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Reflexionen zum Progressive Rock (16.11.2017)
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Miriodor

Signal 9

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; RIO / Avant
Label: Cuneiform Records
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Bernard Falaise Guitars, Keyboards, Turntable
Pascal Globensky Keyboards, Synthesizer, Piano
Remi Leclerc Drums, Percussion, Electronics
Nicolas Lessard Bass, Contrabass, Keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Venin 4:33
2. Peinture dans le coin 4:32
3. Transit de nur a Jakarta 1:58
4. Portrait-robot 8:48
5. Déboires a Munich 1:21
6. Chapelle lunaire 6:49
7. Cryogenie 1:35
8. Passage secret 9:58
9. Gallinule d'Amérique 1:39
10. Douze petits asperges 2:37
11. Le ventriloque et le perroquet 8:15
Gesamtlaufzeit52:05


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Es ist immer schön, wenn gute alte Bekannte zu Besuch kommen. Unlängst waren Thinking Plague da (siehe "hoping against hope"), nun geben sich Miriodor mal wieder die Ehre. Und, sie haben sogar jemanden neues mitgebracht. Wie schon auf dem Vorgängeralbum "Cobra Fakir" angekündigt, hat Nicolas Lessard die Band aus Kanada am Bass verstärkt. In aller Ruhe hat das Quartett über die Jahre 2015 und 2016 hinweg neues Material eingespielt, welches nun im Mai 2017 von Cuneiform Records veröffentlicht wurde, als erst neuntes Album in der nun fast 40-jährigen Bandgeschichte.

Eigentlich kann diese Rezension ganz ähnlich ausfallen, wie die von mir zur oben erwähnten Thinking-Plague-Scheibe verfasste. Oder, zumindest die Grundaussage ist dieselbe: Miriodor klingen eben wie Miriodor, und das ist sehr gut so. Wobei Miriodor sich vielleicht klanglich in den letzten Jahren sogar etwas deutlicher verändert haben, als die US-Kollegen um Mike Johnson. Obwohl man recht ähnliche stilistische Gefilde beackert, und man die Musik beider Formationen als Avantprog bezeichnet, klingt man doch erstaunlich verschieden. Gesang gibt es bei Miriodor nach wie vor nicht (bis auf ein paar effektverfremdete Stimmeinlagen; vermutlich vom Band), und man ergeht sich wie eh und je in einem komplex-angeschrägt-verspielten Jazzrock, der bisweilen gewisse Canterbury-verwandte Retroelemente beinhaltet, ansonsten aber recht typisch Quebecoise-elegant aus den Boxen kommt.

Aber, wie schon erwähnt, haben sich Miriodor gewandelt. Gab es früher oft diverse blasende und streichende Gastmusiker, und stand ganz früher Sabin Hudons Sax recht prägend im Klangbild, was meist für eine gewisse Kammerrock-Atmosphäre gesorgt hat, ist man spätestens seit "Cobra Fakir" kondensierter und zunehmend elektronischer am musizieren. War die Band früher dafür bekannt eher melodisch und rund avantgardistisch zu proggen, geht es inzwischen, insbesondere auf "Signal 9", doch recht kantig, fast heftig, und immer häufiger auch recht freiformatig zu. Mitunter gemahnen krachende E-Gitarrenklänge begleitet von mellotronartigen Sounds fast an Crimsonesken Retroprog. Freies Klangwabern, wirre Tondurcheinander, schräges Geplinge, sägend-lärmendes Quietschen und schwebende Elektronikwolken bereichern zudem das Klangbild.

Aber, natürlich gibt es auch noch oft den klassischen, vertrackt-verspielt-jazzigen Miriodor-Prog zu hören, der alles in allem recht gutgelaunt und munter voran schreitet, bisweilen versehen mit fast kirmesartigen Klangeinlagen. Trotzdem, es fällt auf, dass die Band ihre Musik mit deutlich mehr exotischer bzw. scharfer Würze versehen hat. Ein gut gereifter Käse schmeckt mit zunehmendem Alter auch schärfer. Äh ... ja, wie auch immer. "Signal 9" ist ein weiteres hochklassiges und sehr farbiges Album von Miriodor, welches sich jeder Freund angeschrägten Progs einverleiben sollte. Ich hoffe, die Band behält ihre rezentere Veröffentlichungsfrequenz bei (so alle vier Jahre), und vielleicht gibt es ja dann zum 40-Jährigen Album Nummer 10?

