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Koen De Bruyne

here comes the crazy man!

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974 (CD-Reissue 2015, sdban)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion
Label: Vogue
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Koen De Bruyne Piano, E-Piano, Synthesizer
Richard Rousselet Trumpet, Bugle, Electric Trumpet
Gerard Sabbe Trumpet
Yvan De Souter Bass
Jean-Pierre Onraedt Drums, Percussion, E-Percussion

Gastmusiker

Adelson Defrise Flute (Track 4)
Firmin Timmermans Bongos (Track 4)
Patricia Maessen Voice (Track 3)

Tracklist

Disc 1
1. And here comes the crazy man 5:31
2. The silver eye was born 12:07
3. Pathetic dreams 9:04
4. Unanswered question 5:58
Gesamtlaufzeit32:40
Disc 2
1. Games #1   (Bonus-CD) 5:23
2. Games #2 8:23
3. Games #3 10:43
4. Improvisation #1 4:50
5. Improvisation #2 6:26
6. Improvisation #3 5:14
7. Improvisation #4 3:31
Gesamtlaufzeit44:30


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Koen De Bruyne, der jüngere Bruder des in Belgien sehr bekannten Sängers Kris De Bruyne, wurde 1946 geboren und war seit den späten 60er Jahren als Keyboarder in belgischen Jazz, Pop und Rock-Kreisen sehr aktiv, als Session- und Tourneepianist meist, aber auch als Produzent und Komponist.

Irgendwann in der Mitte der ersten Hälfte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts beschloss De Bruyne ein eigenes Projekt zu starten. Das Ergebnis war das 1974 erschienen Album "here comes the crazy man!", zu dessen Aufnahme der Belgier u.a. Richard Rousselet, Jean-Pierre Onraedt und Yvan De Souter von Placebo ins Studio gebeten hatte. "here comes the crazy man!" sollte auch schon das letzte Rockalbum De Brynes bleiben. 1978 erschien zwar noch die Solo-LP "In Kluis" mit elektronischer Soundtrackmusik zum gleichnamigen Film, doch war er da schon nicht mehr am Leben. De Bruyne starb im Sommer 1977 mit nur 31 Jahren.

2015 wurde "here comes the crazy man!" erstmals auf CD wieder aufgelegt. Das mit Mini-LP-Klappcover versehene Reissue des Labels sdban kommt als Doppel-CD, welche das originale Album auf CD1 beinhaltet, während auf der zweiten Scheibe allerlei unveröffentlichtes Archivmaterial zu finden ist. Der Klang ist sehr gut, nur ist an den leiseren Stellen der ersten CD immer ein leichtes Grundrauschen zu hören.

Ein komplexer, funkig-bläserlastiger Jazzrock kommt hier aus den Boxen, der allerdings deutlich von De Brynes Tastenarbeit (Piano, E-Piano und Moog) geprägt ist. Von der druckvollen Rhythmusabteilung verspielt voran getrieben jazzen und rocken sich De Bryne und Mitmusiker durch die ausgedehnten Nummern, solistisch geprägt meist von Trompetenklängen (bisweilen effektverfremdet) und dem perlenden Piano, dicht verwoben und klanglich verziert aber oft mit allerlei Elektronischem. In "Pathetic dreams" gibt es zudem etwas textlosen Gesang. Klassisch-brassrockig-jazzig ist diese Musik, erinnert dabei an die Tonkreationen der Kollegen von Placebo, bietet ein klangvolles Gemenge aus Jazz, Brass und Rock, ist dabei aber erstaunlich kantig, komplex und proggy ausgefallen. Die vielleicht beste Nummer der Scheibe ist das abschließende, von der Querflöte geprägte, schwungvoll-dynamische "Unanswerde Question"; quasi das Destillat dieses Funk-Jazzprogs. Klasse!

Das Bonusmaterial auf der zweiten CD bietet zweierlei. Einmal sind da drei Stücke zu finden, die Bruder Kris im Familienarchiv aufgestöbert hat, und die 1976 entstanden sind. Die drei Nummern von "Games" bieten, bei leicht muffigem Sound, eine vom Piano dominierte Musik, irgendwo im Grenzgebiet von moderner Klassik und Jazz(rock), versehen mit allerlei Chorgesang, streicherartigen Sounds, ein Schuss Symphoprog und jazzigem Gejamme. Das wirkt etwas unausgegoren und unfertig, was es vermutlich auch war, hatte De Bruyne die Musik wohl nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Zum Abschluss gibt es noch vier Solopiano-Improvisationen zu hören, impressionistisch-jazzig-ausladend, sehr virtuos und klangvoll. Nett.

"here comes the crazy man!" ist ein rundum gelungenes Album mit komplexem 70er-Jahre-Jazzrock aus Belgien, welches sich Liebhaber solcher Musik (vielleicht auch Freunde des bläserlastigeren Canterburysound - Nucleus, Soft Machine) nicht entgehen lassen sollten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.7.2017
Letzte Änderung: 9.7.2017
Wertung: 11/15

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