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Trivalent

Norms And Values

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016 (Name-Your-Price-Download)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Mathrock; Moderne Electronica
Label: Dirac Records / Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Zachary Comito "Performance/Recording/Mixing/Mastering"

Tracklist

Disc 1
1. Metaethic

1. Part I: Moral Realism 6:26
2. Part II: Constructivism 6:33
3. Part III: Error Theory 8:08

2. Epistemic

1. Part I: Deduction 1:21
2. Part II: Induction 4:36
3. Part III: Abduction 3:11

3. Ethic

1. Part I: Deontology 7:24
2. Part II: Consequentialism 4:01
3. Part III: Virtue (Arete) 5:23

4. Aesthetic

1. Part I: Free Play of Imagination and Understanding 6:14
2. Part II: Similarity/Difference of Arrangement 7:41
3. Part III: Subjective Universality 6:19

Gesamtlaufzeit67:17


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Seit mehr als zwei Jahren legen Cloudkicker eine Pause ein - was soll man da noch tun? Einfache Antwort: Wenn von Ben Sharp keine neue eigene Musik mehr kommt, dann kann man zumindest mal nachsehen, was der Herr denn zur Zeit so empfiehlt. Und darunter findet sich neben hier schon bekannten Bands wie Odetosun oder Eschar unter anderem Zachary Comito mit seinem Projekt namens Trivalent und dessen Zweitalbum "Norms And Values". Die Parallelen sind natürlich offensichtlich: Auch Comito agiert ganz alleine und scheint sich ebenso wie Sharp für Djent-Progmetal zu interessieren.

Hier hört es dann aber auch fast schon wieder auf, denn im Klang gibt es doch einen gewaltigen Unterschied: Auf "Norms And Values" gibt es kaum echte Musikinstrumente zu hören, stattdessen stammt das meiste aus dem Keyboard bzw. Synthesizer, und diese Eigenheit führt dazu, dass die Musik von Trivalent dann doch teils ganz andere Wirkungen erzielt. Das liegt vor allem daran, dass die von Comito verwendeten Stimmen allesamt ziemlich klar sind. Gerne verwendet werden beispielsweise perkussive Sounds zwischen Xylofon, Gamelan und Glockenspiel, und wenn hiermit krummtaktige Motive (die bei solchen Sounds stets etwas von einer Sequenz an sich haben) erst vor- und dann polyphon nebeneinander gestellt werden, dann klingt das kaum nach Math-igem Progmetal, sondern mehr noch nach Jazz oder, wenn sich durch Konvergenzen einige herausragende harmonische Momente ergeben, dann gar nach barockem Kontrapunkt.

Das jedenfalls ist eine interessante Eigenschaft, die Comito auf "Norms And Values" recht effizient ausnutzt, was wiederum dadurch bedingt ist, dass sich die Musik kompositorisch wiederum eher den Genre-Konventionen verpflichtet zeigt. Üblich ist hierbei, dass am Anfang eines Stückes jeweils ein frickeliges, krummtaktiges Motiv vorgestellt und bald darauf von Bass und Schlagzeug begleitet und von weiteren Synth-Stimmen umspielt und verarbeitet wird. Im Folgenden wechseln sich dann jeweils gegenläufige Melodien mit dem Hauptmotiv ab, das aber in regelmäßigen Abständen immer wieder aufgegriffen wird. Die Musik bleibt bei sowas stets lebhaft, in Bewegung und gewinnt dadurch an Qualität, dass nie zu lange auf bestimmten Passagen verharrt wird, sondern sich schnellere, hektische Abschnitte regelmäßig, aber nicht überhastet mit längeren, geradezu hymnischen Momenten abwechseln.

Eigentlich wäre sowas - man könnte es als "16-Bit-Djent" umschreiben - eine gute Basis, um ein formidables und frisches Album zu erzeugen. Leider weicht Comito im Laufe von "Norms And Values" dieses Konzept aber stückweise wieder auf. Einerseits treten in späteren Teilen der offenbar durch philosophische Kategorien motivierten Song-Triaden tatsächlich doch noch echte, nicht per Synthesizer emulierte Gitarren auf den Plan. Das geschieht erstmals in "Abduction", wo noch nicht ganz klar ist, ob hier nicht doch synthetisiert wurde, aber ab den Teilen von "Ethic" wird klar, dass Comito tatsächlich zu diesem Instrument gegriffen hat (und im Rest des Albums kaum mehr davon lässt). Der Effekt dieser Einsätze ist allerdings meines Erachtens eher negativ: Einerseits beißen sich die nicht immer sauber und filigran gespielten "händischen" Stimmen mit der eiskalten, an Sterilität grenzenden Präzision digitaler Sequenzierungen, und andererseits driftet die Musik angesichts solcher Klänge ein Stück weit in Richtung Gewöhnlichkeit ab, verliert also an Eigenständigkeit. Schlagendes Beispiel hierfür ist "Virtue (Arete)", das direkt nach Long Distance Calling klingt.

Andererseits ist "Norms And Values" aber auch in seinen eigenständigeren Momenten nicht perfekt. Negativ zu vermerken sind beispielsweise einige laue, nicht wirklich mitreißende Pop-Fusion-Momente in der zweiten Hälfte von "Constructivism" und in "Similarity/Difference Of Arrangement", umgekehrt ist "Error Theory" mit seinen immerhin zum Titel passenden Hang zu Dissonanzen wesentlich schwerer zu schlucken als die Stücke drumherum. Sonstige kleinere Mängel: Das erwähnte "Virtue (Arete)" wirkt mit der von vielen unterschiedlichen Betonungen getriebenen Rhythmik etwas zu zerfahren, und das folgende "Similarity/Difference Of Arrangement" weist einige eher beliebig klingende Melodien auf. Solche Stolpersteine ziehen das Album dann letztlich in seiner Gesamtwirkung doch ein wenig nach unten. Vielleicht liegt es letztlich aber auch wieder daran, dass "Norms And Values" schlicht zu lang ist. Seine besten Momente reichen schließlich für gute 35-40 Minuten origineller, vitaler und somit hörenswerter Musik.

Anspieltipp(s): Free Play Of Imagination And Understanding, Constructivism
Vergleichbar mit: Den genannten Bands - aber eben im Elektronik-Sound. Weitestgehend.
Veröffentlicht am: 5.8.2017
Letzte Änderung: 4.8.2017
Wertung: 9/15
Für die angesprochenen besseren 35-40 Minuten wäre eine 11 drin

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