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The Sunpilots

King of the Sugarcoated Tongues

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012 (27.04.)
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; New Artrock
Label: Honeytrap /Rough Trade
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Raj Siva-Rajah vocals
Bob Spencer guitar
Justin Kool bass
Tom McGirr drums

Tracklist

Disc 1
1. Prologue: 3 Minutes to Midnight 5.53
2. Chapter I: King of the Sugarcoated Tongues 4.55
3. Chapter II: The Captain 8.33
4. Chapter III: God Science 4.34
5. Chapter IV: Sex and TV 6.56
6. Chapter V: Rain 5.45
7. Chapter VI: The Piper's Mirror 4.07
8. Chapter VII: Exodus 7.40
Gesamtlaufzeit48:23


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Zunächst war ich etwas skeptisch: sind The Sunpilots möglicherweise eine dieser Bands, die mit einem etwa zehnprozentigem Prog-Anteil ihre Musik etwas anspruchsvoller erscheinen lassen wollen? Weit gefehlt: "The Kings Of The Sugarcoated Tongues" überzeugte mich als eine Story in sieben Kapiteln, die von einem charismatischen und wandlungsfähigen Gesang des Frontmannes Raj Siva-Rajah auf spannende Weise vermittelt wird.

In der Konzeptgeschichte des Albums geht es um die weit verbreitete Situation in den sog. industrialisierten Ländern. Es geht um Abhängigkeit von Medien und Maschinen und um darunter leidende Denkfähigkeit. Es geht also um gefährliche Anfälligkeit gegenüber Inhalten, Lebensweisen und Ideen, die damit einhergehen. Im letzten Kapitel der Geschichte wird sogar zum Umsturz aufgerufen. (Seltsamerweise lebt wohl die Mehrheit der Menschheit noch immer in der Hoffnung die so kritisierte Industrialisierung zu erreichen. Aber das nur am Rande).

In dem Bemühen die Musik von The Sunpilots einzuordnen werden schon mal Namen wie Led Zeppelin, Pink Floyd, A Perfect Circle, Muse und Incubus genannt. Meines Erachtens bringen solche Vergleiche in diesem Fall sehr wenig. Ich verstehe The Sunpilots als eine Alternative Progressive Rock-Formation. Die Musik der Band basiert zwar ursprünglich auf Alternative Rock, aber die erzählerische Darbietung des Sängers, die durch die anspruchsvollen, mit zahlreichen Übergängen und Wendungen versehenen Kompositionen und durch die exponierten Texte erst ermöglicht wird, scheint eher bei den theatralischen Frontmänner des Progressive Rock anknüpfen. Einige Einfälle weisen auch eine gewisse Eingängigkeit auf, die sich mit prog-orientierten Passagen die Waage hält. Hin und wieder klingt das Gebotene für mich wie eine Begegnung zwischen Rush, Queen und Coheed and Cambria. Die Musik wechselt schon mal zwischen Alternative Rock, Neoprog und hartem Rock.

Dank Werken wie "The Kings Of The Sugarcoated Tongues" braucht sich niemand um die Zukunft des konzeptorientierten Progressive Rock - diesmal als komplexe Ausführung des Alternative Rock getarnt - sorgen zu machen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.4.2012
Letzte Änderung: 21.4.2012
Wertung: 11/15

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 2 von 2)


Die Sunpilots leben ihren Rockstar-Traum. Eigentlich aus Australien, beschlossen sie wohl so um 2010 den Sprung nach Europa zu wagen, um sich dort als Rockband zu etablieren. Sie setzen vollkommen auf den 'independent' Ansatz und machen alles selbst. Sie verschenken ihre Musik, um möglichst bekannt zu werden. Sie sind ununterbrochen auf Tour, um ihre Musik vor möglichst vielen Menschen live zu präsentieren. Ihren europäischen Stützpunkt haben sie in Berlin aufgeschlagen. Soviel nur zum Hintergrund dieser durchaus auch in dieser Hinsicht ebenso ungewöhnlichen wie kompromisslosen Formation. Ich habe über Facebook von den Sunpilots erfahren (peinlicherweise war mir die Rezension vom Kollegen Siggy bislang entgangen), wo die Jungs schon 22.000 „likes“ (Stand Anfang 2013) eingefahren haben, was für eine Independent-Band ein ziemlich sensationeller Wert sein dürfte.

Aber neben alle diesen Kuriositäten haben sie mit ihrem Zweitling „King Of The Sugarcoated Tongues“ auch noch ein tolles Album im Gepäck. Basierend auf einer Geschichte über Kontrollwahn, Technik- und Maschinengläubigkeit, daraus resultierende Selbstversklavung und Revolution (also so eine Mischung aus 1984 und Fahrenheit 451) toben sich die vier Jungs ordentlich aus. Die Liste ihre Inspiratoren auf ihrer Facebookseite ist lang und entsprechend vielschichtig ist der Stilmix auf dem Album. Hardrockige Gitarre, moderat vertrackte Rhythmen, knackiges Bassspiel, ohrwurmartige Melodien mit viel 7ties-Feeling sind die Basis von allem. Und darüber liegt der charismatische, abwechslungsreiche, manchmal leicht wahnsinnige Gesang von Bandleader Raj Siva-Rajah. Der Gesang macht wirklich den Unterschied, der hat fast schon Gildenlöw'sche Dimensionen in seiner Bandbreite.

Progressive Alternative Rock mit Retro und Glamrock-Feeling könnte man das auf eine Formel bringen. Immer wieder ziehen Versatzstücke vorbei, die einen mal an Rush, mal an Led Zeppelin, mal an Muse, mal an The Darkness, mal an Queen, mal an System of a Down, mal an Queens of the Stone Age und so weiter und so weiter erinnern. Das führt zwar nicht gerade zu einem konsistenten Album (will man nun doch eher Alternative Rock machen? Oder Retro-Rock? Oder vielleicht doch konzeptionellen Progrock? Mancher Song könnte glatt ein Radio-Hit werden, wenn die Band bekannter wäre und die Radiomacher ein bisschen mutiger), aber zu um so mehr Abwechslung und Unterhaltung, was ich in diesem Fall höher bewerten würde. Der für mich naheliegendste Vergleich wäre übrigens Flying Circus (wenn die jemand kennt, ansonsten bitte auf diesen Seiten recherchieren). Hier wird also ebenso druckvoll-frisch wie intelligent rau-erdig gerockt. Ein echtes Spaßalbum mit Kern.

Wie gesagt: Das Album gibt es als Download umsonst über die Homepage der Band. Man kann allerdings auch etwas Spenden, um die Band zu unterstützen, was angesichts der hochwertigen Musik Ehrensache sein sollte. Oder man erwirbt die CD, die als hübsches Klapp-Digipak mit buntem Booklet mit den Texten daherkommt.

Anspieltipp(s): "3 Minutes To Midnight", "Sex And TV"... eigentlich geht alles
Vergleichbar mit: Flying Circus, Simeon Soul Charger und siehe die vielen Spurenlegungen im Rezi-Text...
Veröffentlicht am: 5.1.2013
Letzte Änderung: 6.1.2013
Wertung: 10/15

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