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Amorphis

Elegy

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1996
Besonderheiten/Stil: Folk; New Artrock; Progmetal; Psychedelic; Worldmusic / Ethno
Label: Relapse Records
Durchschnittswertung: 14/15 (1 Rezension)

Besetzung

Pasi Koskinen Gesang
Esa Holopainen Gitarre, Sitar
Tomi Koivusaari Gitarre, Gesang
Kim Rantala Keyboards, Akkordeon
Olli-Pekka Laine Bass
Pekka Kasari Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Better Unborn 5:50
2. Against Widows 4:04
3. The Orphan 5:16
4. On Rich And Poor 5:18
5. My Kantele 5:00
6. Cares 4:27
7. Song Of The Troubled One 4:06
8. Weeper On The Shore 4:50
9. Elegy 7:19
10. Relief 4:07
11. My Kantele   (Acoustic Reprise) 5:55
Gesamtlaufzeit56:12


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


So - hiermit mache ich die 700 voll, was die Anzahl der Rezensionen angeht, und aus diesem Anlass gibt es mal wieder ein außergewöhnliches Album. Vorhang auf!

Amorphis hatten bekanntlich 1992/93 mit Death Metal debütiert, aber schon 1994 ganz neue (bzw. alte) Töne angeschlagen und auf "Tales From The Thousand Lakes" Keyboards, Klargesang, folkige Melodien, motivische Arbeit und Psychedelic-Effekte eingeführt (und mit der Kalevala den hiesigen Legendenschatz geplündert, aber das ist eine andere Geschichte). Man möchte denken, dass da zwei Jahre später auf "Elegy" gar nicht mehr so viel anders werden könnte. Eigentlich stimmt diese Vermutung, denn neue Elemente kommen diesmal eigentlich nicht hinzu. Andererseits wird das, was schon "Tales..." auszeichnete, diesmal verfeinert, präzisiert, klarer ausgedrückt oder gelegentlich auch mal auf die Spitze getrieben.

Hilfreich hierbei ist natürlich, und das sollte man wohl besser voranstellen, anstatt es irgendwann hinterher als weitere Facette dieses Albums zu erwähnen, die verbesserte Produktion. Tomas Skogsberg, Schöpfer der heute legendären Sounds damaliger Death-Metal-Alben, verlässt sich diesmal nicht auf den sprichwörtlich gewordenen Sunlight-Sound mit seinen trocken, hoch und echolastig röhrenden Gitarren, sondern hat die Band diesmal ziemlich voll und voluminös produziert. Das klingt diesmal herzlich warm, auch wenn an einigen Stellen die Klarheit fehlt - das allerdings geht auch darauf zurück, dass insbesondere das Zusammenwirken mit Keyboarder Kim Rantala auf "Elegy" oft genug eine regelrechte Klangwand zu hören ist. Dieser Bombast-Overkill scheint allerdings zum (musikalischen) Konzept dieses Albums zu gehören.

In dieser Hinsicht gehen dann Kompositionen, Stil und Arrangements wieder Hand in Hand. Zu ersterem ist zu vermelden, dass Amorphis ihre thematische Arbeit weiterführen. Üblicherweise wird anfangs eine Melodie auf Gitarre, Keyboards oder beidem vorgestellt, die dann jeweils in Strophe, Bridge, Refrain, B-Parts und Instrumentalpassagen verarbeitet, aufgenommen oder aber mit gegenläufigen Melodien "beantwortet" wird. Steigerungen und Variationen dieser Motive sind ebenso möglich und können innerhalb der Songs dann wiederum strukturierende Funktionen haben, indem sie beispielsweise den Abschluss einer Instrumentalpassage markieren, wie beispielsweise in der Mitte von "Against Widows", kurz vor dem Ende von "On Rich And Poor" oder am Schluss von "The Orphan". Anderswo sind sich Amorphis nunmehr anscheinend bewusst, dass ein prägnantes Thema auch anstelle eines Refrains treten kann, wie beispielsweise in "Song Of The Troubled One" geschehen, wohingegen sich das schnelle Instrumental "Relief" am Ende als höchst unterhaltsame ausschließliche Verarbeitung von Melodien herausstellt.

