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Leitfaden: Elektronische Musik
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Michael Garrison
Michael Hoenig
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23788 Rezensionen zu 16255 Alben von 6316 Bands.
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Leitfaden:

Elektronische Musik



Die Experimentierfreude, die die Beatmusik Ende der sechziger Jahre erfasste und über "Psychedelic" zum "Progrock" führte, steigerte auch das Interesse an elektronischer Klangerzeugung und -manipulation. Zwar gab es schon sehr früh Musik, die mittels elektronischer Geräte komponiert wurde - etwa des Trautoniums, mit dem z.B. Oskar Sala den Soundtrack für Hitchcocks "Die Vögel" erzeugte. Bekannt auch das WDR-Studio für elektronische Musik. Allerdings blieb die Handhabung der verschiedenen Geräte sehr umständlich.

Das änderte sich mit der Erfindung des modularen Moog-Synthesizers. Nun begannen auch Rockmusiker, die Klangwelten der Synthesizer einzubeziehen. Neben den klassischen Progrock-Bands, die den Synthesizer "nur" als zusätzliches Instrument einsetzten (z.B.: ELP, Manfred Mann's Earth Band, Yes) gab es andere, die mit Hilfe dieser Geräte eine neue Form von Musik kreieren wollten. Versuchte - als einer der ersten - Walter (heute Wendy) Carlos noch, klassische Werke von Bach klanggetreu auf dem Moog neu zu interpretieren, gingen besonders deutsche Musiker neue Wege. Unter dem Begriff "kosmische Musik" wurden v.a. Tangerine Dream oder Klaus Schulze Anfang der Siebziger Jahre mit langen, schwermütigen Instrumentalstücken berühmt. Andere wie Kraftwerk schafften es später, songorientierter zu arbeiten und gelten heute als Urväter des Techno. In diesem Zusammenhang sollte man auch Mother Mallard's Portable Masterpiece Co. und Tontos' Expanding Head Band aus den USA erwähnen, die schon 1970 als reine Synthiebands arbeiteten.

Mit dem technischen Fortschritt zu Soundsamplern, digitalen Synthesizern und Computerprogrammen, der Entwicklung im Bereich der Studiotechnik sowie dem damit einhergehenden enormen Preisverfall entwickelte die elektronische Musik bis heute unzählige Stilarten. Der Schwerpunkt dieser Liste liegt bei den "Gründern" aus den Siebzigern. Wir haben uns aber bemüht, auch neuere Platten zu erwähnen, sofern sie uns bekannt sind.

Die Hauptliste

Brian Eno (Großbritannien)


Ambient 1 / Music for Airports, 1978
Brian Eno: Ambient 1 / Music for Airports

Brian Eno arbeitete im Laufe seiner Karriere mit so unterschiedlichen Musikern wie Roxy Music, Robert Fripp, David Bowie, Talking Heads, U2 und der deutschen Avantgarde-Formation Cluster zusammen. Mit "Ambient 1" schuf er ein neues (Teil-) Genre elektronischer Musik, eben Ambient Music. Dabei wird Musik als Teil der Raumgestaltung betrachtet, verdeutlicht durch den Untertitel "Music for Airports" - tatsächlich wurde diese Musik zeitweise im New Yorker Flughafen La Guardia verwendet. "Ambient 1" enthält weder Rhythmus noch Melodie im überkommenen Sinn sondern vielmehr sanft hin und her wallende Klanggebilde. Zwar haben auch die Elektroniker deutscher Herkunft mit derart strukturlosen Klängen gearbeitet, aber Enos Musik fehlt die "teutonische Schwere", sie schwebt leicht dahin, ohne in einschläferndes Gesäusel abzudriften.

