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Leitfaden: Progverwandter Rock und Pop der 70er
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23179 Rezensionen zu 15819 Alben von 6134 Bands.
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Leitfaden:

Progverwandter Rock und Pop der 70er



Nach dem Aufkommen von "Psychedelic" und "Underground" in Europa sowie der "Westcoastmusik" in den Staaten gab es in der populären Musik eigentlich keine Grenzen mehr – alles schien möglich, und selbst die Labels schielten noch nicht zu sehr auf einen Massenmarkt. Damit war der Weg frei für das, was unsereiner "progressive Rockmusik"“ nennt. Dabei existierten neben Bands wie Yes, Genesis, etc. auch viele alte und neue Namen, die zwar eher dem klassischen Rock oder dem Pop verbunden blieben, aber mit offenen Ohren neue Elemente und Einflüsse in ihren Stil aufnahmen. Anspruchsvoll und doch zugänglicher als die erwähnten Bands, den Wurzeln des Rocks näher, so könnte man die nachfolgenden Platten umschreiben. Die Interpreten taten damit viel für die Verbreitung und Akzeptanz des "progressiven Rocks" und boten für neue Hörer eine Einstiegshilfe in die Klangwelt der "Hardcorebands".

Die Hauptliste

10cc (Großbritannien)


How Dare You!, 1976
10cc: How Dare You!

"10cc" war eine Gründung der britischen Musiker Graham Gouldman, Lol (eigentlich Lawrence) Creme, Kevin Godley und Eric Stewart. Alle vier waren bereits in den 60ern in verschiedenen lokalen Bands aktiv, Gouldman außerdem noch als Songschreiber u.a. für die Hollies ("Bus Stop") und Herman's Hermits ("No Milk Today"). Als Godley und Creme 1969 Sessionmusiker für ein gemeinsames Projekt suchten, trafen sie auf Gouldman und Stewart, drei Jahre später entstand daraus "10cc".

Nachdem ihr 1973 erschienenes Debütalbum "10cc" noch überwiegend im Mainstream angesiedelt war, begann mit "Sheet music" (1974) eine Reihe von Alben mit deutlich erweitertem musikalischen Spektrum. Trotz wilder Stilmischungen (z.T. in ein und demselben Song) wirkte die Musik aber immer eingängig und brachte 10cc auch kommerziellen Erfolg. Der Song "I'm not in love" aus dem 1975er Album "The Original Soundtrack" war einer ihrer größten Erfolge und ist sicherlich der bekannteste Titel der Band.

Als kreativer Höhepunkt gilt allgemein das 1976 erschienene "How dare you!". Auf diesem Album perfektionierten 10cc ihre Mischung aus eingängigen Melodien und bissig-satirischen Texten. Die stilistische Bandbreite der Songs umfasst einschmeichelnde Ohrwürmer ("I'm Mandy fly me"), klassischen Rock'n'Roll ("Rock'n'Roll lullaby"), jazzige Klänge ("Iceberg"), oder wüste Collagen aus allen möglichen Stilarten ("I wanna rule the world", "Art for art's sake").

Nach "How dare you!" trennten sich Godley und Creme von 10cc. Das Folgealbum "Deceptive bends" wurde von Gouldman und Stewart als Duo eingespielt, danach kamen weitere Musiker dazu. Trotz weiterer Hitparadenerfolge mit Songs wie "Good morning judge" oder "Dreadlock holiday" erreichten die neuen 10cc das Niveau ihrer früheren Alben nicht mehr. 1983 löste sich die Band auf, 1992 kam es zur Neuformierung, wobei in der Anfangszeit auch wieder Godley und Creme mit von der Partie waren.

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Alan Parsons Project (Großbritannien)


Tales of Mystery and Imagination, Edgar Allen Poe, 1976
Alan Parsons Project: Tales of Mystery and Imagination, Edgar Allen Poe

1976 erschien das Debüt des Alan Parsons Project - etwas, was es so noch nicht gegeben hatte: Erstmals veröffentlichte ein Produzent eine Platte unter seinem Namen. Natürlich gab es schon vorher berühmte Produzenten, die der Musikwelt ihren Stempel aufgedrückt hatten (z.B. Mickie Most oder Phil Spector). Aber dass ein bis dato nur bei Musikfreaks bekannter und geschätzter Produzent eigene musikalischen Ideen mit Hilfe von "Gastmusikern" verwirklichte, war neu.

