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Judge Smith

Requiem Mass

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Moderne Klassik; Rock / Pop / Mainstream; sonstiges
Label: Masters Of Art
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Nigel Richards Bariton
James Pusey Gitarre
John Ellis Gitarre
Daffyd Lewis Bass
Chris Maitland Schlagzeug
Jon Behncke Trompete
Hans Øtund Lunde Trompete
Håvard Sannes Posaune
Chris Dudley Posaune
Ricardo Odriozola Dirigent (Bläser)
Matt Whittington Percussion
Crouch End Festival Chorus Chor
David Temple Dirigent (Chor)

Tracklist

Disc 1
1. Introit 4:50
2. Kyrie 1:46
3. Tract 3:00
4. Dies Irae 7:39
5. Offertory 1:35
6. Sanctus 3:51
7. Agnus Dei 3:24
8. Communion 1:27
9. Amen 2:55
Gesamtlaufzeit30:27


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Die bislang aktuellste Veröffentlichung von Judge Smith ist dem Vernehmen nach die Realisierung eines lange gehegten Plans: Smiths "Requiem Mass" war eigentlich bereits von 1973 bis 1975 in Zusammenarbeit mit einem gewissen Michael Brand komponiert worden und wurde damals sogar in gedruckter Form verlegt. Zu einer Aufführung oder Aufnahme kam es dagegen nicht, wobei Smith in seinen wie üblich ausführlichen Ausführungen zum Hintergrund gar Andrew Lloyd Webber beschuldigt, mit seinem eigenen "Requiem" aus dem Jahr 1985 vergleichbaren Projekten, in denen ein Requiem mit Rock- und Musical-Mitteln inszeniert wurde, das Wasser abgegraben zu haben. Erst um 2010 herum kam durch die Mitwirkung des bereits von "The Climber" bekannten Ricardo Odriozola wieder Bewegung in die Sache. Smiths "Requiem" wurde überarbeitet und mit zusammengesuchten Musikern, darunter erneut Veteranen wie John Ellis, dann ab Oktober 2015 aufgenommen (was sich dann noch letztlich bis zum Sommer des Folgejahres hinzog, aber das ist eine andere Geschichte).

Judge Smith scheint hiermit also erneut einiges bewegt zu haben. Wie klingt nun das Ergebnis dieser Anstrengungen? Das sollte man vielleicht mal wieder ausgehend davon beurteilen, was hier zusammenkommt. Einerseits haben wir hier den Chor, Nigel Richards als Solisten, Bläser und Orchesterpauken. Die andere Seite besteht dann aus einer klassischen Rockband (samt John Ellis), und im Hinterkopf sollte man natürlich noch haben, dass Struktur und Libretto eines Requiems natürlich im Wesentlichen vorgegeben sind. In dieser Konstellation läuft die Frage, welche Qualitäten "Requiem Mass" hat, damit eigentlich auf zwei Punkte hinaus: Wie ist der "klassische" Anteil der Musik beschaffen, und wie wird nun die Rock-Komponente hier integriert? (Dass letzteres in dieser Hierarchie erfolgt und nicht etwa umgekehrt, liegt natürlich auf der Hand - ein Requiem ist nun mal vorwiegend ein chorales Werk.)

Im ersten dieser beiden Aspekte überrascht Smith sowohl in Komposition als auch bezogen auf die Aufnahme positiv. Der Chor singt die bekannten Texte überwiegend in prägnanten, rhythmischen Melodien, die interessant geführt sind. Im "Introit" geht es zu fanfarenartiger Begleitung aufsteigend nach oben und erst in Passagen, in denen der Chor alleine agiert, wieder herunter. Auch "Tract" und vor allem das "Dies Irae" sowie "Offertory" überzeugen mit schönen Harmonien und einem Gegensatz aus polyphonen und homophonen Stimmen. Auf der anderen Seite sind auch die Soloeinsätze für Richards hörenswert und erhalten, auch wenn der Schwerpunkt jeweils auf dem Chor liegt, ihr eigenes Gewicht. Die Bläser wiederum spielen eine eher untergeordnete Rolle, sonderlich in Erscheinung treten sie hauptsächlich mit den Fanfaren in "Kyrie", einigen markanten, strukturierend eingesetzten, später gar zu einer Satz-Passage ausgewalzten Motiven in "Dies Irae" und dann noch mal in "Communion", das im Wesentlichen zwar eine Reprise des "Introit" darstellt, dabei aber eben die Trompeten verstärkt.

