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Rolf Trostel

Inselmusik

(Archiv-Tipp 8/2016)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981 (Neuausgabe bei bureau b im August 2016)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Rolf Trostel PPG Wave Computer 360 A, PPG Computer Sequencer 350, Roland Compu-Rhythm CR 78

Tracklist

Disc 1
1. Test Tanz 8:18
2. Art Meta 11:41
3. Ur teil 8:33
4. Skizo 19:00
Gesamtlaufzeit47:32


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 1 von 2)


Zu Rolf Trostels Debütalbum "Inselmusik" aus dem Jahr 1981 lässt sich praktisch das gleiche schreiben wie zum vor zwei Wochen hier besprochenen Nachfolger "Two Faces": Die Hintergründe der Entstehung liegen im Dunkel der Geschichte, das Vinyl wurde komplett in Eigenregie produziert, und heute werden auf Ebay gehobene Preise dafür verlangt. Musikalisch indes scheint "Inselmusik" ein bisschen minimalistischer ausgefallen zu sein als "Two Faces": Das eröffnende "Test Tanz" marschiert mit einem simplen Drumcomputer-Rhythmus vorwärts, worüber eher spärliche Synthesizer-Flächen oder -Melodien gelegt werden. Das ergibt insgesamt ein dezentes Klangbild, das wiederum recht wenig mit zeitgenössischen Elektronik-Individualisten aus dem Klaus-Schulze-/Innovative-Communications-Fundus zu tun hat, sondern viel moderner und dabei zugleich herrlich melancholisch klingt.

Hingegen eröffnet das folgende "Art Meta" mit Kreisel-Sequencern (vergleiche Hawkwind - "Virgin Of The World") und Synthesizer-Fanfaren schon weitaus klassischer. Nach ca. drei Minuten allerdings scheint sich hier eine Parallelentwicklung zum Stil von "Dig It" oder "Hyperborea" aufzutun: Ein eher tröpfelnder Rhythmus, vemehrt metallische Klänge und eine leicht säuselnde Melodieführung. Mag sein, dass so etwas eher introspektiv gedacht ist, Spannungen werden hiervon aber eher beseitigt als erzeugt. Da wirkt der Schluss des Stückes trotz einer simplen Zwei-Ton-Sequenz und teilweise ins Nirvana fortgesponnenen Melodien schon gelungener.

"Ur teil" (wird wirklich so geschrieben) wiederum besteht im Wesentlichen aus Akkorden und Melodien auf dem Synthesizer, die bis zur Hälfte ohne prägnanten Rhythmusbegleitung vorgetragen werden. Das hat durchaus seinen Reiz, klingt allerdings auch etwas psychedelisch, da die Klänge allesamt zu pulsieren scheinen (das könnte eine Schwebung sein, eventuell liegt es aber auch einfach daran, dass die Platte leiert). Komischerweise wirkt auch hier die Musik wieder etwas banaler, sobald der Sequencer einsetzt. Für das abschließende "Skizo" nimmt sich Trostel jedenfalls noch mal Zeit: Es geht los mit Flächen, die diffus übereinander geschichtet werden, was mit angesichts des Gegensatzes aus Dissonanzen und Harmonien sehr interessant ist. Nach ein paar Minuten stampft ein Rhythmus aus dem Roland-Sequencer los, was dann erst mal Druck macht. Nach knapp zehn Minuten verschwindet der Drumcomputer, und schon wird die Musik wieder minimalistischer, bevor zum Ende wieder (zu psychedelischen Fanfaren) losmarschiert wird.