Bei diesem Werk nahmen sich Parsons und sein Partner Woolfson die Geschichten von Edgar Allan Poe vor. Zusammen mit den Pilot-Musikern, der Gruppe Ambrosia, Ian Bairnson, einem Orchester unter der Leitung von Andrew Powell, einem Chor u.a. kreierten sie den typischen Parsons-Sound:

eingängige Melodien mit leichtem Mysterytouch, klassische Balladen und nicht zu vertrackte Rockstücke. Dazwischen streuten sie die bei Fernsehmachern später so beliebten Instrumentals ein, die in der Regel auf eingängige Rhythmen bauen.

Die Platte bietet zwei sehr unterschiedliche Seiten. Die erste enthält die rockigen Stücke wie "The raven", "The tell-tale-heart" und das instrumentale "A dream within a dream", die aber durch die dezente Hinzunahme von Orchestereinspielungen und die Ausnutzung weiterer Studiomöglichkeiten sehr reizvoll klingen.

Seite 2 wird von dem Longtrack "The fall of the house of Usher" bestimmt. Es handelt sich bei diesem Orchesterstück um die notengetreu übernommene Ouvertüre der Oper "Fall of the House of Usher" von Claude Debussy. Dazwischen allerdings spielt die Band immer wieder Rockeinlagen und beendet das Werk mit einer klassischen Ballade.

Dem einmal gefundenen Erfolgsrezept blieben Parsons/Woolfson und ihre Mitstreiter treu. Auf den nächsten Platten vertonten sie Isaac Asimovs "I robot", wandten sich einem kurzlebigen Pyramidenmystizismus und später Themen wie Eva, Sigmund Freud, dem Architekten Gaudi und anderen zu. Regelmäßig erschienen bis Ende der 80er neue Platten, mit deren Qualität es immer weiter bergab ging. Es zeigte sich, dass Parsons einfach kein guter Komponist war, sondern nur eine einmal gefundene Idee endlos wiederholte. Woolfson trennte sich zu Beginn der 90er von Parsons und veröffentlichte "Freudiana" (mit Parsons als Produzent!), und seit 1993 gibt es alle paar Jahre wieder auch Platten vom Meister persönlich. Sie bieten gehobenen Mainstream, nicht zu simpel, aber auch nicht vertrackt.

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Barclay James Harvest (Großbritannien)


Live, 1974
Barclay James Harvest: Live

Die Geschichte von Barclay James Harvest beginnt in den frühen Sechzigern mit dem Zusammenschluss der beiden Bands "The Keepers" (früher "The Sorcerers") und "Heart And Soul And The Wickeds", in denen zum einen John Lees und Stuart "Woolly" Wolstenholme, zum andern Les Holroyd und Mel Pritchard spielten. Nach dem Zusammengehen nannte man sich zunächst "The Blues Keepers", aber nachdem man schließlich zum Quartett geschrumpft war, wurde 1967 der Fantasiename "Barclay James Harvest" zum neuen Bandnamen erwählt.

In den Jahren 1968 und 1969 veröffentlichte die Gruppe einige Singles, um letztendlich als eine der ersten Bands beim legendären Harvest-Label zu landen, das aber in keinem Zusammenhang mit dem Bandnamen steht. Zu Beginn experimentierten BJH mit neuen Einflüssen jenseits der traditionellen Rockinstrumentierung und benutzen Bläser und Streicher zur Ergänzung ihres orchestralen Classic Rock-Sounds. Zudem verwendeten sie sehr früh das Mellotron, um damit dem Klangbild noch mehr Fülle zu verleihen. Die ersten Alben ("Once again", "Barclay James Harvest and other short stories") wurden komplett mit Orchester eingespielt, mit dem man auch auf eine finanziell ruinöse Tour ging. Steigende Schulden und ein nicht gerade gutes Verhältnis zu Harvest führten schließlich 1973 zum Verlust des Plattenvertrages.

