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Pekka Pohjola

Urban Tango

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1982
Besonderheiten/Stil: Folk; HardRock; Jazzrock / Fusion; RetroProg
Label: Rockadillo Records
Durchschnittswertung: 15/15 (1 Rezension)

Besetzung

Pekka Pohjola bass, keyboards, viola, cello
Peter Lerche guitar, mandolin
T.T. Oksala guitar
Jussi Linki keyboards
Leevi Leppanen drums

Gastmusiker

Kassu Halonen guest vocals on Urban Caravan
Eesa Kartamo guest vocals on Silent Decade

Tracklist

Disc 1
1. Imppu´s Tango 9:23
2. New Impressionist 15:21
3. Heavyy Jazz 10:47
4. Urban Caravan 11:47
5. Silent Decade 4:13
Gesamtlaufzeit51:31


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Multi-Instrumentalist Pekka Pohjola ist leider mittlerweile verstorben. Er wurde durch seine Arbeit mit Mike Oldfield einem größeren Publikum bekannt. Weitere Projekte gab es mit Pierre Moerlen und der Jukka-Tolonen-Band. Seine Werke sind als Langspielplatte vergriffen, aber als CD-Re-Releases erhältlich. Der Name Urban Tango ist eine Kombination der federführenden Longtracks Imppu´s Tango und Urban Caravan.

Das finnische Bass-Genie nimmt uns an die Hand und führt uns auf eine Reise durch unbekannte und mystische Weiten Skandinaviens. Das Studioalbum erweist sich als eigenwillige Mixtur aus JazzRock, Hardrock und Folklore mit Streicherunterstützung. Ich wurde mit dieser Musik zu Beginn meiner Jazzphase (mit v.a. George Duke, Chick Corea und den Crusaders) konfrontiert - nein - angefixt. Es fiel in die spannende Zeit des Erwerbs meines ersten polyphonen Synthesizers, eines Roland Juno 6. Klar, dass ich versuchte, einige Sounds und Harmonien so hinzubekommen, wie ich es dort gehört hatte.

Nach All-Music-Art wähle ich erstmal beschreibende Adjektive: Abwechselungsreich, dynamisch, eigensinnig, energisch, entrückt, episch, euphorisch, hymnisch, monumental, rätselhaft, schräg, sentimental, symphonisch, verschlungen, vertrackt.

Also, CD rein, Referenz-Kopfhörer auf und Augen zu (die Kombination Vinyl auf Hi-End-Plattenspieler mit solider Endstufe und offenen Augen soll auch gut funktionieren).

Da ich argwöhne, dass man zu diesem Album eine musikwissenschaftliche Diplomarbeit ablegen kann (heute heißt das ja „Master“), möchte ich mich in der Darstellung dieser komplexen Musik auf zwei Titel (Imppu´s Tango und The New Impressionist) beschränken. Ich werde dabei auf hilflose Weise unvollständig bleiben müssen.

Imppu´s Tango: Tango Argentino und Mandolinen, lateinamerikanische Modewelle und nordisch/folkloristische Abgeschiedenheit - gelingt diese Quadratur des Kreises? Natürlich, es gibt ja auch noch den Finnischen Tango. Pohjola bastelte dafür einen drolligen und verschachtelten Longtrack aus mehreren sehr unterschiedlichen Soundebenen. Nach dem graden Prolog in typischem tangomoll übernehmen zunächst zwei Saxophone und eine Mandoline die etwas burleske Melodieführung. Da die Taktbetonungen nicht auf den Vierteln liegen, sondern wild synkopiert werden, kann man das Tangotanzen vergessen und muss die Dame stehen lassen.
Harmonisch ist es dann auch nicht mehr dur oder moll, sondern der Intervall-Tisch ist reichlich gedeckt. Die Zwischenteile und Übergänge haben dann nichts mehr mit Tango zu tun, eher mit Jazzrock. Besonders gefallen mir die pointiert ausgearbeitete, aufsteigende Keyboardkadenz (sie endet in einer respektablen Disharmonie) und der folgende Songteil. Der stellt ein perkussives Synthesizer-Ostinato vor, das hinter wunderbaren sphärischen Klangflächen und bunt instrumentierten, unvorhergesehenen Wendungen variiert wird, abebbt und immer wieder erscheint. Zum Schluss kehrt der lustig-verschrobene Hauptteil noch einmal zurück, schließt den Kreis und lässt das Stück exakt dort enden, wo es begann.

