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Razorking

Somewhere

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Melodic Rock / AOR; Neoprog; Progmetal
Label: Bipolar Records
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Sigrid Becker Gesang
Thomas Kirschler Gitarre, Keyboards, Schlagzeug
Thomas Janzon Bass, Chapman Stick

Gastmusiker

Klaus Möller Keyboards ("Anyway", "Addicted To Die"

Tracklist

Disc 1
1. Enough   (CD "West") 7:31
2. Dreamer 7:14
3. For Nothing 5:23
4. Addicted To Die 5:49
5. Truth 4:39
6. Anyway 11:26
7. Hype 4:58
8. Spring On Mars 9:42
9. Sahara 8:30
10. Magic Box 5:34
Gesamtlaufzeit70:46
Disc 2
1. Somewhere   (CD "East") 7:06
2. Tanks Over Roses 13:14
3. Mirror 14:02
4. Icewolf 6:35
5. Behind The Enemy Lines 15:23
6. Timeout 4:51
Gesamtlaufzeit61:11


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Der Werdegang von Razorking aus dem Raum Hamburg mutet auf den ersten Blick etwas merkwürdig an, sollte in diesen Zeiten aber bei näherer Betrachtung gar nicht so ungewöhnlich. Da sind nämlich Musiker am Werk, die teilweise schon in den 70er und 80er Jahren erste durchaus ernst gemeinte Gehversuche unternahmen, dabei aber natürlich erfolglos waren - und aktuell (na gut, vorliegende Platte datiert von 2016) dann doch ein recht groß angelegtes Doppelalbum namens "Somewhere" präsentieren. Die (semiprofessionelle) Produktion von Musik und ihre ansprechend aufgemachte Publikation im Quasi-Eigenverlag scheint derzeit so einfach zu sein wie noch nie. Und dass Razorking hier dann gleich über zwei Stunden Musik auf einmal auf den Hörer loslassen, verstärkt diese Verwunderung natürlich noch, denn Thomas Kirschler, Thomas Janzon und Sigrid Becker müssen sich über die Jahre einiges vorgenommen haben.

Bei aller langen Vorgeschichte klingt die Musik auf "Somewhere" allerdings durchgehend überraschend modern. Die meisten Songs sind sehr auf einen geradlinigen Rhythmus zugeschnitten, den mal Riffs, mal Arpeggios auf der Gitarre begleiten, während die Keyboards zumeist mit Fanfaren die Strophen umrahmen, in diesen dagegen interessanterweise mit recht eigenständigen Harmonien für düstere und bittere Untertöne sorgen. Letzteres passt auch zur Stimme von Sigrid Becker, die tatsächlich über einen entsprechend ausgeschöpften weiten Tonumfang hinweg recht souverän agiert und lediglich in den höchsten Höhen etwas an Kraft und Volumen einbüßt. Die gesungenen Melodien dagegen sind meistens ziemlich ausgefeilt und werden oftmals sogar von Strophe zu Strophe variiert. Abwechslung in der Musik geht indes vor allem von den Gitarren aus, bisweilen reicht die Musik mit einigen härteren Riffs auch mal weit in den Progmetal-Bereich hinein. Somit ergibt sich, um hiermit mal alle Freunde des Begriffs "Genre" zufrieden zu stellen, grob gesagt eine Mischung aus Neoprog, AOR, Progmetal und auch New Wave - in Bands gesprochen reicht das Spektrum bei Razorking von Asia über Sylvium bis hin zu Effloresce.

Das war's natürlich noch nicht ganz mit dem Stil. Unbedingt zu vermerken ist nämlich, dass gerade der Rhythmus hier recht oft den Sound bestimmt. Das liegt wohl daran, dass die Drums oftmals ziemlich unbeeindruckt und stampfig agieren, was im Zusammenspiel mit den überwiegend mittelschnellen Tempi oftmals einen geradezu hypnotisierenden Effekt hat. Das prägt die Musik und könnte schlimmstenfalls auch mal ziemlich langweilen. Tatsächlich aber halten Razorking in den meisten (teilweise auch recht langen) Songs stets eine gewisse Spannung, denn aus diesem Umstand holen sie so gesehen noch einiges heraus. In "Dreamer" beispielsweise gibt es nach drei Minuten einen kleinen Ausflug zum Progmetal, gefolgt von einer Passage, in der mit Bassriffs, Keyboards und nur sporadisch eingesetztem Gesang gespielt wird. Ähnliche Abwechslung gibt es auch in "Addicted To Die", dessen Mittelteil sogar einen netten 3+3+4-Rhythmus aufweist, und in "Somewhere" mit seinem Progmetal-Refrain und der kuriosen B-Strophe. Getragen wird die Musik ansonsten eben hauptsächlich von den interessanten Melodien, dem gelungenen Gesang und der eigenartigen Stimmung.

