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Jethro Tull

Jethro Tull - The String Quartets

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Klassikrock / Adaptionen
Label: BMG
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Matthew Denton Violin
Michelle Fleming Violin
Eoin Schmidt-Martin Viola
Emma Denton Cello
Ian Anderson flute, guitar, mandolin, vocals
John O’Hara piano, celeste, arrangements

Tracklist

Disc 1
1. In The Past (Living In The Past) 4:07
2. Sossity Waiting (Sossity: You’re a Woman/Reasons For Waiting) 4:45
3. Bungle (Bungle In The Jungle) 3:49
4. We Used To Bach (We Used to Know/Bach Prelude C Major) 4:54
5. Farm, The Fourway (Farm On The Freeway) 3:44
6. Songs and Horses (Songs From The Wood/Heavy Horses) 3:53
7. Only The Giving (Wond'ring Aloud) 1:59
8. Loco (Locomotive Breath) 4:34
9. Pass The Bottle (A Christmas Song) 3:02
10. Velvet Green (Velvet Green) 4:06
11. Ring Out These Bells (Ring Out, Solstice Bells) 3:57
12. Aquafugue (Aqualung) 5:11
Gesamtlaufzeit48:01


Rezensionen


Von: Nik Brückner @


Rockmusik im klassischen Soundgewand - kann das gutgehen? Oft ist es versucht worden, und noch öfter ist es schiefgegangen. Und wir hatten doch bereits "A Classic Case" und "Ian Anderson Plays the Orchestral Jethro Tull", mit gemischten Ergebnissen. Scheitern tut es meistens daran, dass Musik, die für drei, vier, fünf Musiker komponiert worden war, so lange aufbläht wird, bis auch der siebzigste Musiker noch was zu tun hat. Dabei ensteht vor allem eines: Redundanz. Und dann hat die Rockmusik, nun ja, meist einfach nicht genügend musikalische Substanz, weshalb ihre Umgewandung ins Orchestrale fast immer scheitert, sprich: süßlich und zuckerig klingt. Die Schärfe, Härte und Aggressivität der Rockmusik abzubilden, gelingt praktisch nie. Das Orchester macht aus Riffs Bläserwände, aus Melodien Streicherwellen und aus Pathos schwelgerischen Kitsch. Mit schöner (?) Regelmäßigkeit offenbart die Übersetzung von Rockmusik in Orchesterklänge, wie platt und kitschig Rockmusik doch eigentlich ist.

Wenn dann auch noch, wie eigentlich fast immer, die Musik erheblich verlangsamt wird, wird dieser Saccharose-Effekt nur verstärkt: Orchesteradaptionen klingen auch deshalb immer cheesy, cheesy, cheesy.

Auch bei der Songauswahl tut man sich keinen Gefallen. Anstatt die Songs zu wählen, die sich für Orchesterarrangements anböten, weil sie halt komplexer sind, trifft es praktisch immer die bekannten Songs, die Hits. Fast nie wird geschaut, ob die sich überhaupt für die Übersetzung in die Sprache des Orchesters eignen. Denn das tun die wenigsten Rocksongs. Aber wenn die Hits nicht auf der Platte sind...

Ganz ganz ganz schlimm wird es, wenn versucht wird, den Gesang instrumental nachzuvollziehen. Dieser Versuch scheitert praktisch immer.

Aber wenn man all das nicht macht....

Eigentlich ist es gar nicht so schwer: Ist doch eigentlich naheliegend, Rockmusik, die für fünf Rockmusiker geschrieben wurde, auch von fünf klassischen Musikern interpretierten zu lassen. Ist doch eigentlich naheliegend, Rockmusik hart und aggressiv zu spielen. Und ist doch eigentlich naheliegend, Gesang nicht mit Instrumenten nachbilden zu wollen.

Wird ja auch gemacht, ab und zu jedenfalls. Das japanische Morgaua Quartet zum Beispiel hat vor ein paar Jahren vorgeführt, wie so etwas klingen kann, wenn es gelingt. Die nahmen den Prog, bauten ihn nicht aus, behielten die rocktypischen Unsauberkeiten bei, und arbeiteten ihn kräftig um, eben so, bis er sich für ein Streichquartett zu eignen begann. Das Ergebnis war eines der wenigen überzeugenden.

Nun hat also John O’Hara, Keyboarder bei Jethro Tull und Ian Anderson dasselbe mit Musik von Tull gemacht. Und keiner kann mir erzählen, dass er die Alben des Morgaua Quartetts nicht kannte: O'Hara vermeidet die gleichen Fehler, und er macht genau dasselbe richtig: Er nahm die Musik, blähte sie nicht auf, arrangierte sie komplett, teils bis zur Unkenntlichkeit um, und vermied es, sich vom süßlichen Klang der Violine auf den klebrigen Pfad der Anbiederung verführen zu lassen.