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Eberhard Schoener (Deutschland)


Trance-Formation, 1977
Eberhard Schoener: Trance-Formation

Eberhard Schoener, Jahrgang 1938, absolvierte zunächst eine klassische Musikausbildung, gründete und dirigierte das Münchner Jugend-Symphonieorchester und war zeitweise Leiter des Orchesters der Münchener Kammeroper. Während eines dreiwöchigen Aufenthalts bei Robert Moog, dem Erfinder des nach ihm benannten Synthesizers, lernte er 1968 die Klangmöglichkeiten elektronischer Instrumente kennen.

Fortan beschäftigte Eberhard Schoener sich mit elektronischer Musik. So komponierte er beispielsweise im Auftrag der Bundesregierung (!) experimentelle Musik für die Expo 1970 in Osaka. Schoeners Werk verbindet häufig völlig gegensätzliche musikalische Welten: er arbeitete mit Deep Purple, mit asiatischen Gamelan-Orchestern, sogar mit Country-Musikern.

"Trance-Formation" wurde laut Hüllentext von mehreren Reisen nach Südostasien, vor allem nach Nepal, inspiriert. Zu den Mitwirkenden gehören u.a. Mitglieder der Gruppe Police, der Tölzer Knabenchor und ein asiatischer Mönchschor. Elektronik verbindet sich mit Rock, gregorianischen Chorälen und asiatischen Gesängen zu einer homogenen Mischung von magisch-hypnotischer Kraft. Die Spannbreite reicht von rhythmusbetonten Stücken wie "Falling in Trance" über das meditative "The Shape of Things to Come" bis zu den teilweise ins Atonale gehenden Klangexperimenten des Titelstücks.

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Erdenklang (Österreich)


Erdenklang - Komputerakustische Klangsinfonie, 1982
Erdenklang: Erdenklang - Komputerakustische Klangsinfonie

Hervorgegangen aus der österreichischen Gruppe Eela Craig veröffentlichte das Duo "Erdenklang" (Hubert Bognermayr/Harald Zuschrader) 1982 diese LP. Kam bisher in der elektronischen Musik hauptsächlich der Synthesizer als Klangerzeuger zum Einsatz, wurde hier zum ersten Mal die "Samplingtechnik" mittels des (damals) neuartigen Fairchild CMI (CMI = ComputerMusicInstrument) benutzt, was zuvor nicht realisierbare Sounds ermöglichte. Da das Gerät auch das Komponieren per Noteneingabe erlaubte, wirkt diese LP strukturierter als viele Platten der deutschen Elektroniker.

Der Titel ist Programm - vieles erinnert in der Struktur an Symphonien des 19. Jahrhunderts (dabei kommen neben gesampelten Wassertropfen auch Streicher- oder Blechblasinstrumente bzw. deren elektronisches Pedant zum Einsatz). Heutzutage wirken manche Sounds wie werkseitig vorprogrammierte Klänge japanischer Keyboardhersteller, damals waren es völlig neue Möglichkeiten.

Später vertonte das Duo noch die "Bergpredigt", bevor Bognermayr das BLUE CHIP ORCHESTRA gründete.

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Heldon (Frankreich)


Interface, 1977
Heldon: Interface

Heldon ist das Projekt des französischen Gitarristen und Keyboarders Richard Pinhas mit jeweils unterschiedlichen Mitmusikern. In der Heldon-Musik verbindet sich elektronische Musik mit symphonischem Progressive Rock im Stil von King Crimson der Wetton-Ära.

"Interface", aufgenommen mit dem Schlagzeuger Francois Auger und dem Bassisten Patrick Gauthier, ist eine perfekte Symbiose beider Einflüsse. Häufig wird über einem elektronisch erzeugten rhythmischem Muster mit stark Fripp-inspirierter Gitarre gejammt, es finden sich aber auch abstrakte elektronische Stücke (die auf manchen anderen Heldon-Alben in der Überzahl sind). Sehr eindrucksvoll ist das Titelstück, das auf der CD-Ausgabe in zwei Fassungen (Live und Studio) vertreten ist.

