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24169 Rezensionen zu 16520 Alben von 6433 Bands.
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Opeth

Sorceress

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Blues; Canterbury; Folk; HardRock; RetroProg
Label: Moderbolaget/Nuclear Blast
Durchschnittswertung: 10.4/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Mikael Åkerfeldt vocals, guitar, production
Fredrik Åkesson guitar, backing vocals
Joakim Svalberg piano, keyboard, backing vocals
Martín Méndez bass guitar
Martin Axenrot drums, percussion

Gastmusiker

Pascale Marie Vickery spoken words on Persephone and Persephone (Slight Return)

Tracklist

Disc 1
1. Persephone 1:51
2. Sorceress 5:49
3. The Wilde Flowers 6:49
4. Will O the Wisp 5:07
5. Chrysalis 7:16
6. Sorceress 2 3:49
7. The Seventh Sojourn 5:29
8. Strange Brew 8:44
9. A Fleeting Glance 5:06
10. Era 5:41
11. Persephone (Slight Return) 0:54
Gesamtlaufzeit56:35
Disc 2
1. The Ward   ("special edition") 3:15
2. Spring MCMIXXIV 6:11
3. Cusp of Eternity (Live) 5:45
4. The Drapery Falls (Live) 10:23
5. Voice of Treason (Live) 8:11
Gesamtlaufzeit33:45


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 5)


...997...

Retrorock ist ja in den letzten Jahren so ein Thema, viele Progfans hören das, viele Progmusiker auch. Bigelf und so. Opeth machen ja auch in der Retrorichtung, und pflegen das Erbe, engl. Heritage, der schwergewichtigeren Rockbands der 70er. Und mit "Sorceress" hat sich das nicht geändert. Die meinen das also offenbar wirklich ernst.

Schon die Songtitel erinnern an die goldenen Zeiten progressiven Rocks: Angespielt wird auf Nucleus, Fates Warning, The Wilde Flowers, The Moody Blues, Cream, diverse Canterbury-Protagonisten sowie das Plattenlabel Chrysalis. Möglicherweise. Lösen sie das ein? Möglicherweise.

"Persephone" ist das Gitarrenintro in das Album, dem Song entspricht mit "Slight return" ein Outro. Mit "Sorceress" geht es dann so richtig los: Der Song startet mit einem schönen groovigen Riff, und wird dann ein kräftiger Düsterrocker im sabbathgetränkten Retro-Gewand. Es folgt ein proggiger Part, der Lust auf mehr macht – leider endet der Song damit aber. Schade! Wäre spannend gewesen, der Band dabei zuzuhören, wie sie die Ideen des Stücks weiterentwickeln. "The Wilde Flowers" schlägt in die gleiche Kerbe, ein weiterer kraftvoller Rocker, ist allerdings nicht ganz so abwechslungsreich. Oder "Chrysalis", das als kräftiger Rocker mit ordentlich Vorwärts beginnt. Ein abwechslungsreiches Stück, bis dato der Song mit dem meisten Drive. Ähnlich wie "The Wilde Flowers" läuft der Song in einer stillen Passage aus. Joa. Es gibt mehr solcher Songs, "A Fleeting Glance" zum Beispiel, oder "Era", auch so straighte Retrorocker – und sowas geht prompt jedesmal an mir vorbei.

Einige Songs sind auf der akustischen Seite, die Gitarrenballade "Sorceress 2" etwa. Interessanter ist "Will O The Wisp", denn das ist ein Jethro-Tull-Song! Ein Folk-Stück – und eine wunderbare Hommage an die legendären Rock-Urgesteine aus den – krass, den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wunderbar gesungen und produziert, immer wieder erlebt der Jethrist kleine tullöse Momente, die einem beim Hören ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Kein Prog, aber schön gemacht.