Eine Kurzversion von Imppu´s Tango (3:40) ist damals auch als 17 cm Vinylsingle veröffentlicht worden, heute sicherlich ein seltenes und heißbegehrtes Sammlerstück (3:40), auf der B-Seite ist Silent Decade. Beide Versionen befinden sich auf dem CD-Sampler Space Waltz, zusammen mit zwei Titeln des Nachfolgealbums Everyman und fünf Neueinspielungen von 1985.

New Impressionist: Impressionistisch sind die vielen Klangfarben, analog zu einem pointillistischen Gemälde von Signac oder Seurat, in welchem der Betrachter ständig neue Details erkennt, je länger er hinsieht. Das ist Musik von einer herben, unergründlichen Schönheit zum vorübergehenden Wegtreten. Sie beginnt mit einem federleichten Gitarrenlick, begleitet von Klavierakkorden auf der „2“, so dass rhythmisch ein beschwingter two-step entsteht. Wie im vorausgehenden Tango (oder klassischer Musik allgemein) wird ein Thema durch allerlei tonale und klangliche Modifikationen verändert und erscheint dadurch fortwährend in neuem Licht, in neuen Farben. Die 16-tel Noten, auf dem Fretless-Bass gespielt, sind eine Spezialität des Komponisten.
Nach 4:10 kommen wir dann zum Hauptteil - und DA! Da haben wir´s! Pekka hat bei sich bei Pat Metheny´s Phase Dance (1978) bedient. Eindeutig, es ist dasselbe liebenswürdige Thema. George Harrison hat für so eine Nummer 1,6 Millionen Dollar auf den Tisch legen müssen - Pohjolas Plagiat ist zum Glück weitgehend unbekannt geblieben; der Finne macht allerdings wesentlich mehr daraus als der Mann aus Lee´s Summit, Missouri. Die geklaute Phrase erkundet ihre harmonischen Möglichkeiten durch sämtliche Register. Sie entwickelt sich zu voller Orchestrierung mit kreischenden Gitarren, wütenden Keyboards, blechernden Bläserchören und Schlagzeuggewitter, bevor wieder trügerische Ruhe eintritt. Das Arpeggio aus Piano und Synthesizerklingeln - mit einer perfekten Mischung aus Gleichförmigkeit, Metamorphose und chromatischer Reihung - hat eine nachhaltig suggestive Wirkung. Oldfield hat auf Tubular Bells in ähnlicher Weise (und doch ganz anders) mit den Themen gespielt, eine Erklärung dafür, warum die beiden Musiker so gut zueinander passten.
Der Meister setzt jetzt zu einem seiner markanten Fretless-Soli an, es dauert unglaubliche 224 Sekunden. Ein weiteres Mal schwingt sich die Komposition zu einem mitreißenden fortissimo auf, bevor der Sturm abebbt und keine Röhrenglocke, sondern eine Pianofigur das Finale einläutet. Dem Ticken eines Uhrwerks ähnlich wird angedeutet, dass die Zeit für dieses einzigartige Instrumental jetzt abgelaufen ist.

Heavy Jazz hält den bislang erreichten Standard mühelos, Urban Caravan ist eine Mischung aus Jazz und Hardrock mit coolen Screams (heißt heute ProgMetal), Silent Decade ein weiterer Titel mit Gastsänger, ist nicht auf der ursprünlichen LP gewesen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.8.2017
Letzte Änderung: 3.8.2017
Wertung: 15/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Pekka Pohjola

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1972 Pihkasilmä Kaarnakorva 12.00 1
1975 Harakka Bialoipokku 10.50 2
1977 Keesojen lehto 10.50 2
1979 Visitation 11.00 1
1980 Kätkävaaran Lohikäärme 10.00 1
1992 Changing Waters 9.00 1
1997 Pewit 10.00 1

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