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23476 Rezensionen zu 16037 Alben von 6224 Bands.
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Pryapisme

Diabolicus Felinae Pandemonium

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Funk; Jazz; Jazzrock / Fusion; Mathrock; Moderne Electronica; Progmetal; Psychedelic; RIO / Avant; Worldmusic / Ethno; Zappaeskes
Label: Apathia Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Benjamin Bardiaux Keyboards
Nils Cheville Gitarre
Nicolas Sénac Gitarre
Antony Miranda Bass, Synthesizer, Gesang
Aymeric Thomas Schlagzeug, Klarinette, Keyboards

Gastmusiker

Adrien Daguzon Saxofon ("La Boetie stochastic process", "Tau Ceti Central")
Matthieu Halberstadt Cello ("Un max de croco", "Tau Ceti Central", "Totipotence d’un erg")
Gautier Lafont Türzuschlagen ("Tête de museau dans le boudoir")

Tracklist

Disc 1
1. Un max de croco 6:53
2. La Boetie stochastic process 6:02
3. 100 % babines, pur molossoïde ! 3:36
4. A la Zheuleuleu 6:05
5. Tau Ceti Central 8:38
6. Tête de museau dans le boudoir ( Intermezzo ) 2:41
7. Myxomatosis against architektür vol IV 2:46
8. Carambolage fillette contre individu dragon non-décortiqué 2:13
9. C++ 4:39
10. Totipotence d’un erg 13:09
Gesamtlaufzeit56:42


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Nach außen betrachtet gibt's auf Pryapismes neuem Album "Diabolicus Felinae Pandemonium" außer dem pseudo-lateinischen Titel nix neues: Immer noch spielen Ben (Ban?) Bardiaux und Kollegen Stücke mit unmöglichen Namen zwischen Wissenschaft und Dada, und das Artwork hat irgendwas mit Katzen zu tun. Die Antwort muss 2017, also zwei Jahre nach dem klassischen Ausflug auf "Futurologie", also mal wieder die Musik liefern. Auch hier hat sich natürloch formal eigentlich eher wenig getan. Immer noch gibt es auch in den Musikstücken einen bunten Ritt durch verschiedenste Stile zwischen Progmetal, extremer Elektronik, Jazz, Weltmusik und Avantgarde. So betrachtet nehmen Pryapisme damit schon zum dritten Mal das selbe Album auf... aber natürlich nicht nichts wie es scheint.

Bei genauerer Betrachtungen ergibt sich damit nämlich wie schon beim Schritt von "Rococo Holocaust" zu "Hyperblast Supercollider" (geschweige denn zu "Futurologie") eine ganz gehörige Akzentverschiebung, und schon der Opener "Un max de croco" legt davon ganz manierlich ein Zeugnis ab. Im Orient-Intro werden nämlich auf der Oud (oder irgendeinem vergleichbaren Instrument) Läufe vorgestellt, die alsbald von Gitarre und Keyboard übernommen werden, später dann auf Sequencer übertragen werden und sich überhaupt - bei allem Auf und Ab durch jazzige Passagen (samt Klarinette, E-Piano und Kontrabass), Loop-Begleitungen, Gitarren-Polyphonie und natürlich Blast-Ausbrüchen - durch den ganzen Song ziehen. Die Art und Weise, wie Pryapisme hier thematisches Material verarbeiten, ist schon ziemlich gewieft und lässt glatt Vergleiche zum letztjährigen An-Endless-Sporadic-Album zu. Wichtiger aber wäre wohl, dass diese Eigenschaft diesmal vergleichsweise klar offen liegt - Pryapisme spielen flüssig um diese Themen herum und konzentrieren letztere eben geradezu. Das gab es auf den vorherigen Alben mit ihrem Hang zum Chaos so eigentlich auch noch nicht.

Andererseits steht "Un max de croco" rein kompositorisch gar nicht mal so stellvertretend für das Album, denn diese Form mit einem zentralen Thema (und seinen Variationen) gibt es hier sonst eigentlich nur noch in "C++" und dem abschließenden Longtrack "Totipotence d'un erg", der übrigens mit einigen netten "De Futura"-Referenzen (bedrohlich-disharmonische Motive über einem grollenden Bass, langsame Steigerung) beginnt und zu diesen erst am Ende wieder zurückkehrt. In den restlichen Songs ist hingegen eher ein stetiger Wandel als eine Immer-wieder-Rückkehr die übliche Vorgehensweise. Das allerdings geschieht auch auf eine für Pryapisme-Verhältnisse recht erfrischenden Weise: Krasse Brüche und konfrontative Gegensätze (ich darf noch einmal erinnern: "Hyperblast Supercollider", nicht wahr?) gibt es diesmal kaum, stattdessen liegt die Betonung hier eben auf dem stetig. Und diese Linie gibt auch schon "Un max de croco" vor, dafür ist sie anderswo allerdings noch augenfälliger.

