierte sich die Band Deyss. Die Geschichte dieser Gruppe lässt sich bis in die späten 70er Jahre zurückverfolgen, als die Musiker um den Keyboarder Giustino Salvati bereits ein Demo veröffentlichten. Mit dem Minialbum "At King" konnte man 1985 die Freunde des melodischen Marillion-Sounds auf sich aufmerksam machen. Zwei Jahre später legten Deyss mit der LP "Vision In The Dark" ein überzeugendes Beispiel für den melodischen Neoprog der 80er Jahre vor. Mit ihrem bombastischen und melodischen Sound fanden sie viele Freunde in der kleinen Prog-Szene. In der Rückschau erscheint die Wahl des hinlänglich bekannten Jester-Motives allerdings etwas unglücklich, da kritische Stimmen ein Marillion-Plagiat unterstellten, zumal auch musikalische Gemeinsamkeiten bestanden.

Die Veröffentlichung der Aufnahmen aus den späten 70er Jahren im Jahr 2000 bezeugt jedoch, dass die Band schon lange vor Marillions Debut ihren Stil gefunden hatte. Tragende Pfeiler des Sounds von Deyss sind das von Steve Hackett inspirierte jubilierende Gitarrenspiel und schöne symphonische Keyboards.

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IQ (Großbritannien)


Tales From The Lush Attic, 1983
IQ: Tales From The Lush Attic

IQ bilden bis zum heutigen Tage zusammen mit Pendragon und Pallas die Speerspitze des britischen Neoprogs, nachdem Marillion ihre musikalische Grundausrichtung doch sehr gewandelt haben. Die Band formierte sich 1981. Mit dem Album "Tales From The Lush Attic" veröffentlichte man 1983 einen Klassiker des Neoprogs, der mit dem Longtrack "The Enemy Smacks" bereits einen Alltime-Fave der IQ-Fans enthält. Gerade hier lässt sich eine Inspiration durch das große Vorbild Genesis natürlich nicht verleugnen. Der Sound von IQ ist stark keyboardorientiert, wobei aber auch die Gitarre und die Rhythmussektion Akzente setzen. Die Stimme des Sängers Peter Nicholls wirkt bisweilen sehr zerbrechlich und auch ein wenig nasal, passt aber hervorragend zum Stil von IQ.

1985 brachte man mit "The Wake" einen weiteren Klassiker heraus. Nach dem Weggang des Sängers Nicholls produzierte man Ende der 80er Jahre stärker dem Mainstream verpflichtete Alben, die aber auch ihre interessanten Momente haben. Trotz respektabler Verkaufszahlen und einer Tour im Vorprogramm von Mike & The Mechanics blieb der große kommerzielle Durchbruch allerdings aus, und nach dem Album "Are You Sitting Comfortably?" (1989) brach die Band auseinander.

Nachdem sich IQ mit Nicholls als Sänger wieder reformiert hatten, veröffentlichte die Band 1993 mit dem Album "Ever" ein für den Neoprog der 90er Jahre wegweisendes Album. Mittlerweile hatte die Gruppe sogar das eigene GEP-Label in´s Leben gerufen und konnte ungeachtet von kommerziellen Zwängen seitens der Plattenindustrie wieder zu dem Sound der frühen Jahre zurückkehren. Nach dem glanzvollen Comeback präsentierte man 1997 mit dem Konzeptalbum "Subterranea" gleich eine Doppel-CD, welche die Fans weltweit in Begeisterung versetzte. Übrigens sind IQ auch eine fantastische Live-Band. Dabei beweisen die Engländer eindrucksvoll, dass Humor selbst im Progressive Rock kein Fremdwort sein muß.

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It Bites (Großbritannien)


Once around the world, 1988
It Bites: Once around the world

Wie kaum eine andere Band in den 80ern schafften es It Bites geschickt Eingängigkeit und Radiotauglichkeit in groovende, komplexe Arrangements zu verpacken, Pop, Rock und Prog zu vereinen, ohne dabei flach oder belanglos zu wirken. Von Anfang an standen bei ihnen packende Melodien im Vordergrund, sie nahmen sich aber auch immer wieder Zeit für sinfonisch angehauchte Soloausflüge, vor allem an Gitarre und Keyboards.