Prog! A propos! Also, da ist "Strange Brew", das sich unentwegt zwischen hartem, bluesigem Riffrock und proggigen Anteilen hin und her bewegt. Überhaupt ist "Anteile" wohl das richtige Wort, um den Progwert dieses Albums zu bestimmen. Es gibt Elemente, hier und da, nicht in jedem Song, und immer nur kurz. "The Seventh Sojourn" dürften auch einige zum Prog zählen wollen, aber das ist eher so Orientrock. Klingt wie eine Mischung aus Yossi Sassi und Karawanen-Filmmusik und wirft ein bisschen die Frage auf: Braucht es Opeth, um solche Musik zu machen?

Anspielungen auf große Tage einerseits, von Nucleus bis Canterbury, wenig Prog andererseits. Die Band steht dazu, ganz offen beschreibt sie die Musik auf dem Album als ziemlich eingängig. Fredrik Åkesson entfleucht sogar der Ausdruck "Neanderthal Rock" in Bezug auf das Titelstück, und Åkerfeldt spricht von "big, stupid rock". Nun ja, man muss das auch nicht übertreiben. Aber es ist nicht abzustreiten, dass es weniger der oben angesprochene Jazzrock und der klassische Prog sind, die das Album inspiriert haben, sondern eher die von der Band als Einflüsse genannten frühen Alben von Judas Priest, Iron Maiden, den Scorpions, Deep Purple, Michael Schenker und den schon genannten Black Sabbath. "Sorceress" ist folgerichtig ein kräftiges, proguntypisch bluesiges Retro-Rock-Album mit vorübergehenden Proganteilen geworden. In diesem Genre treiben sich ja seit Jahren viele Bands herum, Opeth eben auch, und wer sowas mag, der dürfte mit "Sorceress" mehr als zufrieden sein. Für Progfans ist das wohl eher weniger was (die können dafür mal in Seven Impales "Contrapasso" reinhören).

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: drogenschwangerem, bluesigem Heavyrock der 70er und anderen Epigonen wie Wolfmother, Bigelf
Veröffentlicht am: 7.10.2016
Letzte Änderung: 19.10.2016
Wertung: 8/15
Das stärkste Opeth-Album ist es nicht. Nonprogfans werden's deutlich besser finden.

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Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 5)


Rezensionen sind subjektiv durch die Wahrnehmung des Rezensenten, aber objektiv durch dessen Beschreibung der Fakten. Und Opeth bewahren nur einen Stil von früher, sie entwickeln nichts Neues. So gesehen könnte der Progfan enttäuscht sein. Doch sie bewahren den Prog der 70'er mit absoluter Klasse und Finesse (das ist die subjektive Seite), reduzieren den Proganteil aber auf das Nötige (das ist die objektive Seite).

Nachdem ich in den letzten Wochen unzählige Bands gehört habe, die sich an Neoprog versuchen wie Multi Story, Ghost Community, Elephant Plaza oder Eric Norlander bin ich froh mal wieder Retroprogrock zu hören. Sicher ist es richtig, dass es mehr als genug Retroprogrockbands gibt. Und etliche sind tatsächlich überflüssig. Doch Opeth zeigen hier zum dritten Mal hintereinander, wie dieser Stil gespielt werden sollte. Und, ja, die meinen das wirklich ernst.

Von 11 Songs ist ein einzig schwächerer dabei. Das ist THE SEVENTH SOJOURN. Es gibt wirklich mehr als genug Versuche orientalische Musik in den Prog einzubauen. Den wenigsten gelingt das, da machen auch Opeth keine Ausnahme. Ansonsten sind die Songs alle gelungen.

Das Intro PERSEPHONE hat ein schönes Motiv auf der A-Gitarre zu bieten und wird vom Titelsong SORCERESS abgelöst. Düster, schwer, riffig, tiefe Gitarre. Retro at its Best. Auch THE WILDE FLOWERS stampft schwer aus den Boxen bis Fredrik Akesson das erste seiner zahlreichen Soli spielt. Und Akesson spielt beeindruckend auf diesem Album.

