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Brian Ellis

Quipu

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Psychedelic; RetroProg; Spacerock; Worldmusic / Ethno; Zeuhl
Label: Parallax Sounds Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Brian Ellis Gitarre, Bass, Schlagzeug, Synthesizer, Keyboards, Saxofon, Trompete, Sitar, Xylophon, Kalimba

Gastmusiker

David Hurley Schlagzeug ("Psaw")

Tracklist

Disc 1
1. Birth 9:22
2. Canyon Star 6:04
3. Count To Ten 6:44
4. Funeral March 5:32
5. Gossamer 8:10
6. Psaw 11:25
7. Walomendem 14:18
Gesamtlaufzeit61:35


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Das Schaffen von Brian Ellis, auf diesen Seiten bislang wohl hauptsächlich als Gitarrist von Astra bekannt, scheint in seiner Gesamtheit kaum überschaubar. Die Diskografie auf (s)einer Homepage zählt immerhin 19 Veröffentlichungen verschiedenster Formate. "Quipu" aus dem Jahr 2011 wirkt in dieser Aufstellung zwar ein wenig verloren, und da die dort aufgeführten Platten allem Anschein nach noch nicht einmal vollständig vertreten sind, reduzieren sich die auszubreitenden Fakten auf ein "irgendein Album von Brian Ellis". Immerhin ist noch in Erfahrung zu bringen, dass Astra-Kollege David Hurley an den Drums gastiert, während sich Meister Ellis um alles andere selber kümmert.

Zudem findet sich ein für die gebotene Musik sehr aussagekräftiger Satz: "By playing [Aufzählung vieler Instrumente], Brian creates the illusion of a large live band jamming all together." Das ist dann auch der Weg, den die Stücke beginnend mit dem passenderweise "Birth" betitelten Opener gehen: Lockere Fusion-Grooves, die mit markigen Riffs auf Bass, Gitarre, E-Piano, Saxofon usw. korrespondieren, liefern den Rahmen, darüber wird dann fast ununterbrochen polyphon und leicht psychedelisch soliert. Angesichts überwiegend nicht vom Schlagzeug, sondern von Percussion geprägter Rhythmik und häufiger Soli der Trompete und Saxofon erinnert die Musik zuweilen an die großen Fela-Kuti-Klassiker. Die andere Seite markieren freilich Passagen, in denen der Stil angesichts von zwingenderen Riffs, hypnotischem Schlagzeug und Synthesizer eher in Richtung Spacerock tendiert (passenderweise hat das Saxofon hierzu dann auch den entsprechenden Nik-Turner-Stil drauf, wenn auch mit all seinen Nachteilen wie beispielsweise dieser tranig-quakigen Intonation).

Wie üblich könnte solche Musik endlos und einförmig vor sich hinfließen. Eigentlich tut "Quipu" das tatsächlich, aber gewisse Änderungen lässt Brian Ellis seine Stücke trotzdem durchleben. Das sind mal merkliche Variationen des Klangbilds, mal solche Schachzüge wie jener, zwei (oder mehr) nebeneinander spielende Instrumente schließlich in einem Unisono konvergieren zu lassen, wie beispielsweise im Finale von "Birth". Hier versteht es Ellis insbesondere, Veränderungen langsam, aber stetig geschehen zu lassen. Ein schönes Beispoiel hierfür ist "Count To Ten", das eher abstrakt mit einem tremolierenden Motiv auf Gitarre und Keyboard beginnt, über das kurios flirrende Synthesizer-Sounds gelegt werden. Nach gut zweieinhalb Minuten gehen dagegen die Effekte zurück und machen Platz für ein kantiges E-Gitarren-Riff (mit Verwandtschaft zu Deep Purples "Space Truckin'")... das aber von den zurückkehrenden Synthies langsam, aber sicher an die Seite gedrängt wird... und sich doch zurückkämpft, sodass bei der 5-Minuten-Marke ein Gleichgewicht hergestellt ist. So ein stetiger Wandel, der sich in jedem Stück auf "Quipu" findet, macht neben dem spannenden, niemals einseitigen Sounddschungel den Reiz von "Quipu" aus.

Das ist aber auch nicht der einzige Weg, wie Ellis Abwechslung und seine Struktur in die Stücke bringt. Das klassische Break, mit dem vieles von jetzt auf gleich anders wird, gibt es ebenfalls. So beschreitet "Birth" nach gut fünf Minuten auf einmal mit 9/8-Rhythmus, nervöser Snare, aggressivem Riffing und John-McLaughlin-Gitarre den Mahavishnu-Pfad. In "Gossamer" wiederum beschleunigt sich alles nach gut vier Minuten, während mit dem Saxofon zunehmends bohrende Dissonanzen erzeugt werden, und in "Psaw" stolpert die Musik nach gut viereinhalb Minuten Spacerock (vgl. "D-Rider") mit anschließender Fokussierung/Verschärfung regelrecht, um urplötzlich viel relaxter zu werden. Noch einmal ganz anders geht dann das abschließende "Walomendem" vor: Hier lehnt sich Ellis nicht nur stilistisch sehr authentisch an die "Köhntarkösz"/"Üdü Wüdü"-Phase von Magma an (Merkmale: Sequenz-artige E-Piano-Riffs, grollender Bass, zirpende Synthie-Linien, typische Harmonieführung, verspieltes Drumming und natürlich diese Ho-Hey-Ho-Chöre), sondern auch kompositorisch. Entsprechend wird erst ein langer Part "durchgeführt", dann gibt es ein Break und einen B-Part, folgend eine Wiederholung der Haupt-Passage, nach 10 Minuten den Absprung in Richtung einer "Retrovision"-artigen Düsterpassage und schließlich ein Finale mit harmonischen Bläsern.

Streng genommen wäre "Walomendem" (ja, das Wörtchen wird tatsächlich gesungen) damit eigentlich beinahe ein Ausreißer auf diesem Album. Trotzdem fügt sich dieses Stück gut an die Dreiviertelstunde zuvor an, denn neue Sounds tauchen hier wiederum eben nicht auf - was so gesehen ein kleiner Wink auf Geschichte, Wurzeln und Parallelentwicklungen des Zeuhl wäre. Lustigerweise ist somit wie schon auf dem Elektronik-Album "Yellow Light District" wieder mal eine Magma-Huldigung am Ende des Albums am besten geeignet, unbedarfte Hörer für die Platte davor zu begeistern. Sollte das nicht ziehen, wäre noch "Funeral March" ratsam: Die gelungenen Riffs auf Bass und E-Piano werden einfach nicht langweilig, während Orgel und Bläser oben drüber sogar für entrückte, aber melancholische und somit zum Titel passende Stimmung sorgen. Und hiervon ausgehend (oder eben von "Walomendem") wird man dann eben auch den Rest von "Quipu" hören wollen. Man wird es nicht bereuen.

Anspieltipp(s): Walomendem, Funeral March
Vergleichbar mit: Mahavishnu Orchestra, AMT, Fela Kuti, Popol Vuh - und Magma
Veröffentlicht am: 7.4.2017
Letzte Änderung: 19.4.2017
Wertung: 12/15
Ein großer Spaß - denn so improvisiert klingt es gar nicht

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Brian Ellis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2006 Cosmic Perspective 9.00 1
2007 The Silver Creature 11.00 1
2009 Yellow Light District 12.00 1

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