Fehlt also noch die rockige Komponente. Hierzu muss festgehalten werden, dass die versammelte Band eigentlich gar nicht so außergewöhnlich agiert und faktisch sogar eher mainstreamig spielt. "Introit" unterlegt man jedenfalls mit einem rockigen, leicht stampfigen Rhythmus, "Dies Irae" abseits der Trompetenmotive mit einem Boogie, "Offertory" gar mit einem 6/8-Blues à la "Only You" und im Mittelteil von "Sanctus" taucht schließlich das Riff aus Deep Purples "Into The Fire" auf. Hier fragt man sich gelegentlich, inwiefern die klassische und die rockige Komponente tatsächlich miteinander verknüpft sind. Umgekehrt allerdings gibt es auch Momente, in denen beides sehr wohl miteinander interagiert. Das betrifft insbesondere den Anfang von "Sanctus", der mit einem Wechsel von A- und E-Gitarren, Bläsern, später dann Chor, Richards, nochmals Gitarren und Glockenschlägen eine sehr bewegte Mischung mit Gentle-Giant-Anklängen ergibt. "Dies Irae" wiederum erinnert im Mittelteil mit Wechselbass-Rhythmus und dem Chor dazu an Klassik-Crossover-Vorreiter wie Therion ("Land Of Canaan"), und der schöne Chor hat zum leicht schmalzigen Blues von "Offertory" wiederum eine regelrecht verblüffende Wirkung.

Starke bis sehr starke Momente, die sehr für eine gelungene Integration von Rock-Elementen in einen klassischen Hintergrund sprechen, hat "Requiem Mass" somit zweifelsohne. Nicht verschweigen möchte ich allerdings, dass die Kombination abseits davon zeitweilig allerdings doch Befremden auslösen kann. Das liegt einerseits daran, dass der Rock-Part mit seinen eher simplen Riffs und trockener Produktion ohnehin teils ein wenig hölzern tönt, mehr noch aber daran, dass - und das war ja eigentlich nicht anders zu erwarten - sämtliche Bewegung und Entwicklung der Musik wiederum vom Chor ausgeht. Deshalb gibt es dann eben einige Abschnitte, in denen die Band zwar vor sich hinrockt und dabei, da sich aber sonst nichts tut, buchstäblich in der Luft hängt und die Musik nicht von sich aus in Gang zu setzen vermag. Das wiederum wäre dann eben auch eine heikle Stelle dieser Herangehensweise an den Versuch eines Rock-Requiems.

Uneingeschränkt empfehlenswert ist "Requiem Mass" somit also nicht, denn die Verbindung eines klassischen Requiems mit Rockmusik als am ehesten ausgestelltes Merkmal dieses Albums gelingt nicht durchgängig. Dennoch finde ich, dass man Smith für seine Beharrlichkeit, nach 40 Jahren endlich dieses Werk zu einem einigermaßen gelungenen Abschluss gebracht zu haben, Respekt zollen sollte. Das scheint ja eine regelrechte Herzensangelegenheit gewesen zu sein.

Anspieltipp(s): Dies Irae, Offertory
Vergleichbar mit: was den Rock angeht, liegt's irgendwo zwischen Gentle Giant und "Only You"
Veröffentlicht am: 4.8.2017
Letzte Änderung: 4.8.2017
Wertung: 9/15
Wie erwähnt, Klassik und Rock hängen leider nicht immer eng aneinander

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Judge Smith

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 Curly's Airships 12.33 3
2005 The Full English 10.00 1
2006 Live in Italy 2005 8.00 1
2009 The Climber 11.00 1
2011 Orfeas 11.50 2
2013 Zoot Suit 12.00 1

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