Seit dem sechzehnten Lebensjahr musizierten die vier Bandmitglieder bereits zusammen und gründeten 1982 schließlich It Bites. Ursprünglich aus Egremont in Cumbria, im Norden von England stammend, zog es die Band Ende 1984 nach London, um dort, aufgrund ihres Talents, ihrer Livepower (dokumentiert im mitreißenden Livealbum "Thank you and goodnight") und eines ungebremsten Enthusiasmus einen Vertrag über 8(!)Alben bei Virgin Records zu erhalten. Mit der zweiten, 1986 veröffentlichten Single "Calling all the heroes" schafften sie es sogar in die Top Ten der britischen Charts, wie auch ihr erstes Album "The big lad in the windmill" für einiges Aufsehen sorgte, was ihnen z.B. ein Engagement als Vorgruppe von Marillion einbrachte.

Für den Nachfolger "Once around the world" nahm die Band sich mehr als ein Jahr Zeit, holte sich zur Unterstützung Steve Hillage (ex-Gong) mit ins Studio, und lieferte letztendlich ihr bestes und abwechslungsreichste Album ab. Die Bandbreite reicht von der poppig-rockigen Single "Kiss like Judas" bis hin zum über 14½ minütigen Titelsong, der in typischer Prog-Rock-Tradition verschiedene Stile und Stimmungen verschmelzt. Kompakter Songaufbau steht neben ausgelassen solistischen Eskapaden, und unterschwellig wird mehrmals deutlich, dass die Vorbilder der Band bei Genesis und Yes liegen.

Danach veröffentlichte die Gruppe mit "Eat me in St.Louis" einen weniger berauschenden Nachfolger, bevor man sich schließlich 1991 trennte und die wenig erfolgreichen Nachfolgebands Sister Sarah und Navajo Kiss gründete. Einzig Sänger und Gitarrist Francis Dunnery schaffte so etwas wie eine Solokarriere, wobei er nie wieder an die Erfolge von It Bites anknüpfen konnte und seinen Unterhalt z.B. als Gitarrist bei Robert Plant verdiente.

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Marillion (Großbritannien)


Script For A Jester's Tear, 1983
Marillion: Script For A Jester's Tear

Misplaced Childhood, 1985
Marillion: Misplaced Childhood

1979, unter dem Banner des Punk, als der allgemeine Trend nur noch äußerst schlichte, teils geradezu bemüht schlechte Musik zuzulassen schien, formierte sich eine Truppe, die dem Prog - mochte er kommerziell auch mausetot sein - weiterhin verbunden blieb. Ganz in der Tradition der symphonischen, "einfacheren" Genesis (deren Songs zunächst gecovert wurden) kreierten Marillion den Stil, der heute Neoprog genannt wird. Organische, fließende Kompositionen mit einem Mindestmaß an Komplexität, dazu anspruchsvolle Texte des hünenhaften Sängers Fish (seit 1981 in der Band) sowie ein von Tolkiens "Silmarillion" abgeleiteter Bandname - all dies sorgte für Aufruhr unter alten Proggies und Heavy-Metal Fans. Die Covergestaltung Mark Wilkinsons rundete das Gesamtkonzept ab. Gleich mit dem Erstling der Band wurde wider Erwarten musikalisch wie kommerziell ein Volltreffer gelandet ("Script For A Jester's Tear" war immerhin auf Platz 7 der englischen Charts und die Singles Garden Party und He Knows You Know hatten beachtenswertes Airplay).