Dass sie Folk können wurde schon früher bewiesen, doch WILL O THE WISP toppt vieles. Ob das jetzt nach Jethro Tull oder Lindisfarne klingt ist egal. Es ist wunderbar arrangiert und gesanglich genial. Komplett anders und ein Dampfhammer ist CHRYSALIS. Hart rockend, mit ordentlich Drang und teils schwer riffend wie weiland Black Sabbath knallt dir dieser Düsterrocker um die Ohren. Es folgt SORCERESS 2. Der Gesang erinnert stark an die psychedelischen Phasen des Prog in den 70'ern. Selten in diesem Jahr einen so guten Song gehört. Er lebt nur von A-Gitarre und Gesang und braucht keine Gimmicks.

Das orientalische THE SEVENTH SOJOURN folgt dann und ist etwas unausgegoren. Wie schon gesagt gefällt mir der Song im Gesamtkontext des Albums nicht so gut. Hab ich alles so ähnlich schon zu oft gehört. Klar wie die Morgenluft kommt dann STRANGE BREW daher. Doch nach 2 Minuten bricht ein Inferno los und Opeth lassen alle Instrumente von der Leine. Das rifft, röhrt, rockt und schreit wie von der Tarantel gestochen. Wenn auch die Definition von Prog schwer ist, hier wäre mal ein gutes Lehrstück als Diskussionsbasis. Denn nach dem Gewitter klart es auch wieder auf und die frische Morgenluft ist wieder zu schmecken. Diese Wechsel zwischen brachial und zärtlich sind die Momente, wo die Band ihre Stärke voll ausspielt. Denn sie beherrschen die Klaviatur der großen Gefühle.

Mit ganz viel Gefühl folgt dann A FLEETING GLANCE, teils akustisch gespielt. Unspektakulärer als die anderen Songs und trotzdem schön anzuhören. Auch ERA beginnt sehr ruhig mit Klavier, steigert sich dann aber mit einer rauen Gitarre, einer knüppelnden Drum und einem heftigen Bass.

Im Gegensatz zu „Heritage“ ist dieses Album wesentlich zugänglicher. Es knüpft eher an „Pale Communion“ an, den direkten Vorgänger. Somit haben Opeth sich definitiv von ihren früheren Metalzeiten gelöst.

Für Progfans die Frickelorgien erwarten ist das Album nichts. Doch für Progfans die ein hochwertiges Album im Bereich von Prog und Rock erwarten sowie pointierten wilden und ruhigen Momenten ist das Album empfehlenswert.

Anspieltipp(s): Sorceress 2
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.10.2016
Letzte Änderung: 18.10.2016
Wertung: 12/15
Prog + Rock perfekt angerührt und vermischt

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 3 von 5)


Ob man es glaubt oder nicht, aber Opeth sind mittlerweile ein Widerspruch in sich. Da provoziert Mikael Åkerfeldt vor zwei Jahren anlässlich von "Pale Communion" noch, Metal sei keine Rebellion mehr - und liefert aktuell mit "Sorceress" schlicht ein weiteres Album im mittlerweile ziemlich berechenbaren Retro-Stil ab. Die Kluft wird noch größer, wenn man darüber stolpert, dass der Capo der Band im Vorfeld Il Paese dei Balocchi als Einfluss benannt hat und in den aktuellen Interviews sich darauf beruft, derartige Italo-Bands hätten damals machen dürfen, was sie wollten, und seien deshalb von ihren jeweiligen Labels nach nur wenigen bis einzelnen Alben wieder angesichts mangelnden kommerziellen Erfolges fallengelassen worden. Und schlägt sich dieser Geist dann in "Sorceress" nieder? Kaum, denn tatsächlich gibt es doch einige Eigenheiten, die dieses Album zum bislang schwächsten der Band seit 2011 machen.