Doch zum Glück gab es bei Polydor einen neuen Vertrag. Ab diesem Zeitpunkt begann der kommerzielle Aufstieg mit Alben wie "Everyone is everbody else" (1974), "Time honoured ghosts" (1975), "Octoberon" (1976) und dem Doppelalbum "Live" (1974), mit denen der erste Charteinstieg gelang. Dem anfänglichen Erfolg in der Heimat folgten bald Tourneen durch die USA, wo der Band aber der Durchbruch nie gelingen sollte, sowie durch die damalige Bundesrepublik, die in den kommenden Jahren ihr größter Markt war. Mit dem 1977 veröffentlichten "Gone to earth" eroberten BJH die deutschen Charts und legten 1978 mit "XII" einen ebenfalls gelungenen Nachfolger nach. Doch aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die musikalische Richtung verließ Woolly Wolstenholme 1979 die Band. In Trio-Formation mit zusätzlich angeheuerten Sessionmusikern eingespielt zeigte "Eyes of the universe", das erste Album nach dem Weggang von Wolstenholme, die neue musikalische Richtung, die weniger komplex, wesentlich kommerzieller ausgerichtet war. Dies mündete in spektakulären Verkäufen in Europa, wo man mit über einer halben Million verkaufter Alben schnell Platinstatus erreichte. Der Höhepunkt war ein kostenloses Konzert am 30. August 1980 vor dem Berliner Reichstag mit 175.000 Zuschauern.

In den folgenden Jahren erreichte die Gruppe zwar immer noch beachtliche Verkaufszahlen, doch verlor die Musik immer mehr an Gehalt. Am 14. Juli 1987 spielten BJH als erste westliche Rockband ein Open Air im Ostberliner Treptower Park vor 170.000 Zuschauern, wohingegen die Gruppe in den 90ern langsam aber stetig sowohl qualitativ abbaute als auch von den Verkaufszahlen her immer mehr von der Bildfläche verschwand. Ende der 90er taten sich John Lees und Wolly Wolstenholme wieder zusammen, um gemeinsam ein Album unter dem Bandwurmnamen "Barclay James Harvest Through The Eyes Of John Lees" zu veröffentlichen und mit älterem Material wieder auf Tour zu gehen. Les Holroyd werkelte derweil lieber an seinem Soloalbum.

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David Bowie (Großbritannien)


Heroes, 1977
David Bowie: Heroes

David Bowie kann man getrost als "Rock-Chamäleon" bezeichnen. Keiner wechselte im Laufe einer über 30jährigen Karriere häufiger Image und Stil. Begann er als Glitzerrocker "Ziggy Stardust", so mutierte er Mitte der 70er mit der LP-Trilogie "Station to station", "Low" und "Heroes" zu einem fast eiskalt wirkenden Musiker, wesentlich geprägt durch seinen damaligen Wohnort Berlin und die deutsche Elektronikmusik. Zur selben Zeit, als in London der Punk "hoffähig" wurde (die Debütplatte der Sex Pistols erschien im selben Monat) lieferte Bowie unter dem Einfluss Brian Enos mit "Heroes" den Prototyp einer kühlen, elektronischen New Wave ab, inhaltlich die Zukunfts- und Perspektivlosigkeit der Punkgeneration reflektierend. Kein Wunder, dass Titeltrack und anderes Material der Platte für den Film "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" verwendet wurden.

Wie "Low" gliedert" sich "Heroes" in zwei sehr unterschiedliche Seiten. Sind auf der ersten noch mehr oder weniger konventionelle Songs enthalten, befinden sich auf der zweiten fast nur Instrumentalstücke, die in ihrer Kälte fremdartig und doch faszinierend klingen, dabei deutliche Anleihen an Kraftwerk zeigen. Bowie lieferte mit dieser Platte (unter Zuhilfenahme von Robert Fripp als Leadgitarrist) eine Vorlage, die viele spätere New Wave Bands inspirierte -"Empire and Dance" von den Simple Minds oder frühe Ultravox-Alben wären ohne Bowie kaum denkbar.

