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Close to the Edge. How Yes's Masterpiece defined Prog Rock (20.11.2017)
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Muse

Black Holes & Revelations

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; New Artrock
Label: Warner Music Group
Durchschnittswertung: 9.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Matthew Bellamy Gesang, Gitarre, Klavier, Keyboards
Christopher Wolstenholme Bass, Backgroundgesang
Dominic Howard Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Take a Bow 4:34
2. Starlight 4:00
3. Supermassive Black Hole 3:29
4. Map Of The Problematique 4:19
5. Soldier's Poem 2:04
6. Invincible 5:00
7. Assassin 3:31
8. Exo-Politics 3:53
9. City Of Delusion 4:49
10. Hoodoo 3:43
11. Knights of Cydonia 6:07
Gesamtlaufzeit45:29


Rezensionen


Von: Michael Hirle @ (Rezension 1 von 3)


Eigentlich könnt ich meine Rezi zu "Black Holes & Revelations" schon nach einem Wort abschließen: Klassiker! Punkt! Aus! Nein, der Erfolg ist nicht der alleinige Beweis. Die Songs haben schon noch ein Wörtchen mitzusingen.

An Muse kam man in den letzten Jahren einfach nicht vorbei, sei es in Kino- und Fernsehtrailern, den großen Radiostationen (die zwischen Lady Gaga und Milow gerne einmal ne rockige Nummer einschieben) oder als der geneigte Klatschleser, dem Matthew Bellamy als Verlobter von Kate Hudson inzwischen auch ein Begriff sein sollte. Medienpräsenz hin oder her, den perfekt produzierten Songs kann man sich einfach nicht entziehen. Sie zünden beim ersten Mal hören und fressen sich dann tief in die Hirnrinde. Das gabs das letzte Mal ... ja richtig ... bei Queen! Überhaupt schwingt der Geist der Pomp-Rocker jede Sekunde mit. Sei es in den hymnischen Refrains, den mehrstimmigen Chören, den Gitarrensoli, der Produktion. Da sitzt einfach alles! Das ist großes Kino und wie gemacht für den imaginären Film, der sich tagtäglich in uns abspielt. Ja, das ist Popcorn für die Ohren, aber auch Balsam für die Seele, denn dieser Musik wohnt auch etwas Reinigendes inne. Nicht wenige hat "Starlight" schon über holprige Zeiten getragen, nicht wenige "Assassin" oder "Knights of Cydonia" Morgens in den Arsch getreten, wenn der anstehende Tag wieder Unerträgliches erwarten ließ.

Prog im klassischen Sinne ist dies natürlich nicht. Radiohead, Anathema, die neuen Marillion, Porcupine Tree, Oceansize, das sind die unmittelbaren Nachbarn, aber doch nur ein Rahmen, für ein ganz eigenes Klanguniversum. Symphonische Keys türmen sich über treibende Riffs, perlende Pianopassagen geben dem ganzen den Hauch von Melancholie, der den New- und Art-Rock-Bands einfach innewohnt. New Prog = Emo für Anspruchsvolle? Oder doch Queen, ELO 2.0? Vielleicht beides. Das mag vielleicht auch den große Erfolg erklären. Der ELO- und Genesis-Fan aus den 70ern fühlt sich ebenso angesprochen wie der Jugendliche von Nebenan. Wer einmal auf einem Muse-Konzert war, weiss wovon ich spreche. Und das im Publikum nicht nur Fans wie du und ich stehen, sondern auch erfolgreiche Musiker, deren Musik selbst nicht unbeeinflusst bleibt, ist auch kein Geheimnis. Dream Theater, Gazpacho, Porcupine Tree ... die Prog-Landschaft würde ohne Muse anders aussehen. Nur Großes kann Großes beeinflussen.

Auch wenn der Nachfolger doch zu hoch griff und nur mehr wenig Neues hervorbrachte, diesen Klassiker wird man Muse nicht mehr nehmen. Das ist der Prog für die Generation Facebook. Wie gesagt, ein Klassiker, dem bereits drei Hauseigene vorangingen.

Anspieltipp(s): Take a Bow, Starlight, Knights of Cydonia
Vergleichbar mit: Queen, Radiohead, ELO
Veröffentlicht am: 17.5.2011
Letzte Änderung: 17.5.2011
Wertung: 13/15
pausbäckiger Rock, der dem Prog neues Leben einhauchte.

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 2 von 3)


Die Frage, ob Muse musikalisch zum Prog beigetragen haben, ist fast sekundär angesichts der unbestreitbaren Tatsache, dass sie zumindest einen Beitrag zur vermehrten Verwendung des Begriffs Prog geleistet haben. Ferner haben sie auch die internationale Nebelkerzen-Industrie stark angekurbelt. Denn Begriffe sind für die Presse eigentlich doch am schönsten, wenn sie gar nix bedeuten. Da ist der Ausdruck Prog vielleicht noch zu gefährlich, denn womöglich bedeutet der am Ende ja doch etwas? Also nennt man das Ganze "New Prog" - das heißt garantiert nix.

