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Emerson, Lake & Palmer

Pictures at an Exhibition

(Siehe auch: Leitfaden "Konzeptalben")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971
Besonderheiten/Stil: Klassikrock / Adaptionen; Klassischer Prog
Label: Island / Atlantic
Durchschnittswertung: 12/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Keith Emerson Organ, Piano, Moog Synthesiser
Greg Lake Vocals, Bass, Accoustic Guitar
Carl Palmer Drums

Tracklist

Disc 1
1. Promenade 1 1:57
2. The Gnome 4:17
3. Promenade 2 1:23
4. The Sage 4:41
5. The Old Castle 2:31
6. Blues Variation   (Ende 1. Seite) 4:14
7. Promenade 3 1:28
8. The Hut Of Baba Yaga 1 1:12
9. The Curse Of Baba Yaga 4:09
10. The Hut Of Baba Yaga 2 1:07
11. The Great Gates Of Kiev. The End   (Ende "Pictures") 6:27
12. Nutrocker   (Bonus) 4:32
Gesamtlaufzeit37:58


Rezensionen


Von: Christian Rode @ (Rezension 1 von 6)


Die Adaption des bekannten Werkes Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky gehörte schon frühzeitig zum Live-Repertoire von ELP, d.h. sogar noch vor Veröffentlichung der ersten LP. So ist z.B. eine noch etwas rohe Fassung bereits bei ihrem zweiten Live-Auftritt beim Festival auf der Isle of Wight 1970 zu hören. Eine Studioeinspielung hat es nie gegeben. Pictures at an Exhibition war einfach Bestandteil der frühen ELP-Live-Show.

1971 wurde dann offiziell der Live-Mitschnitt vom 26. März 1971, aufgezeichnet in der Stadthalle von Newcastle, veröffentlicht. Durch die beständige Live-Performance ist das Stück etwa gegenüber der genannten frühen Aufnahme deutlich gereift. ELP waren wohl dieser Ansicht, denn sie befanden diese Aufzeichnung für wert, veröffentlicht zu werden.

Pictures at an Exhibition ist eine Spielwiese für die jungen Klassik-Rocker. Vor allem Keith Emerson tobt sich ordentlich aus und führt die klanglichen Möglichkeiten des noch relativ neuen Moog-Synthesisers vor. Diese äußern sich vor allem in jaulenden, sägenden, blubbernden und fiependen elektronischen Geräuschen. Was hier zum Ausdruck kommt ist eine Art kindlicher Spielfreude. Spielfreude und nochmals Spielfreude zeichnet die Aufführung des Stückes aus. Dies möchte ich, bei aller berechtigten Rede von dem ambitionierten Versuch, klassische Musik in kontemporären Gewande zu interpretieren etc. betonen. Diese Synthie-Spielereien klingen für heutige Ohren vielleicht stellenweise etwas naiv, dokumentieren aber perfekt den damaligen Zeitgeist und machen einfach Spaß beim Zuhören!

ELP liefern dabei mit Pictures at an Exhibition eine vollkommen eigenständige Version des Klassikers ab. Sicher, das Stück beruht auf Mussorgsky, greift immer wieder die klassischen Motive auf, aber hat doch durch Emersons wüste Improvisationen an den Keyboards, durch Lakes bewegenden Gesangsvortrag und Palmers Schlagzeugakrobatik einen unvergleichlichen Charakter gewonnen.

Die Gesamtkomposition macht in der Fassung von Newcastle einen sehr dynamischen und geschlossenen Eindruck. Dies wird noch deutlicher, wenn man es mit der Fassung z.B. von der Isle of Wight 1970 vergleicht. Was dort noch etwas zusammengestückelt und holprig klingt, wirkt auf PICTURES AT AN EXHIBITION aus dem Jahr 1971 rund!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.7.2002
Letzte Änderung: 3.3.2012
Wertung: 15/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 6)


"Pictures At An Exibition" war die erste Prog-Scheibe, die ich zu Ohren bekommen habe. Es war irgendwann in der Mittelstufe, als wir im Musikuntericht "Werk und Bearbeitung" - oder so ähnlich - durchnahmen, anhand von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". Dazu hörten und "analysierten" wir Mussorgskys Original, die Ravelsche Orchesterfassung, die Synthesizer-Version von Tomita und eben ELPs Interpretation dieses Werkes. Damals fand ich diese Verrockung ziemlich furchtbar, Tomita klanglich interessant, aber der Ravel war mein Favorit (eine Einspielung seiner Fassung habe ich mir dann auch zugelegt - eine der ersten LPs die ich mir selbst gekauft habe). Inzwischen hat sich das geändert, ziehe ich doch das Solo-Klavier-Original jeder anderen Bearbeitung vor. Wie auch immer, einige Jahre nach besagtem Musikstundenerlebnis stieß ich dann auf einem Flohmarkt wieder auf diese ELP-Scheibe, deren Erwerb dann meine bis heute anhaltende Hassliebe zu ELP einleitete.