Neben seiner Tätigkeit mit Heldon hat Richard Pinhas auch eine Reihe empfehlenswerter Soloalben veröffentlicht, aus denen vor allem "Iceland" (1979) und "L'Ethique" (1982) sowie das in Zusammenarbeit mit dem deutschen Elektronik-Musiker Peter Frohmader entstandene "Fossil Culture" (1999) herausragen. Dabei ist besonders "Iceland" sehr stark von der elektronischen Musik der Berliner Schule, speziell den frühen Werken Klaus Schulzes, beeinflusst.

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Human League (Großbritannien)


Travelogue, 1980
Human League: Travelogue

1977 gründeten Ian Marsh und Marytn Ware ein Syntheziserduo. Nachdem der Sänger Philip Oakley und Adrian Wright (visuelle Effekte) hinzukamen, war die Band Human League komplett. Stark beeinflusst von KRAFTWERK schufen sie mit ihren beiden Alben "Reproduction" (1979) und "Travelogue" den Synthiepop der achtziger Jahre. Bands wie "Depeche Mode", "Ultravox" "Talk Talk" und andere wären ohne Human League schwerlich denkbar.

Musikalisch sehr rhythmusbetont erinnern die Songs oft an alte Kraftwerk- oder TD-Aufnahmen. Durch den kalten Gesangsstil Oakleys bekommen sie zusätzlich einen sehr maschinellen Charakter. Nach "Travelogue" trennten sich Marsh und Ware im Streit von den anderen, gründeten mit "B.E.F." ein Produktionsteam (mit dem sie Coverversionen alter Hits mit verschiedenen GastsängerInnen) aufnahmen, um anschließend Heaven 17 zu gründen. Human League machten unter der Ägide von Oakley weiter und wurden durch seichtere Popnummern einer der bekannteren Hitlieferanten in den Achtzigern.

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Jean Michel Jarre (Frankreich)


Oxygene, 1976
Jean Michel Jarre: Oxygene

Dem Franzosen Jean Michel Jarre gebührt die Ehre, die elektronische Musik dem breiten Publikum bekanntgemacht zu haben. Seine dritte LP "Oxygene" verkaufte sich bei Erscheinen allein in Europa über sechsmillionenmal, und enthielt mit "Oxygene Part IV" sogar einen Hit. Obwohl er bei vielen eingefleischten Fans deutscher Gruppen als trivial gilt, zelebriert Jarre auf "Oxygene" und dem Nachfolger "Equinoxe" (1977) eine leichfüßige, verspielte Musik, die bei aller Eingängigkeit auch heute nichts von ihrer Schönheit verloren hat. Musikalisch verknüpft er in den einzelnen Parts immer wiederkehrende Leitmotive mit freien Improvisationen und eher atonalen Soundspielereien, die allerdings nie störend wirken.

Jarre war der erste westliche Musiker, der in China auftrat und dort eine Platte mitschneiden und veröffentlichen durfte ("The concerts in China" 1982). Mit dem Album "Zoolock" (1984) schuf er (u.a. mit Laurie Anderson) sein ambitioniertestes Werk in der neuen Samplingtechnik, bevor er in späteren Jahren eher durch "monströse" Liveauftritte von sich reden machte.

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Klaus Schulze (Deutschland)


Mirage, 1977
Klaus Schulze: Mirage

Digit, 1980
Klaus Schulze: Digit

Klaus Schulze begann seine nunmehr über dreißigjährige Karriere bei Tangerine Dream (auf deren erstem Album er Schlagzeug spielte). Nachdem er dort ausgestiegen war und kurzfristig bei Ash Ra Tempel mitgewirkte, entwickelte er sich neben Tangerine Dream zu einem der einflussreichsten deutschen Elektronikpioniere der sogenannten Berliner Schule. Schulze ist ein Meister der langgezogenen Improvisationen, die anders als bei seinen Berliner Kollegen keinen oder nur spärlichen Sequenzereinsatz beinhalten.

