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Amorphis

Tales From The Thousand Lakes

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1994
Besonderheiten/Stil: Folk; Metal; Progmetal; Psychedelic; Spacerock
Label: Relapse Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Tomi Koivusaari Gesang, Gitarre
Esa Holopainen Gitarre
Kasper Mårtenson Keyboards
Olli-Pekka Laine Bass
Jan Rechberger Schlagzeug

Gastmusiker

Ville Tuomi Gesang

Tracklist

Disc 1
1. Thousand Lakes 2:03
2. Into Hiding 3:42
3. The Castaway 5:30
4. First Doom 3:49
5. Black Winter Day 3:48
6. Drowned Maid 4:23
7. In The Beginning 3:34
8. Forgotten Sunrise 4:50
9. To Fathers Cabin 3:47
10. Magic And Mayhem 4:27
Gesamtlaufzeit39:53


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


So, hier wäre also auch schon der Dreh- und Angelpunkt der Diskografie von Amorphis: "Tales From The Thousand Lakes", also jenes Album, das den Stil der Band gewaltig modifizierte, ungeahnte Einflüsse offenlegte, weitaus anspruchsvolleres Songwriting demonstierte und dabei dennoch überaus zugänglich blieb. Gehen wir dieses Album mal von vorne nach hinten durch, denn der eigenartige Fluss dieses Albums, will meinen: Die Dynamik in den Songs selber und in ihrer Abfolge ist schlichtweg unnachahmlich. Vorab möchte ich den Leser schon einmal um Verzeihung für den langen Text bitten - von diesem Album lässt sich leider (?) nur wenig zusammenfassen oder sinnbewahrend raffen.

"Thousand Lakes" eröffnet das Album reichlich verträumt nur mit Tasteninstrumenten, wobei eher verhaltene Klavierakkorde und -motive in dämpfige Keyboardflächen gehüllt werden. Direkt danach demonstriert "Into Hiding" schon, was Amorphis hier neu machen: Melodien stehen im Mittelpunkt dieses Albums, und so beginnt dieses Stück gleich mit einem prägnant-klassischen Viertakt-Thema auf der E-Gitarre, das zum Grundstock für den Song selber gemacht wird. Eine hieraus abgeleitete Gitarrenlinie in einer Kirchentonart geht den Strophen voran, eine weitere Variation begleitet die Strophen, wohingegen die Bridge insbesondere über die Harmonien als ein Gegenthema zu identifizieren ist - ein Refrain folgt danach nicht, sondern wieder das eingangs vorgestellte Thema. Zugleich gibt es aber insgesamt auch nur zwei Strophen, denn das Ende wird wieder auskomponiert, wobei zu dramatischen Keyboard-Akkorden und einem 3er-Rhythmus der Bass über Versatzstücke aus dem Thema soliert.

"The Castaway" hat danach ein vergleichsweise schroffes Intro aus unisono vorgetragenen Arpeggien von Gitarre und Keyboard zu einem Marsch-artigen, zugleich (am Schlagzeug) shuffle-lastigen Rhythmus, ehe aus einer Abwandlung dieses Arpeggios nach guten 50 Sekunden noch eine recht eingängige Melodie gesponnen wird, die sich Gitarre und Keyboard abwechselnd zueigen machen und verschiedentlich transponieren, bis dann der Grunzgesang einsetzt - obschon die im Hintergrund die Gitarre wiederum gesanglich phrasiert ist und sozusagen den Chor bildet, was auf diese Weise etwas an Steve Howe im "Total Mass Retain"-Part von "Close To The Edge" erinnert. Im Mittelpunkt steht dann wieder eine aufsteigende Melodie nach bzw. zwischen den Strophen zu einem Uptempo-Part, aber das Ende von "The Castaway" gehört dagegen einem psychedelisch-rockigen Part mit Orgeltönen und einer melancholisch heulenden Gitarre - auf den zum Ende aber wieder diverse Death-Sounds aufgesetzt werden.

Hingegen ist "First Doom" relativ gewöhnlicher Doom/Death Metal, der eigentlich nur durch die melodische Begleitung auf der Gitarre und diverse Tempoveränderungen gewinnt, ansonsten aber noch recht nah am Stil des Debütalbums und Vorgängers dran ist. Das folgende "Black Winter Day" galt dann lange Zeit als sowas wie das Markenzeichen dieser Band, rein formell steht es aber zumindest exemplarisch für den Stil dieses Albums. Wieder einmal wird ein prägnantes Thema vorangestellt, zwischen Gitarre und Keyboards ausgetauscht, nahtlos in die durchkomponierte Strophenbegleitung überführt und schließlich in einigen Breaks mit einem Gegenthema konfrontiert. Zugleich wird der zugrunde liegende 6/8-Takt variantenreich dargeboten und immer wieder vom Schlagzeug anders betont, was dem eigentlich eher schleppenden Tempo eine gewisse Agilität entgegenstellt. Ja, es lässt sich - gerade auch im Kontrast zum vorangegangenen "First Doom" - feststellen: Genau auf diese Weise denken und entwickeln Amorphis ihren Metal in Riesenschritten weiter, denn bloße Riffs gibt's hier überhaupt nicht mehr, und auf jeder Stimme passiert jederzeit etwas spannendes.