"Pictures At An Exibition" ist natürlich keine Bearbeitung von Mussorgskys Werk. Ich würde es als Suite von Rockimprovisationen nach Themen von Mussorgsky bezeichnen, fehlt doch mehr als die Hälfte des Originalmaterials (alles das, was im Original nach "Das Alte Schloss" und vor "Die Hütte auf Hühnerfüssen" kommt) und ist die Interpretation der Band stellenweise doch sehr frei. Als solche finde ich ELPs Versuch durchaus gelungen, wenn ich auch die "Verschmalzung" von "The Old Castle" und dessen Vermengung mit der Lake-Komposition "The Sage" als ziemlich grenzwertig empfinde. Ansonsten ist diese Scheibe ein schwungvoller Konzertmitschnitt, der die Band in ihrer wohl besten, experimentierfreudigsten Phase zeigt. Emersons Synthesizersounds haben durchaus Charme und klingen auch heute noch interessant genug. So exaltiert wie er sie einsetzt, hat dies nach ihm auch selten jemand getan. Wirklich gut ist "The Gnome", in dem es der Band gelingt die gespenstische Stimmung des Originals zu erreichen. Auch der Komplex aus "Hut/Curse Of Baba Yaga" und "Great Gates of Kiev" ist klasse, schön bombastisch, wild und schräg aber auch geheimnisvoll und elegisch - auch wenn sich Lakes Gesang hier hart an der Grenze zum Kitsch bewegt.

Da ich aber einen sehr stark klassisch geprägten Musikhintergrund habe, komme ich nicht umhin die Musik hier mit dem Original zu vergleichen. Und da schneiden ELP dann doch recht schlecht ab, ist das, was sie aus "Bilder einer Ausstellung" machen, im Grunde ziemlich roh und primitiv (was auf der anderen Seite aber den eigenen Charakter dieser Interpreation ausmacht). Zudem wirkt das Ganze mitunter ziemlich zusammengeschustert. Was hat z.B. diese "Blues Variation" in dem Stück verloren, oder dieses unsägliche "The Sage"?

Trotzdem macht es mir immer noch Spaß - auch wenn inzwischen gut 20 Jahre vergangen sind, seit ich diese Scheibe zum ersten Mal auf dem Teller meines Plattenspielers liegen hatte - ELP hier beim Rocken zuzuhören. Ich kann daher Christian nur zustimmen: "Pictures At An Exibition" ist eine der Prog-Scheiben, die in jede Sammlung gehört!

Anspieltipp(s): The Gnome
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.4.2004
Letzte Änderung: 21.4.2015
Wertung: 11/15

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 3 von 6)


Achim teilt mit mir - und vermutlich mit vielen anderen - die gleiche Musikunterrichterfahrung. Auch ich hatte das Vergnügen, in der Schule das Thema "Rock und Klassik" nicht zuletzt anhand von "Pictures at an Exhibition" durchdeklinieren zu dürfen. Entweder aber ist Achims Erinnerung schlechter als meine oder mein Musikunterricht war besser, denn bei uns lief das unter "Adaption", und das trifft die Sache ja eigentlich ganz gut.

ELP haben Passagen, Themen und Motive aus Mussorgskys Musik einem Rockensemble anverwandelt (dieses Wort wollte ich schon lange mal benutzen), und daraus folgt eigentlich schon, dass mein Vorschreiber völlig Recht hat: Wohltönende Ausführungen darüber, es handele sich hier um eine tiefdringende Interpretation des Originals, sind nicht allzu ernst zu nehmen. Mussorgsky hat nun mal nicht geschrieben, was ELP spielen. Eher könnte man von einer Art auszugsweisen Nacherzählung sprechen, die das Original mal mehr, mal weniger wörtlich zitiert, aber eben auch viele eigene Worte gebraucht. Tja, und Sätze wie "So würden Mussorgsky/Bach/Beethoven etc. heutzutage klingen" (bezogen auf Bands wie ELP, ELO, Nice) waren Werbeslogans, die man besser auf sich beruhen lässt.

