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Karmakanic

DOT

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016 (VÖ: 22.7.2016)
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Insideout
Durchschnittswertung: 10.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Jonas Reingold fretted and fretless bass, electric and acoustic guitars, keyboards, vocals
Göran Edman lead vocals
Lalle Larsson keyboards, vocals
Morgan Ågren drums
Krister Jonsson electric and acoustic guitars
Nils Erikson lead vocals
Andy Tillison hammond organs
Andy Bartosh electric guitars
Ray Aichinger saxophone, flute
Christine Lenk vocals
Alex Reingold vocals
Norah Reingold vocals

Tracklist

Disc 1
1. Dot 1:04
2. God The Universe And Everything Else No One Really Cares About - Part I 23:45
3. Higher Ground 10:10
4. Steer By The Stars 4:22
5. Traveling Minds 4:59
6. God The Universe And Everything Else No One Really Cares About - Part II 5:57
Gesamtlaufzeit50:17


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @ (Rezension 1 von 4)


Im September 1977 schickte die NASA die Sonde Voyager 1 auf die Reise, um die beiden Gasriesen Jupiter (passiert 1979) und Saturn (passiert 1980) und das äussere Sonnensystem zu erforschen. Der amerikanische Astronom Carl Sagan hatte nach Passage des Saturn die Idee, die Sonde zu drehen und aus dieser Distanz (10 AE; astronomische Einheiten) ein Foto von der Erde zu machen. Die NASA entschied sich dagegen, weil man Angst hatte, die optischen Systeme könnten durch die Sonne beschädigt werden und so flog die Sonde weiter. Und weiter. Und weiter. Zehn Jahre später war man 40 AE entfernt und passierte die Bahn des Pluto. Und man erinnerte sich der Idee Sagans. Die Sonde wurde gedreht und es entstand das berühmte Bild der weit, weit entfernten Erde. Ein kaum wahrnehmbarer Punkt. Der Pale Blue Dot. Unterdessen hat die Sonde das Sonnensystem verlassen und ist das fernste menschgemachte Objekt, das es gibt.

Sagans Buch "Pale Blue Dot: A Vision of the Human Future in Space" kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Als ich es vor einigen Jahren las, war ich fasziniert und ergriffen. So ging es offenbar auch Jonas Reingold, der sich für DOT davon inspirieren liess.

“Look again at that dot. That's here. That's home. That's us. On it everyone you love, everyone you know, everyone you ever heard of, every human being who ever was, lived out their lives. The aggregate of our joy and suffering, thousands of confident religions, ideologies, and economic doctrines, every hunter and forager, every hero and coward, every creator and destroyer of civilization, every king and peasant, every young couple in love, every mother and father, hopeful child, inventor and explorer, every teacher of morals, every corrupt politician, every ‘superstar,’ every ‘supreme leader,’ every saint and sinner in the history of our species lived there--on a mote of dust suspended in a sunbeam.”

Als ich Sagan las und dieses Foto sah, war ich mit Ehrfurcht erfüllt, war mir der Verletzlichkeit unseres Planeten bewusster als je zuvor, ebenso der unermesslichen Weite und Grösse des Universums. Wie will man das musikalisch umsetzen? Reingold war fasziniert von der Vorstellung, dass dieser Punkt alles ist, was die Menschheit war, ist und vermutlich je sein wird. So schrieb er das zweiteilige Stück ‘God - the universe and everything else no one really cares about’. Höre ich da den Titel von Douglas Adams drittem Hitchhikers-Guide-Band heraus?

DOT beginnt mit atmosphärischen Störungen, einem zerhackten Funksignal, welches wohl das Zeichen für die Sonde ist, das sagt: "hey, dreh Dich. Zeig uns, wo wir sind und wie wir vom Rande unseres Sonnensystems aus aussehen." Es folgt ein zartes, zerbrechliches Pianothema, ich nenne es mal das DOT-Thema, welches ziemlich rasch von heftigen Bassläufen, Gitarren-Riffs und Hammond-Orgel-Akkorden abgelöst wird. Typischer Karmakanic-Sound. Musikalisch stark, aber irgendwie unpassend zum fragilen Punkt in der Unendlichkeit. In den folgenden knapp 25 Minuten serviert Reingold ein reichhaltiges Menu feinsten Retroprogs. Dazu gehört sein unverwechselbares grooviges "Gebasse", perlendes Piano, aggressive rollende Hammond-Orgel-Akkorde, elegische Gitarrensoli, überraschende Dynamik- und Tempowechsel. Etwas deplaziert wirken lediglich kurze Choreinsätze (seiner Kinder?).