Nach einer Live-Doppel-LP von der Tour wandte sich Bowie von der Elektronik ab und über die etwas experimentelleren Rockplatten "Scary monsters" und "Lodger" wieder eingängigen Klängen zu. Tiefpunkt war für viele seine Zusammenarbeit mit Nile Rodgers auf "Lets dance", das hitparadentauglichen Mainstreampop bot.

Danach hatte Bowie vom Solotrip genug und gründete die Band "Tin Machine", in der er nur "Gleicher unter Gleichen" sein wollte. Musikalisch deutlich aggressiver floppte dieses Konzept und Bowie wandte sich mit aufsteigender Tendenz wieder seinen Soloprojekten zu. Empfehlenswert sind "Outside" und Earthling" aus den 90ern.

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Electric Light Orchestra (Großbritannien)


Eldorado, 1974
Electric Light Orchestra: Eldorado

Bereits 1969 wurde das Electric Light Orchestra als Experimental-Plattform von Roy Wood, Jeff Lynne und Bev Bevan, drei ehemaligen Musikern von The Move, gegründet. Nach einer Aussage von Jeff Lynne wollten ELO "da anfangen, wo 'I am the walrus' von den Beatles aufhört". Von Beginn an stand hinter dem Konzept die Idee, eine Fusion von klassischer Musik und Rock 'n' Roll zu kreieren. Und so waren von Anfang an Cello und Geige ein fester Bestandteil des typischen ELO-Sounds, was ihnen jenseits des Atlantiks den netten Beinamen "die englischen Jungs mit den großen Fiddeln" einbrachte.

Ganz den eigenen Ansprüchen folgend tobte man sich auf der ersten LP nach dem damaligen Stand der Technik aus. Gegeneinander laufende Stile, gewollte Brüche, rückwärts eingespielte Soli, teilweise durch ein Megaphon aufgenommener Gesang - die Kritiker waren begeistert, aber Roy Wood wurde die Sache doch einfach zu ernst, so dass er die Band gleich wieder verließ, um die Formation Wizzard zu gründen. Ab diesem Zeitpunkt übernahm Jeff Lynne als Songschreiber und Produzent in Personalunion die vollständige Kontrolle und verfeinerte den Klassik-Rock-Ansatz im Laufe der Jahre immer mehr.

Zwar waren die nachfolgenden Alben weniger experimentierfreudig, doch schuf Lynne mit feinem Gespür für klassisch angehauchte, sinfonische Musik in Verbindung mit Soft Rock und eingängigen, aber keineswegs platten Melodien, eine interessante Symbiose. Der kommerzielle Erfolg gab ihm Recht, im Laufe der 70er gelangen dem Electric Light Orchestra mit Produktionen wie "Eldorado", "Face the music", "A new world record" und vor allem dem Doppelalbum "Out of the blue" satte Erfolge in den Alben- und Single-Charts. Zudem konnten ausverkaufte Tourneen dies- und jenseits des Atlantiks gefeiert werden. Mit dem etwas missglückten 79er Album "Discovery" biederte man sich dann recht offensichtlich bei der gerade auslaufenden Discowelle an.

In den 80ern wurden die klassischen Streicher immer mehr zurückgefahren und die Keyboards übernahmen diese Rolle. Mit etwas glattgebügelten, mehr synthetisch klingenden Alben wie "Time" oder "Secret messages" hatte Lynne sich zwar dem Zeitgeist angepasst, doch der Erfolg der Vergangenheit wollte sich trotz veritabler Singlehits wie "Hold on tight" oder "Rock 'n' Roll is king" nicht mehr ganz einstellen, so dass die Band Mitte der 80er von der Bildfläche verschwand. Als Produzent von z.B. George Harrison, den Travelling Wilburys, Tom Petty oder Joe Cocker blieb Jeff Lynne aber weiterhin erfolgreich.