All das heißt nicht, dass sich die Gruppe (trotz mancher Effekthascherei) mit ihrer Vorlage nicht ernsthaft auseinandergesetzt hätte. In diesem Punkt aber scheint mein Musikunterricht nun wieder ähnlich uninspirierend gewesen zu sein wie der von Achim. Denn was an einer Platte wie "Pictures at an Exhibition" eigentlich interessant ist, wurde da nie wirklich thematisiert. Es ging unseren besorgten Pädagogen doch mehr darum, die illegitime Kaperung klassischer Musiktradition zugunsten finsterer kommerzieller Absichten anzuprangern. Zumindest mein Musiklehrer hoffte insgeheim darauf, dass wir Schüler das eines Tages doch endlich einsehen würden, v.a. diejenigen, die wie ich - und im Gegensatz zu Achim - die ELP-Verrockung alles andere als fürchterlich fanden. Aber die Hoffnung erfüllte sich nicht. Kein Wunder, die zugrundeliegende kulturkritische Argumentation (die man z.B. bei Chris Cutler heute noch fast genauso findet), kam und kommt mir reichlich verkniffen vor. Man kann Mussorgsky und ELP mögen, und zwar auch ohne dauernd zu betonen, dass das eigentlich Wahre, Gute und Schöne natüüüürlich beim Original liegt.

Für meine Begriffe muss man die Quintessenz dieser Musik aus der Perspektive des Rocks suchen. Alben wie "Pictures at an Exhibition" - und in jenen Jahren gab es schließlich eine ganze Menge ähnlich gelagerter Projekte - haben viel dazu beigetragen, dem Rock eine etwas (oder sogar: sehr viel) komplexere musikalische Sprache beizubringen. Ganz klar - Klassik-Adaptionen waren dazu nicht der einzige und schon gar nicht der Königsweg, aber sie waren ein Weg neben anderen. Und trotz des häufigen Hangs zum Spektakel und zur Sentimentalität konnten sie durchaus überzeugend klingen, wenn sie gut gemacht waren, was mir bei den "Pictures" der Fall zu sein scheint.

Tja, und ich seh nicht ein, warum man das nicht würdigen sollte. Schließlich profitieren wir noch heute davon, denn was wäre der "Prog" ohne musikalische Mittel, die sich vom Mainstream-Allerlei abheben? Dass der "Klassik-Rock" den Ausverkauf des rauhen echten Rocks an bildungsbürgerliche Vorurteile bedeute, keine Ahnung, was an dieser selbst reichlich vorurteilsbeladenen Behauptung, die man immer wieder liest, so wahnsinnig entlarvend sein soll. Denn erstens scheint sie von der irrigen Voraussetzung auszugehen, dass Gefallen an einer Sache mit dem kompletten Ausschalten kritischen Denkens gleichgesetzt werden müsse. Und zweitens sind Abiturienten und Universitätsabsolventen halt auch Menschen, was man nicht zuletzt daran erkennt, dass sie wie alle anderen Menschen am dämlichsten wirken, wenn sie sich selbst peinlich sind.

Ein Nachtrag noch: Die remasterte CD ist mit einem Bonustrack ausgestattet, nämlich der 1993er Studioversion von "Pictures at an Exhibition". Die Band vergewaltigt darin ihre ursprüngliche Adaption, die dabei unheilbaren Schaden erleidet. Näheres über mein Unbehagen daran hier in Rezension Nr. 3.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.4.2004
Letzte Änderung: 23.6.2012
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 6)


„Pictures at an Exhibition“ ist eine Bearbeitung des Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski aus dem Jahr 1874, der allgemein als ein herausragendes Beispiel für Programmmusik gesehen wird: Die einzelnen Sätze beschreiben Gemälde und Zeichnungen des im Jahr zuvor verstorbenen Malers Viktor Hartmann, der mit Mussorgski befreundet war. Anlass für die Komposition war eine Gedächtnisausstellung mit Bildern Hartmanns, angeregt hatte das Werk ein gemeinsamer Freund der beiden, der Kunstkritiker Wladimir Stassow. Die Namen der Stücke beziehen sich auf einige der Werke, die in dieser Ausstellung zu sehen gewesen waren, zwischen den Stücken zu den Bildern erklingen sogenannte „Promenaden“, die das Wandeln von einem Gemälde zum nächsten in den Ausstellungsräumen versinnbildlichen.