Mit dem Folgewerk Fugazi nabelte man sich schon ein bisschen vom "reinen" Genesis-Sound ab und produzierte eine Scheibe, die auf den Heavy-Markt schielte. Der endgültige Durchbruch gelang allerdings erst, als man mit "Misplaced Childhood" den kompositorischen Prog-Pfad im wesentlichen verließ und vermehrt auf Atmosphäre, konzeptionelle Strukturen und melodisch-symphonischen Bombast setzte. "Misplaced Childhood" darf man sicherlich als erfolgreichstes und wohl auch bestimmendstes "Prog"-Album aus den 80er Jahren bezeichnen. Nebst den weltweit erfolgreichen Singles Lavender und v.a. Kayleigh bietet die Scheibe perfekte Übergänge zwischen den Songs, melancholische, wunderschöne Stimmungen und die wohl ausgefeiltesten Texte, die der "Dichter" Fish je zu Papier gebracht hat. Ein Muss für jeden, der sich mit Prog in all seinen Spielarten beschäftigt.

1987 brachte ein weiteres relativ erfolgreiches und konzeptionell an "Misplaced Childhood" angelehntes Album der Band ("Clutching At Straws"), ehe Drogen, Tourstreß und das Ego des Frontmannes Fish die Gruppe in dieser Zusammensetzung auseinanderbrechen ließen. Beide Seiten veröffentlichten 1989 noch jeweils ein Album, welches an die alten Marillion-Zeiten erinnerte - ehe man sich immer mehr von dem trendsetzenden Stil entfernte. Heute wollen weder Marillion noch Fish im Zusammenhang mit Prog genannt werden...

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Pallas (Großbritannien)


The Sentinel, 1984
Pallas: The Sentinel

Die Schottenband Pallas ist "der fliegende Holländer" des Neoprog. Nach ein paar Singles und einem Album veröffentlichten sie 1984 bei der EMI (die durch den Erfolg von Marillion auf den Geschmack gekommen war) ihr internationales Debüt. Und das Fantasycover von Patrick Woodroffe, der Produzent Eddie Offord und die Konzeption einer Story machten klar: hier knüpft jemand bewusst an die Bands der Siebziger an.

Mit einem bombastischen Sound, treibenden Drums und aggressiven Gitarrenlinien entwickelte Pallas schon früh einen eigenen Stil, der komplex genug war, um 'alte" Fans des Prog zu überzeugen, aber auch eingängig genug, um jüngere Hörer in den Zeiten der New Wave nicht unweigerlich abzuschrecken. Musikalische Vorbilder waren eher die vertrackteren Bands wie die frühen Yes. Dass Pallas die lyrische Seite aber nicht fremd war, zeigten sie mit der "Atlantis-Suite" auf diesem Album.

Ein Jahr später gab es mit neuem Sänger ein weiteres, sehr gutes Album bei EMI, und danach verschwanden sie für 14 Jahre von der Bildfläche (mit schwachen Lebenszeichen in wechselnden Besetzungen zwischendurch). Dass dies nur ihren "Mythos" steigerte, zeigte sich bei ihrem Comeback Ende der Neunziger, als sie tatsächlich wieder ein neues Album vorlegten, das bei Freunden des Neoprog gut ankam. Heute ist die Band wieder sehr aktiv und hat ein Livealbum und eine weitere gute Studio-CD herausgegeben, auf der sie ihrem Stil des etwas bombastischen, aber eingängigen Hardrocks treu blieb.

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Pendragon (Großbritannien)


The Jewel, 1985
Pendragon: The Jewel

Die Ursprünge der Band um den Gitarristen und Sänger Nick Barrett lassen sich bis in das Jahr 1978 zurückverfolgen. Genauso wie die übrigen britischen Neoprog-Bands standen auch Pendragon im Schatten von Marillion. Nach zwei Demotapes veröffentlichten sie 1985 das Album "The Jewel" und bewiesen bereits ein ausgeprägtes Gespür für schöne Harmonien. Dabei präsentierte die Band melodisches Gitarrenspiel in Verbindung mit teils dynamischen Keyboards. Das Songmaterial ist für Prog-Verhältnisse leicht zugänglich und relativ eingängig, aber keinesfalls poppig oder trivial. Mit der Neoprog-Hymne "The Black Knight" spielte man sich bereits sehr früh in die Herzen der Fans.