"Eldorado", mit dem Untertitel als "A symphony by the Electric Light Orchestra", ist ein Konzeptalbum und präsentiert die musikalische Reise in eine Traumwelt. Unterstützt von einem 30 Mann starken Orchester sowie einem 20-köpfigen Chor gelingt es der Band, einen voluminösen sinfonischen Sound zu erzeugen. Mal verträumt ("Can't get it out of my head"), mal klassisch inspiriert ("Eldorado overture") oder auch einfach losrockend ("Illusions in G-Major") präsentieren ELO ein abwechslungsreiches, aber immer harmonisches, äußerst melodisches Kaleidoskop verschiedener Stile und Stimmungen. Dramatik, Bombast und geschickt arrangierte Melodien wurden von Lynne in eine kraftvolle Produktion verpackt, besonders das Zusammenspiel von Orchester und Band verleiht dem Album seinen besonderen Reiz und macht es zu einem Meilenstein der Bandgeschichte.

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Manfred Mann's Earth Band (Großbritannien)


Solar Fire, 1974
Manfred Mann's Earth Band: Solar Fire

Manfred Mann gründete nach seiner Jazzrock-Bigband "Chapter Three" die rocklastige Earthband. Dass er mehr als nur Ohrwürmer schreiben konnte, zeigte er ja schon auf seinen LPs mit der Manfred Mann Combo in den sechziger Jahren. Nach dem Jazzrock kam also nun wieder bodenständige, erdverbundene Musik zum Tragen.

War die erste LP noch eher orientierungslos, wenngleich eingängig, fand die Band mit "Glorified magnified" und "Messin'" zu ihrem Stil: klassische Rockmusik mit längeren Instrumentalpassagen, dem damals modernen Artrock verwandt, aber nie zu vertrackt. Mann selbst glänzte als Organist und Mini-Moogspieler und fand in Mick Rogers (Gitarre/Vocals) einen würdigen Gegenpart für instrumentale Duelle. Mit der vierten LP "Solar fire" kam der verdiente Erfolg. Basierend auf Holsts "Die Planeten" schufen die vier Musiker eine monumentale Klangwelt, kraftvoll und zugleich zerbrechlich-melodiös. Inbrünstige, treibende Gitarrensoli wechseln sich mit Manns Minimoog-Eskapaden ab. Alles wird von einer pulsierenden Rhythmustruppe zusammengehalten und mitgerissen. Darüber hinaus zeigt Mann wieder sein unbestreitbares Talent, sich in Fremdkompositionen einzufühlen wie in selbst geschriebenes Material: Auf dieser LP nimmt er sich Bob Dylans "Father of day, father of night" vor, das als Eröffnungsstück eine sakrale Atmosphäre aufbaut, die dem Thema der Platte gerecht wird.

Auch die folgenden LPs "The good earth" und "Nightingales & Bombers" zeigten die erste Earthband-Besetzung in bester Spiellaune und enthielten mit "Spirit in the nights" einen weiteren Band-Klassiker. Nachdem aber Rogers sich als festes Gruppenmitglied verabschiedet hatte (obwohl er neben Mann der einzige ist, der auf allen Studioplatten mitwirkte) gab es fortan keine Besetzung, die mehr als eine LP zusammen einspielte, was sich leider in der Qualität der Platten bemerkbar machte. Mit "Roaring Silence" und der nachfolgenden "Watch" war die Earthband auf dem kommerziellen Höhepunkt. Die Instrumentalpassagen wurden an den Rand gedrängt, die Songs hitparadentauglicher, ohne allerdings in zu flache Fahrwasser zu geraten.

Danach gab es einige recht orientierungslos wirkende Platten ("Angel station", "Chance", "Budapest"), die manche nette Hits lieferten, aber ansonsten vor sich hin plätscherten. Erst mit "Somewhere in Africa" lieferte MMEB wieder eine gute Produktion ab. Nach zwei weiteren Platten (Rogers war nun wieder festes Mitglied) und einer Neuauflage des "Joybringer" von 1973 auf "Masque" schloß sich das Kapitel Earthband für einige Jahre. Mann produzierte eine Soloplatte ("Plain music"). In den Neunzigern spielte die Earthband ab und an auf Festivals. Erst 1997 erschien mit "Soft vengeance" eine neue Studioplatte, diesmal mit einem weiteren Leadsänger (neben Chris Thompson). Allerdings war auch diese CD weit von der Qualität früherer Werke entfernt. Besser war da schon das bisher letzte Lebenszeichen: "Mann alive" - eine Doppel-CD mit Liveaufnahmen von der 1998er Tour.