Emerson, Lake & Palmer versuchen sich nun an einer recht freien Bearbeitung des Klavierzyklus: Sie lassen sechs der zehn Bilder aus, fügen an ihrer Stelle drei eigene Sätze ein, und sie streichen drei der sechs „Promenaden“. Durch diesen starken Eingriff in die Struktur des Werks erreicht die Band zweierlei: Sie verdichtet das Werk, macht es weniger linear und sie macht es sich in einem Maße zu eigen, das durch bloßes Nachspielen des Originals nicht zu erreichen gewesen wäre.

Der Band angehörs dieses Versuchs einer Anverwandlung klassischer Musik Anmaßung vorzuwerfen, ist ein Schuß, der nach hinten losgeht, insbesondere dann, wenn der Vorwurf aus der Rock-Ecke stammt. Denn Anmaßung setzt ja voraus, dass man sich einen Schuh anzieht, der von vornherein zu groß ist – und das würde letztlich bedeuten, dass man die Rockmusik generell für der Klassik unterlegen hielte. Mir wäre aber nicht bekannt, dass der Klassik irgendwelche Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die der Rockmusik grundsätzlich verwehrt blieben. Ob allerdings das Experiment der Bearbeitung eines klassischen Werk mit den Mitteln der Rockmusik ein gelungenes ist, um das festzustellen, bedarf es einer differenzierteren Betrachtung. Denn dass ELP durchaus dazu fähig waren, ein derartiges Experiment zum Erfolg zu führen, das hatten sie mit Stücken wie „The Barbarian“, „Knife Edge“ oder „The Only Way“ bereits unter Beweis gestellt.

ELPs Adaption beginnt, wie Mussorgskis Original, mit einer „Promenade“. Emerson spielt sie auf der Orgel der Newcastle City Hall – und ich bekomme bereits hier erste Probleme. Die Melodie Mussorgskis, so sehr sie auch kirchenmusikalische Charakteristika aufweisen mag, wirkt viel zu sakral und viel zu pompös, als dass ELPs „Promenade“ noch als das durchgehen könnte, was sie ist: Die Versinnbildlichung des Wandelns von einem Gemälde zum nächsten

Wesentlich besser gelungen ist „The Gnome”, das Mussorgskis “Gnomus” aufgreift. Hartmanns Bild zeigte einen Gnom, der linkisch auf missgestalteten Beinen herumstolpert. ELP wie Mussorgski versuchen, die Gebärden des Gnoms in Musik zu übersetzen: Hinken, Stolpern, Herumhüpfen, wildes Gestikulieren, dann wieder kurzeitiges Erstarren. Ein wiederkehrendes Motiv ist eine Art bedrohliches Herumschleichen. „The Gnome” ist ein Höhepunkt im Schaffen ELPs: Emerson und Palmer steigen mit einem spastischen Motiv Mussorgskis ein, das die beiden unglaublich synchron spielen. Lake börpst mit seinem Bass krummbucklige Töne dazwischen, die er dadurch erzeugt, dass er ihn durch Emersons Moog und über ein Wah-Wah-Pedal jagt. Es folgt das "Schleichmotiv", über das Emerson selbst komponierte Musik legt: Der Moog hat seinen großen Auftritt. Und der verzerrte elektronische Sound trägt erheblich zu dem windschiefen Gesamtklang des Satzes bei. Emerson, Lake und Palmer schaffen es, mit Orgel, Moog, Bass und Schlagzeug den knorrigen Charakter so überzeugend herauszuarbeiten, dass ich ihre Version für eine der besten halte (um es gleich zu gestehen: Es gibt sehr viele, sehr viel mehr, als man schätzen würde, und selbstverständlich kenne ich sie nicht alle). Besonders überzeugend ist eine Passage gegen Ende, wenn aus Nebel versinnbildlichendem weißem Rauschen und schaurigen Trillern ein perkussiv gespieltes Orgelmotiv heraustritt und dem Hörer auf bedrohliche Weise immer näher und näher kommt. Wer nicht glauben mag, dass der Rockmusik solche Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sollte sich „The Gnome“ anhören.

Auch die nun folgende nächste „Promenade” hat ihre Probleme, schlicht und einfach weil Lake hier singt. Rufen wir uns das Programm von „Bilder einer Ausstellung“ ins Gedächtnis: Warum sollte jemand, der von Bild zu Bild geht, dabei singen?