Nach der Veröffentlichung von "The Jewel" brach die Band auseinander. 1986 fand sich um den Boss Barrett aber bereits eine neue Besetzung, die bis zum heutigen Tag Bestand hat. Nach dem doch eher poppigen Album "Kowtow" (1988) legte man 1991 mit "The World" abermals ein typisches melodisches Pendragon-Album vor, das sogar auf einem eigenen Label veröffentlicht wurde. Dieses Album ist zusammen mit dem nachfolgenden "The Window Of Life" eines der erfolgreichsten (Neo)-Prog-Alben der 90er Jahre. Die Band hatte ihren Stil bereits früh gefunden, den sie dann im Lauf der Jahre, von geringen Variationen abgesehen, beibehalten hat. Dabei kann man auf eine sehr treue Gefolgschaft setzen. Für Prog-Verhältnisse sehr ansehnliche Plattenverkäufe im Rahmen von 60.000 Einheiten pro Album sind ein eindrucksvoller Beweis hierfür. Freunde der melodischen Variante des Progressive Rocks sollten diese Formation auf jeden Fall mal angetestet haben.

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Saga (Kanada)


In Transit, 1982
Saga: In Transit

Saga NeoProg? Eigentlich stammt die bereits 1976 in Toronto gegründete Band aus den 70ern. Zudem hat ihr sinfonischer Rock voll Keyboard- und Gitarrenbombast sowie einprägsamen Melodien nur wenig Parallelen zum Neo-Prog der frühen 80er. Da aber ihr Bekanntwerden, besonders in Europa und hier speziell in Deutschland, mit dem Aufblühen des NeoProgs zusammenfällt, findet die Band hier dennoch Berücksichtigung. Nach drei, vor allem in der Heimat recht erfolgreichen Studioalben ("Saga", "Images at twilight", "Silent knight") tourte die Band 1980 zum ersten Mal im Vorprogramm von Styx durch Deutschland, um dabei den Hauptact regelrecht an die Wand zu spielen. Der kommerzielle Durchbruch folgte 1981 mit dem in monatelanger Arbeit aufgenommenen Album "Worlds apart", welches mit "Wind him up" und "On the loose" die zwei bekanntesten Hits der Band enthält, die auch heute noch regelmäßig im Radio gespielt werden. Das Album kletterte selbst in den amerikanischen Charts in die Top 30, und Deutschland entwickelte sich zum bis heute immer noch wichtigsten Markt für die sympathischen Kanadier.

Das auf dem Höhepunkt der Bandgeschichte während der "Worlds apart" Tour mitgeschnittene Livealbum "In transit" besticht neben seinem Sound vor allem durch das hervorragende, sehr präzise Zusammenspiel zwischen Keyboards, Gitarre und Rhythmustruppe. Es enthält die besten Titel der ersten vier Studioalben, die selbst heute, rund 20 Jahre später, immer noch zum Liverepertoire der Band gehören. Mit "A brief case" beinhaltet es zudem ein Schlagzeugduell zwischen Sänger Michael Sadler und Schlagzeuger Steve Negus. In den Jahren danach sorgte die Band bei ihren Fans, ganz einem Albumtitel folgend, abwechselnd für "Pleasure and pain". Nach einigen totalen Fehlgriffen wie z.B. "Steel umbrellas" (1994) folgte mit "Full circle" (1999) und "House of cards" (2001) ansatzweise wieder die Rückkehr zu alten Strickmustern.

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Twelfth Night (Großbritannien)


Live And Let Live, 1984
Twelfth Night: Live And Let Live

Ende der 70er Jahre wurde Twelfth Nigtht als Instrumental-Prog-Band gegründet, doch fand sie später in dem ehemaligen Schulfreund und Theologie-Studenten Geoff Mann einen begnadeten Sänger und intelligenten Lyriker. Sogar zu schon existierenden Stücken schrieb er Texte, die wirkten, als hätten sie auf eine solche musikalische Umsetzung nur gewartet.

