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Manfred Miersch

Das Subharchord - The Subharchord

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; RIO / Avant
Label: Krautopia Records
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Manfred Miersch Subharchord

Tracklist

Disc 1
1. Funkhaus Antithetik 4.46
2. Three Steps Up From The Subway Station (Für Terry Riley) 8.24
3. Transmediale Vokalisation / The Subharchord Speaks 7.09
4. The Story Of The Subharchord 7.07
5. Wechselstrom Nalepastrasse 17.41
6. Burundi Beatnik 6.49
7. Scherzo (Ernst Schreiber Im Spielwarengeschäft) 4.32
8. Kleines Capriccio Für Subharchord 2.28
Gesamtlaufzeit58:56


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Lasst uns mal kurz in die (für manche) interessante Geschichte der elektronischen Instrumente eintauchen. Anfang der 60er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts haben einige Entscheidungsträger in der Deutschen Demokratischen Republik den lobenswerten Ehrgeiz entwickelt, den dekadenten Westen auch im Bereich der Entwicklung von elektronischen Klangerzeugern zu übertreffen. Zu diesem Zweck gründete man das "Labor für Akustisch-Musikalische Grenzprobleme". Dieser Einrichtung haben wir das bis zum Jahr 2000 völlig vergessene Instrument namens Subharchord zu verdanken. Allerdings hatte das Subharchord gegen die Erfindungen von Robert Moog keine Chance.

Der Wiederentdecker von Subharchord heißt Manfred Miersch und ist auf unseren Seiten als Gründer von atelierTheremin vertreten. Miersch hat seit 2000 einiges an seiner Zeit investiert, um das Subharchord aus der Vergessenheit zu holen. Unter solchen Aktivitäten waren die Artikel in der Zeitschrift "Keyboards", Aufnahmen im Rahmen von dem "Krautopia Sampler" (2003) und eine Vinyl-EP "Subharmonische Mixturen mit dem Subharchord" mit Archivaufnahmen von 1962 und Neuaufnahmen von 2003 und 2004.

Der nächste Schritt ist die im Jahre 2015 erfolgte Veröffentlichung des überhaupt ersten, ausschließlich Subharchord gewidmeten Vollzeit-Tonträgers, der zutreffenderweise "Das Subharchord - The Subharchord" genannt wurde.

Die Kompositionen von "Das Subharchord - The Subharchord" variieren hauptsächlich zwischen avantgardistischen Klangcollagen, minimalistischen Einfällen und repetitiven Strukturen, dies alles entweder mehrspurig aufgenommen, oder spartanisch arrangiert. Kurzum, um eine offizielle Beschreibung mal zu übernehmen: alles neue subharmonische Mixturen. Das Album beinhaltet keine Archivaufnahmen, alles wurde von Manfred Miersch neu eingespielt.

Da die CD ja mit der Absicht veröffentlicht wurde, bisher unbekannte Klänge eines vergessenen Instruments zu präsentieren, sind alle Beschreibungsversuche die Art der Klänge betreffend doch eher zum Scheitern verurteilt. In denjenigen Stücken, die melodische Strukturen andeuten, glaube ich einem Instrument zu lauschen, das gleichermaßen archaisch, wie futuristisch klingt. Die Bezeichnung Elektronik-Avant-Krautrock würde stellenweise auch passen.

Eines dürfte aber ganz klar sein: diejenigen, die an Avant-Elektronik nicht interessiert sind, werden die CD als sehr experimentell, krude und stellenweise kaum hörbar empfinden, es sei denn, sie erwischen eine der weniger avantgardistischen Kompositionen.

Die CD kann man "nur" den Freunden von Klangexperimenten im Bereich der Avant-Elektronik empfehlen. Alle anderen werden den Tonträger für sehr schwer zugänglich halten. Sympathisanten der Avant-Kraut-Elektronik aus dem Cluster / Kluster-Umfeld sollten aber ruhig mal reinhören.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.3.2015
Letzte Änderung: 8.3.2015
Wertung: 10/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Also, ich finde diese Scheibe ist ausgesprochen kultig. Avant-Elektronik? Ja, schon irgendwie ... aber eigentlich begeben wir uns hier auf eine Zeitreise zurück in die späten 60er bzw. frühen 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, als diverse Musiker, auch solche die man damals dem Pop oder Rock zuordnete, mit elektronischen Musikerzeugern auf Klangexpeditionen gegangen sind.

Wer z.B. die auf diesen Seiten rezensierte Musik von Kluster, Cluster (die der ersten beiden LPs), Seesselberg, Conrad Schnitzler oder des jungen Klaus Schulze schätzt, und vielleicht auch die eigentlich für ein Pop-Publikum entstandenen Alben von Morton Subotnick mag ("Silver Apples Of The Moon" aus dem Jahre 1967 z.B.), der sollte mit Mierschs "Subharchord" eigentlich gut klarkommen, bzw. - wie der Rezensent - davon begeistert sein.

Miersch hat offenbar ein Faible für historische elektronische Klangerzeuger, wie das Theremin oder das Trautonium. Anfang des neuen Jahrtausends stieß Miersch auf einen 1968 erschienenen Artikel in einer Zeitschrift des VEB Verlag Technik, welches ein in der DDR entwickeltes E-Instrument namens Subharchord beschrieb. Miersch machte sich auf die Suche nach dem Gerät und wurde 2003 fündig, im ehemaligen Funkhaus der DDR in der Nalepastraße. Das Teil, eine Art umfangreich erweiterte E-Orgel, ein subharmonischer Synthesizer mit Registern, wurde restauriert und wieder funktionstüchtig gemacht, und diente dann als Klangquelle für die auf dem hier rezensierten Album zu hörende Musik.

Inzwischen sind übrigens weitere Geräte wiederentdeckt worden (es wurden wohl so um die 7 gebaut), eines davon im Studio des Slowakischen Rundfunks in Bratislava. Dasselbe wurde Anfang der 70er Jahre u.a. von Marián Varga eingesetzt und ist z.B. auf dem Zweitling von Collegium Musicum zu hören (siehe "Konvergencie").

Erstaunlich abwechslungsreiche Elektronikklänge kommen hier aus den Boxen, kann man mit dem Subharchord doch mehrstimmige Mixturen erzeugen und stehen eine ganze Reihe von Klangfarben zur Verfügung. Verspielt-bizarre, manchmal durchaus humorvolle Tongemenge (man höre das herrliche "Scherzo") stehen hier neben ausladenden Klanggemälden, die im langen, kosmisch-retrokrautigen "Wechselstrom Nalepastrasse" gipfeln, einer getragen dahinwabernden Reise ins All, die auf einem frühen Schulze-Album nicht negativ aufgefallen wär. Anderes klingt eher nach Tongewordenen Frequenzen ("Burundi Beatnik" z.B.), die dann wirklich an die avantgardistischen Elektronikexperimente aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gemahnen.

Wer experimentelle Krautelektronik schätzt und gerne den Klängen der eingangs erwähnten Bands und Musiker lauscht, der sollte "Das Subharchord" nicht verpassen. Gross ist die Auflage der CD sicher nicht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.4.2017
Letzte Änderung: 8.4.2017
Wertung: 11/15

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