Auf eine eindrucksvoll an den Stil Mussorgskis angelehnte Moog-Überleitung schließt sich nun Lakes Eigenkomposition „The Sage” an. Und hier zeigt sich, wie intensiv sich ELP mit ihrer Vorlage auseinandergesetzt haben: Mussorgskis Original „Il vecchio castello“ („Das alte Schloss“) bezieht sich auf ein Gemälde, auf dem ein singender Troubadour mit Laute vor einem italienischen Schloss zu sehen ist. Dieses Motiv aufgreifend lehnt sich Lakes Gitarrenballade an (allerdings englische) Lautenmusik des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts an. Das Stück besteht aus drei Abschnitten, zwei Gesangsparts umrahmen einen instrumentalen Mittelteil, der besonders stark an elisabethanische Lautenstücke erinnert. Dieses stille kleine Stück arbeitet raffiniert mit dem Wechsel verschiedener Dur- und Molltonarten und kann ohne weiteres für Lakes beste Ballade überhaupt gehalten werden. Zudem fügt sich "The Sage", das „Il vecchio castello“ eher ersetzt als ergänzt, gerade an dieser Stelle hervorragend in das Werk ein, steht doch bei „Il vecchio castello“ als Spielanweisung „con dolore“ – mit Wehmut. Es ist dieses Gefühl, das Lake mit „The Sage“ glänzend zum Ausdruck bringt. Wenn ELP dann „The Old Castle” doch noch nachreichen, benötigen sie keinen stillen Satz mehr. Sie krempeln die Atmosphäre des Stücks daher komplett um: Nach einigen freiformatigen, schrillen und stark verzerrten Tönen, die einen Seitenblick zum Bild mit dem Gnom assoziieren, legen ELP mit einem Mussorgskis langsamen 6/8-Takt in ein vorantreibendes 12/8-Ostinato verwandelnden Part los, im Grunde eine schnellere Variation der Schlagzeugfigur von “Tank”. Mussorgskis musikalisches Material wird nur passagenweise angedeutet, Emerson spielt vornehmlich eigenes Material und improvisiert auf seinem Moog. Dies leitet nahtlos über zu einer „Blues Variation” des Hauptthemas von „Il vecchio castello“, die zwar nicht im Geringsten in den Gesamtzusammenhang integriert ist, es ELP aber erlaubt, so richtig die Sau rauszulassen. Die Art wie ELP dabei Mussorgski verwursten, kann man allenfalls lustig finden und ich kann mir gut vorstellen, dass „Blues Variation“ live richtig gut ankam, auf dem Album aber klingt’s bis auf eine Passage mit chromatisch ansteigenden Basstönen ziemlich konventionell.

Die nächste „Promenade” ist die erste gelungene: Emerson benutzt einen rauen, fast kreischenden Hammond-Sound und Palmers der Melodie folgendes, aggressives Schlagzeug gibt dieser Variation etwas Entschlossenes, Bestimmtes und am Ende fast schon Genervtes - Stimmungen, die einen bei einem Ausstellungsbesuch durchaus mal beschleichen können.

Mit “The Hut of Baba Yaga”/”The Curse of Baba Yaga”/”The Hut of Baba Yaga” geht das Album nun in großen Schritten seinem Höhepunkt entgegen.

“The Hut of Baba Yaga” ist ein Stück, wie es Emerson zu dieser Zeit einfach nicht ignorieren konnte: dissonante Akkorde, Sekundenintervalle und aggressive Ostinati, die den Ritt der Hexe Baba Yaga versinnbildlichen. Entsprechend musste Emerson auch nicht viel tun, ELP spielen diesen Satz nahezu wörtlich, besonders überzeugend ist das Arrangement einer Passage, in der Emerson Tremoli auf der Orgel spielt und Lake die verquere Bassmelodie mit seinem Wah-Wah-Bass übernimmt. ”The Curse of Baba Yaga” verknüpft dann Motive Mussorgskis mit eigenen Ideen ELPs. Ich sehe hier zwar ebenfalls nicht immer den Zusammenhang, zum Beispiel bei dem Bluesriff am Beginn von „Curse“, aber das Stück ist weit besser in das Gesamtwerk eingegliedert als „Blues Variation”: ELP verwenden zahlreiche Motive aus “The Hut of Baba Yaga” - und wer genau hinhört, entdeckt sogar ein Ostinato aus „The Gnome“. Was musikalisch funktioniert, aber nur musikalisch. Denn wenn man sich an das Konzept erinnert, muss man sich nun fragen, ob der Gnom sein Gemälde verlassen hat, um mal eben bei der Hexe Baba Yaga vorbeizuschauen. Haarspalterei? Mag sein. Für meine Bewertung sind solche Stellen aber wichtig.