Natürlich gibt es in mehr als zwei Stunden Spielzeit auch einige Ausrutscher. Das wären hier beispielsweise das poppige, Synthie-lastige "Hype" und das eher unspektakulär beginnende "Tanks Over Roses". Gerade in letzterem zeigt sich, wie viel auf diesem Album an der Qualität der Melodien hängt, was später ebenso auch noch das bluesig begleitete "Mirror" betrifft. Auch das abschließende "Timeout" verflacht nach verheißungsvollem Beginn gegen Ende zusehends, und der Longtrack "Sahara" bietet in den letzten zwei Minuten keinerlei Neuigkeiten mehr. Andernorts fallen lediglich einige Details negativ auf, beispielsweise das dünn produzierte Keksdosen-Schlagzeug in "For Nothing", solche "typisch deutschen" Holper-Kombinationen aus Formulierung und Phrasierung in "Magic Box" ("lying in my bed instead of the floor") und der indiskutabel deplatzierte Akkordeon-Sound in "Spring On Mars". Umgekehrt dagegen gelingen Razorking vor allem bei den kürzeren Songs einige Treffer. Das sind beispielsweise das an jüngere Asia erinnernde "For Nothing", die knackige Progmetal-Nummer "Truth" und das schon erwähnte und überdies über einen ganz eigenen Drive verfügende "Somewhere".

Die Longtracks wären dann noch mal eine Kategorie für sich. In den meisten dieser Stücke, die sieben Minuten und länger dauern, agieren Razorking immerhin so, dass zwischen Strophen und (ausladende) Refrains immer noch mal andere Parts eingeschoben werden. Dazu werden natürlich die wiederkehrenden Elemente oft genug variiert; diversen Verschärfungen und Breaks in "Anyway" beispielsweise hört man an, dass seine Macher "Images And Words" kennen dürften. Andere Stücke wie eben die schon genannten "Sahara", "Tanks Over Roses" und "Spring On Mars" haben bei diesem Schema jeweils ihre eigenen schon benannten Mängel und schwächeln deshalb phasenweise. Durchgängig gelungen ist allerdings noch "Behind The Enemy Lines", das eigentlich zwei Mal anfängt: Das Intro mit Ambient-Klängen und Soundeffekten und die darauf folgende Strophe gibt's nach gut fünf Minuten (leicht abgeändert natürlich) nochmals, aber Spannung hat man damit schon zur Genüge erzeugt, und der weitere Verlauf - aus einer verträumten Passage heraus baut man eine gewisse Härte auf, ehe man zum Abschluss zu bekannten Melodien zurückkehrt - ist ebenfalls mehr als achtbar.

Alles in allem ziehen sich Razorking damit auf "Somewhere" durchaus ansehnlich aus der Affäre. Einigen kleineren Mängeln steht schließlich - freilich auch angesichts der schieren Menge - eine ordentliche Anzahl von vielleicht nicht spektakulären, aber überwiegend gutklassigen und ein gewisses Niveau kaum unterschreitenden Nummern gegenüber. Hierbei greifen die HamburgerInnen bekannte Stile auf, finden zugleich aber angesichts von Melodien und Harmonien ständig einen ziemlich eigenen Tonfall und machen hiermit die Songs spannend. Skeptisch bin ich allerdings immer noch bezüglich des Umfangs dieses Albums - es am Stück durchzuhalten, fordert den Hörer buchstäblich konditionell. Vermutlich wäre es hier ohnehin angebracht, sich diesem Album auszugsweise zu nähern. Das wäre - auch wenn die Band behauptet, es sei ein Konzeptwerk über eine Reise von West nach Ost - bei einem Album, das sich "Somewhere" nennt, schon rein nominell nicht verkehrt.

Anspieltipp(s): Truth, Addicted To Die, Behind The Enemy Lines
Vergleichbar mit: Insgesamt wohl am ehesten Effloresce
Veröffentlicht am: 15.3.2017
Letzte Änderung: 14.3.2017
Wertung: 10/15
Trotz Überlänge!

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