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Weserbergland

Sehr Kosmisch, Ganz Progisch

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Krautrock; RetroProg; Spacerock
Label: Apollon Records
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Ketil Vestrum Einarsen Flute, Clarinet, Keyboads, Guitars, Samples, Programming, Voice
Gaute Storsve Guitars, Bass
Jacob Holm-Lupo Bass, Guitar, Programming
Mattias Olsson Drums, Percussion, Electric Sitar
Tetsuroh Konishi Trumpet
Lars Horntveth Sax
Erik Johannessen Trombone
Brynjar Dambo Synthesizer
Roger Langvik Effects
Einar Baldurson Guitar
Lars Fredrik Frøislie Synthesizer, Clavinet
Stephen James Bennet Piano, Synthesizer

Tracklist

Disc 1
1. Tanzen Und Springen 9:44
2. Das Trinklied vom Jammer der Erde 15:42
3. Die Kunst Der Fuge 12:02
4. Tristrant 8:48
Gesamtlaufzeit46:16


Rezensionen


Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 1 von 2)


Wenn eine Band, besser: ein Bandprojekt, WESERBERGLAND heißt, kommt es natürlich aus...

... genau: Skandinavien!

Ganz richtig. Die Schönheit der norwegischen Fjorde hat ja durchaus eine gewisse Nähe zum Weserbergland. „Sehr kosmisch, ganz progisch“ ist das Projekt von Ketil Vestrum Einarsen (White Willow, Jaga Jazzist), der durch seine ganz subjektive Brille einen Blick auf die Siebzigerjahre Krautrockszene wirft und diese mit seinen ganz persönlichen Kompositionen würdigt. Nun bin ich wahrscheinlich der schlechteste Partner in Bezug auf die Krautrockszene. Mir erscheint jene immer etwas befremdlich und ich tue mich damit schwer, Musik dieser Richtung einzuordnen. Irgendwie passt da oft vieles nicht in mein Hörverständnis. Wahrscheinlich habe ich andererseits schon so viel Krautrock gehört, ohne es als solchen zu etikettieren. Also, was solls, ich versuch mich mal an der Musik von Weserbergland.

Diese klingt ausgesprochen freundlich, zugänglich und in den vier überlangen Kompositionen passieren herrlich viele Dinge, die mich nachdenklich machen, ob ich mich doch mal näher mit der Krautrockszene beschäftigen sollte. Später dann.

Diese Scheibe ist Ketils erstes Projekt als Bandleader. Da er schon auf unzähligen Alben mitgewirkt hat, nutzt er sein Netzwerk natürlich, um exzellente Musiker um sich zu scharen. Mattias Olsson von Änglagård sei da mal zu nennen, Gaute Storsve und Jacob Holm-Lupo von White Willow. Auch dabei sind weitere Musiker von Jaga Jazzist, Wobbler, Henry Fool usw., die in Gastauftritten mitwirken. Den Großteil der Instrumente spielt Ketil selbst. Als Komponist legt er enormen Wert darauf, viele Ideen in schlüssigen Kompositionen unterzubringen. Und das gelingt ihm ausgesprochen gut. Nahezu jede Tonspur ist vollgepackt mit Musik, technisch bedient sich der Gute an modernen Instrumenten und reproduziert hochwertig alte Klangmuster. Wie auf der Bandcamp Seite des Projekts beschrieben, hat man die Simplizität des Krautrock mit schier überbordender Technik und zeitgemäßen Klängen zusammengeführt.

