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22

You are creating: Limb 1

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Independent / Alternative; RIO / Avant; sonstiges
Label: Indie Recordings
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Per Kristian Fox Trollvik Vocals
Mats Paulsen Bass,Vocals
Magnus Børmark Guitar,Vocals
Andreas Kjøl Berg Drums

Tracklist

Disc 1
1. Inspec 4.38
2. Staying Embodied 4.31
3. Sum of Parts 3.59
4. A Mutation of Thrushes 4.33
5. Adam Kadmon Body Mass Index 4.13
6. Ectypes 3.19
7. You Are Creating 3.37
8. Node 1 2.06
Gesamtlaufzeit30:56


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Das norwegische Quartett mit dem mathematischen Namen 22 hat zwischen 2009 und 2017 zwei Alben („FLUX“-2010 und „You are creating: Limb 1“-2017) drei EP’s („E.S.P“, “Kneel Estate EP” und „Plastik EP“) und eine Live-DVD („The Pool Sessions“) veröffentlicht. „You are creating: Limb 1“ ist als erster Teil eines musikalischen Konzeptes gedacht, das aus mehreren Alben bestehen soll.

Die Musiker verstehen 22 als ein eklektisches, energetisches Progressive Rock-Projekt, das mit Stadion-Appeal ausgestatten sein sollte. (Was soll‘s, Captain Beefheart wollte auch mal unbedingt massentauglich sein). 22 hatten es allerdings mit „I am that I am“ im Jahre 2010 zu einer heavy rotation-Single bei einem norwegischen Radiosender gebracht. Die Melodie des Stückes war aber doch recht verwinkelt und die Rhythmen auch nicht gerade leicht zu spielen. (Fragt sich, was dieser Sender namens Radio P3 sonst so für Musik spielt). Auf Facebook-Seite der Band findet man die stilistische Bezeichnung „New Energy Musik“.

„You are creating“ bedeutet in diesem Fall, dass der Hörer dazu ermutigt werden soll, zumindest bei den Auftritten der Band aktiv mitzumachen. Es wird berichtet, 22 bieten bei ihren Konzerten eine theatralische Vorstellung, die unter Anderem UV-Körperfarben und als Geruchserzeuger eingesetzte Rauchkanonen beinhaltet.

In ihren Stücken kombinieren 22 einen gewissen Artpop-Appeal und manchmal an Queen erinnernden Gesang mit den Merkmalen dessen, was ich unter dem sogenannten Alternative Prog verstehe. Krumme Rhythmen und komplexe Melodien mit einer Prise Djent, das alles auf Basis des Alternative Rock, führten wohl auch dazu, das 22 mancherorts Mathrock-Eigenschaften zugeschrieben werden. Das kann ich gut nachvollziehen. Die kraftvolle und kreative Bassgitarre, die mir neben dem Gesang an 22 am meisten auffällt, hat auch einen gewissen Anteil daran.

Es gibt auf dem Album mitunter frappierende, experimentell und dissonant angelegte Passagen, die mich an die Alternative Rock-Avantgarde-Truppe Stump (existierte zwischen 1983 und 1988) erinnern. Man höre sich doch die mutigeren Teile von „A Mutation of Thrushes“, oder (viel eindeutiger noch) von „Adam Kadmon Body Mass Index“ an.

Das ist in „Adam Kadmon Body Mass Index“ doch erstklassiger Avant-Alternative-Prog, sobald der bisweilen ins Hysterisch-Theatralische gehende Gesang auf die dissonanten Akkordfolgen trifft. Da würde das Mainstream-Publikum das Stadion doch fluchtartig verlassen. Der Stadion-Appeal konnte stellenweise mal nicht mehr aufrechterhalten werden und das ist eher in meinem Sinne. Ich wünschte mir nämlich etwas weniger Pop-Appeal und mehr von den abgefahrenen Momenten.

Ich kann mir nicht helfen, durch die Phrasierung und durch den gelegentlichen Falsettgesang erinnert mich der Sänger auch in der eher konventionellen Ballade „Ectypes“ an den unvergessenen Freddie Mercury. (Während „Ectypes“ strömen die Leute wieder zurück ins Stadion und holen sofort die Feuerzeuge und Handys raus, um während der Ballade für ein Lichtermeer zu sorgen).

Schön, was es inzwischen alles gibt. Neulich habe ich eine Alternative Prog-Truppe kennengelernt (siehe auch weiter oben), die zwischen ArtPop, ProgRock und Experimentellem wechselt und damit am besten die Stadien füllen möchte. Vermutlich derzeit ohne viel Erfolg. Auf Youtube kann man zudem noch optisch (und musikalisch) interessante Videos von 22 sehen.

Alternative Prog-Fans, die weder schrägen Experimenten, noch ArtPop abgeneigt sind, sollten die Norweger von 22 mal antesten.

Anspieltipp(s): Adam Kadmon Body Mass Index (leider nicht unbedingt repräsentativ fürs Album)
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.4.2017
Letzte Änderung: 7.4.2017
Wertung: 10/15

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