Mit "Higher Ground" folgt ein Stück, in welchem Reingold über seine Jugend erzählt und darüber, welche Vor- und Nachteile es hat, in einem kleinen schwedischen Dorf aufzuwachsen. "Steer by the Stars" ist ein kurzer Rocker, den Reingold zusammen mit Andy Tillison geschrieben hat. "Travelling Minds" schliesslich ist ein Stück im Stile von Yes` "And You And I". Sagt zumindest Reingold.

Den Abschluss macht der zweite Teil von "Dot", in dem das DOT-Thema wieder aufgenommen wird. Und endlich passt die Musik zu der Zerbrechlichkeit der fernen Erde, des blassen blauen Punktes, der verloren und einsam am Rande der Milchstrasse irgendwo im "unendlichen" All liegt, auf ihm die Menschheit, die überhaupt bloss erst einen kurzen Augenblick da ist und in den Grössenordnungen des Universums auch nur noch einen Wimpernschlag da sein wird…

Ein gutes Album, das aber stilistisch das Thema für meinen Geschmack zu wenig trifft. Für Karmakanic-Fans aber sicher eine lohnende Sache. Sagans Buch empfehle ich dagegen jedem.

Anspieltipp(s): God the universe and everything else no one really cares about - Part I & II
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.6.2016
Letzte Änderung: 28.6.2016
Wertung: 10/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 4)


Karmakanic, ein Ableger der Flower Kings, machen seit etwa 15 Jahren in sporadischen Abständen sporadische Alben, im Retrostil, die alle ganz gut sind, sehr schwedisch, einen aber auch nicht vom Hocker hauen. "DOT" ist wieder so eine Scheibe. Es gibt starke Longtracks ("God The Universe And Everything Else No One Really Cares About", und "Higher Ground"), kürzere Nummern ("Steer By The Stars", "Traveling Minds"), poppiges ("Steer By The Stars" und der Beginn von "Higher Ground") und viel soliden Retroprog, immer irgendwo zwischen den Kings, verwässertem Jazz und epischen Passagen.

Pop ist hier nicht böse gemeint: Wenn Popmusik so wäre wie "Steer By The Stars" (und "Hands Up" von Bent Knee), würde ich Popmusik hören!

Allzu frickelig geht es nicht zu, dennoch ist "DOT" ein starkes Album, das die Spätwerke der Mutterband durchaus überflügelt. Aber gut, selbst Roine Stolt hat keine Lust mehr auf die Flower Kings und macht jetzt lieber mit Jon Anderson Yes-Alben, sehr starke sogar.

In diesem Sinne: Statt Flower Kings und Yes lieber Karmakanic und Anderson/Stolt, dann bassd des.

Anspieltipp(s): "God The Universe And Everything Else No One Really Cares About - Part I", "Steer By The Stars"
Vergleichbar mit: den Flower Kings
Veröffentlicht am: 30.6.2016
Letzte Änderung: 30.6.2016
Wertung: 11/15
Obwohl die Alben der Band hier durchgängig 11 Punkte erzielen, finde ich persönlich, dass sie schon schwächer waren.

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 4)


Für mich ist dieses Album eine famose EP mit ein paar Bonustracks.