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Queen (Großbritannien)


A Night at the Opera, 1975
Queen: A Night at the Opera

Keine Frage: Queen gehörten während ihrer fast 20jährigen Karriere und gehören sogar noch heute, über zehn Jahre nach dem Tod von Freddie Mercury, zu den besten und zugleich kommerziell erfolgreichsten Rockbands der Welt. Sie reihten Hit an Hit, verkauften ihre Alben in Gold- und Platinauflagen und füllten überall auf dem Globus problemlos die großen Stadien.

Queen gingen 1970 in London aus der erfolglosen Band Smile hervor. Mitglieder waren der in Sansibar als Frederick Bulsara geborene Freddie Mercury (Gesang, Tasten), Brian May (Gitarre), Roger Taylor (Schlagzeug) und John Deacon (Bass). Bis 1974 dauerte es, bevor die Gruppe mit der LP "Sheer heart attack" und der Gold-Single "Killer queen" den weltweiten Durchbruch schaffte. Von diesem Zeitpunkt an war der Erfolg der Briten nicht mehr aufzuhalten. Ihnen gelang wie kaum einer anderen Rockband die perfekte Mischung aus theatralischem, opernhaftem Kitsch (Sinnbild dafür war der charismatische Frontmann und Paradiesvogel Freddie Mercury, vor allem im schwarzweißen Phantasiedress der frühen Jahre), aus krachendem Rock, einfühlsamen Balladen, verarbeitet in intelligenten Arrangements mit Versatzstücken aus Pop, Funk und aktuellen Trends. Hinzu kamen massentaugliche Hymnen wie etwa das bei so vielen Sportveranstaltungen missbrauchte "We are the champions".

Nicht zuletzt mit intelligenten Studiotüfteleien überraschten Queen immer wieder ihre Fans, boten allerdings gleichzeitig den Kritikern jede Menge Angriffspunkte. Letztere warfen ihnen immer wieder ihren Überperfektionismus vor, die Neigung, keinen technischen Trick auszulassen, die Gefahr, im Studio- und Tournee-Aufwand gleichsam zu ersticken. Die Anhänger genossen hingegen die überdrehte, aufgeblasene Materialschlacht ganz offensichtlich. Gerade bei Konzerten offenbarten Queen ihre wahren Stärken. Schade allerdings, dass die Band jäh und leider viel zu früh durch den Tod ihres Sängers am 24.11.1991 gestoppt wurde.

Das 1975 aufgenommene "A night at the opera" gilt für viele als das Meisterwerk von Queen. Over-the-top-Effekte mit mehrfach übereinander gelegtem Chorgesang und bizarren Gitarrensounds, mächtige Klangwelten und stilistische Vielfalt offenbaren die breite musikalische Palette des Quartetts. Das Ganze gipfelt in der "Bohemian rhapsody", die in nur sechs Minuten das vielschichtige Klangspektrum von Queen komplett aufzeigt. Der Titel entstand aus den zu einem Song vereinigten Ideen zu drei verschiedenen Liedern. Doch ist "A night at the opera" gerade durch die extreme stilistische Vielfalt widersprüchlich und folglich nicht unbedingt ein Album, das jedem von vorne bis hinten gefallen muß. Unzweifelhaft dokumentiert es aber eindrucksvoll, wie weit sich die Gruppe auf höchst unterschiedliches Terrain vorwagte und mit welcher Klasse sie dabei operierte. Da stehen auf der einen Seite Stücke wie "Lazing on a Sunday afternoon" oder "Seaside rendezvous" - Ragtime-inspirierte, jazzartige Ausflüge in die 20er und 30er Jahre; oder das schlicht gehaltene, von Brian May komponierte und gesungene akustische Bravourstück "'39", ferner die herzerweichende Ballade "Love of my life", auch die eher poppige Deacon-Nummer "You're my best friend". Im krassen Gegensatz dazu: Rockkracher wie Roger Taylor's "I'm in love with my car" und "Death on two legs", die den Hardrock hinreißend mit sinfonischen Elementen verbinden, und schließlich der über achtminütige, sehr abwechslungsreiche "Prophet's Song", die wahrscheinlich "progressivste" Nummer von Queen überhaupt.

