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Sirius

Running To Paradise

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1982
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Brutkasten
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Stefan Neubauer vocals, keyboards, grand piano
Stefan Papsthart keyboards, organ, flute, trumpet
Martin Vogel guitar, bass, violin
Peter Ochs drums

Tracklist

Disc 1
1. The Sad Sheperd 4:45
2. The Fiddler Of Dooney 4:36
3. Why Should Not Old Man Be Mad? 5:06
4. Running To Paradise 7:18
5. September 1913 5:44
6. From Mountain To Mountain 4:37
7. Cocooning Inside 2:28
8. The Happy Townland 7:45
Gesamtlaufzeit42:19


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @


Sirius? Eine Symphonic Progressive Rock Band aus Deutschland. Running to Paradise. Aufgenommen 1982. Im dunkelsten Mittelalter des Prog. Was sagen die BBS dazu? Nichts, kein Eintrag. Im Netz finde ich auch fast nichts. Aha, stilistisch ähnlich wie England und, da haben wir es wieder, Genesis. Brauch ich das wirklich? Ein weiterer Genesis-Klon? Okay, einmal reinhören schadet nichts…

Die Stimme ist zuerst mal gewöhnungsbedürftig, sehr rein, sauber, aber dennoch warm, in höheren Lagen angesiedelt, dann folgen die ersten Genesis-typischen Harmonien, Genesis der zweiten Hälfte der 70er-Jahre nota bene, so ab Wind And Wuthering…, ich war etwas zwiespältig. Weiterhören?

Und dann entwickelt sich "Running to Paradise" plötzlich zu einer wahren Perle und ich kann nicht glauben, was ich hier höre. Kann nicht glauben, das es eine deutsche Band Anfang der 80er Jahre gegeben hat, die den klassischen Prog Genesis`scher Prägung derart eigenständig aufgenommen und weiterentwickelt hat. Und dass das kaum jemand zu kennen scheint, es nicht einmal eine CD davon gibt.

Sirius sind ein Quartett, bestehend aus zwei Keyboardern, denen man eine klassische Klavierausbildung anzuhören meint, einem Bassisten/Gitarristen und einem Schlagzeuger. Geprägt werden die Stücke von der Tastenarbeit der Herren Neubauer, der zudem singt, und Papsthart. Dabei stehen klassisches Piano und Grand Piano im Vordergrund, flankiert von Hammond-Orgel, zeitgemässen Synthesizer-Sounds und E-Piano. Martin Vogel spielt eine zu jedem Zeitpunkt ultrasolide Gitarre und einen ebenso soliden, jederzeit passenden und die anderen Instrumente stützenden Bass. Dasselbe gilt für Peter Ochs am Schlagzeug, der stets geschmackvoll und songdienlich agiert.

Was macht die Platte so speziell?

Zum Einen sind es die starken Kompositionen, die sehr gekonnt die melodiöse Seite des Genesis-Prog mit schrägen Variationen und seltsamen instrumentellen Ausflügen verweben, etwas, das Genesis so nie gemacht haben. Dabei zeigen die Musiker ihr Können an den Instrumenten, seien dies gefühlvolle Soli oder Wechsel von einem Krummtakt in den nächsten. Zum Anderen sind es immer wieder eingestreute Pianoparts, die stilistisch mal im Bereiche der "klassischen" Klassik, dann auch der modernen Klassik angesiedelt sind, dann jazzig angehaucht oder der Zirkusmanege entsprungen zu sein scheinen. Das kurze Instrumental "Cocooning Inside" erinnert irgendwie entfernt an Gershwins "Rhapsody in Blue" oder Filmmusik aus alten Schwarzweiss-Filmen. Genial.

Dann sind es die Melodien und Harmoniefolgen selbst, die einfach unglaublich ausgereift und schlicht wunderschön sind. Für ein Debutalbum ist das beinahe schockierend gut.

Schliesslich hat das Album vom Anfang bis zum Ende eine durchgehende Aura und weist keine unpassenden Ausreisser oder qualitativen Ausfälle auf. Kurz; es ist ein beeindruckendes Album, dem nie die Beachtung, der Respekt und schon gar nicht der Erfolg zuteil wurde, den es fraglos verdient gehabt hätte.

Es ist eine Perle, die immer in der Muschel geblieben ist. Sucht man nach der Platte, dann findet man ganz wenige Angebote. Und diese bewegen sich im vierstelligen Eurobereich. Ich hoffe inständig, dass sich irgendjemand die Mühe macht und dieses Album auf CD wiederveröffentlicht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.2.2016
Letzte Änderung: 8.2.2016
Wertung: 13/15
14 Punkte für die Musik abzüglich einen für die Inspiration durch Genesis

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