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.6.2017
Letzte Änderung: 10.6.2017
Wertung: 12/15

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Von: Volkmar Mantei @ (Rezension 2 von 2)


Nun gibt es die Band schon so lange und immer noch ist es eine Selbstverständlichkeit, dass jedes neue Album nur diesen unvergleichlichen Schrägkram enthalten kann, der sich aus humoreskem Nonsens, canterburyianischem Jazzrock, lyrischer Rock-Avantgarde und exzellenter Komposition speist. Die Kanadier beweisen zeitenüberdauernde Inspiration und mit nonchalantem Witz ausgestattete kreative Finesse, die nie laut poltert oder irgendwie auf sich aufmerksam macht als mit der Musik allein.

1984 war der erste Reigen noch deutlich Folk-betont, doch schon damals war die Basis Jazzrock. Komplexe Kompositionen mit Schalk im Nacken, verrückten Kleinigkeiten in den neugierig machenden Kompositionen und mit kaum einer anderen Band zu vergleichenden Arrangements (mal waren sie King Crimson, mal der RIO-Szene näher) legten Miriodor es nicht darauf an, ‚typisch progressive‘ Klänge zu produzieren. Etliche ihrer Songs sind keine Minute lang, die wenigsten laufen über 5 Minuten – doch egal, wie lang oder kurz so ein Endresultat ist, es gibt nie popdämlichen Müll oder Lala-Mainstream, sondern stets schrullig schräges, geradezu fröhlich machendes Liedgut, das die einzige noch aktive Quebec-Band alter Schule immer wieder neu erfindet.

Dabei spielen Miriodor längst nicht immer wieder im gleichen Stil. „Jongleries Elastiques“ aus dem Jahr 1995 verfügt über so gut wie keine Klänge, die Progressive Rock so allgemein bekannt machen, hier war das Interesse komplett auf Rock in Opposition ausgerichtet, und stand Prog & Co skeptisch bis ablehnend gegenüber. So ist es in der Verwandtschaft, die Tanten und Neffen kann man sich nicht aussuchen und man wird sie nie wieder los.

Mit späteren Alben, als Progressive Rock deutliche Avant-Tendenzen ausbaute und Retro-Schienen alle Arten von verrücktem Krach zuließen, woran diverse Bands und einige Labels Schuld hatten und nicht zuletzt die Gier der Hörer nach immer mehr freier und instrumentaler Musikkunst, so ab 2000, kamen wieder sinfonische Anteile in den Sound der Band.

„Signal 9“ nun ist so ‚progressiv‘, so retro, wie die Band lange nicht mehr arbeitete, eigentlich seit ihrem Beginn in den frühen 1980ern. Dabei wird das zirkushafte, clowneske Avant-Programm nicht vernachlässigt, im Gegenteil, die Vermischung aus crimsoneskem Retro-Prog und RIO-Avantgarde war nie zarter, frischer, leichter, lebhafter und humoresker. Dabei gibt es kaum so ‚richtige‘ Humormusikke, indes tendiert vieles dahin. Und der leichte Ansatz, die schöngeistige Intonation der schrägen Klänge hat diesen verspielten Rausch, das verzückende Element, das den Zuhörer in diese irre Welt hineinzieht und ihn wie in einem (alp)traumhaften Zeichentrickfilm als Pingpong-Ball von Thema zu Thema donnert.

Im Übrigen gibt es eine weitere, exzellente Parallele, die in der Historie der Band bereits einige Male zu erkennen war: zu Gentle Giant. Es ist diese außerliedhafte, verkopft agierende, musisch geniale Musiksprache, dieses fröhliche Gebirgsfelsenpingpong, das leicht wie Federball ins Ohr geht.

Glaubt ihr nicht? Hört doch selbst!

Anspieltipp(s): vorne anfangen, hinten aufhören, vorne anfangen...
Vergleichbar mit: King Crimson, Gentle Giant, Henry Cow, Univers Zero in fröhlich
Veröffentlicht am: 6.7.2017
Letzte Änderung: 6.7.2017
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Miriodor

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1988 Miriodor 9.00 1
1991 3rd Warning 9.00 1
1995 Jongleries Elastiques 12.00 1
1998 Rencontres 11.00 1
2001 Mekano 12.00 1
2005 Parade 11.50 2
2009 avanti! 12.33 3
2009 Live 89 9.00 1
2013 Cobra Fakir 12.50 2

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