Da wäre zum Einen die Tatsache, dass sich das Material teilweise aus dem eigenen Repertoire speist. So scheint es das Intro "Persephone" doch schon mal unter dem Namen "Marrow Of The Earth" gegeben zu haben, Georgel wie zwischen den Strophen von "The Wilde Flowers" gab's auf "Pale Communion" zuhauf, der Anfang von "Sorceress 2" mimt jenen von "I Feel The Dark" und der Mittelpart von "A Fleeting Glance" jenen von "Folklore", und auf das erhabene Ende von selbigem Stück berufen sich dann auch noch die schnelleren Passagen von "Era". Einige Ausbrüche in "Strange Brew" dagegen orientieren sich unverholen am Intro von "Cusp Of Eternity". Man mag von solchen Selbstreferenzen halten, was man will - gerade im Prog hat das schon einige Male ganz gut geklappt, beispielsweise bei Steve Howes kurzen "Close To The Edge"-Zitat am Anfang von "Ritual / Nous Sommes Du Soleil", den ganzen Verweisen auf die Bandgeschichte auf "Tormato" oder dem kurzen "Supper's Ready"-Anklang in Genesis' "Los Endos". Bei Opeth dagegen wirken diese Selbstzitate schlicht, als sei der Band an den jeweiligen Stellen nichts besseres eingefallen, denn quasi als Autoritätsargument auf schon Vorhandenes und Bekanntes zurückzugreifen.

Abgesehen hiervon fällt auch auf, dass sich Opeth bei Anklängen an andere Bands längst nicht mehr wie noch zu "Heritage"-Zeiten direkt mit Prog- oder zumindest Retroprog-Größen wie Änglagård, Landberk, Anekdoten oder Wobbler in Verbindung bringen lassen. Eher klingen durch das Gros der Musik vergleichsweise klassische Hardrock-Bands durch. So erinnert der Groove von "The Wilde Flowers" an Led Zeppelins "Kashmir" oder Rainbows "Sixteenth Century Greensleeves", wohingegen "Chrysalis" von Boogie-artigen Galopppassagen durchsetzt ist, die an Uriah Heep ("Look At Yourself") erinnern. Der "Longtrack" (die Anführungszeichen sollen hier mal die wie so oft unpassenden Übergänge innerhalb des Songs verdeutlichen) "Strange Brew" setzt dagegen immerhin mal Stimmungen, Wendungen und Harmonien von "Shine On You Crazy Diamond" ein, und einige flottere Solopassagen klingen lustigerweise wie Dream-Theater-Spielereien im Retro-Soundgewand - speziell das Keyboard hat die Art und Weise, wie Jordan Rudess Harmonien und Melodien verknüpft, ganz gut drauf. Direktere Vergleiche zu Prog-Bands ergeben sich sonst nur noch in wenigen Tony-Banks-Keyboards in "Era" sowie ein paar FloKi-artigen Momenten in "Sorceress 2" - diese Schulter haben Opeth bislang tatsächlich noch nicht geschlossen.

Das Hauptproblem an "Sorceress" ist aber meines Erachtens nicht so sehr die verquere Wahl von Vorbildern und (Selbst-)Zitaten, sondern eher die auch hierdurch offenkundige Einfallslosigkeit der Songs. So ist "The Wilde Flowers" die ganze Spielzeit hinüber nur um eine einzige Harmoniefolge herum aufgebaut, Melodien werden ebenso nervtötend oft wiederholt, und das ganze Stück klingt eher wie ein Jam denn wie ein auskomponierter Song. Auch "Sorceress" stampft relativ unbeeindruckt geradlinig vor sich hin, und "Strange Brew" sowie "Chrysalis" werden durch dümpelnde Outros unschön in die Länge gezogen. Schwer wiegt auch, dass sich Opeth angesichts der angerissenen Stile an einigen Stellen durchaus gewissen Elementen verpflichtet sehen - und diese "Muss ja"-Manierismen wie das Orgelsolo in "Chrysalis" (Uriah Heep, wie gesagt...) oder überhaupt das Orient-Surrogat "The Seventh Sojourn" (möglicher Gedankengang seiner Schöpfer: "Hey, 'The Gates Of Babylon', 'Kashmir' und 'Hassan-I-Sahba' schauen auf uns herab. Da brauchen wir auch was mit Tabla und Bouzouki!") wirken geradezu lustlos. Hierzu passt, dass auch dem offenkundigen Tull-Plagiat "Will 'O The Wisp" (vergleiche "Cold Winds To Valhalla", "Jack-In-The-Green" und auch das als Vorbild benannte "Dun Ringill") trotz formaler Stärken beim Imitat (der Gesang ist ziemlich nah an Ian Anderson dran, auch wenn das Gitarrensolo um 3:30 herum eher nach Mark Knopfler denn nach Martin Barre klingt) die Lakonik und damit der Reiz der Originale völlig abgeht.