Ian Anderson und er hatten schon ein Weilchen mit dem Gedanken gespielt, Tulls Musik für ein Streichquartett umzuarbeiten, da sahen sie das Carducci Quartet und luden sie ein, das Projekt in die Tat umzusetzen. Und die sagten prompt zu. Aufgenommen wurde das Album schließlich standesgemäß in der Krypta der Worcester Cathedral und in der St. Kenelm’s Church in Sapperton, Gloucestershire.

Bei "A Christmas Song", "Reasons For Waiting" und "Wond’ring Aloud" hatte Anderson ja bereits erste Erfahrungen mit Streichern gemacht, O’Hara ging nun einen Schritt weiter. Er sah keinen Sinn darin, einfach die Parts der Rockmusiker an die Streicher zu verteilen, wie das in Rock-meets-Classic-Projekten leider allzu üblich ist. Stattdessen arbeitete er die Stücke (und nicht nur die Arrangements) komplettt um, ließ hier eine Passage in den Barock mutieren ("Velvet Gold"), dort eine andere in die klassische Moderne. Die Stücke wurden vollkommen neu, teils recht radikal uminterpretiert und eröffnen vollkommen neue Perspektiven. Ein Beispiel nur: "Aqualung" ist jetzt eine Fuge... Kein Wunder eigentlich, war dessen Umarrangement schon auf "Ian Anderson plays The Orchestral Jethro Tull" die gelungenste Neuinterpretation. Und so erklingen viel, ja, zuviel gehörte Klassiker wie "Locomotive Breath", "Bungle In The Jungle", "Living In The Past" oder eben "Aqualung" vollkommen neuartig - und wurden zu besseren Abgrenzung von den Originalen prompt umbenannt.

Das Ganze klingt nicht annähernd so rauh und brutal wie die Alben des Morgaua Quartets, aber auch wenn's nicht so gesägt ist, bleibt der Charakter dieser Rockklassiker doch im Kern erhalten. Es ist eben Andersons Stil: Ein Rocker, aber mit Geschmack. Super!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.3.2017
Letzte Änderung: 14.3.2017
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Jethro Tull

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1968 This Was 7.00 4
1969 Stand Up 11.00 3
1970 Benefit 9.00 4
1971 Aqualung 11.33 3
1972 Living In The Past 9.67 3
1972 Thick As A Brick 12.80 5
1973 A Passion Play 12.75 5
1974 Warchild 10.00 4
1975 Minstrel In The Gallery 11.50 4
1976 Too Old to Rock'n'Roll: Too Young to Die 9.00 3
1977 Songs from the Wood 11.67 3
1978 Live - Bursting Out 11.50 2
1978 Heavy Horses 9.50 4
1979 Stormwatch 9.50 2
1980 A 9.67 3
1982 The Broadsword And The Beast 10.00 2
1984 Under Wraps 9.00 3
1985 A Classic Case - The London Symphony Orchestra Plays The Music Of 4.00 2
1987 Crest of a Knave 7.80 5
1988 20 Years of Jethro Tull (Box Set) 12.00 1
1988 20 Years of Jethro Tull 10.00 1
1989 Rock Island 8.50 2
1990 Live at Hammersmith '84 9.00 1
1991 Catfish Rising 10.50 2
1992 A Little Light Music 10.50 2
1993 Nightcap 8.00 1
1993 25th Anniversary Box 12.00 1
1995 In Concert 10.00 1
1995 Roots To Branches 8.50 2
1999 J-Tull Dot Com 6.67 3
2001 The very best of 11.00 1
2002 Living With The Past (CD) 7.50 2
2003 A New Day Yesterday - The 25th Anniversary Collection (DVD) 9.00 1
2003 The Jethro Tull Christmas Album 9.00 3
2003 The Essential Jethro Tull - 1
2004 Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970 11.00 1
2005 Aqualung Live - 2
2005 Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970 (DVD) 8.00 2
2007 Bethlehem, PA, 9 August 2003 (DVD) - 1
2007 Live At Montreux 2003 11.00 1
2007 The Best Of Acoustic Jethro Tull - 1
2008 Jack in the green (DVD) - 1
2008 Their fully authorized story (2 DVDs) - 1
2009 Live At Madison Square Garden 1978 (DVD) 11.00 1
2010 Live at the London Hippodrome (DVD) 10.00 2
2015 Too Old To Rock 'n' Roll: Too Young To Die! - The TV Special Edition 11.00 1

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