Mit "MIRAGE - eine elektronische Winterlandschaft", seinem achten Soloalbum, legte Schulze für viele das Meisterwerk seiner analogen Phase vor. Geprägt ist die Platte von der Trauer über den Tod des kurz zuvor verstorbenen Bruders, dem sie auch gewidmet ist. Das Album enthält nur die beiden langen Titel "Velvet voyage" und "Crystal lake". Lediglich mit spärlichen tiefen Basstönen als Rhythmusgeber (oder wunderbaren perlenden Arpeggios bei "Crystal lake") entsteht hier eine musikalische Landschaft voller Kühle, Einsamkeit und Ruhe. Nie wirkt diese Musik steril oder leblos, sondern entwickelt mit sparsamen Melodielinien all jene Möglichkeiten, die nur die Elektronik bieten kann.

Wie anerkannt Schulze als Musiker war, zeigen auch seine Zusammenarbeit mit Stomu Yamashta bei dessen "Go"-Projekten oder diverse Aufträge für Filmmusiken. Darüber hinaus gründete er zwei Plattenfirmen (IC und später Inteam), verfolgte mit Wahnfried ein erfolgreiches Seitenprojekt in Kooperation mit anderen Musikern und veröffentlichte bis heute über 100 CDs. Mit Aufkommen der digitalen Musikcomputer wurde seine Musik in den achtziger Jahren sehr rhythmusbetont. Auf "DUNE" (1979) und "Live" (1980) wirkte Arthur Brown als Gastsänger mit, später kam es zur Zusammenarbeit mit dem Cellisten Tiepold oder mit Manuel Göttsching (ehemaliger Bandkollege von Ash Ra Tempel).

Nach den bombastisch-schöngeistigen Alben der 70er Jahre ersetzte Schulze auf "Dig It" die analogen Synthesizer erstmals durch den sogenannten Crumar GDS Musikcomputer, was einen kristallklaren Klang und bislang ungekannte Keyboardsounds ermöglichte.

Erstaunlicherweise besticht das musikalische Ergebnis dieser Computerisierung durch Frische und Leichtigkeit. Die Platte verbindet elektronische Improvisationen und durchkomponierte Melodielinien mit groovenden Rhythmen. Letzteres gilt insbesondere für die beiden kürzeren Tracks, wo die etwas komplexere Rhythmik der präzisen Schlagzeugarbeit von Fred Severloh und den funkigen Digitalbässen zu verdanken ist. Die Keyboards von Schulze schienen durch die damals neue Technologie noch eine zusätzliche, faszinierende Dimension dazugewonnen zu haben. Bis heute zählt Klaus Schulze zu den bedeutenden Elektronikern und kann - seitdem Tangerine Dream nach zahlreichen Umbesetzungen eher zur elektronischen Kaufhausmusik abgeglitten sind - als vielleicht letzter Überlebender der "Berliner Schule" betrachtet werden.

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Kraftwerk (Deutschland)


Die Mensch-Maschine, 1978
Kraftwerk: Die Mensch-Maschine

Die Düsseldorfer Formation Kraftwerk, gegründet Anfang 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider, gehört zweifellos zu den einflussreichsten deutschen Bands. Während sie bis etwa 1974 noch überwiegend konventionelle Instrumente (Flöte, Gitarre) mit elektronischer Verfremdung benutzten, setzten Kraftwerk ab dem Album "Radio-Aktivität" nur noch elektronische Klangerzeuger ein.

"Die Mensch-Maschine" ist vielleicht das wirkungsmächtigste Kraftwerk Album; mit ihm begannen, musikalisch gesehen, die 80er Jahre. Bands wie Orchestral Manoeuvres in the Dark wären ohne "Mensch-Maschine" undenkbar. Musik und Outfit der Kraftwerk-Musiker inspirierten unzählige Synthie-Pop Bands. Im Vergleich zu den vorhergehenden Kraftwerk-Platten ist "Mensch-Maschine" - mit einprägsamen Melodien und einfacher Rhythmik - simpler strukturiert. Ein deutlicher Kontrast zu den sonst eher "schweren" Werken deutscher Elektroniker. Als Singles bekannt wurden "Die Roboter" mit ihrem maschinenhaft stampfenden Rhythmus und dem Kraftwerk-typischen Vocoder-Gesang sowie "Das Modell", einer der ersten Synthie-Pop Hits.