“The Great Gates of Kiev” bezieht sich auf einen Entwurf Hartmanns für eine Mischung aus Triumphbogen und Stadttor, die in Kiew zu Ehren Zar Alexanders II. errichtet werden sollte (die Pläne wurden nie verwirklicht). Die pathetische Musik Mussorgskis beschreibt die majestätische Größe des Tores. Auch sakrale Motive fehlen nicht, hatte Hartmann doch geplant, eine Kapelle in den Torbau zu integrieren. Eine Anspielung an die Musik der „Promenaden“ leitet über zu einem monumentalen Schluss mit gewaltigen pathetischen Akkorden. ELP halten sich weitgehend ans Original, die auffälligste Neuerung ist sicherlich Lakes Gesang, der sich hier noch einmal besonders ins Pathos der Musik hineinsteigert. Leider ist der Text, der hier vorgetragen wird (und der selbstverständlich nichts mit Alexander II. oder einem Tor in Kiew zu tun hat) reichlich platt und banal: Dass das Stück mit Lakes Beobachtung „death is life“ endet, tut dem Gesamtwerk keinen Gefallen. Im Gegensatz dazu ist der Choralteil, den Emerson mit Flötenklängen alleine auf seiner Orgel spielt, und die Feedbackpassage vor der finalen Klimax eine gelungene Interpretation der Musik Mussorgskis.

Zum Abschluss spielen ELP noch „Nutrocker”, eine Adaption einer Adaption: Kim Fowley hatte dieses Stück aus Tschaikowskis Ballettsuite „Nussknacker“ für seine Band B. Bumble and the Stingers neu arrangiert, dieses Arrangement greifen ELP nun auf. „Nutrocker” bildet einen erholsam leichtfüßigen und humorigen Kontrast zu dem schwergewichtigen „Pictures“ und ist in dieser Hinsicht weitaus erfolgreicher als die meist ziemlich albernen Music-Hall-Stücke auf anderen ELP-Alben.

Ralf schrieb oben, man müsse die Quintessenz dieser Musik aus der Perspektive der Rockmusik suchen. Dem kann ich nur zustimmen: Mit Alben wie diesem hat man tatsächlich versucht, dem Rock eine komplexere musikalische Sprache beizubringen. Ob das gelungen ist, mag bezweifelt werden angesichts der Tatsache, dass Alben wie „Pictures at an Exhibition“ auch heute noch meist als lächerliche Versuche der Rockmusik abgetan werden, sich so etwas wie eine Aura der Ernsthaftigkeit zu verleihen. Doch „Pictures at an Exhibition“ ist nicht einfach gänzlich anmaßend. Eine differenzierte Betrachtung führt zu dem Ergebnis, dass ELPs Version reichlich inhomogen ist und immer dann am besten funktioniert, wenn sich die Band an das Konzept Mussorgskis hält: „The Gnome“ ist eine nahezu kongeniale Interpretation der Vorlage, „The Sage“ eine gelungene Einfügung im Geiste des Gemäldes Hartmanns, und die „Baba Yaga”-Abschnitte kombinieren überzeugend originales Material mit eigenen Ideen ELPs. Misslungen dagegen sind die Abschnitte, in denen ELP das Konzept von „Bilder einer Ausstellung“ aus dem Blick zu verlieren scheinen: Die ersten beiden Promenaden laufen auf Holzwegen, die „Blues Variation“ ist trotz des Aufgreifens von Material Mussorgskis ein Fremdkörper, das Erscheinen des Gnoms in der Hütte Baba Yagas wirkt befremdlich und der verquaste Text Lakes hat mit der Musik von “The Great Gates of Kiev” nichts zu tun. Seltsam – denn in fast allen anderen Fällen überzeugen die Adaptionen ELPs gerade dann, wenn die Band die Stücke in ihrem Sinne umkrempelt und sie sich so zu eigen macht. Dass das hier misslingt, mag daran liegen, dass ELP ihre Version von „Pictures at an Exhibition“ nicht ganz so bierernst genommen haben – und genau so sollte man sie wohl auch hören.