Nun sind das alles Dinge, für die man die Gruppe schlecht verantwortlich machen kann. Sie hat schließlich Musik auf ihre CDs gepresst und keine Begriffsdefinitionen. Man könnte daher einfach sagen: Wer Muse "new" findet, ist offenbar noch nicht sehr lange auf der Welt. Denn für den, der noch am Anfang steht, ist ja verständlicherweise alles irgendwie neu. Und wer die CD als reinrassigen Prog preist, weiß nicht, wovon er redet.

Mir scheint nur, dass damit ein ziemlich imaginäres Feindbild aufgebaut wird: Denn gibt es wirklich jemanden, der dieses Album ernsthaft als neuartigen, reinrassigen Prog empfindet - mal abgesehen davon, dass es selbst ja schon ein paar Jahre alt ist? Sind sich nicht eigentlich alle, die man halbwegs ernst nehmen kann, darüber im Klaren, dass es hier mehr um "gefühlten" Prog geht - um Musik, die irgendwie etwas mit der Sache zu tun zu haben scheint, obwohl man beim näheren Hinhören wenig findet, was den Eindruck auch im Detail stützt? Auch mein Vorschreiber - immerhin mit 13 Punkten am Start - weist sich mit der Bezeichnung "pausbäckiger Rock" nicht unbedingt als unfähig zur ironischen Differenzierung aus.

Das Album bietet jedenfalls weder großformatige, den Airplay-Erfolg bedrohende Kompositionen noch Rhythmen oberhalb der besseren Pop/Rock-Komplexitätsschwelle. Es gibt zwar viel Eklektizismus, aber die entscheidenden Bruchstücke sind nicht bei Klassik, Jazz oder Avantgarde aufgesammelt, sondern eben aus der großen Pop- und Rocksammelkiste zusammengeklaubt - queenige Gesänge, U2iges Dahinschleppen, aber auch geradezu glamrockartige Passagen, die mich an die selige Chinn/Chapman-Hitfabrik aus den 70ern erinnern. Ja, genau: Track 11 "Knights of Cydonia" hört sich im zweiten Teil so an, als sei er direkt aus dem Album "Sweet F.A." der verschrieenen Teenie-Band "Sweet" ausgekoppelt. (Wer das Sweet-Album nicht kennt, sollte schwer vorsichtig sein, an dieser Stelle bloß kraft allgemeiner Vorurteile zu protestieren).

Der 80er Jahre-Hitparaden-Pop ist ebenfalls nicht zu überhören. In "Starlight" beispielsweise dudelt eine Pianofigur herum, die nach einem simplifizierten "I like Chopin" von Gazebo klingt. Dann natürlich melodiöser 70er-Hardrock: Mal eben im Gedankenexperiment "City of Delusion" mit der Stimme von Ronnie James Dio vorgestellt - aha, ich höre einen Regenbogen, sogar die Streicher sind dabei! Und so weiter, und so weiter, man wird alle Augenblicke mit etwas anderem fündig, allerdings nie etwas Neuem, sondern immer nur mit schon Gehabtem, bereits Abgehandeltem, Rückwärtsgewandtem. Sollte diese Platte also tatsächlich Prog sein, dann wäre Retro-Prog die einzig zutreffende Kategorie.

Woher speist sich aber überhaupt der bei vielen herrschende Eindruck, dass diese Art Musik doch auch irgendwie zum Prog gehört? Wie in der Abteilung "Postrock" scheint vor allem die melancholische Ernsthaftigkeit der springende Punkt zu sein, mit der hier über weite Strecken zu Werke gegangen wird. Melancholie deutet Tiefe an, und Tiefe ist proggig. Zumindest proggiger als hyperaktives Castingshow-Gehopse.

Wie finde ich das Ganze nun? Selbst ein alter Knacker frage ich mich immer, warum seit vielen Jahren Musik im geriatrischen Schneckentempo so erfolgreich ist. Eine japanische Spitzenband, die echten Prog in den Knochen hat, hätte sämtliche Noten aus "Black Holes and Revelations" bereits nach zehn Minuten verballert. Lahmheit geht mir auf´n Wecker. Zum zweiten mag ich die oft holzigen Rhythmen auf dem Album nicht. Was für ne Vorstellung, dass lauter junge Progdrummer so spielen als seien sie Wiedergänger eines greisenhaften Alan Whites!

Ansonsten ist das ein durchaus abwechslungsreiches Album, und es gibt auf den BBS sicher ein paar hundert andere CDs, die nicht im mindesten proggiger sind. Bevor ich mir beispielsweise "Sky 2" nochmal freiwillig antue, höre ich lieber für den Rest meines Lebens "Black Holes and Revelations". Auch so mancher Neoprog-Kitsch wird von Muse glatt aus dem Feld geschlagen. Wahr, aber auch wichtig?