Nach "Die Mensch-Maschine" gab es in den 80ern nur zwei Kraftwerk-Alben mit neuem Material, "Computerwelt" (1981) und "Electric Cafe" (1986), bevor die Gruppe Ende der 90er, Anfang der 00er mit neuen Singles, dem Studio-Album "Tour de France Soundtracks" (2003), dem Live-Album "Minimum-Maximum" (2005) und einer zugehörigen Live-DVD wieder verstärkt ins Rampenlicht trat.

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László Hortobágyi (Ungarn)


Traditional music of Amygdala, 1991
László Hortobágyi: Traditional music of Amygdala

Der Ungar Hortobágyi ist ein Meister des Soundsamplings und der Fiktion. Seit gut 12 Jahren zeigt er, wie man mit kurzen Soundschnippseln und Computern eine Musik kreieren kann, die nie künstlich, sondern fast immer wie die Arbeit realer Musiker wirkt. Dabei entsteht eine "fiktive" Weltmusik des 21. Jahrhunderts.

Zu den Plattentiteln erfindet Hortobágyi jeweils einen ausführlichen theoretischen Hintergrund: mal geht es um einen indischen Musikkongreß, mal um die rituelle Musik Außerirdischer oder wie hier bei seiner zweiten Platte um eine fiktive Reise ins ebenso fiktive untergegangene Reich Amygdala (ein Teil des menschlichen Gehirns). In den Booklets gibt es lange theoretische Erklärungen zu Entstehungszeit und Bedeutung der Lieder, zum kulturellen Hintergund sowie zu den Komponisten und mitwirkenden Musikern etc. Man könnte fast glauben, alles sei real.

Gekonnt mischt Hortobágyi auf dieser CD schwerpunktmäßig die Musiksprache östlicher (meist arabischer und indischer) und westlicher Traditionen miteinander. Je nach "fiktiver" Bedeutung stehen dann z.B. die Klänge indischer Tablas und Sitars neben liturgischem Mönchsgesang aus Osteuropa, arabischen Gesängen und modernen Sequencerparts. Dass dabei immer der Eindruck entsteht, das Ganze wären "reale Aufnahmen" eines Musikarchives zeugt von der unübertroffenen Kunst, kleinste Soundsamples "organisch" zusammenzusetzen.

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Synergy (USA)


Electronic Realizations for Rock Orchestra, 1975
Synergy: Electronic Realizations for Rock Orchestra

Synergy oder besser Larry Fast werden viele Progrockhörer als Keyboarder von Peter Gabriels ersten vier Studioplatten und den dazugehörenden Tourneen kennen. Dass er daneben zu den wegweisenden Vertretern der elektronischen Musik gehört, zeigt er hier mit seinem ersten Album. Im Gegensatz zu den eher improvisierfreudigen Deutschen mit ihren langen Sequencerparts bevorzugt er durchkomponierte Stücke und ist sich auch nicht zu schade, mal einen Oldie wie "Classical gas" (auf "Sequencer") neu zu interpretieren. Wie viele amerikanische Vertreter dieser Musik arbeitet er entsprechend dem Titel eher in klassischer Weise: jeder Sound gehört zu einer durchkomponierten Linie, die sich zu manchmal verspielten, manchmal bedrohlichen Klanggebilden verdichten - Orchestermusik mit elektronischen Mitteln, die bei aller Leichtigkeit immer einen befremdlichen, ja irritierenden Eindruck beim Hörer erzeugt, als ob die Gefahr schon hinter der nächsten Ecke lauert.