P. S.: Das Album war übrigens eine Zeit lang als "Deluxe Edition" erhältlich, mit einer Bonus-CD: Die erste CD enthielt das bekannte Album, ergänzt um ein "Pictures at an Exhibition Medley" genanntes Stück, das angeblich "Promenade", "The Gnome", "Promenade", "The Sage", "The Hut of Baba Yaga" und "The great Gates of Kiev" enthält und etwas über eine Viertelstunde lang ist, tatsächlich aber eine weitere komplette Version der "Pictures" darstellt und geschlagene 35 Minuten dauert. Leider war nicht vermerkt, von wann diese Live-Aufnahme stammt, vermutlich ist sie aber vom Isle Of Wight Festival 1970.

CD 2 enthielt einen Konzertmitschnitt aus dem Londoner Lyceum vom 9. Dezember 1970, also 3 Monate vor dem Pictures-Konzert, das damals veröffentlicht wurde. Zu hören war wiederum "Pictures at an Exhibition", ergänzt durch "The Barbarian", "Knife Edge", "Rondo" und "Nutrocker".

Diese Edition versammelte damit drei durchaus spannende Liveaufnahmen aus der Frühphase einer damals noch recht ungeschliffenen Band, deren Soundqualität deutlich über Bootleg-Niveau liegt. Es sind die kleinen Unterschiede, die die drei Versionen von "Pictures" interessant machen: Hier und da gibt es kleine Zwischenspielchen, die man (so) nicht vom Originalalbum kennt, die Improvisationen variieren ordentlich und "Rondo" ist hier 18 Minuten lang. Etwas für Sammler.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.11.2008
Letzte Änderung: 11.7.2012
Wertung: 10/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 5 von 6)


ELP zelebrierten ihren Klassikrock im überschwänglichen Pomp und verstanden es dabei, die Möglichkeiten des fast noch jungfräulichen Moog Systems in einer fulminanten Interpretation von "Pictures At An Exhibition" dominant in Szene zu setzen. Keith Emerson formte eindeutig das Image des Keyboard-Wizards, indem er die Soundmöglichkeiten des Moogs in gleichsam überschwänglicher Begeisterung einsetzte und bis zur Grenze ausreizte. Die manisch-euphorische Bearbeitung der Tasten prägte zusammen mit röhrend-dynamischen Hammondsequenzen den Stil von ELP und sollte wegweisend für das Sub-Genre des Klassikrocks werden. Zügellose Effekthascherei gehörte hier zum guten Ton und wird im Rahmen dieser freien Adaption des Werkes von Modest Mussorgsky bis zum Exzess ausgereizt und in wüsten Tastenattacken auf die Spitze getrieben. Bescheidenheit war gerade in diesem Metier noch nie eine Zier, vor allem nicht bei ELP, weshalb die Briten alle Register ihres Könnens in unverblümter Eitelkeit zur Schau stellten. All dies funktioniert auf "Pictures At An Exhibition" vortrefflich und lässt dieses Album zu einem der Highlights im Repertoire der Band werden.

Sicherlich wirken manche quäkenden Synthiepassagen nach 40 Jahren doch ein wenig deplatziert, zeugen aber umso mehr von dem fast grenzenlosen Größenwahn des Trios. Man stelle sich vor, dass sich hier drei Grünschnäbel vorgenommen hatten, die althergebrachte E-Musik fast schon zu revolutionieren. Genauso wirkt dieser auf Tonträger konservierte frenetisch dargebotene Mummenschanz. Auch wenn dieses Unterfangen letztendlich niemals gelingen konnte, bereitet es dennoch eine große Freude, diesem Treiben auch heutzutage akustisch beizuwohnen. Ein Spektakel ähnlich einem alten Sandalenfilm wird dem Hörer hier geboten. Pures Rock-Entertainment!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: ELP
Veröffentlicht am: 12.11.2011
Letzte Änderung: 10.11.2011
Wertung: 12/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 6 von 6)


Nach soviel Jahren noch eine Rezi für „Pictures“? Nein, das mach ich natürlich nicht, aber hier handelt es sich um eine neue Deluxe-Version. Die Musik dürfte jeder halbwegs interessierte Progfan älteren Semesters auswendig kennen. Es geht hier um eine nochmals in 2016 erneuerte Remaster-Version von Andy Pearce und Matt Wortham. Dass die beiden ihr Handwerk nicht nur verstehen, sondern regelrecht Wunder bewirken bei alten Aufnahmen haben sie ja schon bei ähnlichen Projekten bewiesen. Was aber noch viel interessanter ist, sind die zusätzlichen Aufnahmen. Deshalb also eine Deluxe-Edition.

