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Reflexionen zum Progressive Rock (16.11.2017)
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Ulan Bator

Stereolith

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; Independent / Alternative; Postrock; RIO / Avant; sonstiges
Label: bureau b
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Amaury Cambuzat Voice, Keyboards, Synthesizers, Guitars, Percussion
Mario Di Battista Bass
Sergio Pomante Drums, Sax

Tracklist

Disc 1
1. On fire 2:38
2. Stereolith 5:15
3. Blue girl 3:16
4. Spinach can 4:01
5. Ego trip 4:45
6. Neuneu 5:33
7. No book 3:16
8. Icarus 4:45
9. Lost 2:11
10. Dust 3:28
Gesamtlaufzeit39:08


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Ulan Bator zum Zehnten (ungefähr). Ursprünglich kam die Band aus Paris und wurde 1993 gegründet. Inzwischen ist die Formation offenbar zu einem Soloprojekt Amaury Cambuzats geworden, der sich für Konzerte und Alben mit verschiedenen weiteren Mitspielern umgibt. Mit dem ziemlich derben Free-Postrock-Krach der Gründerjahre (siehe z.B. das grandiose "Végétale") hat die rezente Musik Cambuzats nur noch wenig gemein. Nach dem von Michael Gera (Kopf der Swans) produzierten "ego:echo" wand sich die Band etwas geradlinigeren Alternativrock-Gefilden zu. In der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends war Cambuzat dann im Lineup von Faust (oder einer der beiden Versionen des Krautrockurgesteins) zu finden. Danach reaktivierte er Ulan Bator wieder.

Spätestens mit dem 2013 erschienen Album "En France En Trance" bewegte sich die Musik auch wieder in progressiven Gefilden. Nun hat Cambuzat mit "Stereolith" ein neues Album am Start (wie gesagt ca. das Zehnte der Band), welches erstaunlicherweise beim deutschen Label bureau b erscheint, die sich ansonsten eher mit dem Vermächtnis der deutschen Krautelektroniker widmet, bzw. deren neuen Produktionen. Ein bisschen elektronischer als das Vorgängermaterial ist "Stereolith" auch ausgefallen.

Trotzdem handelt es sich hier um ein typisches Ulan-Bator-Album, wird sperrig-minimalistisches Gitarren-Postgerocke, experimentelle Avantausflüge und punkig-waviger (Retro-)Alternativrock miteinander vermengt, bisweilen ergänzt um jazzige Einlagen (immer dann wenn sich das Sax nach vorne spielt) und fast retroprogressive Tasteneinlagen. Auf "Stereolith" sind aber auch verstärkt elektronische Muster auszumachen, allerlei Synthesizerbrummen, elektronisches Flirren und nervöses Wabern. Dazu kommt schließlich der gewohnte Nichtgesang von Cambuzat, der zerbrechlich-weinerlich klagt und sprechsingt, meist in Französisch, aber bisweilen auch auf Englisch. Das ungestüme Lärmen aus den Anfangstagen ist zwar verschwunden, doch bisweilen kracht es schon noch ziemlich (man hoere das abschließende "Dust").

Das Ergebnis ist ein recht eigenes und progressives Gemenge, das intensiv, sehr dynamisch, hypnotisch-schwebend bzw. kantig-repetitiv rockend aus den Boxen treibt. Ein paar krautige Spuren und minimalistische Muster a la Faust sind auch vorhanden, doch treibt die Musik alles in allem eher rund und klangvoll voran. Die Musik verströmt dabei immer eine gewisse melancholisch-verträumte, angedüstert-schräge Atmosphäre, wie sie einstmals verschiedenen Wave-Independent-Bands auszeichnete (And Also the Trees z.B., Eyeless in Gaza, oder bisweilen auch die Swans). Fazit: Schön! Das 25-Jährige Bandjubiläum kann kommen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.2.2017
Letzte Änderung: 19.2.2017
Wertung: 12/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 2)