Leider 'beendete' Fast seine Solokarriere nach sieben Alben und zwei Samplern Mitte der achtziger Jahre, heute arbeitet er eher als Produzent/ Begleitmusiker und Komponist von Filmmusiken. Auf seiner vorzüglichen Webseite kann der erfreute Hörer allerdings erfahren, dass er 2002 ein Konzert in den Niederlanden gibt, und er an einer neuen Soloplatte arbeitet.

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Tangerine Dream (Deutschland)


Phaedra, 1974
Tangerine Dream: Phaedra

Tangram, 1980
Tangerine Dream: Tangram

Tangerine Dream sind neben Kraftwerk die bekannteste Elektronik-Formation Deutschlands. Gegründet wurden sie 1967 von Edgar Froese, der als einziges Mitglied der Urbesetzung auch heute noch dabei ist. Mit ihrem zweiten Album "Alpha Centauri" (1971), noch mit überwiegend konventionellem Instrumentarium eingespielt, und mit "Zeit" (1972) schufen Tangerine Dream den Begriff der "Kosmischen Musik" - überlange, rhythmus- und strukturfreie Stücke ohne erkennbare Melodien, die dem Hörer ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit abverlangen. Auf "Zeit" spielten Tangerine Dream erstmals in der Besetzung Edgar Froese, Christoph Franke, Peter Baumann. Diese Besetzung hielt bis Anfang 1977 und gilt allgemein als die Phase, in der die reifsten Alben der Gruppe entstanden. Sie ist gekennzeichnet von einer Abkehr von der Kosmischen Musik und der Hinwendung zu einem melodischeren Stil, der von Sequencer-generierten Rhythusmustern begleitet wird.

"Atem" (1973) und mehr noch "Phaedra" (1974) stehen am Anfang dieser Entwicklung, die so grandiose Alben wie "Rubycon" (1975) und "Stratosfear" (1976) hervorbrachte. Nach Peter Baumanns Ausstieg experimentierten Tangerine Dream in wechselnden Besetzungen vorübergehend mit einem stärker rockorientierten Stil, auf "Cyclone" (1978), einem in der Fangemeinde sehr umstrittenen Album, sogar unter Hinzunahme eines Sängers. Ende 1979 stieg Johannes Schmoelling bei Tangerine Dream ein, diese Besetzung blieb dann wieder für einige Jahre stabil. Die Qualität der früheren Werke erreichte die Band nicht mehr, mit "Tangram" (1980) erschien aber noch einmal ein recht interessantes Album. Danach produzierten sie überwiegend Berieselungsmusik.

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The Future Sound of London (Großbritannien)


Dead Cities, 1996
The Future Sound of London: Dead Cities

Für alle, die glauben, dass elektronische Alben immer bedächtig und langatmig ausfallen müssen, der Gegenbeweis: "Dead Cities" von Future Sound of London könnte abwechslungsreicher und klanglich reichhaltiger kaum sein. Ein Science-Fiction-Trip, der uns von hektisch-rhythmischen, düster-aggressiven Stücken über lyrische Chorgesänge, trancig-psychedelische Tracks, ungewohnt spannende ambient-artige Fragmente bis zu dichten Looping-Passagen führt. Dies alles wird auf kreative Art und Weise von unzähligen Samples und Effekten garniert. Es war offenbar die Absicht der Musiker, mit "Dead Cities" ein Konzeptalbum zu schaffen, den ersten zehntausend Exemplaren hat man nämlich ein 192-seitiges Buch beigelegt, offensichtlich mit der Story zum Album.

Die beiden britischen Musiker Garry Cobain und Brian Dougans benutzten den Namen The Future Sound of London zuerst für ihr 1991er Album "Accelerator", das noch relativ kommerziell ausgerichtet war. Erst mit dem Zweitwerk "The Lifeforms" hat das Duo seine Möglichkeiten voll zeigen können. Die bisherigen Aktivitäten der beiden Künstler umfassen Video- und Filmmusik sowie Vertonungen von Computeranimationen und zahlreiche Remixarbeiten. Dabei sind ihre Alben bisher musikalisch sehr unterschiedlich ausgefallen, daher spielt der Überraschungsfaktor bei dem Duo eine grosse Rolle.