Nun wird es also Zeit für Beispiele: In "La Boetie stochastic process" führt man jazzige Motive erst auf Klavier, Pfeifenorgel und Klarinette ein, schiebt darunter aber bald einen gitarrenlosen und damit klanglich un-metallischen Blast. Später im selben Stück werden ähnliche Motive erst mit asiatisch klingenden Saitenistrumenten und dann mit Synthies gespielt, ehe dann ein Disco-Rhythmus eingeführt wird, über den sich dan ein herrlich abgedrehtes Bebop-Saxofonsolo legt und sich die Begleitung langsam (!) und flüssig bis zum Exzess steigert. Auch in "A la Zheuleuleu" wirft man GameBoy-Chiptunes, Bombast-Power-Metal, jazzig-verträumte Passagen und mit Soundeffekt-Gags verzierte Discomusik durchenander, aber alles folgt passgenau aufeinander. Noch einmal ein ziemlicher Wink mit dem Zaunpfahl ist noch das schon erwähnte "C++", in dessen Mittelpunkt in Korrektur der vorher getätigten Aussage weniger ein Thema, als ein Rhythmus-Pattern zu stehen scheint. Dieses Pattern jedenfalls taucht nämlich zwischendurch wieder auf, und fast alles, was Pryapisme hier variieren, geht vom Arrangement und dem Klang aus (am Ende tönt es angesichts zahlreicher Soundeffekte übrigens etwas wie King Crimson auf dem Bauernhof).

Zu vermerken wäre auch, dass Pryapisme diesmal sogar in Passagen recht lange einem bestimmten Stil treu bleiben. So gibt es am Anfang von "Tau Ceti Central" zwei Minuten lang saxofonlastigen Cool Jazz (mit elektronischen Untertönen), und die erste Hälfte (okay, das Stück dauert auch keine drei Minuten) von "Tête de museau dans le boudoir" könnte mit Walzertakt, burlesker Klarinette und singender Säge glatt von Alamaailman Vasarat sein. Auch "Carambolage fillette contre individu dragon non-décortiqué" ist bis zur Mitte relativ homogen und tönt sozusagen wie die Chiptune-Version von Beatles-beeinflusstem Songmaterial (yeah, endlich mal ein Anlass, auf die lustige "WANNA HLD YR HANDHELDS"-Compilation zu verweisen), wohingegen der Mittelteil von osteuropäisch gestimmten Gitarren zu einem 2/4-Takt bestimmt ist und auf seine Weise an den berühmten Chatschaturjan-"Säbeltanz" erinnert.

Alles in allem haben Pryapisme damit ihren Stil wohl doch stärker evolviert, als das vorab den Anschein hatte. Als weiteres Plus dieser Eigenschaft kommt dabei übrigens auch noch hinzu, dass diese ganzen argen Techno-Einfälle von "Hyperblast Supercollider" weitestgehend entfallen sind (dafür gibt's neuerdings gelegentlich mal Dubstep-Grooves), was schon mal die Nerven schont. Was die weitere Abgrenzug zu den Vorgängern angeht, sollte noch erwähnt werden, dass die großen Pop-Melodien von "Rococo Holocaust" ebenfalls unter den Tisch gefallen sind - an ihre Stelle treten jetzt eben diese durchdachten, hinterlistigen Themen und Motive. Zusammengenommen wirkt "Diabolicus Felinae Pandemonium" damit sogar ein bisschen sperriger, aber umgekehrt bereitet es dem Hörer dafür umso mehr Freude, diese Musik zu dechiffrieren. Schade nur, dass Pryapismes immer wieder mal maunzende und schnurrende Miezen (namens "La Belette" und "Styx" [!]) vor der Veröffentlichung noch irgendwie von der Besetzungsliste geflogen sind.

Anspieltipp(s): Tau Ceti Central, Un max de croco, Totipotence d'un erg
Vergleichbar mit: Jazziger und worldmusic-iger als sonst. Und ordentlicher!
Veröffentlicht am: 11.3.2017
Letzte Änderung: 27.3.2017
Wertung: 12/15
Mal hören, ob es noch wächst...

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Pryapisme

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2010 Rococo Holocaust 13.00 1
2013 Hyperblast Supercollider 10.00 1
2015 Futurologie 12.00 1

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