Auf Disc 1 ist zuerst das komplette Konzert aus der Newcastle City Hall vom 26. März 1973. Klanglich eine Ohrenweide, Transparenz und Dynamik sind jetzt enorm für eine so alte Aufnahme. Muss man gehört haben um es zu verstehen. Dann ein Medley. Die Angaben im neu gestalteten Booklet wurden komplettiert und somit erfahren wir, dass das Medley, bestehend aus Promenade, The Hut of Baba Yaga, The Curse of Baba Yaga und The Great Gates of Kiev in Puerto Rico beim Mar Y Sol Festival am 4. Dezember 1972 aufgenommen wurde. Also nicht beim Isle of Wight, wo die Tonqualität auch wesentlich schlechter war und somit auch nicht das Medley aus der von Nik beschriebenen Remaster-Version von 2012. Das verwirrt den Fan und er täte gut daran ein Auge auf das Lizenzdatum unten auf dem Rückcover zu werfen. Da sollte schon 2016 stehen.....Davon abgesehen ist dieses Medley den Preis der CD alleine wert. Keith Emerson ist hier wesentlich verspielter, ja fast infantil im positiven Sinne mit all seinen irrwitzigen Sounds und Greg Lake spielt einen in manchen Momenten fett groovenden Bass. So kannte ich ELP nicht.

CD 2 enthält dann genau das Konzert, von dem auch Nik geschrieben hat. Interessant ist, dass dieser Gig tatsächlich bereits 3 Monate vor der offiziellen Version im Londoner Lyceum Theatre aufgenommen wurde.

Obwohl es bereits mehrere Remaster von „Pictures“ gibt, sollte man sich diese Ausgabe kaufen. Besonders weil sie momentan für ein paar schlappe Euro angeboten wird. So macht es Spaß seine alten Helden in optimaler Tonqualität zu hören und dabei auch noch ganz neue Facetten der Musiker kennen zu lernen. Dass es dazu noch ein gut gemachtes Digipack mit vielen unbekannten Fotos und neuen Liner Notes gibt, sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.11.2017
Letzte Änderung: 29.11.2017
Wertung: keine Deluxe-Version 2016

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Emerson, Lake & Palmer

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Emerson, Lake & Palmer 11.60 6
1971 Tarkus 11.00 6
1972 Trilogy 12.40 6
1973 Brain Salad Surgery 12.50 6
1974 Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends 12.50 2
1977 Works, Volume 2 5.11 9
1977 Works, Volume 1 8.00 5
1978 Love Beach 6.43 7
1979 In Concert 6.00 1
1992 The Atlantic Years 12.00 1
1992 Black moon 4.50 4
1993 Works Live 10.00 1
1993 The Return of the Manticore 12.00 3
1993 Live At The Royal Albert Hall 10.50 2
1994 In The Hot Seat 1.60 5
1997 Live in Poland 8.00 1
1999 Pictures at an Exhibition. Collectors Edition (DVD) 12.67 3
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Two 12.00 1
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.One 11.00 1
2002 Re-Works 7.00 1
2002 Best of the Bootlegs 9.00 1
2002 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Three 8.00 1
2002 Works Orchestral Tour, Olympic Stadium, Montreal 1977 / The Manticore Special (DVD) 10.00 1
2002 Live at the Isle Of Wight Festival 1970 7.00 2
2004 Inside Emerson Lake & Palmer. 1970 - 1995. An independent critical review (DVD) 10.00 1
2004 Welcome Back (DVD) 9.00 1
2004 Masters From The Vaults (DVD) 10.00 1
2005 Beyond The Beginning (DVD) - 1
2005 Live at Montreux 1997 (DVD) 6.00 1
2006 The Birth Of A Band - Isle of Wight Festival Sat August 29th 1970 (DVD) 10.00 1
2006 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Four 5.00 1
2007 From the Beginning - 1
2009 Works Deluxe Edition - 1
2010 High Voltage - 1
2010 Live High Voltage 10.00 1
2011 Live At The Mar Y Sol Festival '72 12.00 1
2011 Live At Nassau Coliseum '78 11.00 1
2011 ...welcome back my friends High Voltage Festival 2010 40th Anniversary 9.00 1
2013 Live in Montreal 1977 8.00 1

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