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Golem

Orion Awakes

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1996 (CD-Reisse 2009, Lion Productions)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Krautrock; Spacerock
Label: Psi-Fi
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Willi Berghoff Guitars
Manfred Hof Organ, Mellotron, Synthesizer
Mungo Bass
Joachim Bohne Drums
Rolf Föller Guitar

Tracklist

Disc 1
1. Orion Awakes 7:24
2. Stellar Launch 7:36
3. Godhead Dance 6:34
4. Jupiter & Beyond

1. Signal
2. Noise
3. Rebirth

14:25
5. The Returning 6:33
Gesamtlaufzeit42:32


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


These recordings were made between 1972 and 1974 using studios in and around Cologne. They were originally produced for the Pyramid label and some were released in tiny quantities and mostly sold in art galleries and the like - this is probably why they have remained so obscure, even among 'experts'..... until this release. The 'Mad Twiddler' responsible for their existence also worked with Stockhausen, Can, The Cosmic Jokers and many more. Although memories from that time are beyond repair in many cases the tapes remain to bear witness to this creative and anarchic scene."

So, so ... oder, warum eigentlich nicht? Könnte doch so gewesen sein. Warum sollte sich jemand die Mühe machen so etwas zu erfinden und gefälschte Musik auf den Markt bringen. Gefälschte Musik? Also gut, die Musik ist natürlich echt. Nur die Geschichte dazu stimmt nicht.

Mitte der 90er Jahre erschien - immerhin bei Virgin Records - eine dreiteilige Kompilation mit dem Titel "Unknown Deutschland: The Krautrock Archive". Als Begleittext war diesen Scheiben der eingangs zitierte Text beigegeben. Die dort vertretenen Bands nannten sich u.a. Cozmic Corridors, Galactic Travellers, Golem, Temple, Pyramid, The Nazgûl, Fuerrote, Baal, Chronos, Spirulina und Astral Army. Wenig später (1996 und 1997) wurden auf einem Label namens Psi-Fi ganze Alben von sechs dieser Bands veröffentlicht (siehe auch "The Nazgûl"). Ursprünglich seien diese Mitte der 70er Jahre in kleinster Auflage von einem kleinen Plattenlabel aus Köln namens Pyramid veröffentlicht worden, hieß es, und bei Kunstausstellungen unters Volk gebracht worden. Die meisten seine allerdings an Freunde der beteiligten Musiker gegangen. Aufgenommen worden sei die Musik in Dieter Dierks´ Studio, teils von bekannten Krautrockgrößen und Studiomusikern, heimlich natürlich, um bestehende Plattenverträge nicht zu verletzen. Die Bands haben natürlich meist nie als solche existiert. Es seien einmalige Studioprojekte gewesen, die erst nachträglich einen Namen verpasst bekamen. So könnte es doch durchaus gewesen sein!

Allerdings gibt es bis heute keinen Hinweis dafür, dass an dieser Geschichte etwas Wahres dran ist. Kaum einer der in den Beiheften zu findenden Namen führte zu einer real existierenden Person. Bis dato ist kein damals in oder um Köln ansässige Musiker, Produzent oder Toningenieur vorgetreten und hat seine Beteiligung an einem der Projekte bestätigt (ganz zu schweigen von Dieter Dierks). Eine Original-LP von Pyramid wurde nie gesichtet. Es gibt allerdings Gerüchte, die behaupten, dass die Musik erst Anfang bis Mitte der 90er Jahre entstanden ist und dass ein gewisser Toby Robinson (vermutlich der 'Mad Twiddler') und eine bestimmte britische Neopsychedelik- und Spacerockband aus dem Umkreis des Labels Acme etwas damit zu tun hätte. Das sind aber natürlich auch nur Gerüchte.

Die sechs psi-fi-CDs sind schon lange vergriffen. Doch wurde kürzlich eine davon - "Orion Awakes" von Golem - wieder aufgelegt (vielleicht folgen die anderen ja nach). Im Beiheft der CD von Lion Productions ist ein umfangreicher Text über die Authentizität der Musik zu finden. Der Schreiber scheint allerdings, wie auch die Mehrzahl der Stellen im weltweiten Netzt die sich mit der Scheibe beschäftigen (insbesondere diverse CD-Versender), davon auszugehen, dass es sich hier wirklich um Aufnahmen aus dem Deutschland der 70er Jahre handelt. Am Ende schliesst er zumindest mit einem Zitat der Freeman-Brüder: "Golem comes across as a lost classic of Krautrock without a doubt." Ich habe da aber erhebliche Zweifel.

Zur Musik. Die ist eigentlich sehr fein. Spacerock und Neopsychedelisches gibt es hier zu hören, kosmisch voranmäandernde E-Gitarren, viel Feedback, Orgelwabern, ein paar elektronische Klanggespinste, etwas Mellotrongeflöte und viel spaciges Gejamme. Das klingt ein wenig wie eine Mischung aus Gila (die erste Inkarnation der Band) und Ash Ra Tempel, versehen mit einem guten Schuss Gong und Hawkwind. Das letzte Stück ("The Returning") rockt etwas härter und wirkt wie Black Sabbath auf einem Spacetripp. Hier scheint es fast so, als wäre eine ganz andere Band zu hören als auf den ersten 4 Nummern. "Orion Awakes" ist alles in allem sehr gut gemacht, druckvoll und fast authentisch produziert, klingt aber doch ein wenig zu gut, um als heimliche Feierabendproduktion aus den 70ern durchzugehen. Wäre das Material damals (also 1996, dem Erscheinungsjahr der psi-fi-CD) als das veröffentlicht worden was es ist, eine Aufnahme einer britischen Band aus der Mitte der 90er Jahre, hätte die Scheibe als gelungenes Spacerock- und Retrokrautalbum in entsprechenden Kreisen sicher gute Kritiken bekommen. So waren Teile dieser Kreise (meist in den USA oder Großbritannien) über diesen verlorenen Klassiker entzückt.

Wer somit Spacerock, Neopsychedelisches und Retrokrautrock schätzt, der sollte hier einmal reinhören! Und ein ziemlich originelles Dokument einer seltsamen Fälschergeschichte kann man hier zudem auch erstehen. Dass man mit einem angeblich nie veröffentlichten, in irgendwelchen geheimnisvollen Archiven wieder aufgefundenen Album der Beatles Geld machen könnte ist klar. Aber wen interessiert schon ein vermeintlich obskures Krautrockalbum? Nun, erstaunlicherweise haben sich die psi-fi-Scheiben ja ganz gut verkauft und sind schon seit langem vergriffen. Das kann man wohl nur damit erklären, dass es Mitte der 90er unter Musikfreaks zu einem erhöhten Interesse an Krautrock kam. Nicht von ungefähr erschienen fast zeitgleich zu den Falschkraut-CDs drei umfangreiche Bücher zum Thema (alle 1996): Julian Copes "Krautrocksampler. One Head´s Guide To The Große Kosmische Musik", Dag Erik Asbjornsens "Cosmic Dreams at play: A guide to german progressive and electronic rock" und "The Crack In The Cosmic Egg" von Steven Freeman und Alan Freeman. Die Freeman-Brüder sind übrigens die einzigen die die Pseudokrautbands in ihren Werken erwähnen und wohl bis heute deren Echtheit verteidigen (siehe das Zitat weiter oben).

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.10.2010
Letzte Änderung: 26.3.2017
Wertung: 9/15

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