Unterm Strich ist "Inselmusik" damit ein interessantes Album, das sich vor allem durch seinen recht eigenwilligen Umgang mit dem Rhythmus von anderen Elektronik-Alben der Zeit abhebt. Rolf Trostel scheint, sofern vorhanden, geradlinige bis stampfende Rhythmen zu bevorzugen, was die Musik oftmals viel direkter und moderner wirken lässt als andere zeitgenössische Elektronik-Alben. Umgekehrt lässt sich sowas natürlich als Fingerzeig in Richtung Disco werten, was andererseits natürlich auch ein wenig dem Zeitgeist entgegengekommen wäre. Abseits dieser Rhythmen gibt es zumindest noch einige Freiform-Experimente und einige etwas weniger gelungene Passagen, insgesamt ist "Inselmusik" jedoch schon eine ziemlich starke Aussage.

Anspieltipp(s): Test Tanz, Skizo
Vergleichbar mit: Elektronik-New-Romantic-Disco?
Veröffentlicht am: 29.5.2014
Letzte Änderung: 29.5.2014
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Anfang August erscheint Inselmusik beim Hamburger Label bureau b in einer Neuausgabe (zusammen mit Der Prophet von 1982, Trostels drittem Album) als CD, LP und Download. Endlich muss man also nicht mehr auf sündhaft teure Gebrauchtware bei eBay zurückgreifen, um dieses Kleinod elektronischer Musik kennenzulernen.

Wie mein Vorschreiber schon angemerkt hat, ist es mit biographischen Informationen über Rofl Trostel nicht weit her. In den Liner Notes zur Neuausgabe erfährt man immerhin, dass er kurzzeitig als Vetriebsmitarbeiter der Firma Palm Products GmbH tätig war, dem Hersteller des PPG Wave Computer 360 A. Mit diesem Gerät wurde Inselmusik fast ausschließlich eingespielt, ergänzt um einen Sequenzer und einen Drumcomputer.

Inselmusik steht klar in der Tradition der Berliner Schule elektronischer Musik. Trostels Beschreibung der Musik als „Klangfarbenkompositionen“ passt dabei wunderbar. Ganz nach Berliner Art kombiniert er allerlei Klangbögen und -flächen in unterschiedlichsten Klangfarben, die oft etwas an Bläser gemahnen und deren melodische Struktur immer wieder Erinnerungen an Tangerine Dream zu Zeiten von Peter Baumann weckt. Während die ersten beiden Stücke recht flott und fröhlich aus den Boxen sprudeln, wirken Ur teil [sic] und Skizo mächtig und erhaben, vor allem in den jeweils ersten Minuten, wo komplett auf rhythmisches Element verzichtet wird.

Anders als die Berliner Kollegen verwendet Rolf Trostel jedoch als rhythmisches Element kaum die für diese Spielart elektronischer Musik typischen Sequenzerpatterns, setzt stattdessen meist einen Drumcomputer ein. Eine reizvolle Idee, verleiht sie der Musik doch nicht nur einen eigenständigen Charakter, sondern schlägt auch eine Brücke zu einer weiteren Schule elektronischer Musik in Deutschland, nämlich den Klängen aus dem Weserbergland. Wenn Trostel dann doch mal den Sequenzer einsetzt, wie gegen Ende von Art Meta, ist die Musik kaum noch von Tangerine Dream und Konsorten zu unterscheiden. Was nicht heißen soll, dass sie mir dann weniger gefiele; gerade das doch sehr nach TD oder auch Schulze klingende Ur teil ist mit seinen mächtigen Klangbögen mein Favorit auf diesem Album.

Mit Inselmusik hat das Label wieder einmal ein echtes Schätzchen elektronischer Musik wieder ans Tageslicht gebracht, das jedem Liebhaber von Musik der Berliner Schule nachdrücklich empfohlen sei. Auch der Klang ist sehr gut (wobei ich keinen Vergleich zur alten CD-Ausgabe habe). Eine Neuausgabe des Nachfolgers Two Faces ist übrigens für Oktober 2016 geplant!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.7.2016
Letzte Änderung: 26.7.2016
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Rolf Trostel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1982 Two Faces 10.00 2
1982 Der Prophet 8.50 2
1995 Narrow Gate To Life 11.00 1

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