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Isildurs Bane & Steve Hogarth

Colours Not Found In Nature

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: ArtPop; sonstiges
Label: Ataraxia
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Katrine Amsler Keyboards, Electronic
Klas Assarsson Marimba, Vibes, Glockenspiel, Tubular Bells, Crotales, Tam-Tam
Luca Calabrese Trumpet
Axel Croné Bass Guitar, Saxophones, Clarinets, Flute, Electric Guitar, Keyboards
Samuel Hällkvist Electric Guitar, Eventide, Pigtronix, KTW Effects
Mats Johansson Synthesizers, Clavinet, String Machine, Grand Piano, Treatments
Christian Saggese Guitar
Jan Severinsson Live Sound
Kjell Severinsson Drums
Steve Hogarth Vocals

Gastmusiker

Xerxes Andrén Drums
Liesbeth Lambrecht Violin, Viola
Pieter Lenaerts Double Bass
John Anderberg Choir
Anneli Andersson Backing Vocals

Tracklist

Disc 1
1. Ice Pop 6:23
2. The Random Fires 5:16
3. Peripheral Vision 7:00
4. The Love and the Affair 10:34
5. Diamonds and Amnesia 5:18
6. Incandescent 6:50
Gesamtlaufzeit41:21


Rezensionen


Von: Günter Schote @ (Rezension 1 von 2)


Sagam On Ringen gehörte in den späten 80ern mal kurz zum Kleinen Einmaleins der Prog-Szene. Dass Steve Hogarth fast 30 Jahre später ein Album mit Isildurs Bane aufnimmt, konnte man damals nicht ahnen. Zwei in den 70ern gegründete Progressive Rock-Bands mit Tolkien-inspirierter Namensgebung treffen aufeinander. Da heißt es, Tom Bombadil anrufen, Tüte drehen, die Welt Welt sein lassen und den Hobbits beim Musizieren lauschen…

Richard Barbieri war es, der 2013 Isildurs Bane-Bandleader Mats Johansson mit Steve Hogarth bekannt machte. Im November 2016 traten IB und Hogarth dann gemeinsam im schwedischen Halmstad auf, wo sie bereits die meisten Songs spielten, die nun das Album „Colours Not Found In Nature“ bilden. Hogarth meinte dazu, dass es ihn reize, mit einem quasi Kammerorchester aufzutreten, das kaum etwas mit dem üblichen Rock’n’Roll zu tun hat, dem er sonst verpflichtet sei.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist gut gelungenen. „Colours Not Found In Nature“ ist ein Isildurs Bane Album, dass auf Hogarth zugeschnitten ist. Will heißen, Songsaufbau, Modulation, Rhythmus der Stücke, erinnern stark an Marillion, während das Arrangement jedoch eindeutig und wenig überraschend Richtung Isildurs Bane ausschlägt. Zunächst wollte ich schreiben, dass Hogarths Stimme das Album dominiert, aber nach mehrmaligem Hören wäre diese Behauptung falsch. Die Arrangements mit Geigen, Glöckchen (inkl. Tubular Bells), Marimba, Kontrabass ist selbstverständlich ebenso bestimmend wie des Sängers Organ. Kontrastiert wird die handgemachte Musik durch elektronische Gimmicks; mal ein Beat hier, ein Sound dort.

Hogarths Texte sind sehr persönlich. Älterwerden, der Vergangenheit nachtrauern, die Kindheit der eigenen Kinder wie im Flug vorübergehen sehen, gesünder leben (müssen). Seine Stimme ist sehr intensiv, Hogarth-Fans werden ihre Freude haben. So do I.

Mit dem 11minütigen „Ice Pop/The Random Fires“ beginnt das Album sehr lebhaft, um mit “Periphal Vision” auf die persönliche Seite zu driften. Hogarth klingt dabei zwar tiefgründig, aber bei weitem nicht so weinerlich, wie noch auf dem einen oder anderen Song der vergangenen 10, 12 Jahre. Nochmal: die handgemachte, moderne Musik der Marke Isildurs Bane und die Stimme des Marillionsängers sind kongenial. Mit „The Love and the Affair“ folgt der nächste Einblick in die Seele Hogarths und das Songwriting seiner musikalischen Partner. Die sechs Titel befinden sich alle auf einem gleich hohen Niveau, mal leichter, mal schwerer. Alles toll!

Ursprünglich war von sechs Songs die Rede, wovon drei eine Suite bilden sollen (wohl die ersten drei Titel). Auf mich wirkt aber nun das gesamte Album wie aus einem Guss, suitenartig. Ich komme nicht umher, zu vermuten, dass dies der verträumte, ätherische „Trip“ ist, den Marillion eigentlich mit Essence vorlegen wollten.