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The Orb (Großbritannien)


Orblivion, 1997
The Orb: Orblivion

The Orb ist hauptsächlich ein Projekt des Briten Alex Paterson, der es mit wechselnden Mitarbeitern betreibt. So fand zum Beispiel 1991 der erste Live-Auftritt von The Orb in der Besetzung Paterson (turntables), Steve Hillage (guitar), Thrash (trip) und Ross (psychedelic lighting) statt. Eine typische Orb-Platte beinhaltet grob gesagt die Verschmelzung moderner elektronischer Tanzmusik mit Ambient-Elementen und vielen überall entliehenen Soundschnipseln. The Orb gelten als die einflussreichen Erfinder dieser Soundmixtur, "Ambient-House" genannt. Auf "Orblivion" haben sie verstärkt progressive Elemente in ihr Konzept einfliessen lassen. Die Stücke sind meistens um relativ einfache, jedoch gekonnt variierte Themen aufgebaut und werden um allerlei Soundeffekte angereichert, so dass eine meist rhythmische Musik zum Hinhören und Mitdenken entsteht. So gibt es u.a. afrikanische Gesänge, komplexe Rhythmen, verfremdete Tablaklänge, Sprechstimmen und Naturgeräusche zu hören. Traditionell Elektronisches wie Streicher-Emulationen taucht neben neuartigen Klängen auf. Die vielschichtigen Arrangements ermöglichen immer wieder subjektive Neuentdeckungen. Einige Tangerine Dream-Einflüsse wären noch festzustellen, nicht ohne Grund haben The Orb 1997 eine CD-Single mit Remixen von Tangerine Dreams "Towards the evening star" herausgebracht. Interessanterweise haben Steve Hillage und Miquette Giraudy an einem Track von "Orblivion" kompositorisch mitgewirkt. Erwähnenswert ist auch ein Ambient-Gemeinschaftsprojekt von The Orb und Robert Fripp, welches "FFWD" getauft wurde.

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Wendy (Walter) Carlos (USA)


Switched-on Bach, 1968
Wendy (Walter) Carlos: Switched-on Bach

Diese LP war der Beginn einer neuen Ära. Natürlich gab es schon viel früher elektronische Musik, sie fristete allerdings eher ein Nischendasein in kleinen Avantgardezirkeln und bedurfte eines enormen Aufwandes an Studiotechnik. Erst Wendy Carlos Neuinterpretationen von Bach mit einem der ersten von Bob Moog entwickelten modularen Synthesizer holte die Elektronik aus der Nische heraus und öffnete sie dem Rock. Dass Carlos dabei gleich eine ganze "Schule" begründete, zu der später herausragende Musiker wie Tomita, Synergy oder z.T. Patrick Gleeson gehörten, soll nicht unerwähnt bleiben. Wie letztere auf späteren Platten versuchte Wendy Carlos klassische Werke neu zu interpretieren (The well-tempered Synthesizer, Switched on Bach II, Switched on Brandenburger) oder aber in klassischer Kompositionstechnik neu zu kreieren. Daneben schuf sie auf anderen Platten die Vorläufer elektronischer Worldmusik (Beauty in the beast 1986), des Ambient (Sonic seasonings 1972) oder klassische Filmsoundtracks. Vielen dürfte die Musik von Wendy Carlos aus dem Kubrick-Film "Clockwork Orange" von 1972 bekannt sein.

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Tipps abseits der Hauptliste

Keller & Schönwälder (Deutschland)


The Reason Why...Part Two, 2001


Warum sie es tun, lassen Keller & Schönwälder - dem Titel nach zu urteilen - lieber unausgesprochen, aber sie tun es mit Eleganz: die Elektronikrichtung in etwa aufrechtzuerhalten, die Klaus Schulze und Tangerine Dream Ende der 70er bekannt gemacht haben: reichlich Sequencer, weite Räume und lange Synthesizer-Improvisationen. Wer also seit Anfang der 80er unter Entzugserscheinungen leidet, wird sich mit dieser Scheibe gut bedient fühlen.