Ein fröhlich, sphärisches Album ist dabei entstanden. Spacige Synthesizer und flirrende Gitarren begegnen einer geradlinig anspruchsvollen Rhythmik und werden durch den Einsatz von Flöte, Klarinette und Keyboards begleitet. Verzeiht mir, wenn ich keine Vergleiche zu Szenebands stricken kann, ich bin schlicht unwissend. Vielleicht ist das ja aber genau deshalb ganz gut. Für mich als Unwissenden klingt das nämlich sehr spannend und hat was atmosphärisch Dichtes, das mich auf eine schwerelose Reise mitnimmt und mich emotional einfängt. Die überlangen Kompositionen im Detail zu beschreiben würde hier zu weit führen, ich möchte die Platte eher als ein Gesamtbild betrachten. Ein Kunstwerk, dass keine Einteilung braucht. Hört das Album von vorne nach hinten, Unterbrechungen sind hier überflüssig. Alles hier ist „sehr kosmisch, ganz progisch“. Perfekt umgesetzt, ausgesprochen gut.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.6.2017
Letzte Änderung: 24.6.2017
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Weserbergland? Der Begriff sorgt natürlich bei krautrock- bzw. elektronikerfahrenen Hörern für eindeutige Konnotationen. Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts ließen sich Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius auf einem alten Bauernhof in einem Kaff namens Forst nieder, welches in nämlichen Gebiet beiderseits der Weser liegt, im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Mit dem Weserbergland assoziiert man daher vorwiegend Musik von Projekten, an denen diese beiden Musiker beteiligt waren (Cluster, Harmonia und Liliental z.B.), bzw. die auf deren Soloalben zu findend war. Eine eher luftige, impressionistisch-verspielte Krautelektronik ist das, die bisweilen auch in etwas sperrigere und freiformatige Gefilde geraten kann, meistenteils aber eher entspannt und gutgelaunt aus den Boxen kommt, versehen oft mit einem gewissen skurrilen und bizarren Element.

Offensichtlich hat auch Ketil Vestrum Einarsen den Namen für sein Projekt dementsprechend gewählt, will er doch die auf "Sehr Kosmisch, Ganz Progisch" zu findende Musik als Hommage an den Krautrock der 70er verstanden wissen. Auch sonst verstecken sich hier einige Bezüge, z.B. in den Namen der Stücke. "Tanzen und Springen" ist der Titel eines Madrigaals des deutschen Komponisten Hans Leo Hassler, welches sich als Kinderlied bis in die heute Zeit erhalten hat. "Das Trinklied vom Jammer der Erde" ist der Titel des ersten Satzes von Mahlers "Lied von der Erde" und zu Bachs "Die Kunst der Fuge" ist wohl keine weitere Erklärung nötig. "Tristrant" schließlich ist der Titel der ersten überlieferten deutschsprachigen Bearbeitung des Tristan-Stoffes, die einem gewissen Eilhart von Oberg zugeschrieben wird. Was das mit der Musik zu tun hat? Eigentlich nichts. Weder von Hassler, Mahler oder Bach ist hier irgendetwas zu hören. Kosmisch wird es auf dem Album eigentlich auch nirgends. Und nach der krautelektronischen Weserbergland-Schule klingt die auf "Sehr Kosmisch, Ganz Progisch" zu findende Musik auch kaum (am ehesten noch im einleitenden "Tanzen und Springen"), dazu wird auch viel zu viel getrommelt.

Also, allzu krautig klingt diese Musik nicht. Vielleicht gefällt sie auch deshalb meinem Vorschreiber, der ja dem Krautrock ansonsten eher skeptisch gegenüber zu stehen scheint. Dazu fehlt das hypnotisch-treibende Element, die experimentelle Sperrigkeit, die skurrile Seltsamkeit, die nicht nur heutzutage viele Retrokraut-Produktionen auszeichnen (man höre z.B. den exzellenten Erstling der skandinavischen Kollegen von Walrus - auch mit Olsson). Wie klingt es dann? Ja, eigentlich klingt es so, wie man es von einem Album mit der hier zu findenden Besetzung eher erwarten würde: Hymnisch-symphonisch, retro, manchmal fast neoprog-artig (man höre "Kunst der Fuge"), und tastenlastig-elektronisch, versehen mit gelegentlichen, fast spacigen Gitarrenausflügen. Einen retro-modernen Prog mit skandinavischer Atmosphäre bietet "Sehr Kosmisch, Ganz Progisch", gelegentlich angereichert mit jazzigen Abschweifungen und einigen freiformatig-elektronischen Einlagen, denen man schon eine gewisse krautige Geistesverwandtschaft zubilligen kann.

Gut? Ja, das ist weitestgehend sehr gelungen, bis auf die arg stumpfsinnigen Schlagwerkmuster im abschließenden "Tristrant". Dafür kommen hier Sax und Trompete zum Einsatz, was zusammen mit diversen Beeps und Klonks der Nummer stellenweise einen seltsamen Post-Jazz-Charakter verleiht. Also, wer hier "typischen" Retro/Neo-Krautrock erwartet, wird enttäuscht werden. Einen interessanten, reich instrumentierten, farbigen und durchaus eigenen Prog gibt es aber trotzdem auf die Ohren.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.7.2017
Letzte Änderung: 16.12.2017
Wertung: 11/15

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