Das frühere Faust-Mitglied Amaury Cambuzat ist seit 1993 in der Musikszene aktiv und er bezeichnet sich selbst als Nomaden, der niemals sesshaft werden kann. Ulan Bator ist dabei seine Hauptinspiration, ob mit oder ohne Bandmitglieder, denn mittlerweile ist diese Band ja mehr oder weniger ein Ein-Mann Projekt. „Stereolith“ wurde in seiner momentanen Wahlheimat Italien aufgenommen. Dort tourte er 2016 und er nahm währenddessen Ideen auf einem Laptop auf, um sie später im Studio mit zwei italienischen Gastmusikern zu vervollständigen.

Als Anhänger von französischem Prog und Pop (französischer Pop hat mit deutschem Pop nicht viel gemeinsam, ist wesentlich offener und experimenteller) entdecke ich somit auch in fast jeder Note den Franzosen in ihm. Cambuzat hat dieses Flair und diese Gabe, seine Songs komplex, experimentell und dennoch leichtfüßig zu präsentieren. Seine ruhige, niemals aufdringlich Stimme klingt wunderbar zu diesen mal verflochtenen, dann wieder kindlich-unbekümmerten rhythmischen Trommeln und diversen anderen Percussioninstrumenten. Diesen Rhythmus unterlegt er auch mal mit flächigen Synthies und manchmal ist es ein Saxophon, dann wieder eine Gitarre die Akzente setzt.

Es klingt krautig wie in den 70'ern (NEUNEU), erinnert durch das schräge Saxophon dann sogar an Gong. Doch würde ich den Begriff „Kraut“ nicht überstrapazieren, denn dazu ist der Sound dann doch zu modern. In seinen Texten befasst Cambuzat sich meist mit sozialen Themen. So klagt er im Titelsong an, dass der Mensch zwar alles besitzt, aber vergessen hat was er eigentlich ist. Nämlich ein Nichts in der Natur.

Kompositorisch bleibt der Musiker bei kurzen und griffigen Songs, benutzt immer wieder elektronisch/experimentelle Sounds. Beim Gesang wechselt er auch mal ins französische, bleibt aber meist im englischen.

Wie bereits gesagt spielt das perkussive Element eine wesentliche Rolle in seinen Songs, treibt die oft verstreut eingesetzten Klänge von allerlei aus dem Rechner entstandenen Tönen flott voran und gibt der Musik eine durchaus leicht hörbare Note. Dennoch Obacht! Die Kompositionen sind immer noch sperrig und krautig genug um nicht zu schnell zu ermüden. Sie werden aber vom stets präsenten Rhythmus wirkungsvoll zusammen gehalten. Cambuzat spielt zwischen allen Stilen, taucht tief in die Welt des eher französischen Progs ein mit hier und da italienischen Anleihen, um einen Moment später wieder wie eine Ambient- oder Electronic-Band zu klingen, die sich nur im Prog verirrt hat. Man höre nur SPINACH CAN oder das anfangs minimalistische EGO TRIP, das sich fast zu einem Popsong mit Neu!-Tendenzen entwickelt.

NEUNEU ist so chaotisch wie es Anfang der 70'er David Bowie oder Hawkwind waren. Diese Loops, dann die mäandernde Gitarre und schlussendlich noch das Saxophon befeuern seine verfremdete Gesangsstimme und steigern die Stimmung fast bis zum Exzess. Doch Cambuzat überreizt es nicht und holt den Hörer wieder zurück in sein eher melancholisches Reich.

Der Albumname wurde sicherlich auch nicht zufällig ausgewählt. Unterm Kopfhörer kommen die zahlreichen Stereoeffekte erst richtig zur Geltung, denn der Klang ist einfach sagenhaft klar und transparent.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.7.2017
Letzte Änderung: 12.7.2017
Wertung: 11/15
mal was anderes als immer nur Neo-Retro oder was weiß ich auch Prog

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ulan Bator

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1997 Végétale 12.00 1
2000 ego:echo 11.00 1
2002 OK:KO 8.00 1

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