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.5.2011
Letzte Änderung: 6.3.2012
Wertung: 9/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 3 von 3)


Sind Muse Prog oder doch Mainstream? Tja. Nicht zuletzt habe ich mir diese Platte ihrerzeit zusammen mit ihren beiden Vorgängern gekauft, weil ich der Ansicht war, damit eine der einflussreichsten Rockbands des 21. Jahrhunderts im Regal stehen zu haben. Zugegebenermaßen ein schwaches Argument, mit dem ich ebenso eine Beschäftigung mit Franz Ferdinand, Coldplay oder Arcade Fire hätte rechtfertigen können.

Aber reden wir doch mal von der Musik. "Take A Bow" bringt das pompöse Arpeggio als elementares Muse-Stilmittel wohl auf den Punkt, begleitet von etwas hackiger Rhythmusarbeit. Ich kann's mir nicht verkneifen, dass sich Beinhart-Progger hier wohl mehr von den Retro-Keyboardsounds als vom schon andernorts erwähnten Queen-Pathosgesang angesprochen fühlen sollten. Letzterer wird natürlich das ganze Album hindurch zu hören sein. "Starlight" und "Supermassive Black Hole" dagegen stehen vor allem "dank" ihrer vorwiegend gemäßigten melodramatischen Melodik mehr in der Popecke. Auch die rhythmischen Begleiterscheinungen (sägender Bass in "Starlight", elektronischer Stampfrhythmus in "Supermassive Black Hole") sind lediglich Beiwerk. Immerhin darf sich der "Starlight"-Refrain für Bandverhältnisse "gediegen" nennen. Unterm Strich angenehme Radiosachen (so angenehm, wie "Radiosachen" halt werden können), aber auch nicht mehr.

Spannender ist "Map Of The Problematique": Eine schöne, zugleich luftige und wabernde Atmosphäre von hallenden Pianoläufen und schönen Harmoniefolgen lässt etwas vom gerne bemühten NuProg-Bezug erahnen. Die Chanson-artige Ballade "Soldier's Poem" fällt aus dem Rahmen; mich persönlich erinnert's an die paar Takte, die ich mal von Radioheads "Hail To The Thief"-Album ("Stand Up, Sit Down") gehört habe. Ergo experimentell, aber unspannend.

"Invincible" ist eine ähnliche Aus-dem-Rahmen-Fall-Nummer. Marschtrommeln und Blaskapellen-Pathos gab's allerdings im Indie-Bereich schon öfter zu hören als auf allen Pink-Floyd-Alben (u.a. "Corporal Clegg", "Bring The Boys Back Home") zusammen. Insgesamt also nichtig, dieses Stück. Immerhin zieht "Assassin" das Tempo wieder an und klingt dank des vertrackten Riffings sogar ansatzweise frickelig; meine spontanen Assoziationen gelten hier aber Aggro-Metal von System Of A Down bis Ektomorf.

"Exo-Politics" lehnt sich kompositorisch ein wenig an die Lieder Nr. 2 und 3 an. Ergo läuft dieses Stück an mir vorbei, trotz seiner düsteren Grundstimmung. Was angesichts der Akustikgitarre am Anfang vom folgenden "City Of Delusion" noch auffällt, ist der gravierende Mangel an klanglicher Wärme auf dem Album bis hierhin. Unterm Strich eines der besseren Lieder dieses Albums, und die völlig kitschigen Orient-Streicher muss ich nichtsdestotroz als guten Einfall bezeichnen.

Den Abschluss von "Black Holes And Revelations" bildet mit "Hoodoo" und "Knights Of Cydonia" das Songduo, das vermutlich zum mancherorts geäußerten Ennio-Morricone-Ruf des Albums beigetragen hat. Zu beginn von ersterem Song, der ziemlich zerrissen anfängt und dann noch mal das klassische Piano-Pathos von "Origin Of Symmetry" in Erinnerung ruft, ertönt eine nach "Spiel mir das Lied vom Tod" klingende archaische Zerrgitarre. "Knights Of Cydonia" fährt im Intro sogar noch mal alle Register des Filmkomponisten auf und entwickelt sich anschließend als treibende Rocknummer wohl auch zum Höhepunkt des Albums, gipfelnd im pathetischen Beinahe-A-Capella-Part.

Unterm Strich finde ich viel mäßig spannenden Leerlauf auf diesem Album und nur wenige gute Sachen. In den eher langweiligen Songs schielen Muse wohl zu sehr auf den Mainstream und lassen dabei die alten, aber spannenden Kompositionsschemata insbesondere des vielgelobten Zweitalbums allzuoft hinter sich. In diesem Vergleich fehlen einfach die dominanten Klaviereinsätze und die bittersüßen Melodien von Songs wie "Space Dementia". Einen Klassiker mag ich dieses Album nun wahrlich nicht nennen.

Und Prog? Hahaha. Unterm Strich wollen doch alle lieber fragwürdigen Diskussionsstoff als kreuzbrave Biederware. Konfrontation ist doch ziemlich aufladend, wie jeder im Physikunterricht zur Elektronstatik gelernt haben sollte.

Anspieltipp(s): City Of Delusion, Knights Of Cydonia
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.5.2011
Letzte Änderung: 18.6.2011
Wertung: 6/15

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