Was den Stil angeht, sind Amorphis anno 1996 ebenfalls den zuvor eingeschlagenen Weg konsequent weitergegangen. Death-Metal-Anleihen gibt es allerhöchstens noch in Form von diversen Grunz-Einsätzen, beim Riffing dominieren trotz der schweren Verzerrung von der Charakteristik her eher rockige Anschläge und Rhythmen, und obschon der Schlagzeuger sein Doublebass-Pedal nicht beiseite gestellt hat, wird dieses sonst so prägende Mittel diesmal nur für Verschärfungen der Dramatik herangezogen (zu hören bspw. in "Against Widows" oder am Ende von "On Rich And Poor"). Umgekehrt verstärkt man nun logischerweise die Psychedelic-Anteile: Leadgitarrist Esa Holopainen greift fast andauernd auf Flanger- oder Echo-Effekte zurück und ansonsten auch schon mal zur Sitar, und die erwähnte Arbeit am melodisch völlig gleichberechtigten Keyboard, das mal als Orgel, mal mit Streichern, mal als ziemlicher Retro-Synth und mal als Klavier ertönt, hatte ich ja schon angedeutet.

Bliebe also noch das Zusammnwirken dieser Elemente - und das stellt sich als geradezu famos heraus. Die Instrumentalstimmen greifen wie selbstverständlich ineinander, verzahnen sich regelrecht, und bewirken in den außergewöhlichsten Momenten einen Zusammenklang von bizarrer, geradezu außerweltlicher Schönheit. Das macht zusammen mit den griffigen Melodien, den raffinierten Songaufbauten und vielen kleinen Details schließlich die Qualität von "Elegy" aus und sichert diesem Album, ließe man mal die Ausnahmestellung von "Tales From The Thousand Lakes" außen vor, den Spitzenplatz in der mittlerweile ja recht umfangreichen Diskografie der Finnen.

Eigentlich könnte die Rezension hier schon wieder vorbei sein, ein paar weitere Anmerkungen möchte ich mir aber dennoch erlauben, insbesondere, was die oben genannten "vielen kleinen Details" angeht: Da wäre das wieselflinke Hauptmoitiv von "On Rich And Poor", das eine gewisse Verwandtschaft zu ein paar Wendungen aus Jethro Tulls "Hunting Girl" aufweist. Da gibt es den markanten 9/8-Rhythmus im Intro von "Better Unborn" und die später zu einer merkwürdigen Dance-Passage umfunktionierten Kasatschok-Einwürfe im originell aufgebauten "Cares". Die Hauptmelodie von "Elegy" wiederum wird im Intro mit Echogitarren und Klavier-Arpeggien erst mit Basstönen auf letzterem Instrument vorgestellt, "Song Of The Troubled One" bietet zwischendurch ein paar waschechte New-Artrock-Passagen, und die ziemlich rührig nur mit A-Gitarre, Akkordeon und Orgel vorgetragene Akustikversion der schweren 6/8-Ballade "My Kantele" ist keine bloße Draufgabe, sondern bildet einen schönen Epilog.

Sind das alles bloß Spielereien oder Zufälle? Vielleicht schon, aber in jedem Fall legen sie davon Zeugnis ab, wie kreativ und unbeschwert Amorphis vor gut 20 Jahren musiziert haben. Und das macht "Elegy" erst recht zu dem Markstein, als der dieses Album heute - gottlob! - auch tatsächlich rezipiert wird.

Anspieltipp(s): Against Widows, On Rich And Poor, Elegy
Vergleichbar mit: Eigentlich könnte man es tatsächlich Jethro-Tull-Progmetal nennen
Veröffentlicht am: 24.5.2017
Letzte Änderung: 24.5.2017
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amorphis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Tales From The Thousand Lakes 12.00 1
1997 My Kantele 11.00 1
1999 Tuonela 10.00 1
2001 Am Universum 7.00 1
2003 Far From The Sun 11.00 1

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