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Main (Großbritannien)


Firmament II, 1994


Aus der Band Loop, die eher eine Art Trance-Rock spielten, formierte der Gitarrist Robert Hampson mit Scott Dawson die Band Main. War ihr erstes Album z.T. an die Musik von Loop angelehnt, änderte sich dies mit den folgenden Werken gründlich. Die Zielsetzung war eigentlich ziemlich simpel: die Gitarre sollte nie klingen wie eine Gitarre - und dieses Konzept haben Main bis zur Perfektion entwickelt. Was hier hörbar wird, sind Soundscapes in Reinkultur, allerdings nicht wie bei Fripp oder Eno, wo es langgezogene Töne und an- und abschwellende Soundflächen gibt - nein: Main reduzieren die Musik selbst auf ein Skelett von Tönen in weiten Räumen. Keinerlei Drums, Percussions oder andere Rhythmusgeber kommen zum Einsatz, sondern nur Klänge aus einer anderen Welt fordern die volle Aufmerksamkeit.

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Michael Garrison (USA)


In the Regions of Sunreturn, 1979


Im Gegensatz zu den schweren, monolithischen Klangskulpturen deutscher Elektroniker bietet das Debut des Amerikaners Michael Garrison kompakte Stücke in meist flottem Tempo. Dabei geht "In the Regions of Sunreturn", das die Flüge der Raumsonden Voyager 1 und 2 zum Thema hat, aber doch nicht so weit in poppige Gefilde wie beispielsweise Jean-Michel Jarre. Man könnte eher von einer leichteren Version der klassischen Tangerine Dream sprechen.

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Michael Hoenig (Deutschland)


Departure from the Northern Wasteland, 1978


Wer nicht genug vom Sound der klassischen Tangerine Dream bekommen kann, liegt mit dem ersten Soloalbum von deren Kurzzeit-Mitglied Michael Hoenig genau richtig. Lange Kompositionen mit schönen elektronischen Klangbögen, auf Sequencer-Rhythmen in meist getragenem Tempo aufbauend, bieten alles, was der Elektronik-Freak begehrt. In der zweiten Hälfte des Albums wird es teilweise etwas experimenteller, mit rückwärts eingespielten, verfremdeten Stimmen.

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Thomas Köner (Deutschland)


Nunatak Gongamur, 1991


Man nehme eine Musik, die nichts von dem enthält, was gewöhnlich mit Musik verbunden wird, keinerlei Melodie, keine Rhythmen - wer sich das vorstellen kann, hat eine gewisse Ahnung von dieser Platte. Wie 'Main' verfolgt Köner das Ziel, Musik auf das Minimum an Strukturen zu reduzieren, ohne die Spannung aufzugeben. Auf dieser, seiner ersten Platte gelingt ihm das auf vollendete Weise. Wie das Cover und der Titel (aus der Sprache der Inuit) schon andeuten, in einem scheinbar leeren Raum wird mit wenigen Tönen oder studiotechnischen Effekten ein Maximum an Ausdruck erzeugt. Dabei kommen nur Samples von Gongs zum Einsatz, allerdings derartig verfremdet, dass sie nicht mehr als solche erkennbar sind. Hier wird die Einsamkeit der Arktis förmlich spürbar - das ist kein einlullender Ambientkram, sondern die Musik erfordert ein großes Maß an Konzentration, nicht eingängig, aber wer sich auf Soundscapes einlassen kann, wird hier wie bei MAIN auf vorzüglichste bedient.

Inzwischen hat Köner mit einem Partner das Duo Porter Ricks gegründet, das seine minimalistischen Vorstellungen mit der Musik der Technoszene verbindet. Auch bei Bill Laswells "Divitation"-Projekt hat er mitgewirkt.

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