Über solche Eigenheiten verlieren Opeth dann auch graduell das, was die Band mal ausgezeichnet hat: Visionäre Melodien und Arrangements in spannungsreichen Songaufbauten. Es ist bezeichnend, dass sich auf "Sorceress" fast ausschließlich traditionelle Solopassagen finden und nicht etwa gelungenes Zusammenspiel der gesamten Band wie beispielsweise noch in den Instrumentalpassagen von "Chrysalis". An die alten Tugenden knüpft höchstens noch das geschickt um ein markantes Klaviermotiv herum aufgebaute "Era" an, und "A Fleeting Glance" ist zumindest mit seinem Renaissance-folkigen Intro und geradezu beatleskem Gesang ganz witzig geraten. Als Album als Ganzes aber hat mich "Sorceress" kaum überzeugt - zwar gibt es ein paar schön eingängige und unkomplizierte Hardrock-Momente ("Sorceress", "Chrysalis"), aber alles in allem spielen Opeth hier weit, weit unter ihrem Niveau, und - wie Nik schreibt - es bräuchte wirklich nicht diese Band, um diese Musik zu machen. Und nicht mal als Retro-Hardrock klingt die Musik sonderlich frisch, das bekommen einschlägige Bands wie Ghost, Jess And The Ancient Ones oder Blood Ceremony eindeutig besser hin. "Sorceress" ist bei aller nach wie vor vorhandenen professionellen Klasse bei weitem kein fleischfressender Pfau, sondern eher ein zahnloser Tiger - oder besser noch, das Tigerfell aus "Dinner For One". The same procedure as last year, Mrs. Sophie? - The same procedure as 40 years ago, James!

Anspieltipp(s): Era, Sorceress
Vergleichbar mit: Uriah Heep, Led Zeppelin, Pink Floyd und vor allem Opeth
Veröffentlicht am: 26.10.2016
Letzte Änderung: 11.7.2017
Wertung: 7/15
Eingängig, aber wenig aufregend, geschweige denn anspruchsvoll.

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Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 4 von 5)


Wie schon auf „Pale Communion“ bedienen sich Akerfeldt und Co. einiger atmosphärischer Stilmittel aus dem Hause Wilson und die Art und Weise, wie dies geschieht und wie die Umsetzung in den Opeth’schen Musikkosmos erfolgt, ist weiterhin grandios.

Die mit laut und leise wechselnden Stimmungen werden überaus geschickt und kontrastreich farbig dargestellt. Und es wird wieder einmal weit überdurchschnittlich gekonnt musiziert, diesmal vielleicht ein wenig mehr gitarren-orientiert. Die einzelnen Tracks, teils mit folkloristischen Elementen durchsetzt, fügen sich zu einem, trotz aller Wechsel und Brüche, harmonischen und kompakten Gesamtbild zusammen.

Opeth sind in den letzten Jahren neben Steven Wilson zu einem Garant für ausgereifte, mal technisch versierte, mal emotional tiefgehende und manchmal sogar anrührende, ja, achtsame Outputs geworden. Dass Achtsamkeit vielleicht nicht bei allen Kritikern gut ankommt, sollte Akerfeldt so lange nicht ins Grübeln stürzen wie der gute Besuch der Konzerte durch Fans anhält. Eine Live – Kostprobe findet sich auf CD 2 des neuen Albums und – siehe da – sogar die Growl-Fans werden dort bedient.