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Supertramp (Großbritannien)


Crime of the Century, 1974
Supertramp: Crime of the Century

Supertramp wurde 1969 von Keyboarder Rick Davies sowie Bassist und Sänger Roger Hodgson gegründet. Zur Anfangsbesetzung gehörten zudem Gitarrist Richard Palmer und Schlagzeuger Robert Millar. Ursprünglich sollte der Bandname "Daddy" lauten, der Name "Supertramp" wurde von Palmer vorgeschlagen. Er basiert auf der 1910 erschienenen "Autobiography of a Supertramp" des britischen Schriftstellers W. H. Davies.

Das 1970 erschienene unbetitelte Debütalbum bot schönen melancholischen Art Rock mit teilweise starkem Prog-Einschlag wie im 12-minütigen "Try again", blieb aber weitgehend unbeachtet. Palmer und Millar verließen daraufhin die Band (Richard Palmer arbeitete später als Lyriker für King Crimson). In veränderter Besetzung folgte 1971 "Indelibly stamped", ein Album, das weniger durch die Musik als durch das Cover (eine tätowierte weibliche Brust) Aufsehen erregte. 1973 formierte sich schließlich die "klassische" Supertramp-Besetzung, die genau zehn Jahre Bestand haben sollte: neben Hodgson, der mittlerweile auf die Gitarre umgestiegen war, und Davies, der nun ebenfalls als Sänger fungierte, spielten Bassist Douglas Thomson, Schlagzeuger Bob Siebenberg sowie John Helliwell (Saxophon und Klarinette). Mit "Crime of the century" begann 1974 der Aufstieg der Band.

"Crime of the century" erzählt in acht Songs Episoden aus dem Leben verschiedener imaginärer Personen. Zusammen ergeben die Stücke eine Art Lebenslauf von der Jugend bis zum Tod. Es geht um Themen wie eine verkorkste Schulzeit ("School", "Bloody well right"), Einsamkeit ("Hide in your shell"), zerbrochene Illusionen ("Rudy"). Entsprechend herrschen eher melancholische Töne vor, wenngleich es auch Songs wie das bizarre "Asylum" oder das zynische "Bloody well right" gibt. Dabei gelingt der Gruppe die Symbiose von Eingängigkeit und musikalischem Anspruch.

Die atmosphärische Dichte von "Crime of the century" erreichten Supertramp danach nicht mehr. Auf ihren Folgealben wandten sie sich immer mehr von progressiven Klängen ab, bis mit "Breakfast in America" (1979) und "Famous last words" (1983) reine Pop-Alben entstanden. 1983 trennte sich Roger Hodgson von der Band, so dass Rick Davies als alleiniger Sänger und Komponist agierte. Überraschend zeigten sich Supertramp auf "Brother where you bound" (1985) noch einmal von einer deutlich progressiveren Seite, aber schon mit dem folgenden "Free as a bird" (1987) landeten sie im Sumpf des Hitparaden-Einerlei. Nach dem schwachen "Live '88" trennte man sich.

Im Zuge der 70er Jahre Revivals wurden Supertramp Mitte der 90er Jahre reformiert, von der alten Besetzung sind Rick Davies, John Helliwell und Bob Siebenberg wieder dabei, dazu Mark Hart (Gesang, Keyboards, Gitarre), Cliff Hugo (Bass), Carl Verheyen (Gitarre) und Lee Thornburg (Trompete, Posaune). 1997 erschien mit "Some things never change" ein neues Studioalbum, das trotz einiger interessanter Songs nicht an die alten Glanzzeiten heranreichte.