Auch Twelfth Night orientierten sich an den Neo-Prog-Vätern Genesis, doch gaben sie ihren Songs damals aktuelle Wave-Akzente und eine äußerst düstere Note. Diese Eigenständigkeit brachte der Band eine besondere Akzeptanz und eine eingeschworene Fangemeinde. Leider bescherte uns diese Besetzung nur eine "echte" Studio-LP (Fact And Fiction) und eben vorliegendes Live-Album. Dieses enthält allerdings bei einer Laufzeit von mehr als 70 Minuten fast alle Stücke von "Fact And Fiction", dazu die Nummer "East Of Eden", den Intro-Hammersong "The Ceiling Speaks" und den womöglich fantastischsten Longtrack des frühen NeoProg, "Sequences".

Aufgenommen wurde das Album 1983 an drei Abenden im Marquee. Gleichzeitig war dies die Abschiedsvorstellung Geoff Manns, der aufgrund seines Priesteramtes den Ambitionen seiner Freunde nicht mehr folgen konnte. Die Platte bescherte der Band einen Vertrag mit Virgin, doch obwohl Mann-Nachfolger Andy Sears eine durchaus schöne Stimme hatte, konnte Twelfth Night mit modifiziertem Sound (straighter, rockiger - man sprach damals von "Duran Duran für Arme") nicht an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen. Anfang der 90er erschien allerdings noch eine Kompilation der Band mit dem bis dahin unveröffentlichten The Collector, gesungen von Geoff Mann. Dieser 20-minütige Monstertrack bewies noch einmal die exponierte Stellung der Band, die leider so kurzlebig war. Viel zu kurz war auch das Leben Geoff Manns, der am 5. Februar 1993 an Krebs verstarb. Mit ihm ging dem Neoprog eine der beeindruckendsten und wegweisendsten Persönlichkeiten viel zu früh verloren, zum Glück nicht ohne ein paar wunderbare Soloscheiben zu hinterlassen, die zwar mit Prog nicht viel zu tun haben, denen man aber dennoch ein Ohr leihen sollte.

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Tipps abseits der Hauptliste

IQ (Großbritannien)


The Wake, 1985


Wurde das Debüt "Tales from the lush attic" aus Kostengründen noch im Schnellverfahren aufgenommen, so ließen sich IQ für "The wake" im Studio etwas mehr Zeit, was sich in den Kompositionen wie im Sound widerspiegelt. Zwar geht die Bandbreite mit dem leicht wavigen "The thousand days" und "Corners" auch über den Neo-Prog Horizont heraus, doch enthält dieses Album Klassiker, die heute noch zum Liverepertoire der Band gehören. Ob mit dem druckvollen "The wake", dem düster-mystischen "Headlong" oder dem über 9-minütigen "Widows peak", IQ beweisen auf ihrem zweiten Longplayer ein erhöhtes Maß an Eigenständigkeit und Originalität. Und wenn Gitarre und Keyboards im instrumentalen Wettstreit stehen, die Stimme Peter Nicholls den Liedern Glanz verleiht, dann wird klar, wie guter NeoProg klingen kann, ja muss!

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Marillion (Großbritannien)


Fugazi, 1984


Während "Misplaced childhood", vor allem wegen "Kayleigh", zum Bestseller avanciert war, "Script for a jester's tear" ein aufregendes Debüt geboten hatte, gelang mit "Fugazi" ein erster Schritt zur Loslösung vom Vorwurf des offensichtlichen Genesis-Plagiats. Zwar hat das Album einen etwas sterilen, typischen 80er-Jahre-Sound, doch ist den Briten hier eine brillante Mischung aus kraftvollem, variationsreichen NeoProg sowie eine gute Balance zwischen sanften, bombastischen Balladen ("Jigsaw") und dynamischen Endzeitnummern ("Fugazi", "Incubus") mit düsteren Texten gelungen. Zudem erfolgte mit "Assassing" erstmals ein Einstieg in die vorderen Ränge der britischen Single-Charts.

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