Wozu also die Aufregung über ein angeblich nicht oder kaum progressives (also fortschrittliches) Werk? Bisweilen ist auch als Fortschritt zu werten, wenn zuvor begonnenes verfeinert oder gelungen abgewandelt wird. Von Sorceress als schwaches Album zu sprechen erscheint mir doch etwas unsensibel. Im Gegenteil: Volltreffer, meine Herren!

Anspieltipp(s): A Fleeting Glance, Era
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.11.2016
Letzte Änderung: 7.11.2016
Wertung: 14/15
leicht aufgerundet

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Von: Peter Meyer @ (Rezension 5 von 5)


Die einzelnen Songs des jüngsten Opeth-Outputs wurden hier ziemlich genau und somit hinreichend auskundschaftet. Tja, was gibt es dann noch anzusprechen?

Genau, Opeths unheimliche Metamorphose.

Ach, über die Wandlung von der Death-Metal-Combo zur ProgMetal- oder gar RetroBand ist ja auch schon - an anderer Stelle - eine Menge geschrieben worden.... Und dass es richtig, richtig gut ist, dass die Schweden ihre alten Fans bei Livekonzerten nicht verprellen (wie etwa die bösen Buben von Anathema), weil sie da noch tadellos finster und unheilvoll loslegen. Jedenfalls zeitweise. Die geläuterten Ensembles mögen nämlich viele nicht, weil: Solche Schwachmatenmucke machen doch schon andere zur Genüge. Hab´ ich gelesen!

Den Vogel schoss der amerikanische Rezensent ab, der schrieb, dass Opeth mit Sorceress zum dritten Mal hintereinander den „Grandma-Test“ bestanden haben. Man „könne sie sogar an Weihnachten“ spielen. Nun, dann ist Grandpa Heiligabend auch ganz gerührt. Klingt irgendwie zahnlos, das Statement.

Der Proganteil auf Sorceress (wie immer man das definieren möchte, ich denke schon länger über eine Skala von 0-10 nach, oder besser 1-15, wegen der linearen Beschaffenheit) - der Proganteil hält sich wohl auch in Grenzen. Es ist in erster Linie ein Rockalbum mit einer Auswahl von abwechselungsreichen Stücken in einer handlichen Länge, abgesehen von dem Livetrack The Drapery Falls. Der kommt mit einer aufwändigen Orchesterbegleitung und etwas Gegrowle daher. Geblieben ist die leicht bedrückende, melancholische Atmosphäre, die auch schon Damnation den Stempel aufdrückte. Also doch nicht an Weihnachten. Vielleicht besser zum Thanksgiving-Truthahn.

Die Skiptaste muss eigentlich nur bei The Seventh Sojourn gedrückt werden (siehe Colling-Rezi). Ähnlichkeiten zu siebziger/achtziger Jahre AOR- oder Hardrockbands mit sauberer und vor allem harmloser Gitarrenarbeit, mal akustisch, mal elektrisch, und kunstvollem Gesang sind also vorhanden. Mit dem angenehmen, warmen Klang und den intelligenten Soundideen können die 13 Studionummern als familienfreundlich eingestuft werden. Also doch! Ab unter den Tannenbaum!

Anspieltipp(s): Chrysalis (purple-esque), A Fleeting Glance
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.8.2017
Letzte Änderung: 8.8.2017
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Opeth

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 Orchid 12.00 1
1999 Still Life 8.00 2
2001 Blackwater Park 12.50 2
2002 Deliverance 11.00 1
2003 Damnation 10.17 6
2003 Lamentations (DVD) 10.00 2
2005 Ghost Reveries 13.50 2
2007 The Roundhouse Tapes 10.00 1
2008 Watershed 13.33 3
2011 Heritage 10.00 6
2014 Pale Communion 11.17 6

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