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Queen

Sheer Heart Attack

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974
Besonderheiten/Stil: ArtPop; HardRock; Melodic Rock / AOR; Rock / Pop / Mainstream; sonstiges
Label: Elektra
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Freddy Mercury piano, vocals
Brian May guitar, vocals, ukulele, banjo
John Deacon bass, upright bass, acoustic guitar
Roger Taylor drums, percussion, vocals

Tracklist

Disc 1
1. Brighton Rock 5:10
2. Killer Queen 3:00
3. Tenement Funster 2:47
4. Flick of the Wrist 3:19
5. Lily of the Valley 1:43
6. Now I’m Here 4:13
7. In the Lap of the Gods 3:22
8. Stone Cold Crazy 2:14
9. Dear Friends 1:07
10. Misfire 1:49
11. Bring Back That Leroy Brown 2:15
12. SShe Makes Me (Stormtrooper in Stilettos) 4:09
13. In the Lap of the Gods…Revisited 3:45
Gesamtlaufzeit38:53


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Queen - PROG?
Wo sind dann Uriah Heep, Foreigner, Toto und Van Halen? Scherz auf die Seite. Kollege Colling (ha, Alliteration!) bezeichnete Sheer Heart Attack als "ProgRock ohne Wenn und Aber“. Solche Statements lese ich gerne (keine Ironie!). Das beruhigt und nimmt dem Gegensatz Prog versus Kommerz, der unterschwellig immer wahrnehmbar ist, den kalten Hauch aus dem AOR-Segel.

Nun, dann will ich mal:

Auf der Suche nach dem Progfaktor

Was Prog ist, wurde in epischer Breite und chirurgischer Präzision beschrieben, oder jedenfalls versucht zu beschreiben. Zunächst einmal: Die dreizehn Songs auf Sheer Heart Attack sind radiotauglich (Brighton Rock mit Abstrichen, der ist 5:10 lang und enthält ein Gitarrensolo). „Radiotauglich“ ist ein Schimpfwort linksintellektueller Musikkritiker, denn Prog ist als Ideologie und musikalische Identität eine sehr ernstzunehmende Sache. Wenn er kurz und schlecht ist, dann ist er meistens radiotauglich.

Vgl. lieber nicht (es geht um Countrymusik, und die ist für mich auf jeeeden Fall radiotauglich): [Welche Musik ist radiotauglich?]

Das Radio ist nämlich (wie das Fernsehen vor allem) ein sinistres Verdummungsinstrument, mit dem sich massenseelige Herdenmenschen von erzkapitalistischen Oligopolen auf eine ökonomisch optimal verwertbare Geschmacksnorm reduzieren lassen. Das Geschäftsmodell ist simpel, erfolgreich und sieht folgendermaßen aus: Schlichte Musik für einfältige Zielgruppen. In Deutschland wird das zur Zeit durch den „Helene-Fischer-Effekt“ illustriert. Den großen Werbewert des Mediums haben mafiöse Strukturen in den USA schon Ende der 50er Jahre erkannt und mit viel Geld und „Fingerspitzengefühl“ die Playlists „modifiziert“ (Stichwort Payola).

Was hat das jetzt mit Queen zu tun? Nun, die standen eine Zeit lang immer ganz oben auf den Playlists……

Ich höre heute kein Radio mehr, früher war es für mich ein Tor zu unbekannten und gelegentlich subversiven Musikwelten (John Peel´s Music). John Peel spielte eher Einstürzende Neubauten als Queen. Und ich, ja ich verfolgte die Internationale Hitparade auf NDR2 mit Wolf-Dieter Stubel - „direkt vom Plattenteller“. So lernten wir Sheer Heart Attack kennen, durch den Evergreen Killer Queen (#2 in UK, #12 in den Billboard Hot 100 vom 24. Mai 1975, das war dann der kommerzielle, radiotaugliche Durchbruch auf dem größten Schallplattenmarkt der Welt).

Der Opener Brighton Rock ist progressiv, und zwar dermaßen, dass es eigentlich schon für die ganze restliche Platte langt. Das Intro besteht aus einer Kirmesszene, darin wird die Melodie eines Traditionals zitiert, mit der der Vorgänger Queen II endet (Seven Seas of Rhye), eine musikalische Verbindung nicht nur unterschiedlicher Songteile, sondern zweier unterschiedlicher Alben! Brian May installierte sein bereits bekanntes dreistimmiges Echoplex-Gitarrensolo erstmalig auf einer Studioaufnahme, es frickelt, dass die Funken aus dem Marshall fliegen.

Killer Queen, die erste Singleauskopplung, hat einen eindeutig zweideutigen Text über ein Luxuscallgirl. Der hervorstechende Song ist einerseits eine stilistische Kurzzusammenfassung der frühen Musik von Queen, andererseits ein Verweis auf das, was noch kommen sollte. Mercury´s Piano-Overdub ist gedoppelt, um einen schwebenden Klang zu erzielen, zwei unterschiedliche Basslinien ergänzen sich.

Die relativ kurzen Songs Tenement Funster, Flick of the Wrist, Lily of the Valley und Now I´m Here gehen ineinander über, was der dann 12:06 Minuten langen Sequenz den Charakter eines Longtracks gibt. Longtracks sind ein Prog-Indiz.

Auf Schallplattenseite zwei geht es weiter mit dem Medley: Das mystische In the Lap of the Gods hat merkwürdig klingende Vocals; für die Aufnahme von Mercury´s Gesang hat man das Band etwas schneller laufen lassen, der alte George-Martin-Trick von Strawberry Fields (nur der musste damit die Takes retten). Die hohen Passagen steuerte Roger Taylor in bester David-Byron-Tradition bei. Stone Cold Crazy ist ein früher Speed-Metal-Track und wurde von Metalbands später gern mal für eine Coverversion hervorgeholt.

Dear Friends und Misfire sind Lückenfüller, die sich aber ganz gut in das variationsreiche Konzept einfügen, ebenso die Countrysatire Bring Back That Leroy Brown. Vor der abschließenden Reprise von Lap..., einer typischen Mercury-Operette, kommt mit She Makes Me der beeindruckendste Song des Albums: Eine brillante, psychedelische Rockballade von Brian May, die zum Ende geradewegs ins Chaos führt. Tonale Disharmonie, Sirenen, schwere Atemgeräusche - wir werden Ohrenzeugen der überraschenden Herzattake, womöglich verursacht von der fatalen stormtrooper in stilettos, von der dieser ambivalente Song handelt.

Wie auch beim großartigen Nachfolger A Night at the Opera werden verschiedene Musikrichtungen von Heavy Metal über Singer/Songwriter-Pop bis zu Vaudeville und Music Hall zu einem geschlossenen Ganzen zusammengefügt. Prog ist vorhanden, er ist über die ganze Scheibe verteilt; wie deutlich er erkennbar ist, wird immer strittig bleiben. Aber zweifellos leistete Sheer Heart Attack einen wichtigen populärmusikalischen Beitrag in einer Zeit, die - zumindest für Radiohörer - von dilettantischem Bubblegum und hysterischem Glam-Rock gekennzeichnet war.

Anspieltipp(s): Killer Queen, She makes Me, Brighton Rock
Vergleichbar mit: A Night at the Opera, A Day at the Races, usw.
Veröffentlicht am: 4.8.2017
Letzte Änderung: 4.8.2017
Wertung: 9/15
Als Rockalbum 12

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Queen

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1974 Queen II 10.00 2
1975 A Night at the Opera 11.50 2
1980 Flash Gordon 9.00 1
2014 Live at the Rainbow '74 9.00 1

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