Keine Hippies, keine Rache der Hobbits, dafür ein Erlebnisalbum und ein erstes Highlight des Prog-Jahres 2017. PS: cooles Artwork.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: IB, Marillion, Peter Gabriel, Kate Bush
Veröffentlicht am: 21.4.2017
Letzte Änderung: 21.4.2017
Wertung: 11/15
Vermutlich mehr.

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts gehörten Isildurs Bane mit ihrer recht eigenen Mischung aus Retroprog, zeitgenössischem Ensemblerock, Jazzrock und gemäßigtem Experiment zur Speerspitze des modernen Progs, vor allem mit den beiden Alben "The Voyage - A Trip To Elsewhere" und "MIND Volume 1" (und natürlich dem Live-Meisterwerk "MIND Volume 2"). Die Schweden hatten sich damit, beginnend mit einem recht typischen Schwedenflauschprog im Fahrwasser von Camel, in ausgesprochen kreative progressive Gefilde vorgearbeitet, und waren gerade dabei in wirklich avantgardistische Gewässer zu geraten (siehe "MIND Volume 3"), ehe man sich wieder neu ausrichtete, und 2003 mit "MIND Volume 4 - Pass" ein songorientiertes, aber immer noch sorgfältig komponiertes und reich instrumentiertes Album vorlegte. Danach ward in Bezug auf eine Studioalbum nicht mehr viel von Isuldurs Bane gehört.

Das hat sich nun mit "Colours Not Found In Nature" geändert, welches das erste tonträgertechnische Lebenszeichen der Schweden seit über 10 Jahren darstellt. Im Grunde gehen Mats Johansson und Mitstreiter den mit "MIND Volume 4 - Pass" begonnen Weg weiter, setzen auf Songs, für deren Umsetzung man sich Steve Hogarth ins Boot geholt hat. Oder, wie mein Vorschreiber weiter oben schon dargelegt hat, entstand das Ganze wohl eher als gleichberechtigtes Projekt zwischen Johansson und Hogarth, die sich getroffen und gefallen an den musikalischen Vorstellungen des jeweils anderen gefunden hatten.

Das Ergebnis klingt eigentlich haargenau so, wie man sich ein Album vorstellt, das aus dieser Zusammenarbeit entsprungen ist. Ein recht komplexer, aufwendig instrumentierter, durch allerlei Elektronisches klanglich erweiterter, dabei aber sehr melodischer und runder Prog mit Kammermusikeinschlag (der immer noch oft diese gewisse Glätte, dieses Filmmusikartige verströmt) wird mit den emotional-eindringlichen Songs des Marillion-Sängers verschmolzen. Waren die oben erwähnten Isildurs-Bane-Alben ausgeklügelte Konzeptalben mit vielen außermusikalischen Bezügen, gibt sich "Colours Not Found In Nature" dabei als schlichte Songsammlung, die in inhaltlicher Hinsicht weitestgehend von Hogarth und seinen Texten bestimmt wird.

Hogarth bestimmt auch sonst recht viel hier. Ich würde schon sagen, dass er das Album dominiert. Man muss sich doch sehr konzentrieren bzw. sich zwingen nicht so sehr auf seinen Gesang zu achten, wenn man die ausgefuchsten, typischen und klar als Isildurs-Bane-Kompositionen erkennbaren instrumentalen Strukturen (sogar die für die Band charakteristischen Marimba- oder Glockenspielklänge arbeiten sich immer mal wieder nach vorne) und auch die ausgesprochen farbige Instrumentierung wirklich wahrnehmen möchte. Ich bin zugegebenermaßen kein großer Freund ergriffenen, emotionalen und leidenden Gesangs, und Hogarths weinerliches Genöle stört mich ab und zu schon ein wenig, z.B. zu Beginn von "Peripheral Vision". Man gewöhnt sich zwar daran, doch wage ich trotzdem zu behaupten, dass sich der Gesang bisweilen eher als Störfaktor, als als gelungene Ergänzung zur Musik darstellt. Bisweilen funktioniert die Sache aber trotzdem, z.B. über große Strecken des getragen-melancholischen, immer wieder hymnisch aufbrausenden "The Love and the Affair".

Also, Isildurs Bane können es immer noch, und Fans der Schweden sollten auf ihre Kosten kommen, so sie sich nicht am Gesang stören. Hogarth-Fans sollten die Scheibe lieben, so sie denn mit dem Kammerprog klarkommen. Ich würde mir aber fast wünschen, man könnte irgendwo auch eine Instrumentalversion des Albums erwerben. Witziges Cover!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.5.2017
Letzte Änderung: 13.5.2017
Wertung: 10/15

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