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Tipps abseits der Hauptliste

Cockney Rebel (Großbritannien)


The Psychomodo, 1974


Mit ihren ersten beiden Alben "Human Menagerie" und "Psychomodo" schuf die Band um den charismatischen Sänger Steve Harley zwei Meilensteine des Art Rock. Eingespielt fast ohne Verwendung von Gitarren (Harley hegte einen tiefen Abscheu vor allem gegen elektrische Gitarren), dafür mit sehr dominanter Violine zelebrieren Cockney Rebel eine eindrucksvolle Melange aus Elementen von Glam Rock, Folk, Jazz und Klassik, die vor allem auf "Psychomodo" sehr homogen daher kommt, was wohl auch an der Produktion von Alan Parsons liegen dürfte. Durchgeknallte Songs wie "Mr. Soft", mit Schunkelrhythmus und Don Kosaken-Chor, harmonieren hier mit dramatischen Orchesterstücken, Kitschballaden und Varietéstücken. Und diese Stimme... einmalig! Das Debüt "Human Menagerie" klingt im Vergleich dazu noch unausgereift, enthält aber das dramatisch-symphonische "Sebastian", das wohl bekannteste Stück der Gruppe.

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Procol Harum (Großbritannien)


Live with the Edmonton Symphony Orchestra and the Da Camera Singers, 1972


Procol Harum gehörten zu den ersten Bands, die Elemente klassischer Musik in ihren Songs verarbeiteten, ihr 1967 entstandener Erfolgstitel "A Whiter Shade of Pale" entstand nach Motiven einer Bach Kantate. Die markante Stimme des Sängers Gary Brooker, wie geschaffen für die oft düstere Lyrik des Texters Keith Reid, dazu das klassisch inspirierte Orgelspiel Matthew Fishers, sowie die recht bluesige Gitarre Robin Trowers bildeten die Hauptingredienzen der frühen Procol Harum Alben. Während die meisten ihrer Platten neben grandiosen Klassik-Art-Rock Epen (herausragend: "A Salty Dog" von 1969) einiges an schwächerem Füllmaterial enthalten, versammelt das 1972 erschienene Livealbum die besten Songs ihrer frühen Jahre mit der langen Suite "In Held 'twas in I" (in jüngster Zeit von Transatlantic gecovert) als Höhepunkt.

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The Who (Großbritannien)


Who's Next, 1971


Pete Townshend und die Who waren eine der großen Bands in den sechziger Jahren, bekannt als Lieferanten von Power-Singles wie "My generation". Dass sie auf ihren LPs andere Wege gingen, fiel zunächst nur wenigen auf. Nachdem sie schon mit "The Who sell out" (1967) ein erstes Konzeptalbum veröffentlicht hatten (die Songs waren in eine fiktive Radiosendung mit Werbejingles eingebettet), folgte 1969 der große Durchbruch mit "Tommy". In den Siebzigern entdeckte Townshend den Synthesizer. Für drei Studioplatten wurde dieser - neben dem klassischen Rockinstrumentarium einer Viermann-Band - zum bestimmenden Element der Who-Musik.

Auf dem 1971 erschienenen "Who's next" erzeugte Townshend mit dem Synthesizer in Songs wie "Baba O'Reilly" oder "Won't get fooled again" treibende Rhythmen, über denen die Band ihren kraftvollen Rock spielte. Die Who blieben zwar eine klassische Rockband, erweiterten aber ihre Klangvorstellungen ungemein. Der Synthesizer verkam dabei nicht zum Gimmick, sondern blieb integraler Bestandteil des Sounds. Townshend machte ihn im Soundtrack zum Film "Tommy" anstelle der Gitarren des Originalalbums zum bestimmenden Melodieinstrument. (Leider waren die Sangesleistungen der SchauspielerInnen nicht auf demselben Niveau). Ähnliches gilt für die zweite große "Rockoper" der Band "Quadrophenia" (1973) und für ihr letztes Album in Originalbesetzung: "Who are you" (1978).

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