Bei „Dot/God...“ stimmt einfach alles. Die konzeptionelle Idee und – wie ich finde – auch die Umsetzung. Es gibt ja ne Menge Leute, denen das ganze Ding mit Gott und dem Universum und all dem Kram ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht. Dabei würde der humoristische Grundgedanke das Zusammenleben der Menschen phänomenal erleichtern. Schon Erich Kästner warb sehr einleuchtend dafür: „Jeder Mensch erwerbe sich Humor! Das ist nicht unmöglich! Denn immer und überall ist es einigen gelungen. Der Humor rückt den Augenblick an die richtige Stelle. Er lehrt uns die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden. Das ist viel. Bevor man das Erzübel, die Eitelkeit, nicht totgelacht hat, kann man nicht beginnen, das zu werden, was man ist: ein Mensch.“

Die musikalische Umsetzung ist dabei so vielschichtig wie das Leben selbst geraten und strahlt eine ganz erhabene Lässigkeit aus, die streckenweise im floydigen Groove daher kommt. Es beginnt im Weltraum und dann dreht sich das Teleskop gen Erde und dieser kleine Fleck in den unendlichen Weiten des Universums, der unser Zuhause ist, tritt in den Blick. Und allmählich zoomt es an die Erde heran und die Musik wird machtvoller. Ich finde das alles sehr gelungen und bewegend gemacht. Auch der „Kinderchor“ entfaltet an seiner Stelle im Kontrast zu den kraftvollen maskulinen Lead Vocals ganz speziellen Reiz. Meistens bewegt sich der Track im Midtempo, mal gibt es ruhige Passagen z.B. mit Pianoläufen, Flöte und akustischer Gitarre, hier und da wird auch ein wenig gefrickelt, aber alles sehr ausgewogen und zweckdienlich. Klasse!

Leider gibt es noch ein paar "Bonustracks", die einfach nur nett vor sich hin plätschern und zumindest keinem weh tun. Allein wegen „Dot/God...“ lohnt sich die Anschaffung des Albums für jeden Retro-Proggie.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.7.2016
Letzte Änderung: 5.7.2016
Wertung: 10/15
für „Dot/God...“ 12-13

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Von: Marc Colling @ (Rezension 4 von 4)


Jonas Reingold ist ein umtriebiger Musiker mit unzähligen Projekten, doch in letzter Zeit scheint Karmakanic seine Lieblingsspielwiese zu sein. Denn seine Hauptband, die Flower Kings vermisst momentan niemand. Und schon gar nicht, wenn Karmakanic Alben wie „DOT“ produzieren. „DOT“ vereint in sich all das, was der Fan von Retroprog mit Hang zu Longtracks und melodischen Höhepunkten sowie dazwischen auch mal komplexeren Passagen ohne aber allzu sehr in Frickelattacken zu fallen, liebt.

Der Haupttrack GOD ist mit seinen 23:46 Minuten nicht eine einzige Sekunde zu lang. Was die Mitstreiter um Reingold hier abliefern, inklusive des Kinderchores den Jörg nicht so mag, ist unter die wichtigsten Arbeiten der Band einzureihen. Die Keyboards schweben mal über dem Track, mal spielt Andy Tillison seine Hammond bis zum Anschlag. Gitarre hoch 3, Flöte, Saxophon und unzählige Percussions verleihen dem Longtrack mal Grazie, mal Biss. Vor allem aber gefällt das Klavier, das einige längere und phantastische Soli spielt. Auch tauchen immer wieder barocke Motive in der Komposition auf, welche eine mittelalterliche Atmosphäre neben höchst modern klingende Töne stellen. Dieser Track nimmt mal eben so die Hälfte der Spielzeit ein und es ist klar, dass die restlichen Songs damit keine leichte Stellung haben.

Und dennoch gelingt es der Band ein homogenes Werk zu präsentieren. Mag es vielleicht auch an der relativ kurzen Spielzeit von knapp 50 Minuten liegen, auf jeden Fall passiert es mir nicht, dass ich kurz weghöre. Songs wie das rockige und zum Schluss wunderbar mehrstimmige STEER BY THE STARS beweisen, dass die Musiker Spaß hatten. Der sich dann auch auf den Hörer überträgt. Zum Abschluss dann noch GOD PART II, was natürlich das Hauptthema nochmal aufgreift. Würdiger Abschluss einer durchaus überzeugenden Albums. Wie hieß nochmal die Band mit Reingold und Stolt? Flower was? Habs vergessen.....

Anspieltipp(s): GOD (der Longtrack verdient 'ne lockere 13)
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.10.2017
Letzte Änderung: 4.10.2017
Wertung: 11/15
würdige Verwalter des Retroprogs

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