In diesem Habitus geht es dann bereits in "Drowned Maid" weiter, wo die Gitarre zwar im schnellen Intro noch Riff-Andeutungen macht (dabei aber von einer eindrucksvollen Keyboard-Akkordfolge überlagert wird), bei langsamerem Tempo aber sogleich wieder in diesen auffälligen sanglichen Stil verfällt - und hierbei erneut in verschiedenen Parts gegensätzliche Stimmungen hervorruft. "In The Beginning" fällt danach als Midtempo-Doom-Nummer etwas ab, auch wenn Esa Holopainen immer noch der Star im Ring ist. Erst das Hammondorgel-lastige und auch sonst eher rockig arrangierte Outro fällt aus dem Rahmen des Genres. "Forgotten Sunrise" dagegen führt solche psychedelischen Momente auch in Breaks im "eigentlichen" Song ein, derartige Passagen wirken hier aber eher wie Brüche mit der ansonsten einmal mehr doomigen Konsistenz des restlichen Songs.

In die Vollen geht es dann wieder mit "To Fathers Cabin", das erst mit einer überaus feierlichen Melodie auf dem Keyboard zu einem eher rockigen Riff beginnt, dann aber nach einer guten Minute voll in den Psychedelic-/Spacerock-Modus umschaltet und dabei deklamierenden Klargesang à la Michael Moorcock zu einer überbordenden Keyboardkulisse bietet, danach jam-artig weitergeht, jedoch immer wieder einige metallisch-rockige und entsprechend geradlinige Passagen ordnent einsetzt. Das klingt ebenso abgehoben wie beeindruckend und dürfte Bands wie While Heaven Wept mit Sicherheit beeinflusst haben. Auch das abschließende "Magic And Mayhem" macht so einen Switch und noch mehr Wandlungen durch: In den Doomdeath-Anfangspart fällt eine feierliche Orgelpassage ein, nach einem markigen Break gibt es noch mehr Schwelgereien, und in die zweite Hälfte des Songs führt ein Uptempo-Part mit noch mehr Space-Anleihen und einem beinahe elektronischen Rhythmus, doch zum Ende wird noch einmal die Schwelger-Passage aus der Mitte aufgegriffen, besungen und zum Ende schließlich beschleunigt.

Was habe ich hier also gehört? Es lässt sich feststellen, dass Amorphis einerseits ihren Klang vor allem um allerlei Tasteninstrumente erweitert haben, was einerseits für schwelgerische, abgehobene oder gar mysteriöse Stimmungen sorgt, zugleich aber auch auf Psychedelic und Spacerock verweist (konsequenterweise hat die Band nur wenig später noch The Doors, Hawkwind und Kingston Wall gecovert). Zum anderen ist "Tales From The Thousand Lakes" geprägt von einer eigenwilligen melodisch-thematischen Arbeit, die entweder direkt im Mittelpunkt des Songwritings steht oder aber zumindest hinlängliche Song-Strukturierungen (Intro, Strophe, Bridge, Refrain, Instrumentalteil etc.) über den sie eigentlich definierenden Gesang (bzw. dessen Abwesenheit) hinaus erweitert. Das gelingt in den besten Ausprägungen dieses Merkmals - "Into Hiding", "Black Winter Day", "Drowned Maid", "To Fathers Cabin" etc. ziemlich gut und stellt, wie sich mit Blick auf die Folgealben darstellt, in der Tat ein definierendes Merkmal für den Stil von Amorphis dar. Zugleich sind auf diesem Album aber natürlich immer noch viele Bezüge zum eher bodenständigen Death Metal des Debütalbums zu finden.

Abschließend bliebe mir noch ein Kommentar zur Rolle dieses Albums: Angesichts von Songs, die nur wenig über dem Stand des Debütalbums hinaus entwickelt sind, und solchen, die einen beeindruckenden Fortschritt markieren, wäre es eigentlich angebracht, "Tales From The Thousand Lakes" als "Übergangsalbum" zu deuten. Da mutet es merkwürdig an, dass ausgerechnet diese Platte nun als Meilenstein gilt - und lässt sich nur dadurch relativieren, dass sich Amorphis bekanntlich noch auf beinahe jedem Album im Wandel befunden haben. Andererseits reicht es ja offenbar auch aus, einige mehr oder weniger wegweisende Änderungen angestoßen zu haben, denn das lässt sich "Tales..." ja nun auch nicht gerade absprechen.

Anspieltipp(s): Drowned Maid, To Fathers Cabin (!), Black Winter Day
Vergleichbar mit: Opeth meets Yes und Hawkwind - im Sunlight-Studio-Sound!
Veröffentlicht am: 8.7.2016
Letzte Änderung: 8.7.2016
Wertung: 12/15
Rein historisch gesehen vielleicht noch mehr. Runterziehen tun es die "metallischen" Nummern aber nur ein bisschen.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amorphis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1996 Elegy 14.00 1
1997 My Kantele 11.00 1
1999 Tuonela 10.00 1
2001 Am Universum 7.00 1
2003 Far From The Sun 11.00 1

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